Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Das 1974 nach Edemissen eingemeindete Dorf wird – sofern es mit dem dort genannten Abbehusen identisch ist – 1221 in einer Urkunde Bf. Siegfrieds I. für das Kollegiatstift St. Andreas in Hildesheim erstmals erwähnt1 und kam 1383/85 als Lehen Hzg. Friedrichs von Braunschweig an Burchard von Saldern, dessen Nachkommen noch Mitte des 16. Jh. herrschaftliche Funktionen ausübten und die niedere Gerichtsbarkeit innehatten. Das Rittergut in Abbensen entstand im 15. Jh., wohl aus einem Haupthof des Klosters Wienhausen, und wurde 1622 durch Joachim von der Streithorst erworben, der 1627 auch die Gerichtsherrschaft erhielt. 1654/55 kam es durch Kauf an die auf Essenrode ansässigen von Bülow (bis 19. Jh.), 1890 an die Familie von Schwartz. Landesherren waren die Hzg. von Braunschweig-Lüneburg (Fsm. Lüneburg, Amt Meinersen).

Kirche, Ansicht von Südosten, 1933 oder 1936

Kirche, Ansicht von Südosten, 1933 oder 1936

1362 oder 1365 erhielt das Dorf eine Kapelle, die 1534 im lüneburgischen Pfründenregister zur Muttergemeinde Edemissen gerechnet wird.2 Mit Edemissen wurde schon in den 1520er Jahren unter Hzg. Ernst dem Bekenner die Reformation eingeführt. Das alte KapGb wurde 1831 wegen Baufälligkeit abgerissen und 1833-35 durch einen Neubau ersetzt, dessen Pläne vermutlich von Friedrich August Ludwig Hellner stammen (Einweihung am 26. März 1835). Der Turm nach einem Entwurf des Architekten Werner Söchtig (Hildesheim) wurde erst 1905/06 davorgesetzt.
Am 1. Juli 1894 wurde die Gemeinde von Edemissen gelöst und für Abbensen eine eigene Pfarrstelle errichtet.3 Erster P. war Karl Heinrich Louis Spreine (amt. 1894-1900).

Kirche, Blick zum Altar. Foto: Bildarchiv Niedersächsisches Landesverwaltungsamt Hannover, Landeskonservator

Kirche, Blick zum Altar. Foto: Bildarchiv Niedersächsisches Landesverwaltungsamt Hannover, Landeskonservator

Seit 1607 liegen Nachweise über die Existenz einer Schule vor. Das Schulpatronat und damit das Recht zur Besetzung der Lehrerstelle lag wie auch bei der Kirche in Edemissen beim Rittergut Abbensen (bis 1887) und ging dann auf den Baron von Flöckher als Gutsherr von Ankensen über (aufgehoben 1. April 1908). Die Pfarrer übten noch bis 1919 die Schulaufsicht über die Volksschule aus. 1920 wurde auch die Verbindung der ersten Lehrerstelle mit dem Küsterdienst gelöst. 1930/31 erfolgte die Trennung von Kirchen- und Schulvermögen und 1938 die endgültige Aufhebung der Verbindung von Schul- und Kirchendienst.
Durch den Zuzug insbesondere schlesischer und ostpreußischer Flüchtlinge stieg die Einwohnerzahl von Abbensen nach dem Zweiten Weltkrieg stark an. 1952 entstanden erste Siedlungsbauten am Finkenweg. Die Zahl der Gemeindeglieder belief sich 1985 auf 1.803, 1991 auf 1.776 (einschließlich der KapG Oelerse).4 Mit dem 1. November 2007 wurde die KG Abbensen mit der Bernwards-KG Eddesse pfarramtlich verbunden.5

Umfang

Das Dorf Abbensen; seit 1. Januar 1976 auch die vorher zur St.-Martinus-KG Sievershausen (Lehrte) gehörige KapG Oelerse.6

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung als KG zur Insp. (1924: KK) Sievershausen. 1. Oktober 1965 aus dem aufgelösten KK Sievershausen in den KK Peine umgegliedert.7

Kirchenbau

Dreiachsige, verputzte klassizistische Saalkirche aus Bruchsteinmauerwerk, 1906 im Osten um eine eingeschossige Sakristei ergänzt. Verschalte Flachdecke. Umlaufende Empore mit Kanzel über dem Altar. Grundlegende Renovierungen 1961/62 und 1982.

