Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: Anna | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Seit 1974 Ortsteil der Stadt Peine. – Das südwestlich von Peine gelegene Dorf Berchem wird 1134 anlässlich einer der Übertragung von zehn aus brunonischem Besitz stammenden Hufen samt Hörigen an das Kloster St. Marien in Braunschweig erstmals erwähnt.1 1136 bestätigt Ks. Lothar III. dem Marienkloster eine Schenkung des hildesheimischen Ministerialen Reinger in villa quę dicitur Bercheim.2 Das gleichnamige hildesheimische Ministerialengeschlecht ist seit 1173 bezeugt. Der Besitz des Marienklosters (des späteren Aegidienklosters) kam nachher wohl in die Hände der Hildesheimer Kirche, ist jedenfalls urkundlich nicht mehr nachweisbar. Ab 1244 erwarb das Zisterzienserkloster Wienhausen umfangreichen Grundbesitz in Berkum.

Kirche, Ansicht von Südosten

Kirche, Ansicht von Südosten

Die an der Südseite des Dorfes gelegene Kirche wird zuerst 1297 in einer Urkunde des Klosters Wienhausen genannt. 1304 wurde die Pfarre durch Bf. Siegfried von Hildesheim teilweise aus ihrer Unterstellung unter das Archidiakonat Groß Solschen gelöst und dem Kloster Wienhausen inkorporiert. Zeitweilig war sie auch mit der Pfarre in Handorf (Peine) verbunden.
P. Johann Ringen (amt. bis 1604, † 1608), der zugleich den Predigtdienst auf der Horst vor Peine versah, war wahrscheinlich der erste luth. Prediger in Berkum. Ihm folgte 1608 sein Schwiegersohn Detmar Wichmann (seit 1568 Adj., P. bis 1623). Nach der für die Protestanten verlustreichen Schlacht bei Lutter am Barenberge förderte die stiftshildesheimische Regierung die Gegenreformation und bemühte sich auch in Berkum um Wiederherstellung des altgläubigen GD. Der luth. P. Alexander Wichmann (amt. 1623-1640, Sohn und ab 1616 Adj. des vorigen) erhielt 1628 zunächst Predigtverbot und ging nach seiner Ausweisung ins Exil nach Celle, während die Betreuung der Pfarre – gegen den Widerstand der Bauern – von einem Mönch wahrgenommen wurde. Nach 1632 konnte Wichmann zurückkehren. Sein Nachfolger P. Konrad Schläffer (amt. 1640-1680) amtierte nur zwei Jahre in Berkum, übernahm dann zusätzlich die Pfarrstelle im benachbarten Schwicheldt und verlegte den Pfarrsitz wegen der besseren Wohnverhältnisse dorthin. Erst nach seinem Ableben wurde Berkum 1681 wieder mit einem eigenen Prediger besetzt. Vermutlich stand die Wiederbesetzung mit einem eigenen geistlichen im Zusammenhang mit der Übertragung des Patronats auf den Großvogt Georg Christoph von Hammerstein-Equord zwei Jahre zuvor.

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Nach der Reformation zog Hzg. Ernst der Bekenner die Berechtigungen des Klosters Wienhausen an sich. Berkum wurde von den Lüneburger Hzg. fortan an als Enklave in stiftshildesheimischem Gebiet betrachtet. Dagegen lagen die Gerichts- und Landeshoheit nach wie vor beim Hochstift Hildesheim (Amt Peine, Vogtei Rosenthal). Über das ius episcopale kam es bis Ende 18. Jh. zu Auseinandersetzungen zwischen der lüneburgischen und hildesheimischen Regierung.3 1688 ordnete die hildesheimische Regierung an, dass die Einwohner die GD nicht mehr in Berkum, sondern in einer benachbarten Kirche besuchen sollten. Die Pfarrer von Berkum wurden durch das kurhannoversche Konsistorium examiniert und ordiniert und, um eine Beteiligung der hildesheimischen Behörden zu verhindern, bisweilen in den frühen Morgenstunden durch den Sup. von Sievershausen und den hannoverschen Amtmann zu Meinersen eingeführt. Gegen die gewaltsame Anmaßung der Aufsichtsrechte legte die stiftshildesheimische Regierung wiederholt Widerspruch ein. Erst 1793 kam es zu einem Vergleich, in dem die Aufsicht über Pfarre, Kirche und Schule grundsätzlich dem Haus Braunschweig-Lüneburg zugebilligt wurde. Präsentation, Examination und Ordination wurden durch das kurhannoversche Konsistorium vorgenommen. Die Einführung der Prediger erfolgte durch den kurhannoverschen Sup. in Gegenwart des hildesheimischen Beamten zu Peine. Prediger und Schulmeister unterstanden ausschließlich dem Konsistorium in Hannover. Die Visitation wurde durch den kurhannoverschen Kirchenkommissar unter Hinzuziehung des Beamten in Peine vorgenommen. In weltlichen Angelegenheiten unterstand das Dorf der hildesheimischen Gerichtsbarkeit.4
Seit 1880 war die Pfarrstelle dauervakant. Die KG umfasste 1975 nur noch 193 Gemeindeglieder und zählte damit zu den kleinsten Gemeinden im KK Peine. Mit dem 1. Juli 1976 wurde sie mit den KG Handorf (Peine), Schwicheldt und Rosenthal unter dem gemeinsamen Pfarramt in Rosenthal pfarramtlich verbunden. Die Pfarrstelle in Berkum wurde mit der Pfarrstelle in Handorf zur zweiten Pfarrstelle der St.-Godehard-KG Rosenthal mit Sitz in Handorf vereinigt.5 Zum 1. September 1999 wurde die pfarramtliche Verbindung aufgehoben und die KG Berkum mit der St.-Marien-KG Handorf (Peine) pfarramtlich verbunden.6 Seit 1. Juli 2013 ist Berkum Teil des KG-Verbandes Berkum-Handorf-Rosenthal-Schwicheldt (BeHaRoSch).

