Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: Bernward | KO: Lüneburger KO von 1643

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

1226 erstmals urkundlich erwähnt. Edesse ist alter welfischer Besitz. 1338 hatten die Brüder Hans und Georg von Wenden von den Lüneburger Hzg. ein Burglehen, zu dem zwei Höfe in Edesse gehörten.1 1532 bis 1885 unterstand Edesse der Gografschaft Edemissen des lüneburgischen Amts Meinersen; seither zum Kr. Peine. Seit 1974 Ortsteil von Edemissen. – Die Kirche wird auf die zweite Hälfte des 13. Jh. datiert und 1301 in der Urkunde über die Vereinigung mit der Parochie Dedenhausen erstmals genannt.2 Die Zusammenlegung der beiden Pfarrstellen war von den fünf adeligen Grundherren aus wirtschaftlichen Gründen vereinbart worden. Der gemeinsame Pfarrer nahm seinen Dienstsitz in Edesse.
Auf Bitten des Bf. Otto II. von Hildesheim verlieh Papst Johannes XXII. unter dem 15. März 1331 dem Albert von Peine, plebanus in Edessen und capellan in Dehnsen [Dedenhausen] ein Kanonikat am Hildesheimer Kreuzstift.3 Als weitere Geistliche sind belegt: Johannes Wulf († 1495) sowie dessen Nachfolger Heinrich Heidecke († 1524) und Bernward Thimann († 1575). Ob Heidecke oder Thimann als erster ev. Prediger zu betrachten ist, ist unbestimmt. Die Reformation wurde jedenfalls spätestens mit 1527 mit der Annahme des luth. Bekenntnisses durch Ernst den Bekenner auch offiziell eingeführt. 1576 ist eine Küsterschule belegt. Konfliktträchtig waren die Beziehungen zu den Patronatsherren. So prozessierte P. Anton Bolmeier (1576-1612) gegen ihn wegen eigenmächtiger Regulierung der Fuhse und Trockenlegung der Fischgründe der Pfarre.
Die baufällige Fachwerkkirche wurde 1835 abgebrochen und von 1836 bis 1839 durch einen von Friedrich August Ludwig Hellner entworfenen Neubau ersetzt. Das Bauvorhaben wurde noch durch P. Johann August Baumeister (amt. 1810-1837) auf den Weg gebracht. Vollendet wurde es unter seinem Nachfolger Carl Ernst (amt. 1837-1857), der sich auch als Chronist einen Namen machte und als Gegner des Rationalismus Ludwig Harms und der Erweckungsbewegung nahestand. Wegen Streitigkeiten mit den Einwohnern von Eddesse nahm er seinen Wohnsitz in Dedenhausen und wurde auch dort bestattet.
Die Zahl der Gemeindeglieder belief sich 1986 auf 820, 1992 auf 754. Die alte pfarramtliche Verbindung mit Dedenhausen blieb zunächst auch bestehen, als Dedenhausen 1974 nach Uetze eingemeindet und damit in den Lkr. Hannover umgegliedert wurde. Sie wurde mit dem Eintritt von P. Münter in den Ruhestand (1. November 2007) aufgehoben. Eddesse wurde mit der KG Abbensen (Edemissen) verbunden, Dedenhausen mit der KG Eltze.4

Umfang

Die Dörfer Groß und Klein Eddesse, sowie die Walsfördermühle an der Fuhse.5

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Sievershausen der Diözese Hildesheim. – 1575 zur neu gebildeten Insp. Burgdorf, ab 1723 Insp. (1924: KK) Sievershausen. Bei der Auflösung des KK Sievershausen am 1. Oktober 1965 in den KK Peine eingegliedert.6

Patronat

Der Besitzer des Edelhofes in Bolzum, ursprünglich die von Rautenberg/Rutenberg. Nach dem Tod des Geheimrats Bartold von Rautenberg († 1647) kam es zu einer langwierigen Auseinandersetzung zwischen den Frhr. von Frenz/Frense als Erben der von Rautenberg auf Rethmar und den Gutsleuten von Eddesse.7 In einem Vergleich wurden die von Frenz 1658 als Gutsbesitzer in Eddesse anerkannt.8 1735 befand sich das Patronat in den Händen des Gf. von Plettenberg; vor 1782 durch Kauf an den Bf. von Hildesheim.9 Nach der Eingliederung des früheren Fbm. Hildesheim in das Kgr. Hannover (1814) wurde das Patronatsrecht auf das Konsistorium in Hildesheim übertragen (der Landesherr10, bis 1871).

