Sprengel Hannover, KK Burgdorf | Patrozinium: Martin | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich wird das Dorf erstmals im Jahre 1234 als Sifrideshusen erwähnt.1 1349 verpfändeten Günther und Huner von Bartensleben dat Dorp to Syverdeshusen an die Brüder Heinrich und Johannes von Schwicheldt.2 Bis ins 19. Jh. hinein besaßen die Herren von Schwicheldt das Dorf als hildesheimisches Lehen und hatten über einen Teil der Einwohner auch die örtliche Gerichtsbarkeit. Es war jedoch umstritten, wie weit die Befugnisse dieses Patrimonialgerichts reichten (Niedergerichtsbarkeit, Kriminalgerichtsbarkeit).3 Der Ort zählte im 14. Jh. zum Mey4 und gehörte später zum Amt Meinersen des Fsm. Lüneburg (16. Jh., Vogtei Uetze). Nahe des Ortes trafen 1553 im Zweiten Markgrafenkrieg die Heere des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach und die des Kfs. Moritz von Sachsen aufeinander; aufseiten des Kfs. stand u. a. auch Hzg. Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel. In dieser Schlacht von Sievershausen starben mehr als 4.000 Menschen, der siegreiche Kfs. Moritz erlag zwei Tage nach der Schlacht seinen Verletzungen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Sievershausen 1641 von schwedischen Truppen überfallen. Von 1810 bis 1813 war Sievershausen Teil des Kantons Uetze im Distrikt Celle des Departements Aller im Kgr. Westphalen. Danach gehörte das Dorf wieder zum Amt Meinersen, nun im Kgr. Hannover, und kam 1852 mit den übrigen Dörfern der Vogtei Uetze zum Amt Burgdorf. Nach der Annexion Hannovers 1866 wurde das Dorf preußisch und kam 1885 zum neugegründeten Lkr. Burgdorf. 1928 wurden die beiden Orte Ambostel und Röddenserbusch eingemeindet. 1970 schloss sich Sievershausen mit Arpke, Immensen, Schwüblingsen, Oelerse und Röhrse zur Samtgemeinde Arpke zusammen und 1974 wurde Sievershausen Ortsteil der Stadt Lehrte. Der Ort büßte damit nach dem Verlust seiner kirchenpolitischen Stellung (1965 Aufhebung des Kirchenkreises Sievershausen) auch seine kommunalpolitische Eigenständigkeit ein. Das Haufendorf hatte 1685 gut 200 Einwohner und 1885 etwa 400. Nach den Eingemeindungen lag die Einwohnerzahl 1929 bei etwa 1.000, nach Ende des Zweiten Weltkrieges bei rund 1.900 und 2015 bei knapp 2.400. Sievershausen war lange Zeit landwirtschaftlich geprägt und hat heute einen hohen Pendleranteil.