Turm

Westturm mit geschwungener Haube und achteckiger Laterne (1905/06).

Ausstattung

Schlichter klassizistischer Kanzelaltar mit einem Kunstdruck nach Leonardo da Vincis „Das letzte Abendmahl“. Eine zweite Kanzel/Lesepult wurde 1982 neben dem Altar aufgestellt.

Orgel

Orgel

Orgel

Auf der Westempore. Eine erste Orgel mit vier klingenden Stimmen wurde um 1835 auf Veranlassung des Patrons Gf. von Bülow angeschafft. 1867/68 Neubau durch Heinrich Vieth (Altencelle), 7 (davon 3 Transmissionen) I/P, mechanische Traktur, Schleifladen; dreiachsiger klassizistischer Prospekt. Nach dem Bau des Kirchturms wurde die Orgel 1906 durch August Schaper (Hildesheim) versetzt und um ein Reg. erweitert zu 8 (davon 3 Transmissionen), I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Instandsetzungen 1940 durch Firma Emil Hammer (Hannover) mit Einbau eines elektrischen Gebläses, 1946 durch Paul Ott (Göttingen), 1965 durch Ludwig Hoffmann (Betheln), 1985 durch Siegfried Bürger (Braunschweig-Querum).

Geläut

Zwei LG, I: g’ (Bronze, Gj. 1965, Firma Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: b’ (Bronze, Gj. 1905, Firma Radler, Hildesheim). – Eine SG h’’ (Bronze, 13. Jh.; frühere LG der alten Kapelle). – Früherer Bestand: Von zwei 1905 bei J. J. Radler & Söhne in Hildesheim beschafften LG in f’ und a’ wurde die größere im Ersten Weltkrieg abgeliefert. 1965 Neuguss einer Bronzeglocke in g’ bei Firma Schilling (Heidelberg), Glockenweihe 16. Januar 1966. Die kleinere Glocke von 1905 jetzt in b’.

Weitere kirchliche Gebäude

Als erstes Pfarrhaus wurde 1894 das ehemalige Altenteilerhaus des Guts erworben (einstöckiger Fachwerkbau, Mitte 18. Jh., 1969 abgebrochen). Neues Pfarrhaus 1967-69 an der Südseite des bisherigen Pfarrgrundstücks. Die 1852 zum Konfirmandenraum und Gemeindesaal umgebaute Pfarrscheune wurde 1975 zum Gemeindehaus erweitert, später abgebrochen und 1992 durch einen Neubau an anderer Stelle ersetzt (eingeweiht 10. Oktober 1993). – Schulhaus (Bj. 1811, 1957/58 abgerissen).

Friedhof

Kirchliche Friedhöfe in Abbensen und Oelerse. Der Friedhof auf dem Kirchhof in Abbensen wurde 1897 in Benutzung genommen, aber schon 1907 verlegt. Neuer Friedhof an der Mühlenstraße; FKap (Bj. 1950). Der alte Kirchfriedhof wurde 2007 restauriert.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 814-815 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1-2 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1 (Visitationen); D 14 (EphA Sievershausen).

Literatur

A: Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 1-3; Bötticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 22-23; Kirchen Kirchenkreis Peine, S. 4 f.; Müller, Kirchenbauten, S. 92 f.; Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 1; Pape, Schaper, S. 458 f.
B: Franz-Josef Beck, Gerd Boes, Hening Lahman und Olaf Lahmann: Geschichte und Geschichten der Abbensener Kirche, [Abbensen 2011]; Fritz Giere: 750 Jahre Abbensen. Dorf am Fuhsepass, Abbensen [1971].


Fußnoten

  1. Vgl. Giere, S. 181-184; Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 1.
  2. Salfeld, Pfründenregister, S. 95.
  3. KABl. 1894, S. 69.
  4. LkAH, L 5h, unverz.
  5. KABl. 2007, S. 226.
  6. KABl. 1976, S. 4.
  7. KABl. 1965, S. 258.