Sprengel Lüneburg, KK Gifhorn | Patrozinium: Maria1 | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich lässt sich das Dorf westlich der Oker erstmals im Jahre 1344 als Petse nachweisen.2 Päse gehörte 1389 zum Burgfriedensbezirk der Burg Meinersen: vnd de Borchvrede to Meynersen, de schal ghan wente to Adensen to Pedeze. to Syuerdeshusen vnd to leyuerfe. den kring vmme van eynem dorpe to dem anderen vnd dar en bynnen.3 Die Burg, die der Welfe Otto II., Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg, wohl Anfang des 14. Jh. hatte errichten lassen, war bis in die erste Hälfte des 16. Jh. hinein verschiedentlich verpfändet (u. a. Stadt Lüneburg, Familie von Berfelde, Familie von Saldern). 1532 löste Hzg. Ernst I., Fs. von Lüneburg, die Burg ein und machte sie zum Sitz des Amtes Meinersen, dessen Gebiet – abgesehen von Meinersen selbst – westlich der Oker lag und zu dem auch Päse gehörte.4 Das welfische Teilfsm. Lüneburg fiel 1705 an das Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover). In französischer Zeit gehörte Päse von 1810 bis 1813 zum Kanton Meinersen im Distrikt Celle des Allerdepartements im Kgr. Westphalen. Danach war das Dorf wieder Teil des Amtes Meinersen, zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehört Päse zum Lkr. Gifhorn. 1974 wurde der Ort nach Meinersen eingemeindet. Nach Einschätzung des Ortspastors setzte sich die Gemeinde 1937 „zum größten Teil aus bäuerlichen Familien zusammen. Daneben gibt es eine kleinere Zahl von Handwerkern und Arbeitern“.5 1979 waren ein „großer Teil der Gemeindeglieder Schichtarbeiter bei Teves in Gifhorn oder VW, Wolfsburg“ und 1991 charakterisierte der Sup. des KK Gifhorn die Kirchspieldörfer als zunehmend vom „Pendlerdasein“ bestimmt.6 Im Jahr 1821 lebten in Päse gut 220 Menschen, 1905 gut 280, 1950 knapp 560 und 2019 gut 470. Neben Päse selbst zählen auch die KapG Seershausen und Ahnsen zum Kirchspiel, sowie die Orte Böckelse (Ersterwähnung um 1220), Hardesse (Ersterwähnung 1022, Fälschung 12. Jh.), Höfen (Ersterwähnung als Wenrode 1563/64), Hünenberg (Ersterwähnung als Virtelhausen 1781), Siedersdamm (Ersterwähnung 1477) und Warmse (Ersterwähnung 1559).7