Kirche, Ansicht von Süden

Kirche, Ansicht von Süden

Sievershausen war im Mittelalter Sitz eines Archidiakonats der Diözese Hildesheim, allerdings ist kein Archidiakon namentlich bekannt. Im Spätmittelalter wurde Sievershausen mit dem Archidiakonat Schmedenstedt verbunden. Um 1481 zählten die Orte Burgdorf, Eddesse, Edemissen, Eickenrode, Obershagen, Kirchhorst, Steinwedel, Uetze und Wettmar zum Archidiakonat Sievershausen.5 Seit 1723 war Sievershausen Sitz einer Superintendentur und knüpfte damit gleichsam an die alte Archidiakonatstradition aus vorref. Zeit an. Zur Inspektion zählten anfangs die Kirchspiele Berkum, Eddesse (mit Dedenhausen), Edemissen (mit Abbensen, Alvesse, Blumenhagen, Eixe, Plockhorst, Voigtholz und Wehnsen), Eltze (mit Eickenrode), Hänigsen, Meinersen, Päse (mit Ahnsen und Seershausen), Stederdorf, Uetze und Wipshausen (mit Rietze), später fielen Berkum, Eixe, Hänigsen und Uetze weg. Die Inspektion (seit 1924 KK) bestand bis 1965.6
Ältestes Zeugnis der Sievershäuser Kirchengeschichte ist das Kirchengebäude. Bauhistorische Untersuchungen haben 1952/53 gezeigt, dass die Anfänge des Baus bis in das 11. oder sogar 10. Jh. zurückreichen; Mauerwerksreste aus dieser Zeit finden sich noch in der Nordwand des Kirchenschiffs. Der erste namentlich bekannte Ortspfarrer war der 1243/46 erwähnte Henricus sacerdos de Syverdishusen, 1296 lässt sich ein Arnoldus dictus Woltmam plebanus in Siverdeshusen nachweisen.7 Ernst I., seit 1521 Fs. von Lüneburg, betrieb seit 1527 die Einführung der Reformation in seinem Fsm. (Landtag in Scharnebeck). Das in diesem Jahr gedruckte Artikelbuch diente dabei, obwohl die Landstände es abgelehnt hatten, als Leitfaden.8 Die Pfarren des Fsm. ließ Ernst bis 1543 planmäßig visitieren, 1564 erschien die erste KO für das Fsm. Lüneburg.9 Im Lüneburger Pfründenregister von 1534 sind die KapG aufgelistet, die seinerzeit zum Ksp. Syverßhusenn gehörten „1 Capelle tho Dolberghe, 1 Capelle tho Swubling, 1 Capelle tho Olres, 1 Capelle tho Arpke, 1 Capelle tho Bortze.“10 Das Pfründenregister nennt mit P. Johannes Harden (amt. etwa 1534-1554) auch den ersten luth. Pfarrer von Sievershausen. Er war zuvor Amtmann in Peine gewesen. Kurz vor Ende seiner Amtszeit wurden 1553 die Eingeweide des in der Schlacht von Sievershausen tödlich verletzten Kfs. Moritz von Sachsen in der Sievershäuser Kirche unter dem Taufstein beigesetzt. Auf P. Harden folgte zunächst sein Sohn Georg (amt. 1554-ca. 1600) und dann sein Enkel Vincentius (amt. 1600-1602/03). Aus dem Jahr 1555 sind die ältesten Kirchenrechnungen des Ortes überliefert (Rekenschoff der Olderlüde der Kerken to Sivershausen)11, das erste Schulhaus ließ die Gemeinde 1585 bauen, ein neues Pfarrhaus 1604. In die Amtszeit von P. Johannes Vahlenkamp (amt. 1663-1695) fiel die Vergrößerung der Kirche, bei der das Schiff nach Süden verbreitert und die Wände erhöht wurden. Eine lateinische Inschrift erinnert an den Umbau. Auf dem im frühen 17. Jh. entstandenen Gemälde der Schlacht von Sievershausen, das heute in der Turmhalle hängt, ist erkennbar, wie die Kirche vor der Erweiterung etwa aussah.
