Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Leine-Solling | Patrozinium: Petrus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Avendshausen (seit 1974 Ortsteil von Einbeck) wurde Anfang des 10. Jh. durch die Edelherren von Homburg mit allen seinen Einkünften und Rechten an das Kloster Brunshausen abgetreten.1 1272 wurde es von Hzg. Albrecht dem Großen in Besitz genommen, dessen Sohn Heinrich der Wunderliche es später an das Kloster zurückgab. Erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1286.2 Bis zur Reformation übte der Klosterkonvent alle Hoheitsrechte über den Ort einschließlich des Patronatsrechts für die Pfarre aus. Als erster Pfarrer ist 1386 Heinrich Overwater belegt.3 Weitere vorref. Geistliche waren Jan Wasmodi (1430)4, Heinrich Ramstedt († 1491), Johann Beber (1492), Conrad Rascher sowie die mit Nachnamen nicht bekannten Pfarrer Conradus und Wilhelmus.5 Die Reformation wurde am 5. Juli 1544 durch Hzg. Philipp I. von Braunschweig-Grubenhagen für Avendshausen, Andershausen und Kuventhal eingeführt. Offensichtlich amt. in Avendshausen aber zunächst noch der altgläubige Priester Wilhelmus. Als dieser vor den Truppen des ev. Söldnerführers Vollrad von Mansfeld flüchtete, setzte – nach Verzicht des Klosters Brunshausen auf das Kollationsrecht – Ernst III. von Braunschweig-Grubenhagen als Landesherr den früheren Augustinermönch und Rektor in Einbeck Johann Oppermann (amt. 1552–1563) als P. ein.6 Bei der Generalvisitation von 1610 heißt es, in Avendshausen sei es „allewege schleferisch zugegangen, weil [die Visitation] nicht durchs ambt, sondern durch den Pastor ist bestellet worden. Pastor soll sich mit den leuten im kruge sehr gemein machen, gehet in hosen und wames wie ein ander bawer auch zur kirchen, lest sich mehr in publicis tabernis als bey den buchern finden.“7
1734 erhielt Avendshausen ein eigenes Schulhaus (Neubau 1896). Als Mittelpunkt des Schulverbandes war die Gemeinde auch für Rengershausen zuständig (bis 1811 auch für Vardeilsen). 1965 erfolgte der Anschluss an den Schulzweckverband Lüthorst.
In der NS-Zeit war P. Horn Mitglied der NSDAP und 1933/35 Mitglied der DC. Noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg war Avendshausen weitgehend landwirtschaftlich geprägt. Die Lage abseits der großen Verkehrswege trug dazu bei, dass sich die Einwohnerzahl nicht nennenswert vergrößert hat. Die KG umfasste 1963 insgesamt 551 Gemeindeglieder, darunter 137 in Avendshausen, 103 in Rengershausen und 311 in Vardeilsen. Die Pfarrstelle war ab 1951 dauervakant und wurde von Hullersen aus betreut. Am 1. Februar 1972 wurde die KapG Vardeilsen aufgehoben. Mit der Eingliederung in die KG Lüthorst und der Vereinigung der beiden Pfarrstellen am selben Tag verlor Avendshausen seine kirchliche Selbständigkeit.8

Umfang

Die Dörfer Avendshausen, Rengershausen und Vardeilsen (KapG).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Markoldendorf) der Erzdiözese Mainz. – Nach der Reformation (1543) zur Insp. (1924: KK) Einbeck. Danach siehe unter Lüthorst.

Patronat

Die Edelherren von Homburg; ab dem 10. Jh. das Kloster Brunshausen bei Gandersheim. Im Zuge der Einführung der Reformation in Avendshausen wurden die Patronatsrechte 1544 durch den Landesherrn übernommen (bis 1871). 1681 erhob das Kloster Brunshausen noch einmal (erfolglos) Anspruch auf das Patronat.

Kirchenbau

Das erste KGb ist 1641 abgebrannt und wurde bis 1657 wiederhergestellt. Laut CB von 1734 war es auf drei Seiten ganz oder teilweise erneuert.9 Weitere Instandsetzung nach einem Sturmschaden 1765/70. Massiver Bruchsteinbau mit Fachwerkgiebeln. 1972 grundlegende Innen- und Außenrenovierung (Abbau der Emporen, Veränderung des Altarraums; Neueindeckung in Ziegeln anstelle der bisherigen Sollingplatten). Nach 1972 wurde im westlichen Teil der Kirche ein Gemeinderaum eingebaut.

