Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: Sebastian (1975) | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Der Ort Wipshausen wird erstmals 1389 als Wypteshusen in einem Burgfrieden erwähnt, den die Hzg. Bernhard und Heinrich von Braunschweig-Lüneburg mit ihrem Bruder Hzg. Friedrich von Braunschweig-Lüneburg für die Burgen Meinersen und Neubrück vereinbarten.1 1391 verpfändete Konrad von Marenholtz dat Dorp to wipdeshusen, mit dem der Bf. von Hildesheim ihn belehnt hatte, an Hans von Schwicheldt.2 Das Lehen war bis ins 19. Jh. im Besitz der Familie von Marenholtz. Wipshausen war Teil des Amtes Meinersen im Fsm. Lüneburg. Von 1810 bis 1813 gehörte der Ort zum Kanton Meinersen im Distrikt Celle des Departements Aller im Kgr. Westphalen. Danach war Wipshausen wieder Teil des Amtes Meinersen, zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. 1885 kam Wipshausen zum neuen Lkr. Peine. 1965 bildete sich die Samtgemeinde Wipshausen (Horst, Rietze, Rüper, Wense und Wipshausen), 1968 schlossen sich die Ortsteile Horst und Wipshausen zusammen und kamen 1974 als Ortsteil Wipshausen zur neuen Großgemeinde Edemissen. Die Haufensiedlung Wipshausen lag im 18. Jh. an der Poststraße von Celle nach Braunschweig. Das Dorf hatte 1766 insgesamt 37 Feuerstellen und in der zweiten Hälfte des 19. Jh. recht konstant gut 350 Einwohner, später knapp 600 und nach Zweiten Weltkrieg mehr als 1.000. Der Ort ist noch immer landwirtschaftlich geprägt (Spargelanbau seit letztem Viertel 19. Jh.). Eine Neubausiedlung, deren ruhige Wohnlage hauptsächlich Braunschweiger anzog,3 trug dazu bei, dass die Einwohnerzahl 2015 bei etwa 1.700 lag.

Kirche, Ansicht von Südwesten

Kirche, Ansicht von Südwesten

Ältestes Zeugnis der Kirchengeschichte des Ortes ist der Kirchturm, der – nach der Form des Grundrisses und der schlichten Gestaltung der Schallöffnungen zu urteilen – wohl aus dem späten 12. Jh. stammt. In einer Urkunde von 1404 wird her Sander als früherer Pfarrer der Kergken von wypteshusen genannt4, elf Jahre später ist wiederum ein Sanderus, plebanus in Wypteshusen nachgewiesen.5 Der Name eines weiteren vorref. Pfarrers ist 1484 mit her hinrik hellekop Kerckher tor tÿd to wiptshusen überliefert.6 Ernst der Bekenner, seit 1521 Fs. von Lüneburg, betrieb seit 1527 die Einführung der Reformation in seinem Fsm. Das in diesem Jahr gedruckte Artikelbuch diente dabei, obwohl die Landstände es abgelehnt hatten, als Leitfaden.7 Die Pfarren des Fsm. ließ Ernst bis 1543 planmäßig visitieren, 1564 erschien die erste KO für das Fsm. Lüneburg.8 Als erster luth. Pfarrer in Wipshausen lässt sich mit dem Lüneburgischen Pfründenregister von 1534 P. Berteld Koltzhorn belegen.9 Bei der Visitation 1543 wirkte P. Johannes Getel (amt. bis 1575) in Wipshausen,10 während seiner Amtszeit lassen sich Bauarbeiten an der Kirche nachweisen. Die Kirchenbücher setzen erst 1714 ein, ein neues Pfarrhaus ließ die Gemeinde 1776 erbauen. In die Amtszeit P. Christian Gottfried Edlers (1785-1817) fiel die Renovierung der Kirche. Sie war notwendig, da für die Gemeinde der „Gottesdienst mit Lebensgefahr durch die drohende Einstürzung des Gebäudes“ verbunden sei und außerdem „das nötige unentbehrliche Licht bei dem uralten Gebäude“ fehle, wie P. Edler 1806 schrieb.11 1808 erhielt die Kirche ein neues Dach und größere Fenster. Bei den Bauarbeiten jedoch kam es zu Unregelmäßigkeiten, hielt P. Edler fest. Unter anderem hätte die Gemeinde zwar Steine zur Erhöhung der Wände des Kirchenschiffes gekauft und bezahlt, aber kein einziger sei verbaut worden.12