P. Joachim Elias Fricke (amt. 1696-1724) war seit 1723 erster Sup. der neuen Inspektion Sievershausen. Im Jahre 1814 erhielt der Ort eine zweite Pfarrstelle – „Denn der Geschäfte des Superintendenten war wegen der Zunahme des Schreibwesens allmählich immer mehr geworden.“12 Einige Jahre später begannen die Arbeiten an der nächsten Vergrößerung der Kirche. Sie wurde in östlicher Richtung verlängert und erfuhr eine Umgestaltung des Innenraums: die Grabsteine der Sievershäuser Pastoren wurden entfernt und die monumentale Kanzelaltarwand, die an eine antike Tempelfassade erinnert, errichtet. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche dann 1870/71, als der Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) das Obergeschoss und den hohen Dachreiter auf den Kirchturm aufsetzte. Gleichzeitig ließ er auch den Innenraum neu ausmalen.
Der Inhaber der zweiten Pfarrstelle, P. Georg August Ferdinand Raven (amt. 1855-1876) gab sein Amt aus Protest gegen das neue Traugesetz der Hannoverschen Landeskirche auf, das wegen der 1874 in ganz Preußen eingeführten obligatorischen Zivilehe nötig geworden war. P. Raven starb bereits 1877, aber viele Besucher seiner Betstunde (die er auch in Immensen veranstaltete) schlossen sich der Hermannsburger Separation an. Um 1883 erbauten sich die Separierten eine kleine Kirche in Arpke.13
Mit Sup. Felix Rahn (amt. als P. 1909-1920, als Sup. 1920-1945) tat während der NS-Zeit ein überzeugter Anhänger der DC Dienst in Sievershausen. P. Heinrich Nordhausen (amt. 1927-1934), Inhaber der zweiten Pfarrstelle, stand ebenfalls auf Seiten der DC. Sup. Rahn war 1931 in die NSDAP eingetreten, 1933 in SA und DC und gehörte zum Führerrat der DC in Hannover. 1935 setzte der DC-dominierte Kirchensenat Landesbischof August Marahrens ab und wählte an seiner Statt Felix Rahn.14 Im folgenden Rechtsstreit entschied das Oberlandesgericht Celle im März 1935 jedoch zugunsten Marahrens; bereits im November 1934 hatte die Kirchenleitung Rahn die Leitung der Inspektion Sievershausen entzogen. Visitationen der Kirchengemeinde fanden zwischen 1928 und 1947 nicht statt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs beantragte Sup. Rahn aus gesundheitlichen Gründen seine Emeritierung zum 1. Oktober 1945. Das Außerordentliche Kirchengericht15 entfernte ihn 1947 aus dem Dienst der Landeskirche und kürzte seine Ruhebezüge um zwei Drittel.16 Die KG Sievershausen richtet daraufhin eine Eingabe an den Disziplinarsenat, die „von ca. 93 bis 98% der Mitglieder unserer Kirchengemeinde in den einzelnen Ortschaften unterschrieben“ worden war und forderte darin die Aufhebung des Urteils. Es handele sich um eine „harte und ehrenrührige Maßnahme“, die in der Gemeinde eine „tiefe Empörung“ hervorgerufen habe.17 Der Einspruch hatte Erfolg und der Disziplinarsenat korrigierte das Urteil einige Monate später: P. Rahn wurde lediglich aus dem Amt der Landeskirche entlassen (d. h. er durfte weiterhin kirchliche Amtshandlungen vornehmen) und erhielt die Hälfte des Ruhegehalts.18

