KapG der KG Mandelsloh | Sprengel Hannover, KK Neustadt-Wunstorf| Patrozinium: kein mittelalterliches Patrozinium bekannt | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist das kleine Dorf erstmals in einer undatierten Urkunde Bf. Eilberts von Minden (amt. 1055–1080) als Lutteron belegt.1 Das Dorf gehörte zur Gogft. Mandelsloh, die im Spätmittelalter als Lehen der Hzg. von Sachsen-Lauenburg im Besitz der Familie von Mandelsloh war. Mitte des 14. Jh. erwarben die welfischen Hzg. zu Braunschweig und Lüneburg die Gogft. Mandelsloh, die später als Vogtei Mandelsloh Teil des Amtes Neustadt am Rübenberge wurde.2 Seit der Landesteilung von 1432 gehörte Lutter zum welfischen Teilfsm. Calenberg (1495: Fsm. Calenberg-Göttingen, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Von 1810 bis 1813/14 war Lutter Teil des Kantons Neustadt im Distrikt Hannover des Allerdepartements im französischen Satellitenkgr. Westphalen. Danach zählte das Dorf, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Neustadt. Mit der Annexion Hannovers fiel Lutter 1866 an das Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehörte das Dorf zum Kr. Neustadt am Rübenberge (1939: Lkr.), der 1974 weitgehend im Lkr. Hannover aufging (2001 mit Stadt Hannover fusioniert zu Region Hannover). 1974 wurde Lutter nach Neustadt am Rübenberge eingemeindet. Um 1812 lebten gut 120 Menschen in Lutter, 1895 knapp 230, 1950 gut 350 und 2020 rund 200.
Eine Kapelle in Lutter, erbaut vermutlich in vorref. Zeit, lässt sich erstmals 1543 belegen: Im Protokoll der ersten ev. Kirchenvisitation heißt es: „Die Capella zu Lutter gehort in die Kirchen zu Mandelslo“.3 Im späten 16. Jh. kam der Mandelsloher Pfarrer drei- bis viermal pro Jahr nach Lutter, um in der Kapelle zu predigen.4 Eine Schule lässt sich 1603 in Lutter belegen.5 Wegen Baufälligkeit ließ die Gemeinde das mittelalterlicher Kapellengebäude 1748 abtragen und eine neue Kapelle errichten. Am 11. Dezember 1748 feierte P. Johann Conrad Schmidt (amt. 1736–1762) zum ersten Mal einen Gottesdienst in der neuen Kapelle.
Neben den Abendmahlsgottesdiensten und den Lesegottesdiensten, die zu den Aufgaben des örtlichen Lehrers zählten, fanden in der Kapelle bis 1933 auch Hagelfeiern statt: jeweils samstags mittags in Form „kurzer Bittgottesdienste von Philippi et Jacobi [1. Mai] bis die erste Garbe aufgestellt war“.6 Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden 1946 monatliche Kapellengottesdienste eingeführt.7

Kapellenbau

Rechteckbau mit Satteldach, erbaut 1748 (Zimmermeister Pfister). Fachwerk mit Ziegelausfachung, Westwand aus Backsteinmauerwerk; an den Längsseiten je drei rechteckige Sprossenfenster, jeweils mit zwei Halbkreisbögen. Im Innern abgeflachte Brettertonne; im Osten Scherwand mit zwei Durchgängen, dahinter Sakristei. 1874 Portal in der südlichen Längswand verschlossen und in den neuen Turm verlegt. 1954 Renovierung (u. a. Fenster in der Ostwand geschlossen). 1986 Innen- und Außenrenovierung.

Turm

Kleiner Westturm mit vierseitigem Pyramidendach, bekrönt mit Wetterfahne, erbaut 1874. Backsteinmauerwerk, oben Fachwerk mit Ziegelausfachung; nach Norden und Süden je eine rundbogige Schallöffnung, nach Süden flachbogiges Portal.

Vorgängerbau

Die mittelalterliche Kapelle in Lutter war 36 Fuß lang, 18 Fuß breit, besaß weder Turm noch Uhr.8

Ausstattung

Schlichter, gemauerter Altar hölzerner Mensa und Kanzel, eingesetzt in die östliche Scherwand; der polygone Kanzelkorb steht direkt auf dem Altar. – Wandbehänge (1992, nach Anleitung von Barbara Bosse-Klahn, Mariensee), musizierende Engel. – Außen mehrere Grabsteine (zweite Hälfte 19. Jh.).

Orgel

1985 Kauf einer elektronischen Orgel. 1995 neue elektronisch Orgel erworben.

Geläut

Eine LG, (Bronze, Gj. 1753, Johann Heinrich Christ. Weidemann, Hannover), Inschrift: „Joh. Heinr. Christ. Weidemann goss mich in Hannov Anno 1753“. – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze), 1753 umgegossen zu heutiger LG.

Friedhof

Ehemaliger kirchlicher Friedhof bei der Kapelle.9 Neuer kirchlicher Friedhof am Westrand des Dorfes, angelegt 1810, FKap (Bj. 1972).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 7554 (Pfarroffizialsachen); S 11a Nr. 7662 (Findbuch PfA).

Literatur & Links

A: Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 373–374; Nöldeke/Karpa, KD Kr. Neustadt I, S. 94–95.
B: Eberhard Doll: Kapellen- und Schulgeschichte der zur Kirchengemeinde Mandelsloh gehörenden Dörfer Laderholz, Lutter, Welze, Bevensen, Brase/Dinstorf, Evensen, Bramsche ²1999, S. 91–160.

Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kapelle
Bestehende KG, KapG


Fußnoten

  1. Fesche/Boetticher, Urkunden Neustädter Land I, Nr. 5; eine genauere Datierung der Urkunde als zwischen 1055 und 1080 ist nicht möglich.
  2. Sudendorf, UB II, Nr. 65. Fiedeler, S. 245 ff.; Winkel, S. 27 ff.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 400. Zur Geschichte der Kapelle vgl. Doll, S. 91 ff.
  4. Kayer, General-Kirchenvisitation II, S. 53.
  5. Doll, S. 109.
  6. LkAH, L 5a Nr. 266 (Visitation 1953).
  7. LkAH, L 5a Nr. 266 (Visitation 1947).
  8. Doll, S. 98.
  9. Doll. S. 107 ff.