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Mit Sup. Felix Rahn stand dem KK Sievershausen, zu dem Wipshausen gehörte, in der NS-Zeit ein überzeugter Anhänger der DC vor, der 1934 gegen den amtierenden Bf. August Marahrens zum Bf. der Landeskirche Hannovers gewählt wurde.13 P. Hermann Müller (amt. 1929-1951) in Wipshausen war Mitglied der NSDAP und anfangs der DC, stellte sich kirchenpolitisch jedoch bald auf die Seite Marahrens’ und der BK.14 Seit Mitte der 1960er Jahre wurden die KG Wipshausen und Rüper zusammen versehen. Zum 1. Juli 1974 vereinigte das LKA beide Pfarrstellen zu einer und verband die beiden KG pfarramtlich. Politisch gehören sie zu zwei Gemeinden.15 Den Namen Sebastian erhielt die Kirche in Wipshausen 1975: Der Abendmahlskelch aus der Zeit um 1400 trägt die Inschrift capelle sancti Sebastiani, es ist allerdings nicht klar, wann der Kelch in den Besitz der KG kam.16 Im Jahre 1984 stiftete ein Gemeindemitglied der Kirche eine dritte Glocke17 und 1986 übernahm erstmals eine Frau das Pfarramt. Die KapG Rietze verlor zum 1. Juni 2006 ihre Eigenständigkeit und wurde in die KG Wipshausen eingegliedert.18

Umfang

Die Dörfer Wipshausen, Horst und Rietze (bis 2006 KapG).

Aufsichtsbezirk

Um 1500 Archidiakonat Leiferde und Müden. – 1575 zur neuen Insp. Burgdorf, ab 1723 Insp. (1924 KK) Sievershausen. Mit der Auflösung dieses KK am 1. Oktober 1965 in den KK Peine eingegliedert.19

Patronat

1481 der Bf. von Hildesheim.20 Zeitweise anscheinend auch die Familie von Marenholtz, später der Landesherr (bis 1871).21

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1938

Kirche, Grundriss, 1938

Einschiffiger Bruchsteinbau aus dem 16. Jh., der bündig an den älteren Westturm anschließt; gerade Ostwand nicht rechtwinklig, oberer Teil Fachwerk, davor Sakristeianbau (19. Jh.), ebenfalls Fachwerk; Satteldach mit Krüppelwalm über Ostfront. Umbau des Kirchenschiffs 1808: Fenster, Dach, Tür aus dieser Zeit. Im Innern flache, verschalte Holztonne (1808), u-förmige Holzempore (2. Viertel 19. Jh.). Sanierung der Kirche 1983, Innensanierung 2011, Renovierung 2014.

Turm

Westturm, wohl Ende 12. Jh., mit querrechteckigem Grundriss, an den Langseiten je zwei rundbogige Schallöffnungen, an den Schmalseiten jeweils eine flachbogige; an Nordseite Ziffernblatt der Turmuhr (ein Uhrwerk erstmals 1664 belegt22). Hohes Zeltdach, vermutlich 1808.

Ausstattung

Schlichter Kanzelaltar, einachsiger architektonischer Aufbau mit zwei seitlichen, kannelierten Säulen und Architrav (um 1830, 2014 restauriert). – Kalksteintaufkessel mit Rundbogenfries, vielleicht romanisch, auf neuem Schaft.