Kirche, Ansicht von Südosten, Zeichnung, Alfred Brecht, 1950

Kirche, Ansicht von Südosten, Zeichnung, Alfred Brecht, 1950

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges versah ein Ostgeistlicher das Pfarramt in Sievershausen. Seit Mitte der 1960er Jahre wirkten mit P. Hans Dunkhase (amt. 1965-1972) und P. Klaus Rauterberg (amt. 1966-1990) zwei Pastoren in Sievershausen, deren politisches und besonders friedenspolitisches Engagement zu Spannungen und Auseinandersetzungen innerhalb der Gemeinde führte.19 Zeitweise verweigerte der KV die Zusammenarbeit mit den beiden Pastoren, Anlass dafür war „die Teilnahme am Ostermarsch 1968 mit dem Leichenwagen der Kirchengemeinde.“20 Bei der Visitation 1969 sagten die Kirchenvorsteher jedoch zu, „tendenziösen Gerüchten“, wie die „Pastoren in Sievershausen seien Kommunisten“ in der Öffentlichkeit entschieden entgegentreten zu wollen.21 Als das Landeskirchenamt P. Rauterberg 1975 schließlich einen Verweis erteilte – er hatte im Talar an einer Demonstration in Hannover teilgenommen – stellten sich die Kirchenvorsteher dann klar hinter ihren Pastor: Sie gaben zu Protokoll, das gegenseitige Vertrauensverhältnis sei nicht gestört und beschlossen zudem, einem etwaigen Versetzungsantrag des Sup. oder des Landeskirchenamtes zu widersprechen.22 In diese schwierige Phase fiel auch die schrittweise Verkleinerung des Kirchspiels Sievershausen: die KapG Arpke (1969) und Dollbergen (1974) sowie der Ortsteil Hämelerwald (1973) wurden eigenständige Kirchengemeinden, die KapG Schwüblingsen wechselte nach Dollbergen (1974), die KapG Oelerse nach Abbensen (1976) und die KapG Röhrse nach Vöhrum (1976). Die zweite Pfarrstelle war 1972 vakant geblieben und 1974 nach Dollbergen verlegt worden.
Nachdem die KG bereits von 1935 bis 1947 einen saisonalen Kindergarten beherbergt hatte (Erntekindergarten), übernahm sie 1969/70 die Trägerschaft eines im Gemeindehaus untergebrachten provisorischen Kindergartens, bis die politische Gemeinde 1974 eine kommunale Einrichtung eröffnete.23 Aus der 1967 in der ehemaligen Pfarrscheune eingerichteten Antikriegswerkstatt ging 1978 der Verein „Dokumentationsstätte zu Kriegsgeschehen und über Friedensarbeit Sievershausen e. V.“ hervor.24 Der Verein trägt das 1981 eröffnete Antikriegshaus, das in einem alten Bauernhaus gegenüber der Kirche untergebracht ist (aus Ambostel dorthin versetzt). Zur Unterstützung des Antikriegshauses und zur Förderung der Friedensarbeit in der Landeskirche Hannovers insgesamt gründete sich 2014 die kirchliche Stiftung „Frieden ist ein Menschenrecht“.25 Im gleichen Jahr wurden Kirchengemeinde und Trägerverein des Antikriegshauses in die Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen; seitdem feierte die Gemeinde monatlich eine Nagelkreuzandacht, bei der das Friedensgebet im Mittelpunkt steht. 2017 beteiligte sich die KG an einem Kunstprojekt des KK Burgdorf zum Reformationsjubiläum und stellte vor der Kirche in Sievershausen einen der 15 überdimensionalen Luthernägel des Burgdorfer Künstlers Hilko Schomerus auf. Der Nagel trägt die Aufschrift „Ohne Luther wären wir Analphabeten“.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1814-1974 (seit 1972 vakant, dann I Dollbergen).26

Umfang

Die Dörfer Ambostel, Arpke (KapG, bis 1969), Dollbergen (KapG, bis 1974), Grafthorn, Landwehr, Oelerse (KapG, bis 1976), Röddenserbusch, Röhrse (KapG, bis 1976), Schwüblingsen (KapG, bis 1974) und Sievershausen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Sievershausen der Diözese Hildesheim, seit Spätmittelalter vereinigt mit Archidiakonat Schmedenstedt.27 – 1543 visitierte Martin Ondermark, GSup. des Fsm. Lüneburg, zusammen mit Wilhelm von Cleve, Hofprediger in Celle, die Gemeinde. 1575 Insp. Burgdorf. Seit 1723 Insp. (1924 KK) Sievershausen. Seit der Aufhebung des KK Sievershausen 1965 wieder KK Burgdorf.28

Patronat

Um 1481 Bf. von Hildesheim29, später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Saalkirche mit geradem Chorschluss, östlichem Sakristeianbau und im Osten abgewalmtem Satteldach, in mehreren Bauphasen errichtet: Reste eines Kirchenbaus des 10./11. Jh. im Mauerwerk der Nordwand, wahrscheinlich kleiner Saalbau mit eingezogenem Rechteckchor; 13. Jh.: vermutlich Verlängerung nach Westen; 1688: Schiff nach Süden verbreitert (Spitzbogenportal wiederverwendet), Turm umbaut, Wände erhöht; 1819: Schiff nach Osten verlängert, Sakristeianbau, Fenster vergrößert, Eingänge an den Längsseiten.30 Verputztes Bruchsteinmauerwerk, hohe Rechteckfenster, Stützpfeiler an den Außenwänden. Im Innern verputzte, flache Holztonne, u-förmige hölzerne Empore auf toskanischen Säulen. Neuausmalung um 1870, vermutlich nach Entwürfen Conrad Wilhelm Hases. Außensanierung 1950-52. Neuausmalung Innenraum 1953; Innenrenovierung Anfang 2000er; Außensanierung 2015/16.