Kirche, Ansicht von Südosten, 1904, Postkarte

Kirche, Ansicht von Südosten, 1904, Postkarte

Ältestes Zeugnis der örtlichen Kirchengeschichte ist die Kirche in Päse selbst: Der Unterbau des Turms und Teile der Südwand gehören noch zur romanischen Kirche, die vielleicht im 12. Jh. erbaut wurde.8 Mit Johannes, plebanum in Petse, ist 1344 erstmals ein Pfarrer namentlich genannt.9 1407 ist ein kerkhere to Pedese belegt, 1415 war Heydekinus viceplebano in Pedesse und 1475 lässt sich Johann Schomann als Pfarrer nachweisen.10 Ein Inschriftenstein mit der Jahreszahl 1486 erinnert an einen Umbau der Kirche: Die Gemeinde ließ das Gotteshaus nach Norden hin verbreitern. Im Jahre 1497 war ein Johannes kerckhere to Pedeßen und gleichzeitig auch Kantor der Kalandsbruderschaft in Celle.11 Die älteste erhaltene Glocke der Päser Kirche stammt ebenfalls aus vorref. Zeit: Der Braunschweiger Glockengießer Heinrich Mente goss sie 1512.
Seit 1527 betrieb Hzg. Ernst I., später der Bekenner genannt, die Einführung der Reformation im Fsm. Lüneburg (Landtag in Scharnebeck). Das in diesem Jahr gedruckte Artikelbuch diente dabei, obwohl die Landstände es abgelehnt hatten, als Leitfaden.12 Erster luth. Prediger in Päse war möglicherweise der 1534 im Lüneburger Pfründenregister genannte P. Hinrik Pinsuell; das Register listet auch die KapG Seershausen auf: 1 Capelle Sydershusen Hort dar In.13 Als Martin Ondermark und Wilhelm von Cleve Päse Ende 1543 visitierten, hatte Hermoldus Luleff das Pfarramt inne.14
In den Jahren 1701 bis 1703 erfolgte wiederum ein Umbau der Kirche. P. Johann Anton Rhode (amt. 1689–1717) hatte die Notwendigkeit 1701 damit begründet, dass die Kirche zum einen zu klein sei und sie zum anderen „ganz niedrig und finster ist, dahero die Leute – bei großer Menge – kein Licht haben und Gott zu Ehren keinen Gesang mit singen können“.15 Das KGb erhielt größere Fenster, die Wände wurden erhöht und der dreiseitige Chorschluss errichtet. Eine Landeskollekte zur Finanzierung der Arbeiten genehmigte das Celler Konsistorium jedoch nicht, die Gemeinde durfte allein in den Ämtern Meinersen, Burgdorf, Gifhorn, Bodenteich Oldenstedt und der Stadt Uelzen sammeln – und tat dies mit nur mäßigem Erfolg.16 Als in Meinersen die Kirche zwischen 1775 bis 1780 neu errichtet wurde, blieb die dortige Pfarrstelle vakant, um den Neubau zu finanzieren; der Päser P. Philipp Ahlers (amt. 1771–1782) übernahm die seelsorgerliche Versorgung der Nachbargemeinde. Nach seinem Tod blieb dann umgekehrt die Pfarrstelle in Päse vakant, um mit dem dadurch eingesparten Geld das Kirchendach zu sanieren; P. Ernst August Raven aus Meinersen übernahm die Vakanzvertretung.17

Kirche, Blick zum Altar, 1969

Kirche, Blick zum Altar, 1969

Als nach dem Tod von P. Otto Wenz (amt. 1829–1848) die Neubesetzung der Päser Pfarrstelle anstand, schrieben verschiedene Gemeindeglieder nach Hannover, um dem Konsistorium ihr Wünsche und Vorstellungen mitzuteilen. Zwei Seershäuser sorgten sich um „das Heil von mehr als 1000 Seelen“, beklagten „die große Not […] in diesem Kirchspiele“ und hofften, dass „die Wahl des K[öni]gl[ichen] Konsistoriums durch die Gnade unseres barmherzigen Heilands auf einen Mann gelenkt werde, der ein Mann nach seinem Herzen ist, der sich für einen Hirten erkennt, welcher der Heiland über seine Schafe gesetzt hat, daß er sie für ihn weiden solle und nicht für sich selbst“.18 Andere Kreise der Gemeinde behaupteten, die beiden Unterzeichner hätten „einem pietistischen Prediger die Feder abgeborgt“ und betonten, in Päse „würde ein Lichtfreund so wenig wie ein Pietist was Gutes wirken“.19 Ein weiterer Brief, unterschrieben von 57 Gemeindegliedern aus Ahnsen und Seershausen geht in eine ähnliche Richtung und bat das Konsistorium, „darauf Bedacht zu nehmen, daß wir einen Seelsorger erhalten, welcher der wahren evangelischen Lehre nach der Vorschrift des Gründers unserer Lehre, Dr. Martin Luther, zugetan ist […] Wir sind keine Pietisten noch Lichtfreunde und können auch nicht wünschen, daß ein solcher als unser Seelsorger eingesetzt würde“.20 Das Konsistorium berief schließlich P. Albrecht Willrich (amt. 1849–1859) und die KG erhob nach seiner Einführungspredigt keinen Widerspruch. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. hatte P. Ludwig Heinrich Grote (amt. 1859/60–1863), der nach 1866 als „Welfenpastor“ Bekanntheit erlangte, für einige Jahre das Päser Pfarramt inne; das Konsistorium versetzte ihn jedoch bald, da „seine Stellung in der Gemeinde Päse […] völlig unhaltbar geworden sei“.21

