Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Harzer Land | Patrozinium: Nikolaus | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Echte erscheint schon im 8./9. Jh. als Ethi in den Fuldaer Traditionen (Godescalc trad. deo et sco Bon. bona sua in locis que uocatur Ethi. […] in pago Lisgowe).1 Als Teil der Gft. Westerhof wurde es um 1302 von den von Oldershausen an das Bm. Hildesheim veräußert (Amt Westerhof). Im Quedlinburger Rezess fiel die Landesherrschaft 1523 an das Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel, 1643 an Calenberg. Die von Oldershausen, die bis ins 19. Jh. mit dem Dorf belehnt waren, blieben jedoch ein bestimmender Faktor.2
Wann die Kirche gegründet wurde, ist unbekannt. Die Reihe der namentlich bekannten vorref. Geistlichen beginnt mit dem Priester Gyselher, der 1291 in einer Oldershäuser Urkunde erwähnt wird. 1299 ist der rector ecclesie Christianus belegt; 1509 Konrad Allandt. Erster luth. P. soll Johann Nachtigal gewesen sein, der 1541 unter dem altgläubigen Hzg. Heinrich dem Jüngeren verdrängt wurde und auf die Pfarrstelle in Lüthorst wechselte. 1542 war kein pfarner vorhanden. 1544 klagten die Einwohner von Echte, dass sie mit „einem giftigen Papisten von den von Oldershausen beladen“ seien ihnen der vor Jahren gewünschte ev. Prediger bisher verwehrt geblieben sei.3 1558 wurde der luth. P. Johannes Metken aus Echte vertrieben. Endgültig setzte sich die Reformation erst 1568 mit der Regierungsübernahme Hzg. Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel durch. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde 1634 P. Johann Ilse verjagt und das Pfarrhaus zerstört, schon ein Jahr später aber ein neuer luth. Geistlicher in Echte eingeführt.
Von 1628 bis 1722 war Echte mit Eboldshausen pfarramtlich verbunden. Seit der ersten Hälfte des 18. Jh. (zuerst unter M. Johann Gabriel Kahn, amt. 1708–1722) versahen die Echter P. auch den Kirchendienst in der Gutskapelle von Oldershausen.4
Von 1928 bis 1934 war die Pfarrstelle vakant. P. Walter Hübner (amt. 1934–1937) war Mitglied der BK. Der 1933 gebildete KV hat sich trotz guter Zusammenarbeit mit dem Pfarramt nicht bewährt und zerfiel allmählich. Gruppen und Kreise bestanden 1933 keine. Die weibliche Jugendarbeit wurde 1934 bis 1937 mit mäßigem Erfolg betrieben. Die ev. Schule wurde ohne Wissen der Gemeinde 1942 in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt.
Vom 1. Juli 1976 bis 1. September 1998 und seit 1. Januar 2007 war bzw. ist die KG Echte mit der KG Eboldshausen pfarramtlich verbunden.5 2013 wurde die Verbindung um die KG Düderode-Oldenrode, Wiershausen und Willershausen erweitert. Pfarrsitz ist Echte.

Umfang

Das Dorf Echte und das Gut Oldershausen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Hohnstedt6) der Erzdiözese Mainz. – 1569 zur Suptur. Seesen der Generaldiözese Gandersheim; nach dem Übergang an das Fsm. Calenberg 1644 der Insp. Hohnstedt zugelegt. Am 1. Dezember 1868 wurde für die Gemeinden des ehemaligen Amts Westerhof eine Insp. Kalefeld mit Sitz in Willershausen neu gebildet7 und 1874 in Insp. (1924: KK) Willershausen umbenannt. Die Suptur. war ab 1937 dauervakant und wurde von Osterode aus verwaltet. Mit Aufhebung des KK Willershausen am 1. Januar 1951 zum KK Osterode.8 Seit 1. Januar 2013 KK Harzer Land.

