Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 15691

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

Das im Grenzgebiet des Hochstifts Hildesheim zum Fsm. Lüneburg auf dem Ostufer der Fuhse gelegene Dorf Ekessem wird 1181 erstmals erwähnt. Die Landesherrschaft lag beim Hochstift Hildesheim. Das Gut Eixe befand sich 1295 im Besitz des Siegfried von Rautenberg. 1339 wurde es an Hans von Schwicheldt verpfändet. 1386 ging es endgültig in den Besitz der von Schwicheldt über.
In vorref. Zeit war Eixe nach Vöhrum eingepfarrt, das als nördlichster Ausläufer des stiftshildesheimischen Amts Peine auch kath. blieb, als die umgebenden Dörfer im Fsm. Lüneburg bereits das luth. Bekenntnis angenommen hatten. Seitens der Stadt Hildesheim, an die das Amt Peine seit 1526 verpfändet war, wurden zunächst alle Bestrebungen im Sinne der Reformation unterdrückt. Die mehrheitlich luth. gesinnten Einwohner von Eixe baten daher 1529 um die Erlaubnis, an den luth. GD im lüneburgischen Edemissen teilnehmen zu dürfen. Gegen den Widerstand der hildesheimischen Verwaltung wurde Eixe kirchlich bald ganz nach Edemissen umgegliedert und verblieb dort auch nach der Einführung der Reformation in Vöhrum 1543.
Eine Kapelle war wohl erst nach 1534 errichtet worden, wird jedenfalls im Pfründenregister von 1534 noch nicht geführt.2 Während des Dreißigjährigen Krieges unternahm die bischöfliche Verwaltung 1628 einen gewaltsamen Versuch der Rekatholisierung. Nach dem welfischen Sieg bei Sargstedt gliederte Hzg. August 1635 Eixe in seinen Machtbereich ein (Amt Meinersen). Es blieb auch beim Fsm. Lüneburg, als das besetzte Hildesheimer Gebiet an das Hochstift zurückgegeben wurde. 1771 leistete der Bf. endgültig Verzicht.
Dennoch gab es v. a. wegen der weiten Entfernung nach Edemissen noch Ende des 18. Jh. Bestrebungen, die Gemeinde wieder Vöhrum anzuschließen. Offenbar fanden die Kasualien ab 1785 wieder in Vöhrum statt. Der Zusammenschluss der beiden Ortschaften zu einer KG scheiterte 1854 am Widerspruch der Vöhrumer. 1856 wurde die Kapelle zu Eixe zur selbständigen Pfarrkirche erhoben und mit Vöhrum pfarramtlich verbunden. Erster Geistlicher war P. Friedrich Philipp Widdecke (bis 1885). Die politische Zuständigkeit lag seit 1859 beim Amt Peine (1885: Kr. Peine). Die kirchliche Aufsicht wurde 1867 auf die Insp. Groß Solschen übertragen, so dass Eixe und Vöhrum unter einheitlicher Verwaltung standen.
Das 20. Jh. brachte mit dem Übergang von der bäuerlichen zur vorstädtischen Wohngemeinde und den Zuzug von Heimatvertriebenen einen grundlegenden Strukturwandel. Seit 1974 ist Eixe Stadtteil von Peine. Die Zahl der Gemeindeglieder betrug 1983 noch 520 (1989: 458). Durch ihren geringen Umfang im Vergleich zur verbundenen KG Vöhrum (1983: 4.450 Gemeindeglieder) und ein reduziertes Angebot an kirchlichen Aktivitäten war der Status von Eixe faktisch zumindest zeitweilig eher der einer KapG.3
Seit 1975 besteht eine Partnerschaft mit der KG Großschirma bei Freiberg (Sachsen), seit 2009 bildet Eixe mit den KG Peine, St. Jacobi, Peine, Frieden, Peine, St. Johannis, Peine, Martin Luther, Stederdorf (Peine) und Vöhrum die Region Stadt des KK Peine. Um bei der Erfüllung ihrer gemeindlichen Aufgaben in Zukunft stärker zu kooperieren, gründeten diese Gemeinden zum 1. Juli 2018 gemeinsam den „Ev.-luth. Kirchengemeindeverband Peine“.4