Umfang

Das Dorf Berkum.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Groß Solschen der Diözese Hildesheim. – Gehörte ab 1528 zunächst zur Insp. Burgdorf, ab 1723/24 zur neu geschaffenen Insp. Sievershausen, 1821/23 Insp. Peine, 1831 zur neu errichteten Insp. Groß Solschen (1. Oktober 1965 Verlegung und Umbenennung in KK Ölsburg, 1. Januar 1999 im KK Peine aufgegangen).

Patronat

Im 13. Jh. das Kloster St. Godehard in Hildesheim. 1297 überließ der Marschall Konrad von Peine das Patronat dem Kloster Wienhausen. Nachher strittig zwischen den Abt des Godehardiklosters und dem Propst des Klosters Wienhausen. Durch einen Vergleich kam das Patronat 1302 an Wienhausen (1304 dem Kloster inkorporiert). Nach der Reformation verfügte der Landesherr über den Besitz des Klosters. Hzg. Georg Wilhelm vertauschte am 7. Juli 1679 die im Amt Peine gelegenen Besitztümer und Gerechtsame Wienhausens an den Großvogt und Kammerpräsidenten Georg Christoph von Hammerstein-Equord († 1687), der damit auch das Patronatsrecht für die Familie erhielt.7 Unter Sigurd von Hammerstein († 1901) wurde das Patronat abgelöst.

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1938

Kirche, Grundriss, 1938

Der mittelalterliche Kirchenbau, der in seinen ältesten Teilen in das 13. Jh. zurückreicht, wurde wohl um 1700 in Fachwerkbauweise vergrößert und 1748 renoviert. Der heutige Bau geht auf eine grundlegende Erneuerung in den Jahren 1835/38 zurück. Dreiachsiger verputzter Saalbau aus Bruchstein unter einem Krüppelwalmdach. Apsis mit Resten des massiven romanischen Baus im Untergeschoss (zweite Hälfte des 13. Jh.), der Aufbau aus Fachwerk. Rundbogige Sprossenfenster. Der Innenraum flachgedeckt und gegen die Apsis in einem hohen Rundbogen geöffnet. Empore auf der Westseite (1837/38). Innenrenovierung 1972.

Turm

Am westlichen Firstende ein quadratischer verschieferter Dachreiter mit achtseitigem spitzem Pyramidenhelm.

Ausstattung

Hölzerne Altarwand innerhalb des Apsisbogens, in der Mitte ein Ölgemälde der Auferstehung; seitlich Durchgänge zur Sakristei. Der Altar wurde um 1837/38 als Kanzelaltar errichtet und 1915 umgebaut. Die hölzerne Kanzel, die wohl in Teilen noch aus dem ehemaligen Kanzelaltar stammt, befindet sich jetzt in der Nordostecke des Schiffs. – Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs an der Außenwand der Kirche.

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1962

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1962

Orgel

1818 Bau der ersten Orgel, 9 I/aP. 1915 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), pneumatische Traktur. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (1926 ersetzt). 1962 Neubau eines Positivs durch Rudolf Janke (Gertenbach) 5 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1988 Instandsetzung.

Geläut

Zwei LG, I: cis’’’; II: e’’’ (beide Bronze, Gj. 1496, Jakob Busse). – Eine SG in d’’’/dis’’’ in einem Ausleger am Turmhelm (Bronze, Gj. um 1840, S. Lange).

Friedhof

In Trägerschaft der KG. Auf dem Kirchhof.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 950-955 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 817 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 735-738 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 194-195 (Visitationen); D 21 (EphA Ölsburg/Solschen).

Literatur

A: Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 6-9; Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 40-42; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 214; Pape, Orgeln Kr. Peine pB, S. 2 f.
B: Herbert Brakebusch: Geschichte des Dorfes Berkum, Braunschweig 1914.


Fußnoten

  1. MGH DD Lo III 67.
  2. MGH DD Lo III 85.
  3. NLA HA, Hildes. Br. 1, Nr. 680-681.
  4. NLA HA, Hann. 83a, Nr. 272.
  5. KABl. 1976, S. 118.
  6. KABl. 1999, S. 200.
  7. Brakebusch, S. 58-60.