Turm

Vierseitiger Dachreiter mit Pyramidendach über dem Westgiebel.

Ausstattung

Kelchförmige Sandsteintaufe, Fuß nicht erhalten, wurde in den 1970er Jahren als Blumenkübel genutzt, später mit einem quaderförmigen Unterbau wieder in der Kirche aufgestellt und um eine Taufschale ergänzt.10

Orgel

1864 Neubau durch Wilhelm Beckmann (Einbeck), 7 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen11; vielleicht unter Verwendung älterer Bauteile. Vor 1972 Änderung der Disposition durch E. Kemper & Sohn (Lübeck). 1972 Umsetzung nach Wellersen durch Martin Haspelmath (Walsrode).

Geläut

Eine LG in des’’ (Bronze, Gj. 1659). – Früherer Bestand: Ein älteres Geläut wurde im Dreißigjährigen Krieg weggenommen.12

Weitere kirchliche Gebäude

Das Fachwerk-Pfarrhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. wurde nach der Aufhebung der KG 1972 verkauft, das Pfarrwitwenhaus bereits 1890.

Friedhof

Der bei der Kirche gelegene Begräbnisplatz wurde um 1850 mit der Neuanlage außerhalb des Dorfes aufgegeben. Eigentum der KG. Die Verwaltung liegt bei der Stadt Einbeck. FKap (Bj. 1971). – Die Friedhöfe in Rengershausen und Vardeilsen sind Eigentum der Stadt Einbeck.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1552–1563 Johann Oppermann. – 1563–1566 Matthias Ratzenberger (Razzeberger). – 1566–1614 Zacharias Zahnius (Zahn). – 1614–1632 Hieronymus Hettling (Helling). – 1632–1637 Joachim Heikenius (Hoykenius). – 1638–1643 Friedrich Limborg (Limburg). – 1643–1673 Johannes Hoffmann. – 1674–1681 Lorenz Ernst Güntzel(ius). – 1681–1687 Johannes Deichmann. – 1687–1740 Johann Joachim Suchland. – 1740–1742 Heinrich Christoph Apel. – 1742–1751 Rudolf Anton Brauns. – 1751–1753 Johann Friedrich Lueder. – 1753–1754 Magister Kaspar Otto Creller. – 1755–1768 H. Wilhelm C. Eibestorff. – 1768–1784 Christian Ludwig Esken. – 1786–1820 Karl von Einem. – 1821–1837 Heinrich Friedrich Bernhard Esken. – 1838–1851 Heinrich Ludwig August Brockmann. – 1851–1858 Christoph Philipp Ludolph Waldau. – 1859–1885 Georg Ernst Ludolf Kaß. – 1888–1905 Karl Ludwig August Domeyer. – 1905–1919 Gerhard Rudolf Kühner. – 1920–1925 Heinrich Christian Hermann August Woeckener. – 1925-1951 Wilhelm Ludwig Artur Hermann Horn.

Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 41–42

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 392–396 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 351–357 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 85–87 (Visitationen); D 45 b (EphA Einbeck).

Literatur

A: Niklaus, KK Einbeck, S. 65–66; Wedekind, Inspektion Einbeck, S. 42–46.
B: Rudolf Lindemann: Vier Taufgeräte im Kirchenkreis Einbeck, in: Einbecker Jahrbuch 41 (1991).


Fußnoten

  1. Niklaus, KK Einbeck, S. 65.
  2. Casemir/Menzel/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Northeim, S. 37.
  3. Urkundenauszüge Einbeck, Nr. 400.
  4. Urkundenauszüge Einbeck, Nr. 874.
  5. Wedekind, Inspektion Einbeck, S. 42.
  6. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 585, Anm. 1328; Max, Grubenhagen II, S. 204.
  7. Spanuth, Grubenhagensche Kirchenvisitation, S. 112.
  8. KABl. 1972, S. 3.
  9. LkAH, A8/Avendshausen.
  10. Lindemann, S. 182–185.
  11. Ihlemann, Orgelbauer Einbeck, S. 103.
  12. LkAH, A 8/Avendshausen.