Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: Jerusalem | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Rüper, Ortsteil der Gemeinde Wendeburg, wird 1250 als Rubere erstmals erwähnt.1 Der nahegelegene Ort Wense, der kirchlich zu Rüper gehört, lässt sich einige Jahrzehnte früher nachweisen, nämlich 1187 als Wennenhusen.2 Rüper war Teil des Amtes Peine des Hochstifts Hildesheim (1523 Kleines Stift). Aufgrund der Bestimmungen im Reichsdeputationshauptschluss fiel Rüper 1803 mit dem gesamten Gebiet des Hochstifts Hildesheim an Preußen. Von 1807 bis 1813 gehörte das Dorf zum Landkanton Peine im Distrikt Braunschweig des Departements Oker im Kgr. Westphalen. Danach war es wieder Teil des Amtes Peine, zunächst im Kgr. Hannover, nach der Annexion von 1866 dann im Kgr. Preußen. 1885 kam Rüper zum neugegründeten Lkr. Peine, schloss sich 1965 der Samtgemeinde Wipshausen und 1974 der Großgemeinde Wendeburg an. Das noch immer landwirtschaftlich geprägte Bauerndorf3 hatte 1757 nur zehn Feuerstellen, 1848 insgesamt 118 Einwohner und 2017 gut 190.

neue Kirche, Ansicht von Südwesten, Foto: Fritz Helbsing, Peine, um 1907

neue Kirche, Ansicht von Südwesten, Foto: Fritz Helbsing, Peine, um 1907

In der Urkunde, in der sich der erste schriftliche Beleg für Rüper findet, ist auch der Name eines Geistlichen überliefert, Reynardus sacerdos de Rubere.4 Erst gut hundert Jahre später lässt sich 1358 mit her Jan de perner van Winsen5 der erste Pfarrer in Wense nachweisen; er wird 1360 in einer lateinischen Urkunde erneut genannt, dort als Johannes rector ecclesie in Wensen.6 Vor 1451 soll ein Johann Bremer Pfarrer in Rüper gewesen sein.7 In Folge der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) musste Bf. Johannes IV. das Amt Peine 1526 an die Stadt Hildesheim verpfänden. Als der Schmalkaldische Bund 1542 den braunschweigischen Hzg. Heinrich den Jüngeren verdrängt hatte und der Rat der Stadt Hildesheim unter dem Schutz des Bundes das prot. Bekenntnis annahm, wurde damit auch Rüper luth. Möglicherweise wirkte mit P. Johann Knoke bereits um 1530 ein ev. Pfarrer in Rüper, der erste sicher als luth. belegte Geistliche war um 1552 P. Petrus Groningen. Von 1556 bis 1603 war das Amt Peine im Pfandbesitz des Hzg. Adolf von Schleswig, der 1561 eine Kirchenordnunge in baiden gerichten, Steurwoldt und Peine erließ.8 1603 gelang es dem Hildesheimer Bf. das Amt Peine einzulösen, er musste dabei jedoch auf die Bedingung eingehen, den Lutheranern ihre freie Religionsausübung zu lassen. Rüper blieb also luth., hatte nun jedoch einen kath. Landesherrn, zudem beanspruchten die Hzg. von Braunschweig-Wolfenbüttel im 16. und 17. Jh. die Jurisdiktion in geistlichen Angelegenheiten im Amt Peine.9 Ende der 1620er Jahre suchte der Hildesheimer Bf. trotz seiner anderslautenden Zusage das Amt Peine zu rekatholisieren, der luth. Geistliche wurde aus Rüper vertrieben und der kath. Priester Schäfer aus Woltorf versorgte das Dorf mit.10 Die gegenreformatorischen Bemühungen endeten 1633, als Truppen des Hzg. Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel die Stadt Peine eroberten. Mit P. Christoph Fabricius (amt. 1633-1640), Pfarrer im braunschweigischen Wendeburg, wirkte wieder ein Lutheraner in Rüper. Die Kirchenbücher setzen 1647 ein. Die Pfarre des Dorfes war hinsichtlich ihres Landbesitzes einer der kleinsten im Amt Peine und reichte nach zeitgenössischer Einschätzung im 18. Jh. kaum aus, um einen Pfarrer zu versorgen.11 Um 1783 ließ die Gemeinde ein neues Kirchenschiff errichten (der Turm blieb bestehen), 1841/42 entstand ein neues Pfarrhaus (Anfang der 1970er Jahre verkauft).