Patronat

Ende des 13. Jh. wurden die Frhr. von Oldershausen in Verbindung mit der Verleihung des Erbmarschallamts mit Dorf und Gericht von Echte belehnt. Damit verbunden war das Patronat über die Kirche zu Echte als persönliches Patronat, das bis heute fortbesteht.9

Kirchenbau

Das zuletzt 1775 erneuerte KGb wurde am 27. Mai 1795 durch einen Brand zerstört. Von der Ausstattung konnten Altar, Kanzel und Orgel gerettet werden. Der Neubau nach Plänen von Heinrich Andreas Isermeier (Northeim), in den auch die Reste des erst 1775 erneuerten Turms einbezogen wurden, wurde am 16. Dezember 1798 eingeweiht. Fünfachsiger, barocker Bruchsteinsaal mit gequaderten Ecken in Rotsandstein (1795–98). An der Ostseite des Schiffs eine Fachwerk-Sakristei, die auch als Zugang zur Kanzel dient. 1954/55 Außenrenovierung. 1959/60 Innenrenovierung. 1989/90 Außenrenovierung.

Turm

Gedrungener zweigeschossiger Westturm mit achtseitiger, barocker Haube und offener Laterne.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar. – Kelchförmige Sandsteintaufe. – Eine Figur des Moses (16. Jh.), ursprünglich wohl Kanzelträger, wurde 1795 aus der alten Kirche gerettet und 1952 an die Schlosskirche in Osterode verliehen.

Orgel

1792 Neubau durch den Orgelbauer Zuberbier (Clausthal). 1928/29 Neubau durch Lothar Wetzel (Hannover) hinter dem alten Gehäuse, 14 II/P, pneumatische Traktur, Taschenlade. 1999 Instandsetzung durch Firma Bosch (Kassel).

Geläut

Drei LG, I: as’ (Bronze, Gj. 1992, Gebrüder Rincker, Sinn); II: ces’’ (Eisenhartguss, Gj. 1956, Wilhelmshütte, Bockenem); III: es’’ (Bronze, Gj. 1861, Firma Stütze, Benneckenstein). – Früherer Bestand: Zwei Glocken wurden beim Brand 1795 zerstört (darunter war die größere erst 1786 umgegossen worden) und 1796 durch zwei neue Glocken von A. Bock (Einbeck) ersetzt. Die große wurde 1846 umgegossen und im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Die kleine ist 1922 gesprungen. Für sie kaufte die KG noch im gleichen Jahr eine gebrauchte Glocke aus Avendshausen. Nach erneutem Verlust im Zweiten Weltkrieg beschaffte die Gemeinde 1956 zwei neue Glocken, von denen die größere in as’ (Eisenhartguss, Gj. 1956, Wilhelmshütte, Bockenem) 1992 wegen einer Beschädigung durch eine neue Bronzeglocke ersetzt werden musste.

Weitere kirchliche Gebäude

Das Pfarrhaus, im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt und erst 1678 wieder aufgebaut, wurde 1792 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. – Gemeindesaal, 1912/13 durch den Umbau der alten Stallungen geschaffen, später auch als KiGa genutzt. Nach Bau des neuen KiGa (1976) wird das Gemeindehaus zum „Haus der Kirche“ umgebaut und ab 2009 für die Hortgruppe des KiGa genutzt. – Küsterhaus (ehemaligen Schulhaus, 1963 erworben, 1989 verkauft).

Friedhof

Südwestlich vor dem Dorf. Eigentum und Trägerschaft der Gemeinde Kalefeld.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2581–2592 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 917 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1968–1974 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 522–525 (Visitationen); D 47 (EphA Osterode).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 418; Gemeindebuch KK Osterode, S. 15–17; Müller, Kalefeld, S. 33–38; Schäfer, Orgelwerke, S. 13.


Fußnoten

  1. Dronke, Trad. Fuld. § 41, 88. Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 86.
  2. Upmeyer, Herren von Oldershausen, S. 253.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 204, Anm. 393.
  4. Meyer, Pastoren, S. 226.
  5. KABl. 1976, S. 56 f.; ebd. 1998, S. 157 f.; ebd. 2007, S. 50.
  6. Kayser, Registrum II, S. 282.
  7. LkAH, D 45a, Gen. A Har 140.
  8. KABl. 1951, S. 5.
  9. Stölting/Münchhausen, Rittergüter, S. 242.