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1935, vor 1972

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1935, vor 1972

Als der Hermannsburger P. Theodor Harms nach Auseinandersetzungen über die Einführung der Zivilehe 1878 die Hannoversche ev.-luth. Freikirche gründete hatte dies auch Auswirkungen auf das Kirchspiel Päse. P. Julius Fleck (amt. 1876–1878) gab in den Unterlagen zur Visitation 1878 an, in seiner Gemeinde gebe es „viele Anhänger von Harms“. Besonders in Seershausen „wohnen einige Familien, welche anfangs gar sehr zu der Separation geneigt waren“, Austritte habe er jedoch vorerst verhindern können.22 Sein Nachfolger P. Christian Mohwinkel (amt. 1880–1898) schrieb 1893: „Die Hannoversche Freikirche, wie sie sich jetzt nennt, hat hier gleich in der ersten Zeit der Hermannsburger Separationsbestrebungen 7 Mitglieder [gewonnen…]. Die von diesen ausgehende Agitation war gerade sehr lebhaft und hatte, zumal die Gemeinde 2 Jahre ohne Pastor gewesen war, eine große Bewegung in derselben hervorgerufen, als ich hierher kam“. Die Freikirche habe in Päse nun elf Mitglieder (acht Erwachsene und drei Kinder) und lebe mit der landeskirchlichen „Gemeinde in Frieden“.23 1899 errichteten die Separierten sich eine eigene Kapelle in Seershausen (heute: Stephanusgemeinde der SELK).24
Im KK Sievershausen, zu dem die Gemeinde Päse von 1723/24 bis 1965 gehörte, hatte während der NS-Zeit der überzeugte DC-Anhänger P. Felix Rahn das Amt des Sup. inne. Der DC-dominierte Kirchensenat wählte ihn 1935 zum Lbf., nachdem er Lbf. August Marahrens abgesetzt hatte. Rahn, konnte sich jedoch nicht durchsetzen.25 Bereits im November 1934 hatte die Kirchenleitung ihm die Leitung des KK Sievershausen entzogen und diese Aufgabe Sup. Georg Böker übertragen (bis 1938 KK Gifhorn, dann KK Burgdorf). In Päse hatte seinerzeit P. Heinrich August Hermann Rautenberg (amt. 1925–1949) das Pfarramt inne. Im Bericht über die Visitation 1937 schrieb Sup. Böker: „P. R[autenberg] ist nicht DC, sondern ‚neutral‘, er hält aber persönlich, vielleicht aus alter Gewohnheit, zum Sup. Rahn in Sievershausen“.26
Anfang der 1970er Jahre sprach der Sup. des KK Gifhorn von Päse als einer „ausgesprochen traditionsbewußten und konservativen Gemeinde“, die dennoch „verhältnismäßig lebendig“ sei.27 Der langjährige P. Gerhard Stricker (amt. 1950–1979) arbeitete in den 1970er Jahren mit den jungen Pastoren in Meinersen und Müden zusammen, die sich in ihren KG um geistliche Gemeindeerneuerung bemühten. Auch in Päse entstanden in dieser Zeit mehrere Hauskreise.28 Die Schwesternstation der Gemeinde, 1919 eingerichtet und mit einer Diakonisse aus dem Hannoveraner Henriettenstift besetzt, ging in den 1980er Jahren in der Diakonie- und Sozialstation der Samtgemeinde Meinersen auf.29 Von 1990 bis 2012 unterhielt die KG Päse eine Partnerschaft mit der KG Manigramam der Tamil Evangelical Lutheran Church im südlichen Indien.

Umfang

Die Orte Ahnsen (seit 1911 KapG), Böckelse, Hardesse, Höfen, Hünenberg, Päse, Seershausen (KapG), Siedersdamm und Warmse.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Müden der Diözese Hildesheim (um 1500).30 – 1543 visitierten Martin Ondermark, GSup. des Fsm. Lüneburg und Wilhelm von Cleve, Hofprediger in Celle, die Gemeinde. 1575 zur neu begründeten Insp. Burgdorf. 1723/24 zur neubegründeten Insp. Sievershausen (1924: KK). Nach Auflösung des KK Sievershausen 1965 zum KK Gifhorn.31

Patronat

Der Archidiakon (um 1500).32 Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Bauphasen, Grafik © 2013, Klaus J. Borchert, KjB Archäologie