neue Kirche, Blick zum Altar

Neue Kirche, Blick zum Altar

Zwischen 1878 und 1895 war die Pfarrstelle vakant und unter P. Erich Bock (amt. 1895-1911) verwirklichte die KG einen Kirchenneubau. Angesichts der Baufälligkeit des alten Gebäudes richtete der KV 1897 einen Kirchenbaufond ein, beschloss 1900 den Neubau und feierte 1905 die Grundsteinlegung am Südhang des Rüper Bergs.12 Der Entwurf stammte von Konsistorialbaumeister Karl Mohrmann, 1907 konnte die KG den ersten GD in der neuen Jerusalemkirche feiern. Seit 1929 war die Pfarrstelle erneut vakant und in den folgenden Jahren mussten die Pfarrer aus Wipshausen, Dungelbeck oder Woltorf Rüper mit versorgen. Seit 1965 lag die Vertretung beim Pfarrer von Wipshausen und zum 1. Juli 1974 wurden die Pfarrstellen vereinigt und beide KG pfarramtlich verbunden.13 Im gleichen Jahr erwarb die KG das alte Schulhaus und ließ es später zum Gemeindehaus umbauen. Nach Restaurierungsarbeiten seit den 1990er Jahren entspricht die Ausmalung der Kirche wieder dem ursprünglichen Zustand.

Umfang

Das Dorf Rüper und das Dorf Wense

Aufsichtsbezirk

Um 1500 Archidiakonat Schmedenstedt der Diözese Hildesheim. – Seit 1561 Insp. Peine, zeitweise ohne Sup. Seit 1651/52 unterstand Rüper dem Geistlichen Ministerium des Amtes Peine, dem jeweils ein Pfarrer des Bezirks, der Senior, vorstand14, erst nach Aufhebung des Hochstifts Hildesheim (1803) wurde die Insp. Peine wieder eingerichtet. Seit 1853 saß der Sup. der Insp. Peine wieder in Peine, seit 1924 KK Peine.

Patronat

1481 das Kloster St. Crucis zu Braunschweig (auf dem Rennelberg), später der Bf. von Hildesheim bzw. der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Einschiffiger, neuromanischer, roter Backsteinbau (Klosterformat) über asymmetrisch-kreuzförmigem Grundriss (der südliche Querhausarm ist länger als der nördliche) mit seitlichem Turm, eingeweiht 1907, Architekt Karl Mohrmann (1857-1927); große Rundfenster in den Stirnmauern, Haupteingang zwischen Turm und Querhaus an Südseite, kleiner Sakristeianbau im Südosten. Im Innern gewölbte Holzdecke, Kreuzrippengewölbe in Apsis, Emporen im Westen und im südlichen Querarm, ornamentale Ausmalung 1959 übertüncht, bei Renovierung in 1990er Jahren wiederhergestellt.

Turm

Seitlicher Turm über quadratischem Grundriss an Südwestecke, mit kupfergedecktem Pyramidenhelm; im Glockengeschoss gekuppelte, rundbogige Schallfenster.

alte Kirche, 1907 abgebrochen, Ansicht von Nordosten

Alte Kirche, 1907 abgebrochen, Ansicht von Nordosten

Vorgängerbau

Rechteckiges aus Sand- und Backsteinen errichtetes Schiff mit Satteldach, im Westen Fachwerkturm mit ins Achteck übergeleitetem Pyramidenhelm; Turm wohl 17. Jh.; Emporen von 1661; nach Datierung am Altar Kirchenschiff 1783 renoviert und verändert (flachbogige Fenster, flache Schaldecke, Kanzelaltar); wegen Baufälligkeit nach Vollendung des Neubaus 1907 abgebrochen, Innen-und Außenansicht in einigen Fotografien überliefert.15

