Frühere Gemeinde | KapG der KG Sievershausen | Sprengel Hannover, KK Burgdorf | Patrozinium: Christus (1995) | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Die erste schriftliche Erwähnung des Dorfes findet sich in einer kaiserlichen Urkunde aus dem Jahr 1053. Kaiser Heinrich III. bestätigte darin, dass er Suitebaldigehusen und andere Dörfer der Hildesheimer Bischofskirche geschenkt habe.1 Um 1131/42 übertrug Bf. Bernhard von Hildesheim dem Hildesheimer St. Michaeliskloster den Zehnten aus Svigbollinghusen.2 Später gelangte der Ort in den Besitz der Welfen und Hzg. Otto II. von Braunschweig-Lüneburg schenkte das Dorf 1303 dem Kloster Wienhausen – noch im 19. Jh. waren einzelne Höfe in Schwüblingsen dem Kloster gegenüber abgabepflichtig.3 Der Ort zählte im 14. Jh. zum Mey4 und gehörte später zum Amt Meinersen des Fsm. Lüneburg (16. Jh., Vogtei Uetze). Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Schwüblingsen zweimal verwüstet (1641 und 1644). Von 1810 bis 1813 war der Ort Teil des Kantons Uetze im Distrikt Celle des Departements Aller im Kgr. Westphalen. Danach gehörte Schwüblingsen wieder zum Amt Meinersen, nun im Kgr. Hannover, und kam 1852 mit den übrigen Dörfern der Vogtei Uetze zum Amt Burgdorf. Nach der Annexion Hannovers 1866 wurde das Dorf preußisch und kam 1885 zum neugegründeten Lkr. Burgdorf. 1970 schloss sich der Ort der Samtgemeinde Arpke an und wurde 1974 nach Uetze eingemeindet. Das Haufendorf zählte 1685 etwa 170 Einwohner, 1885 rund 260 und 2015 etwa 600. Schwüblingsen ist bis heute landwirtschaftlich geprägt und hatte 2013 noch 13 Vollerwerbshöfe.5

Kapelle, Ansicht von Nordwesten

Kapelle, Ansicht von Nordwesten

Im Gegensatz zur großen Mehrzahl mittelalterlicher Kirchen und Kapellen liegt für Schwüblingsen der Text einer Art Gründungsurkunde vor. 1305 verpflichtete sich das Zisterzienserinnenkloster Wienhausen dazu, in Schwüblingsen eine Kapelle zu errichten. Der Pfarrer von Sievershausen, wohin das Dorf eingepfarrt war, sollte dort jedes Jahr in der Osterwoche einen Gottesdienst halten.6 Die Schwüblingser Schulchronik nennt das Jahr 1395 als Gründungsjahr der Kapelle, es ist jedoch anzunehmen, dass die Bauzeit näher an 1305 lag. Im Lüneburger Pfründenregister von 1534 ist die Capelle tho Swubling7 beim Kirchspiel Sievershausen aufgeführt. Seit Mitte des 17. Jh. lässt sich eine Dorfschule nachweisen, aus der gleichen Zeit ist ein Güterverzeichnis der Kapelle überliefert.8 In Meinersen kaufte die Gemeinde 1666 einen Altar, vermutlich jenen Flügelaltar, der bis heute in der Kapelle steht. Um 1700 ließ die Gemeinde vermutlich auch das Kapellengebäude selbst neu erbauen, Belege dafür finden sich in den Rechnungsbüchern jedoch nicht.9 Mitte des 18. Jh. lud der Sievershäuser Pfarrer einmal pro Jahr zu einem Abendmahlsgottesdienst in die Schwüblingsener Kapelle ein, in der zweiten Hälfte des 19. Jh. kam ein zweiter Termin hinzu (Ostern und Michaelis). Darüber hinaus hielt der Dorflehrer samstäglich im Wechsel Lesegottesdienste und Kinderlehre.10 Seit 1814 war der Inhaber der zweiten Pfarrstelle Sievershausens für Schwüblingsen zuständig. Zum 1. Oktober 1974 löste sich die KapG Schwüblingsen auf und ihre Gemeindeglieder schlossen sich auf eigenen Wunsch der Anfang des Jahres gegründeten KG Dollbergen an.11 Seit März 1975 heißt die Gemeinde Dollbergen-Schwüblingsen.12
Im Jahr 1995 erhielt die Kapelle in Schwüblingsen den Namen Christuskirche. Entscheiden für die Namenswahl war die Glocke von 1508 mit der Inschrift „Jesus bin ik genannt“.13