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1968 (1968 Neubau der Orgel)

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1968

Orgel

Auf Westempore. Zur Disposition des 1875 bis 1926 nachgewiesenen Instruments ist nichts bekannt. 1926 kaufte die KG eine Übungsorgel aus dem aufgelösten Lehrerseminar Uelzen: gebaut 1907 von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 6 II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen (Opus 580)23. Neubau 1968 durch Orgelbaufirma Klaus Becker (Kupfermühle/Holstein), 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: g’ (Bronze. Gj. 1650, Carsten Hustede, Lüneburg); II: h’ (Bronze, Gj. 1984, Gebrüder Rincker, Sinn), Stiftung eines Gemeindeglieds; III: cis’’ (Bronze, Gj. 1676, Friedrich Kreidweiß, Celle). 2011/12 Sanierung der LG I (Riss) und III (Klöppel gebrochen). – Früherer Bestand: eine LG 1556 erwähnt, wohl 1650 zu heutiger LG I umgegossen.24

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarr- und Gemeindehaus (Bj. 1776, eingeschossiges Fachwerkhaus mit hohem Dach, 1967 renoviert, Anfang 1980er Jahre Ausbau des Scheunenteils zum Gemeindehaus, 1989 saniert). – Küsterhaus (Bj. 1841, vor 1991 verkauft).

Friedhof

Der Friedhof ist Eigentum der KG, FKap (Bj. 1973/74, Architekt Werner Rügge, Wipshausen). Ehemaliger Friedhof rund um die Kirche.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 11848-11861 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 813 (Spec. des Landeskons.); A 6 Nr. 8783-8791 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2464-2469 (Visitationen); D 14 (EphA Sievershausen); D 97 (EphA Peine); N 39 (Nachlass Karl Lange); S 1 H III Nr. 317 Anhang (Sammlung Rose), S. 1425-1427 (Kirchenkampfdokumentation); S 11a Nr. 7249 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Kirchen KK Peine, S. 66 f.; Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 252-254; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1378; Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 200-203; Meyer, Pastoren II, S. 518 f. ; Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 57; Pape/Schloetmann, Hammer, S. 117.
B: Alfred Gebhardt: Chronik Wipshausen-Horst, [Wipshausen] 1984; Verein der Heimatgeschichte Edemissen (Hg.): Die Gemeinde Edemissen (Die Reihe Archivbilder), Erfurt 2007, S. 107-116.

GND

1215224834, Ev.-luth. St.-Sebastian-Kirchengemeinde Wipshausen


Fußnoten

  1. Sudendorf, UB VI, Nr. 250.
  2. Vogell, Sammlung, Nr. 72.
  3. LkAH, L 5h, unverz., Wipshausen, Visitation 1991 und Visitation 1997.
  4. LkAH, A 1 Nr. 11848 (Abschrift).
  5. Fiedeler, Kirche Meinersen, S. 90.
  6. LkAH, A 1 Nr. 11848 (Abschrift).
  7. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 484 und 492 ff.
  8. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 533 ff.
  9. Salfeld, Pfründenregister, S. 95.
  10. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 501.
  11. Zit. bei Gebhardt, S. 126.
  12. Gebhardt, S. 127.
  13. Krumwiede, Kirchengeschichte II, S. 497.
  14. LkAH, S 1 H III Nr. 317 Anhang (Sammlung Rose), S. 1425 ff.
  15. KABl. 1974, S. 205.
  16. Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 202; LkAH, L 5h, unverz., Wipshausen, Visitation 1973.
  17. LkAH L 5h, unverz., Wipshausen, Visitation 1985.
  18. KABl. 2006, S. 101.
  19. KABl. 1965, S. 258.
  20. Kleinau, Neuer Text, S. 98.
  21. Meyer, Pastoren, S. 519.
  22. Gebhardt, S. 197.
  23. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 115.
  24. Gebhardt, S. 195 und 197.