Sprengel Hannover, KK Burgdorf | Patrozinium: Martin Luther | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Anlass für die Gründung des Ortes Hämelerwald war der Bau der Eisenbahnstrecke von Hannover nach Braunschweig (1842-44). Der Besitzer des nahegelegenen Gutes Adolphshof, der Weinhändler Hermann Heinrich Siemering, drang auf den Bau einer Bahnstation, stieß jedoch auf Ablehnung, da kein Wohnhaus in der Umgebung lag. 1848 ließ Siemering daraufhin als erstes Gebäude ein Gasthaus bauen, bald kamen Wohnhäuser hinzu und im gleichen Jahr auch die gewünschte Bahnstation. 1864 wurde die Siedlung als Gemeinde anerkannt und erhielt den Namen „Haltestelle Hämelerwald“, seit 1872 nur noch Hämelerwald. Der Ort gehörte zum Amt Peine im Kgr. Hannover und wurde nach dessen Annexion 1866 preußisch. 1885 kam der Ort zum neugegründeten Lkr. Peine. 1929 wurden die Gutsbezirke Schierke und Adolphshof nach Hämelerwald eingemeindet, seit der Gebietsreform 1974 ist Hämelerwald Ortsteil der Stadt Lehrte im Lkr. Hannover (2001: Region Hannover). Hämelerwald lässt sich im 19. und frühen 20. Jh. als Gewerbegemeinde charakterisieren, Schwerpunkt war bis zum Ersten Weltkrieg die Ziegelindustrie (Ziegeleien 1852, 1857 und 1887 gegründet). Seit den 1920er Jahren entwickelte sich Hämelerwald zur Wohnsiedlung und profitierte dabei einerseits von seiner verkehrsgünstigen Lage zwischen Hannover, Braunschweig, Celle, Peine sowie Burgdorf und andererseits von seiner landschaftlichen Lage im Hämeler Wald. Seit Mitte der 1960er Jahre entstand nördlich des Ortes ein Gewerbegebiet, seit 1974 wurde das Neubaugebiet Hämelerwald-Süd erschlossen. 1871 hatte der Ort gut 320 Einwohner, 1905 gut 570 und 1925 knapp 800. 1965 lag die Bevölkerungszahl bei gut 1.700, 1974 bei knapp 3.500 und 2016 bei gut 4.600.

Kirchlich gehörte Hämelerwald zu Sievershausen. Mit dem Martin-Luther-Haus (Grundsteinlegung 1961) erhielt der Ort ein eigenes Gemeindezentrum, wo seit 1962 regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden. 1972 zog auch ein KiGa in das Haus ein. Zum 1. Januar 1973 gründete sich die eigenständige KG Hämelerwald, zu der auch die ehemaligen Gutsbezirke Schierke und Adolphshof hinzu kamen, deren Bewohner bislang nach Mehrum eingepfarrt waren.1 Die Pfarrstelle wurde im September 1973 besetzt. Seit 1975 unterstützt der Bauverein der ev.-luth. KG Hämelerwald (seit 1987 e. V.) den Unterhalt der kirchlichen Gebäude im Ort und trug mit Spendensammlungen und Eigenarbeit zum Bau des Begegnungszentrums neben dem Martin-Luther-Haus bei (Grundsteinlegung 1975, Erweiterungsbau 1981). Ab 1976 war hier der ev. KiGa untergebracht, bevor er in den 2000er Jahren in den neuen Erweiterungsbau umzog. Der in den 1970er Jahren geplante Bau einer Kirche konnte nicht verwirklicht werden. Zum Reformationsjubiläum beteiligte sich die Kirchengemeinde 2017 an einem Kunstprojekt des KK Burgdorf und stellte einen der 15 überdimensionalen Luthernägel des Burgdorfer Künstlers Hilko Schomerus auf. Der Nagel trägt die Aufschrift „Ohne Luther gäbe es keine Berufsberatung“.

Umfang

Der Ort Hämelerwald.

Aufsichtsbezirk

KK Burgdorf.

Kirchenbau

Martin-Luther-Haus (Bj. 1961/62), als Gemeindehaus gebaut, zwischen 1983 und 1986 zum Sakralraum umgestaltet.

Ausstattung

Breitformatiges Altarbild „Ich bin das Licht der Welt“ (Öl auf Leinwand, 1991, Uschi Meissner, Hämelerwald). – Abendmahlsbild nach Leonardo da Vinci (Gobelin-Stickerei, 1962, Handarbeit eines Gemeindekreises, diente bis 1991 als Altarbild). – Skulptur eines überdimensionalen Nagels mit der Aufschrift „Ohne Luther gäbe es keine Berufsberatung“, aufgestellt vor dem Martin-Luther-Haus, (Stahl, 2017, Hilko Schomerus, Burgdorf).

Orgel

Neubau der Firma Hammer (Arnum) 1985/86, 10 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 1881).

Geläut

Eine LG cis’’ (Bronze, Gj. 1963, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1971). – Begegnungszentrum (Bj. 1975/76, eingeschossiger Massivbau mit Flachdach, 1981 Anbau, 2000er Erweiterungsbau für Kita).

Friedhof

Kommunaler Friedhof, eröffnet 1943.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 14 (EphA Sievershausen); D 52 (EphA Burgdorf).

Literatur

A: Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 303 f.; Ohainski/Udolph, Ortsnamen Hannover, S. 179; Pape/Schloetmann, Hammer, S. 191.
B: Otto Bode: Hämelerwald. 1864-1974. Unser Ort von einst bis in die Gegenwart, Salzgitter 1989; Hans-Wilhelm Mölbitz: Kirchenglocken in Hämelerwald, in: Lehrter Land & Leute. Magazin zur Geschichte, Kultur und Heimatkunde 38 (2012), S. 19; Gisela Schulz: 40 Jahre Hämelerwald-Süd – 1974 bis 2014, in: Lehrter Land & Leute. Magazin zur Geschichte, Kultur und Heimatkunde 42 (2014), S. 17-23; Gisela Schulz: 150 Jahre Hämelerwald – Mit der Bahn fing alles an, in: Lehrter Land & Leute. Magazin zur Geschichte, Kultur und Heimatkunde 41 (2014), S. 1-6; Wilhelm Wiese: Ein vergessenes Jubiläum. Zur Gründung des Ortes Hämelerwald vor 100 Jahren, in: Unser Kreis. Heimatblätter für den Kreis Burgdorf 16 (1964), Nr. 24.


Fußnoten

  1. KABl. 1973, S. 4.