Kapellenbau

Kleiner Fachwerkbau mit dreiseitigem Chorschluss und im Osten abgewalmtem Satteldach, vermutlich um 1700 erbaut. Jeweils zwei Rechteckfenster an den Längsseiten, Zugang im Westen. 1961 Erweiterung nach Westen. Renovierung 2003. Im Innern flache Decke.

Turm

Quadratischer, verschalter Dachreiter mit Satteldach über Westgiebel, Uhrziffernblatt nach Westen. Mechanisches Uhrwerk der Firma Weule (Bockenem), nach 1961.

Ausstattung

Dreiteiliger Flügelaltar mit Schnitzfiguren (um 1500, unbekannter Meister): Im Zentrum des Mittelschreins Anna selbdritt, links und rechts daneben vier Szenen aus der Kindheit Jesu (Mariä Verkündigung, Geburt Jesu, Besuch der drei Weisen, Jesus im Tempel), in den Seitenflügeln jeweils sechs Heiligenfiguren; Figuren und Schrein bilden keine Einheit. – Hölzerne Kanzel mit Gemälden der vier Evangelisten an den Wandungen und Puttenköpfen darüber (1711). – Schlichte Taufe (1981, Entwurf Karl-Heinz Bethmann). – Altarkruzifix (Kreuz modern, Corpus 15. Jh.).

Orgel

1911 Harmonium. 1961 elektronische Orgel. 1992 Neubau der Firma Rudolf Janke (Bovenden) 4 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: b’’, Inschrift: „Kommt, lasst uns anbeten“ (Bronze, Gj. 1965, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); Stiftung eines Gemeindeglieds; II: cis’’’, Inschrift: „jhs bin ik genannt. hinrik menten got mi 1508“ (Bronze, Gj. 1508, Hinrich Menten, Braunschweig) – jhs steht für „Jesus Hominum Salvator“, also Jesus, Erlöser der Menschen.

Friedhof

Kirchlicher Friedhof am südwestlichen Ortsrand, 1883 angelegt.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 14 (EphA Sievershausen); D 52 (EphA Burgdorf).

Literatur

A: Buchholz, Amt Meinersen, bes. S. 161-166; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1194; Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 475 f.; Ohainski/Udolph, Ortsnamen Hannover, S. 399 f.; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 85 f.
B: Georg Fromme: Kleine Chronik der Primariatpfarre zu Sievershausen, Hannover 1889; Friedrich Kanjahn: 600 Jahre Kirche in Schwüblingsen. 1395-1995, Schwüblingsen 1995; Friedrich Kanjahn: Die Christus-Kirche zu Schwüblingsen, Uetze 2005; Christoph Morgner: Der Altar in Schwüblingsen, in: Heimatbuch. Menschen und Landschaft um Hannover 4 (1986), S. 78-81.

GND

1028234465, Christuskirche (Uetze-Schwüblingsen).


Fußnoten

  1. MGH DD H III 310.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 201.
  3. Kanjahn, Christus-Kirche, S. 2, Archiv Kloster Wienhausen Nr. 166.
  4. Hodenberg, Pagus, S. 378.
  5. Fromme, S. 16; Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 476.
  6. Kopie aus dem Messbuch der Kirche Sievershausen, im dortigen PfA, zit. bei Kanjahn, Christus-Kirche, S. 4.
  7. Salfeld, Pfründenregister, S. 95.
  8. Gedruckt bei Kanjahn, Christus-Kirche, S. 6.
  9. Kanjahn, Christus-Kirche, S. 7.
  10. Kanjahn, Christus-Kirche, S. 20
  11. KABl. 1974, S. 240.
  12. KABl. 1975, S. 54.
  13. Kanjahn, Christus-Kirche, S. 23.