Ausstattung

Die originale Ausstattung von 1907 ist erhalten: Steinmensa mit steinernem Altarretabel (drei Spitzgiebel, der mittlere mit einem Kreuz bekrönt). – Steinkanzel an Nordwestecke des Chorraums. – Steintaufe. – Rundes Buntglasfenster (Jesus vor Pilatus) in Ostwand.

neue Kirche, Blick zur Orgel

Neue Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

Die 1905 abgerissene Kirche besaß etwa seit 1878 ein Harmonium. Orgelneubau durch Furtwängler und Hammer 1907, 8 II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen (Opus 591). Umbau und Dispositionsveränderung 1950 durch Firma Fr. Weißenborn (Braunschweig). 2010/11 Restaurierung der Orgel und Wiederherstellung der ursprünglichen Disposition durch Amadeus Junker (Meinersen).

Geläut

Eine LG fis’ (Bronze, Gj. 1906, Radler, Hildesheim), eine SG c’’’(Eisen, Gj. 1917). – Früherer Bestand: Für 1688 ist der Umguss einer beschädigten LG (Bronze) in Braunschweig belegt, 1699 erneut, allerdings in Hildesheim.16 Mitte des 19. Jh. hatte die LG wieder einen Riss und wurde erneut umgegossen (Gj. 1857, W. Zach, Braunschweig). Eine kleine LG ais’ (Bronze, Gj. 1906, Radler, Hildesheim) im Ersten Weltkrieg abgegeben.17

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus (Bj. 1895, ehemaliges Schulhaus, 1974 erworben).

Friedhof

Der Friedhof ist Eigentum der KG, FKap (Bj. 1973/74).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 9712-9715 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 253, 742, 746 und 748 (Spec. Landeskonsistorium); A 6 Nr. 7208-7215 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1962-1966 (Visitationen); N 118 (Nachlass Erich Bock).

Literatur

A: Kirchen KK Peine, S. 48 f.; Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 196-198 und 249 f.; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1149; Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 159 f.; Meyer, Pastoren II, S. 329; Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 49; Pape/Schloetmann, Hammer, S. 118.
B: Rolf Ahlers: Rüper. 750 Jahre aus der Geschichte des Ortes, Wendeburg 2000, bes. S. 39-51; Erich Bock und Renate Pahlow: Geschichte der Kirche und Pfarre zu Rüper, Wendeburg 2007 [teilweise Nachdruck 1906]; Walter Gehrmann: Die Dritte Kirche in Rüper, in: Peiner Heimatkalender 18 (1988), S. 87-91; Renate Pahlow (Hg.): Pastor Erich Bock im Heiligen Land. Der Pastor von Rüper und Wense reist 1898 zur Einweihung der Erlöserkirche nach Jerusalem (= Wendeburger Heimatkunde Heft 20), Wendeburg 2001.

GND

7604589-4, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Rüper; 7604616-3, Jerusalemkirche Rüper.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim II, Nr. 832.
  2. Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 249.
  3. LkAH, L 5h, unverz., Wipshausen, Visitation 1997.
  4. UB HS Hildesheim II, Nr. 832.
  5. UB Braunschweig V, Nr. 372.
  6. UB Braunschweig V, Nr. 502.
  7. Lüntzel, Ältere Diöcese Hildesheim, S. 292 (ohne Beleg).
  8. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,2,1, S. 769 ff.
  9. Bertram, Bistum Hildesheim II, S. 304.
  10. Bock/Pahlow, S. 13 f.
  11. Dürr, Politische Kultur, S. 170 f.
  12. Bock/Pahlow, S. 39 f.
  13. KABl. 1974, S. 205.
  14. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  15. Bock/Pahlow, S. 11 f., Abbildungen 1-3.
  16. Bock/Pahlow, S. 30.
  17. LkAH, L 5h, unverz. Rüper-Wense, Visitation 1975.