Nach Ostsüdosten ausgerichtete Saalkirche mit dreiseitigem Chorschluss, Windfang und Sakristeianbau an der Südseite, älteste Teile wohl um 1150, Erweiterung 1486, Umbau 1701–03.33 Satteldach, im Osten abgewalmt; verputztes Mauerwerk aus Raseneisenstein; korbbogige Fenster; Hauptportal nach Süden; in Ostwand wieder verwendeter Inschriftenstein mit Jahreszahl 1486, an Sakristei (wieder verwendeter) Inschriftenstein mit Jahreszahl 1508 (oder 1708). Im Innern hölzernes Tonnengewölbe mit untergelegten Holzrippen, Westempore, hölzerne Brüstung zwischen Chor und Schiff; an Nord- und Südwand Reste von Rankenmalereien (zweite Hälfte 15. Jh.) und Weihkreuze. Zwischen 1000 und 1250 Bau der romanischen Rechteckkirche mit Westturm in Breite des Schiffs. 1486 Verbreiterung des Schiffs nach Norden. 1701–03 Außenmauern um etwa einen Meter erhöht, größere Fenster gebrochen und dreiseitiger Chorschluss errichtet. 1865 neue Orgelprieche. 1876 südlicher Windfang erbaut. 1909 Innenrenovierung. 1912 Außenrenovierung. 1975/76 Sanierung (u. a. Stabilisierung der Außenmauern, neue Dach- und Turmdeckung, Fußboden erneuert und dabei Fundamentmauern entdeckt). 2011 Außenrenovierung. 2013/14 Innenrenovierung.

Fenster

Figürliche Buntglasfenster (1909), im Chor Weihnachtsgeschichte (links) und Auferstehung (rechts), in den übrigen Fenstern Brustbilder der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon sowie der Apostel Paulus und Petrus; Stiftung der Familie Wiedenroth, Hardesse.

Turm

Querrechteckiger Westturm, verkupfertes Walmdach, vierseitiger Dachreiter mit hoch ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Wetterhahn; Erker mit Uhrziffernblättern nach Osten und Westen. Mittelalterlicher Unterbau (wohl um 1150), verputztes Mauerwerk mit Eckquaderung, Stützpfeiler an Südwand, Eingang nach Süden; hohes, neugotisches Glockengeschoss aus Backsteinmauerwerk (1890, Architekt: Eduard Wendebourg); unterhalb der Traufe umlaufender Dreipassfries; an jeder Seite ein zweibahniges Schallfenster mit Rosette. 1890 Neubau des Glockengeschosses nach Blitzeinschlag. 1999 Turmsanierung.

Kirche, Blick zum Altar, 1928, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt Hannover, Landeskonservator

Kirche, Blick zum Altar, 1928, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt Hannover, Landeskonservator

Ausstattung

Reich verziertes, barockes Altarretabel (dat. 1708), dreistöckiger, architektonischer Aufbau mit gedrehten Säulen, Pilastern, verkröpftem Gebälk, gesprengten Giebeln, Engelsköpfen und Putten, als Bekrönung Kruzifix mit Maria und Johannes, in den unteren Seitenfeldern Figuren der vier Evangelisten. Im Hauptfeld Gemälde mit Abendmahlsszene, darüber Grablegung Christi, im Medaillon des obersten Bildfeldes Auferstehungsszene; Altar gestiftet von Agnese Margareta geb. Barnstorff, Witwe des Amtmannes Johann Heinrich Osterloh (†1706). – Barocke Holzkanzel mit Schalldeckel (zweite Hälfte 16. oder 17. Jh.), Kanzelkorb auf gedrehter Säule, vor den Ecken des Kanzelkorbs gedrehte Säulchen. – Steintaufe (Anfang 20. Jh.), rundes Becken mit Blattfries auf kannelierter Säule. – Weihwasserbecken (Sakristei). – Hölzernes Epitaph für Amtmann Conrad Barnstorf († 1694), restauriert 1982/83. – Mehrere Grabplatten: für P. Henning Huser († etwa 1611) sowie seinen gleichnamigen Sohn und Nachfolger († 1612), jeweils mit Pastorenrelief, lateinische Inschriften teilweise abgetreten34; für Schulmeister Nicolaus Wilhelmkey (†1756). – Eiserne Reliefplatte (Ofenplatte) mit Darstellung des barmherzigen Samariters (1649). – Gefallenendenkmal (um 1920). – Ehemalige Altarplatte mit Reliquiengrube, bis 1976 als Fußbodenplatte verwendet, außen an der Kirche aufgestellt. – Ehemalige Ausstattung: Wohl mittelalterlicher Taufstein, diente seit 1848 als Viehtränke.35