Aufsichtsbezirk

Ursprünglich zur Insp. Sievershausen; 1. Mai 1867 in die Insp. (ab 1924: KK) Groß Solschen und am 1. Oktober 1965 in den KK Peine umgegliedert.5

Patronat

Das Patronatsrecht lag ursprünglich beim Bf. von Hildesheim (bzw. dem jeweiligen Landesherrn) und wurde später (Jahr unbekannt) von den von Bülow auf Abbensen gegen das Patronat des Ksp. Wassel eingetauscht. Nach dem Erlöschen der Bülowschen Linie ging es 1887 auf das Rittergut Ankensen (Baron von Flöckher) über und ist wohl um 1890 erloschen.

Kirchenbau

Rechteckiger, vierachsiger Saalbau, 1694/96 neu errichtet, 1856 unter Anbau eines dreiseitigen Chors erneuert und vergrößert. Der ursprüngliche Fachwerkbau wurde in der ersten Hälfte des 20. Jh. ausgemauert und verputzt. Innenraum durch eine flache Schaldecke geschlossen.

Turm

Achtseitiger verschieferter Dachreiter mit Haube auf dem Westgiebel.

Ausstattung

Flügelaltar mit querrechteckigem, klassizistischem Schrein über einer hohen Sockelzone. Im Schrein befand sich früher ein Abendmahlsbild, später der gemalte Spruch 1 Kor 22,24 (Ende 16. Jh., noch 1938); jetzt eine geschnitzte Abendmahlsdarstellung des 20. Jh. Ein Passionsaltar von Horst Dalberg wird nur in der Passionszeit aufgesetzt. – Schlichte hölzerne Kanzel (zweites Drittel 19. Jh.). – Kronleuchter, 1896 gestiftet durch die Eixer Arbeiter des Peiner Walzwerks.

Orgel

Nach 1911 abgängig. Ältere Nachrichten sind nach Pape nicht überliefert.6 Zwischen 1922 und 1928 wurde ein Harmonium aufgestellt. 1961 Neubau eines Positivs durch Rudolf Janke (Gertenbach), 5 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Eine LG in gis’’ (Bronze, Gj. 1799, Johann Conrad Grete, Braunschweig).

Friedhof

Eigentum der KG. 1813 Anlage eines Friedhofs neben der Kapelle. 1875/76 nach Osten erweitert. Der alte Friedhof wurde 1955 geschlossen, nachdem bereits ab 1926 ein neuer Friedhof außerhalb der Ortslage am sogenannten Gänsekamp angelegt worden war (1980 erweitert). FKap.

Landeskirchliches Archiv Hannover

D 14 (EphA Sievershausen); D 21 (EphA Ölsburg/Solschen).

Literatur

A: Kirchen KK Peine, S. 22 f.; Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 42 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 373; Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 12.
B: 125 Jahre KG Eixe. Die geschichtliche Entwicklung einer kleinen Kirchengemeinde, o. O. [1981]; Emil Willführ: Die Kirche und das kirchliche Leben in Eixe, in: Eixe 800 Jahre. Siedlung, Dorf, Gemeinde, Ortsteil der Stadt Peine, o. O., o. J.


Fußnoten

  1. Obwohl Eixe eine KapG der KG Edemissen war, wo die Lüneburger KO von 1643 gültig ist, wird in den verschiedenen Gemeindeverzeichnissen stets die Calenberg KO angegeben, vgl. Verzeichnis 1959, S. 29, Verzeichnis 1966, S. 35, Verzeichnis 1981-1989, S. 122.
  2. Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 42.
  3. LkAH, L 5h, unverz., Eixe-Vöhrum, Visitation 1983.
  4. KABl. 2018, S. 64 ff.
  5. KABl. 1965, S. 258.
  6. Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 12.