Turm

Querrechteckiger Turm an der Nordwestecke, im Süden umbaut, Unterbau aus Bruchsteinmauerwerk, 13. Jh., Backsteinobergeschoss mit Kreuzdach und achteckigem Dachreiter mit hoher Spitze von 1870 (Architekt: Conrad Wilhelm Hase). Spitzbogige Schallöffnungen an West-, Süd und Nordseite. Sanierung 1950-52 (Giebel begradigt, Kupferdeckung). Neue Turmuhr 1870.

Ausstattung

Klassizistische Kanzelaltarwand in Form einer Tempelfassade: vier ionische Pfeiler, zwei seitliche Durchgänge, Palmettenfries im Gebälk, Leidenswerkzeuge im Giebelfeld, halbkreisförmig geschwungene Altarschranken, im linken Pfosten Taufe, im rechten Opferstock (frühes 19. Jh.). – Abendmahlsbild (seit 1953 Altarbild, vorher auf der Rückseite des Altars, restauriert 1996/97).31 – Holztaufe, ehemaliger Opferstockpfosten der Altarschranke in Asendorf (1778, seit 1959 in Sievershausen).32 – Tafelbild der Schlacht von Sievershausen (etwa 1610, in Turmhalle, mit Darstellung der Sievershäuser Kirche, Ausbesserungen und Restaurierungen 1823, 1888/89, 1932, 2003).33 – Skulptur eines überdimensionalen Nagels mit der Aufschrift „Ohne Luther wären wir Analphabeten“, aufgestellt vor Kirche (Stahl, 2017, Hilko Schomerus, Burgdorf).

Orgel

Orgel

Orgel

Erste Orgel 1589, unbekannter Orgelbauer, (wahrscheinlich) 6 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1705 Instandsetzung durch Christian Vater (Hannover), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, ein Reg. stumm; Disposition später verändert, Instrument stand an der Südseite, gegenüber der Kanzel. 1819 Verkauf und Umsetzung nach Altencelle durch Orgelbauer Johann Friedrich Ludwig Lohstöter (Celle).34 1863 neue Orgel von Eduard Meyer unter Verwendung eines älteren Prospekts, II/P, mechanische Traktur Schleifladen. Veränderungen 1905, Zinnpfeifen 1917 zu Kriegszwecken abgegeben. 1935-39 Neubau durch Orgelbauer Ebner (Hannover), 31 (davon 6 Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen, Pfeifen der Vorgängerorgel zum Teil wiederverwendet, Prospekt beibehalten. Schon 1947 fällte der Orgelrevisor ein weitgehend negatives Urteil über die Qualität des Instruments35 und 1961 formulierte er „Die Orgel ist das schlechteste Werk, das in der Zeit zwischen 1930 und 1940 innerhalb der Hannoverschen Landeskirche gebaut wurde.“36 Orgel 1970 stillgelegt und elektrische Orgel der Firma Lipp angeschafft. 1996 Truhenorgel von Orgelbauer Amadeus Junker (Meinersen), 5 I, mechanische Traktur, Schleifladen. 2014 Kauf einer gebrauchten Orgel bei der katholischen Bruder-Konrad-Gemeinde (Hannover), gebaut 1972 von Paul Ott (Göttingen), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; 2016 Aufbau hinter dem historischen Prospekt durch Orgelbauer Armin Schreiber (Burgdorf).