Kirchenbau

Fünfachsige, spätklassizistische, verputzte Saalkirche aus Bruchsteinen mit geradem Ostschluss (1836-39). Rundbogige Sprossenfenster. Dreischiffige Gliederung des Innenraums durch eine umlaufende hölzerne Emporenanlage auf einer zweigeschossigen dorischen Holzkolonnade. Das Mittelschiff wird durch eine muldenförmige Schaldecke geschlossen; Flachdecke über den Emporen. Die ursprüngliche Ausmalung wurde 1954 verändert.

Turm

Gedrungener, quadratischer Westturm (14./15. Jh.) mit erst nachträglich zum Glockengeschoss ausgebautem Obergeschoss. Ins Achteck überführter, verschieferter Pyramidenhelm.

Ausstattung

Klassizistischer Kanzelaltar in Verbindung mit der Ostempore. Hinter der Kanzel befindet sich ein großflächiges Gemälde „Bergpredigt“ des Malers Hans Nowak aus Edemissen (1987). – Taufschale, gestiftet 1910 von P. Volmahn. Hölzerner Taufständer (1973). – Eine Pietà aus der Kirche in Eddesse (um 1400) wurde 1788 durch den damaligen P. an die kath. Kirche in Peine verschenkt.11

Orgel

1858 Neubau durch Eduard Meyer (Hannover), 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.12 1959-65 abgebaut und durch einen Neubau von Friedrich Weißenborn (Braunschweig) ersetzt; 14 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen. Vier Reg. der Meyer-Orgel wurden übernommen. 1990 Instandsetzung durch Gustav Steinmann (Vlotho).

Geläut

Drei LG, I: g’ (Bronze, Gj. 1514, Harmen Koster); II: b’; III: c’’ (beide Bronze, Gj. 1968, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). – Eine SG außen am Turm: f’’ (Bronze, Gj. 1511). – Früherer Bestand: 1738 werden die beiden vorhandenen LG als unbrauchbar bezeichnet; die Gemeinde beschloss, die größere reparieren und die kleinere umgießen zu lassen.13 Der weitere Vorgang ist unklar. Vermutlich wurde die kleine Glocke im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, desgleichen eine 1933 gegossene Ersatzglocke (Bronze, J. J. Radler, Hildesheim) im Zweiten Weltkrieg.

Friedhof

Eigentum der KG. Ursprünglich auf dem Kirchhof, jetzt am westlichen Ortsrand (zwischen Dollberger Str. und Koch’s Weg).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2593-2609 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1975-1983 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 526-530 (Visitationen); D 14 (EphA Sievershausen).

Literatur

A: Kirchen KK Peine, S. 16 f.; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 420; Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 30-33; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 371; Müller, Kirchenbauten, S. 102-104; Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 8 f.
B: Dieter Witenberg: Zwei Dörfer am See: Eddesse und Dedenhausen, [Edemissen 1974].


Fußnoten

  1. Przybilla, Edelherren von Meinersen, S. 248.
  2. Gedruckt in: ZGNK 1 (1896), S. 226 f.
  3. Witenberg, S. 160 f.
  4. KABl. 2007, S. 226.
  5. Buchholz, Amt Meinersen, S. 311.
  6. KABl. 1965, S. 258.
  7. Buchholz, Amt Meinersen, S. 77.
  8. LkAH, D 14 Spec. Eddesse A 101 (Konsistorium zu Hannover an den Sup. in Burgdorf, 21.11.1712).
  9. Manecke, Beschreibungen II, S. 276.
  10. Zur Übertragung des Patronats: LkAH, A 6 Nr. 1978.
  11. Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 33.
  12. Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 8.
  13. LkAH, D 14 Spec. Eddesse A 51301.