KapG der KG Edemissen | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: Matthäus (1959)1 | KO: Lüneburger KO von 1643

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Wehnsen, heute Ortsteil der Gemeinde Edemissen, wird in einem Lehnsregister der Herren Luthard und Burkhard von Meinersen, das um 1274 entstand, als Wedensen erstmals genannt.2 Der Ort war Teil des Amtes Meinersen im Fsm. Lüneburg. Von 1810 bis 1813 gehörte Wehnsen zum Kanton Meinersen im Distrikt Celle des Departements Aller im Kgr. Westphalen. Danach war es wieder Teil des Amtes Meinersen, zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 dann im Kgr. Preußen. 1885 kam Wehnsen zum Lkr. Peine, 1966 wurde das Dorf in die Samtgemeinde Eltze, 1974 in die Großgemeinde Edemissen eingemeindet. Das bäuerlich geprägte Haufendorf hatte 1766 insgesamt 16 Feuerstellen.Um 1810 lag die Einwohnerzahl bei gut 100 und 1933 bei knapp 290. Sie stieg aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf über 600, sank bis Mitte der 1960er Jahre auf unter 400 und lag 2015 bei knapp 500.3
Wehnsen ist Teil des Kirchspiels Edemissen, eine eigene Kapelle entstand erst in nachreformatorischer Zeit. Weder das Lüneburgische Pfründenregister von 1534, noch der Visitationsbericht zum Kirchspiel Edemissen von 1699 erwähnen eine Kapelle.4 Im Corpus bonorum von 1734 hingegen ist das Gebäude aufgeführt und beschrieben: Die Kapelle sei „10 Fuß breit und 21 Fuß lang […] Hat keinen Thurm als ein klein Vordach darin eine kleine Glocke hänget zum Läuten, weiter ist nichts da.“5 Bereits 1714 hatte die Gemeinde Wehnsen den alten Altar der Kirche in Päse erworben und ursprünglich sei über der Tür die Jahreszahl 1701 sichtbar gewesen. Die Kapelle war Anfang des 20. Jh. in einem schlechten Zustand und die KapG entschloss sich 1913 dazu, das Gebäude zu renovieren und nach Westen hin zu verlängern. Dabei erhielt die Kapelle auch einen Dachreiter. Seit 1959 trägt sie den Namen Matthäus.6 2016 stiftete der Ortsbürgermeister Arthur Mohwinkel eine zweite Glocke für die Kapelle, weitere Spenden aus der Gemeinde ermöglichten die nötige Erweiterung des Glockenstuhls.

Kapellenbau

Kleiner Fachwerkbau mit dreiseitigem Chorschluss im Osten, nach 1699 und vor 1734 erbaut, 1913/14 nach Westen hin erweitert. Satteldach, an Nordseite Vorbau (Eingang) mit Schleppdach. Rechteckfenster im Süden und Norden, zwei querrechteckige Fenster in Westfront. Im Innern flache Holzdecke. Außensanierung 2012.

Turm

Ursprünglich ohne Turm, lediglich offener Glockenträger über Westgiebel.7 Seit Erweiterung 1913/14 kleiner Dachreiter mit Pyramidendach leicht zurückversetzt über der Westfassade.

Ausstattung

Schlichte Holzmensa (17./18. Jh.). – Flügelaltar, 1714 von der Gemeinde Päse gekauft, drei Bearbeitungsphasen: 16. Jh., frühes 18. Jh. und Mitte 19. Jh.; bei Restaurierung 1968 (Restaurator Erich Brüggemann, Winsen/Luhe) konnte die Version des 18. Jh. wiederhergestellt werden, die ältere Malschicht war zu stark beschädigt. Naiv-schlichte Kreuzigungsszene im Mittelfeld, Flügel rechts zeigt den Auferstandenen, Flügel links Mose, auf der Predella zwei Engel, die das Schweißtuch der Veronika halten; Flügel stehen fest.8 – Vier Ölbilder (16. Jh.) mit Szenen aus der Passionsgeschichte (Ölberg, Gefangennahme, Geißelung, Dornenkrönung), ursprünglich an Außenseite der Altarflügel, bereits im 19. Jh. abgelöst, 1890 und 1985 restauriert, jetzt rechts und links des Altars.9

Orgel

Zweimanualiges Harmonium.

Geläut

Zwei LG, I: c’’, Inschrift: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. Römer 12.12“ (Bronze, Gj. 2016, Glockengießerei Bachert, Karlsruhe), Stiftung des Ortsbürgermeisters Arthur Mohwinkel; II: a’’ (Bronze, Gj. 1695, H. M., vermutlich Heiso Meyer, Wolfenbüttel). Bei Visitation 1972 Beschädigung der LG II festgestellt,10 1983 repariert (Firma Lachenmeyer, Nördlingen).

Friedhof

Bis 1992 Eigentum der KapG, mit FKap.11

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 Nr. 1985-1992 (Pfarrbestallungsakten Edemissen); A 9 Nr. 533 (Visitationen Edemissen); D 14 (EphA Sievershausen); S 11a Nr. 7863 (Findbuch PfA Edemissen).

Literatur

A: Kirchen KK Peine, S. 64 f.; Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 242 f.; Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 198 f.
B: Fred Mende: Wehnsen. Die Geschichte eines Dorfes, Wehnsen 1995, bes. S. 176-190; Verein der Heimatgeschichte Edemissen (Hg.): Die Gemeinde Edemissen (Die Reihe Archivbilder), Erfurt 2007, S. 101-108.


Fußnoten

  1. Kein mittelalterliches Patrozinium bekannt, Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 144.
  2. Sudendorf, UB I, Nr. 79; Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 242; Mende, S. 25.
  3. Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 243.
  4. Salfeld, Pfründenregister, S. 95; Mende, S. 178.
  5. Zit. bei Mende, S. 178.
  6. Mende, S. 176.
  7. Bild bei Mende, S. 178.
  8. Mende, S. 182 ff.
  9. Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 199; Mende, S. 185 f.
  10. LkAH, L 5h, unverz., Edemissen, Visitation 1972.
  11. LkAH, L 5h, unverz., Edemissen, Visitation 1996.