Orgel, nach 1972

Orgel, nach 1972

Orgel

In den 1780er erwog die Gemeinde, in Lüneburg eine gebrauchte Orgel für die Kirche in Päse zu erwerben, das Vorhaben wurde jedoch nicht verwirklicht.36 1798 Kauf einer Orgel, erbaut etwa 1795 von Hoforgelbauer Johann Ferdinand Hüsemann (Wolfenbüttel), 13 I/P.37 1865 Neubau, ausgeführt von Firma Gebrüder Rohlfing, Osnabrück, 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 zinnerne Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken abgegeben. 1935 Neubau unter Verwendung älterer Teile, ausgeführt von Firma Franz Dutkowski (Braunschweig), 24 (davon 5 Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen; Instrument seit Januar 1970 nicht mehr spielbar.38 KG erwog 1970 Kauf einer elektronischen Orgel. 1972 Denkmalorgel aus Krückenberg, erbaut 1864/65 von Friedrich Wilhelm Euler (Gottsbüren), 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, von Firma Wilfried Müller (Arpke) renoviert und nach Päse versetzt; Orgel enthält auch Pfeifenwerk der Krückenberger Vorgängerorgel, erbaut 1687 von Hinrich Klausing (Herford). 1982/83 Instandsetzung der Orgel, ausgeführt von Martin Haspelmath (Walsrode). 1999 entschied sich KV aus Kostengründen gegen Restaurierung der Orgel; 2000 Kauf einer digitalen Orgel der Firma G. Kisselbach (Baunatal) beschlossen.

Geläut

Zwei LG, I: fis’ (Stahl, Gj. 1951, Bochumer Verein), Christusglocke, Inschrift: „Gebt unserm Gott die Ehre“; II: gis’ (Bronze, Gj. 1512, Hinrich Mente, Braunschweig), Marienglocke, Inschrift: „nata su[m] pia cu[m] matre d[i]c[t]a anna. hynrich menten me fecit anno milleno qui[n]get[esim]oq[ue] duode[ci]mo“ (Geboren bin ich von der frommen Mutter genannt Anna. Heinrich Menten hat mich gemacht im Jahr 1512), Bilder: Mondsichelmadonna und Bischof mit Stab; kleine figürliche und ornamentale Reliefs als Worttrenner.39

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1981); altes Pfarrhaus (Bj. 1731; verkauft 1980). – Küsterhaus (Bj. 1900) mit Gemeindesaal (Bj. 1974). – Pfarrwitwenhaus (verkauft um 1980).