Geläut

Drei LG, I: dis’, Inschrift: „Eins ist not“; II: fis’, Inschrift: „Kommt, denn es ist alles bereitet“; III: a’/ais’, Inschrift: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ (alle Stahl, Gj. 1901, Bochumer Verein), Geschenk des Hzg. von Cumberland für Lukaskirche Hannover, im Zweiten Weltkrieg zerstört, 1945 an Apostelkirche Hannover abgegeben, dortiger Kirchturm nicht ausreichend tragfähig, daher seit März 1948 in Sievershausen. KG Sievershausen ließ zwei Stahlglocken für Apostelkirche gießen.37 – Früherer Bestand: Eine LG cis’, Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe“ (Bronze, Gj. 1877, Johannes Jakob Radler, Hildesheim), 1881 geborsten und Neuguss durch Radler, 1917 zu Kriegszwecken abgegeben. Als Ersatz eine kleinere LG, Inschriften: „Im Weltkrieg zerschlagen, 1923 erneuert, den gefallenen Helden zum Gedächtnis geweiht“ und „Ehre sei Gott in der Höhe“, Bilder: Geburt und Kreuzigung Christi (Bronze, Gj. 1923, Firma Radler, Hildesheim), 1948 an Henriettenstift Hannover abgegeben. Eine LG e’, Inschrift: „Friede auf Erden!“ (Bronze, Gj. 1877, Johannes Jakob Radler, Hildesheim), 1896 geborsten und Neuguss zu einer LG (Bronze, Gj. 1896, Gustav Collier, Berlin-Zehlendorf), 1942 zu Kriegszwecken abgegeben. Eine SG, Inschrift „Hora ruit, verbum Dei manet in aeternum“ (Die Stunde ist dahin, Gottes Wort bleibt in Ewigkeit), Bild: mehrere Porträtmedaillons, u. a. Luther und (wahrscheinlich) Ks. Wilhelm I. (Bronze, Gj. 1871, Johannes Jakob Radler, Hildesheim), 1942 zu Kriegszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und zurück nach Sievershausen, 1948 an Kapelle in Arpke abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus I (Bj. 1878, neugotischer, zweigeschossiger Ziegelbau). – Gemeindehaus (Bj. 1903, eingeschossiger Ziegelbau, ehemalige Pfarrscheune, umgebaut 1964, erweitert 1985). – Pfarrhaus II (Bj. 1831, eingeschossiger Bruchsteinbau mit ausgebautem Krüppelwalmdach; 2009 verkauft). – Antikriegshaus (Bj. 18. Jh., ehemaliges Bauernhaus in Ambostel, 1979-82 in Eigenarbeit an jetzigen Standort versetzt).