Friedhof

Alter kirchlicher Friedhof bei der Kirche, mehrere Grabkreuze (19. Jh.). 1902 neuer kirchlicher Friedhof am Südrand des Dorfes Päse eingerichtet, FKap., seit Januar 1978 in kommunaler Verwaltung. Kirchliche Friedhöfe in den KapG Ahnsen und Seershausen (Warmser Weg, geschlossen), seit Januar 1978 in kommunaler Verwaltung. Kommunale Friedhöfe in Böckelse und Seershausen (Rietzer Weg).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 9017–9032 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 6562–6573 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1805–1811 (Visitationen); D 14 (EphA Sievershausen); L 5a Nr. 1704 (LSuptur. Calenberg-Hoya); S 09 rep Nr. 1951 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7162 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Buchholz, Amt Meinersen, S. 60–65; Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 259–263; Meyer, Pastoren II, S. 262–263; Piper, Orgeln, S. 24–25; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 172.
B: Klaus J. Borchert: Baugeschichtliche Beobachtungen in der Sankt Marien Kirche Päse, in: Gifhorner Kreiskalender 2015, S. 139–141; Klaus J. Borchert: Die St. Marienkirche zu Päse „wird älter“, in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 34 (2014) S. 132–134; Helmut Buchholz: Kirche und Pfarrhaus zu Päse. Von der Reformation bis heute, [Päse] 1981.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 53 f.
  2. UB Braunschweig, Bd. IV, Nr. 127.
  3. Sudendorf, UB VI, Nr. 250.
  4. Buchholz, Amt Meinersen, S. 14.
  5. LkAH, L 5b, unverz., Spez. KG Päse, Visitation 1937.
  6. LkAH, L 5h, unverz., Spez. KG Päse, Visitation 1979 und Visitation 1991.
  7. Ersterwähnungen nach Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 40, 105, 110, 113, 199 und 228. Vgl. auch Buchholz, Amt Meinersen, S. 44 ff.
  8. Borchert, Beobachtungen, S. 140.
  9. UB Braunschweig, Bd. IV, Nr. 127.
  10. Fiedeler, Kirche Meinersen, Anhang, Nr. 15–16; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 172.
  11. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 391.
  12. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 484 und 492 ff.
  13. Salfeld, Pfründenregister, S. 95.
  14. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 498.
  15. Buchholz, S. 26; teilweise zit. bei Borchert, Beobachtungen, S. 141.
  16. Buchholz, S. 30 f.: „Die stereotype Antwort lautet: In den letzten Jahrzehnten sind so viele neue Kirchen und sonstigen geistlichen Gebäude errichtet und immer wieder Kollekten ausgeschrieben, so daß die Leute dieser Dinge überdrüssig geworden und nichts mehr geben.“ Bis 1712 kamen aus Uelzen 35 und aus Burgdorf 57 Taler zusammen.
  17. Buchholz, S. 94 ff.
  18. Zit. bei Buchholz, S. 123.
  19. Zit. bei Buchholz, S. 124, Schreiben der Amtsgeschworene aus Päse, Böckelse, Höfen und Ahnsen.
  20. Zit. bei Buchholz, S. 125.
  21. Zit. bei Buchholz, S. 179. Zu P. Grotes Amtszeit vgl. ebd., S. 136 ff.
  22. LkAH, A 9, Nr. 1808 (Visitation 1879).
  23. LkAH, A 9, Nr. 1809 (Visitation 1893).
  24. LkAH, A 9, Nr. 1810 (Visitation 1901). P. Friedrich Hothmer (amt. 1899–1925) gab 1901 an, dass ihm „von einem Gemeindeglied aus Seershausen versichert worden ist, daß die Separierten zur Aufbringung der kirchlichen Mittel nun feste Beihilfen aus Africa bezögen“.
  25. KABl. 1935, S. 27 f.; Krumwiede, Kirchengeschichte II, S. 497.
  26. LkAH, L 5b, unverz., Spez. KG Päse, Visitation 1937.
  27. LkAH, L 5a, Nr. 1704 (Visitation 1973).
  28. LkAH, L 5h, unverz., Päse, Visitation 1985.
  29. LkAH, A 9, Nr. 1811 (Visitation 1921). Träger der Schwesternstation war anfangs ein Krankenpflegeverein unter Leitung des KV.
  30. Kleinau, Neuer Text, S. 98. Nach Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 53, Archidiakonat Sievershausen.
  31. KABl. 1965, S. 258.
  32. Kleinau, Neuer Text, S. 98.
  33. Zur Baugeschichte vgl. Borchert, Beobachtungen, S. 140 f., sowie Borchert, Marienkirche, S. 133 f.
  34. Buchholz, S. 11.
  35. Buchholz, S. 144.
  36. Buchholz, S. 98 f.
  37. Buchholz, S. 109: Die Orgel war „von einer Kirchengemeinde bestellt worden, die sie nicht hatte abnehmen können, weil das Herzogl[iche] Konsistorium in Wolfenbüttel die Bewilligung einer Kollekte abgelehnt hatte“. Zur Orgelgeschichte vgl. zudem: LKA, G 9 B/Päse Bd. I, Bl. 147 ff.
  38. LKA, G 9 B/Päse Bd. I, Bl. 26: „Z[ur] Z[ei]t befindet sich in der Kirche – als sehr dürftiger Ersatz – eine ältere PHILIPS-Philicorda, eine Zumutung für jeden, der an einer gottesdienstlichen Veranstaltung teilnimmt.“
  39. Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 262.