Friedhof

Ehemaliger Friedhof rund um die Kirche mit historischen Grabsteinen. Neuer kirchlicher Friedhof am nordwestlichen Ortsrand, 1884 eröffnet.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 10380-10413 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 7614-7643 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2131-2139 (Visitationen); D 14 (EphA Sievershausen); D 52 (EphA Burgdorf); N 69 (Nachlass Paul Wachsmuth); S 11a Nr. 7827, Nr. 7877 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 199 f., Nr. 269 A und B; Buchholz, Amt Meinersen, bes. S. 202-209; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1205; Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 116; Meyer, Pastoren II, S. 374 f.; Ohainski/Udolph, Ortsnamen Hannover, S. 408 f.; Pape, Orgeln Celle, S. 150-153; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 89-94.
B: Arbeitskreis Ortsgeschichte Sievershausen (Hg.): Sievershausen Stadt Lehrte. Fortschreibung und Ergänzung der Ortsgeschichte, Lehrte 2003; Gisela Fähndrich: Klaus Rauterberg und die Friedensarbeit in Sievershausen, in: Kirche in bewegten Zeiten. Proteste, Reformen und Konflikte in der hannoverschen Landeskirche nach 1968, hrsg. von Heinrich Grosse, Hans Otte und Joachim Perels, Hannover 2011, S. 503-523; Georg Fromme: Kleine Chronik der Primariatspfarre Sievershausen, Hannover 1889; Rita Hogrefe und Mijndert Bertram: Sievershausen. Eine Ortsgeschichte, Lehrte 1991; Manfred König: Das Altarbild in der St.-Martin-Kirche zu Sievershausen, in: Jahrbuch der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte 107 (2009), S. 115-122; Gisela Schulz: Das Schlachtengemälde in der Sievershäuser Kirche, in: Gerd Biegel und Hans-Jürgen Derda (Hg.): Blutige Weichenstellung. Massenschlacht und Machtkalkül bei Sievershausen 1553, Braunschweig 2003; Gisela Schulz: Die Glocken der St. Martinskirche in Sievershausen, in: Lehrter Land & Leute. Magazin zur Geschichte, Kultur und Heimatkunde 41 (2014), S. 14-17; Johannes Sommer (Hg.): Sievershausen einst und jetzt. Beiträge zur Geschichte der Kirche und des Dorfes, Burgdorf 1953; Friedrich Spanuth: Die alte Archidiakonatskirche Sievershausen. Eine Untersuchung über ihren Geltungsbereich und ihren Besitz im ausgehenden Mittelalter, in: Unser Kreis. Heimatblätter für den Kreis Burgdorf 16 (1964), Nr. 12 und 13.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim II, Nr. 391.
  2. Vogell, Sammlung, Nr. 16.
  3. Hogrefe/Bertram, S. 37 ff.
  4. Hodenberg, Pagus, S. 378.
  5. Kleinau, Neuer Text, S. 97.
  6. KABl. 1965, S. 258.
  7. UB HS Hildesheim II, Nr. 700 bzw. UB HS Hildesheim III, Nr. 1099.
  8. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 484 und 492 ff.
  9. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 533 ff.
  10. Salfeld, Pfründenregister, S. 95.
  11. Fromme, S. 7.
  12. Fromme, S. 22.
  13. Fromme, S. 25 f.
  14. KABl. 1935, S. 27 f.
  15. KABl. 1946, S. 5 f.
  16. LkAH, B 7 Nr. 1019, Bl. 73.
  17. LkAH, B 7 Nr. 1019, unpaginiert.
  18. LkAH, B 7 Nr. 1019, Bl. 109. Der Kirchensenat hob Rahns Bezüge 1949 auf zwei Drittel an, und 1952 auf die volle Höhe, ebd., Bl. 191 und ebd., unpaginiert.
  19. Arbeitskreis, S. 165 ff.
  20. LkAH, L 5d, unverz., Sievershausen, Visitation 1969.
  21. LkAH, L 5d, unverz., Sievershausen, Visitation 1969.
  22. Fähndrich, S. 521. Bei der Rote-Punkt-Aktion im April 1975 hatten sich P. Rauterberg und sein Lehrter Kollege P. Hartwig Hohnsbein kurzfristig entschlossen „zur Gewaltabwendung an der Spitze des Demonstrationszuges im Talar mitzugehen“ (ebd., S. 520).
  23. Arbeitskreis, S. 38 ff.
  24. Arbeitskreis, S. 131 ff.
  25. KABl. 2014, S. 28.
  26. KABl. 1974, S. 21.
  27. Machens, Archidiakonate, S. 112.
  28. KABl. 1965, S. 258.
  29. Kleinau, Neuer Text, S. 97.
  30. Grundrisse der Bauphasen bei Sommer, Sievershausen, S. 14.
  31. König.
  32. Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 199 f., Nr. 269 B.
  33. Schulz, Schlachtengemälde.
  34. Pape, Orgeln Celle, S. 150 ff.
  35. LkAH, L 5d, unverz., Sievershausen, Visitation 1947.
  36. LkAH, L 5d, unverz., Sievershausen, Visitation 1961.
  37. Schulz, Glocken.