Sprengel Lüneburg, KK Gifhorn | Patrozinium: Petrus1 | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich lässt sich der Ort am Zusammenfluss von Aller und Oker erstmals als Mutha in zwei Urkunden nachweisen, die auf 1022 datiert sind und die angeblich von Bf. Bernward von Hildesheim bzw. von Ks. Heinrich II. ausgestellt worden sind. Bei den beiden Schriftstücken handelt es sich jedoch um Fälschungen des 12. Jh.2 Müden gehörte zum 1235 gegründeten Hzm. Braunschweig-Lüneburg und kam nach der welfischen Landesteilung von 1267/69 zum Teil Lüneburg. Müden lag in der Amtsvogtei Flotwedel bzw. Eicklingen der Großvogtei Celle; die Verwaltungszugehörigkeit blieb bestehen, als das Fsm. Lüneburg 1705 an das Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) fiel. In französischer Zeit zählte Müden von 1810 bis 1813 zum Kanton Gifhorn im Distrikt Celle des Departements der Aller im Kgr. Westphalen. Danach gehörte Müden zunächst wieder zur Amtsvogtei bzw. zum Amt Eicklingen, nun im Kgr. Hannover, und kam 1859 zum Amt Meinersen. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Müden 1866 an Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehört der Ort zum Kr. Gifhorn. 1974 wurden die Ortschaften Dieckhorst, Ettenbüttel, Flettmar und Hahnenhorn nach Müden eingemeindet. Zur Struktur der Gemeinde heißt es im Visitationsbericht 1988: „Es ist eine Landgemeinde mit Pendlern nach Gifhorn, Wolfsburg und Celle, daneben bestimmen landwirtschaftliche Betriebe das Bild.“3 Im Jahr 1821 lebten gut 440 Menschen in Müden, 1905 etwa 650, 1950 rund 1.540 und 2019 gut 2.590 (ohne Eingemeindungen).

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1939, Zeichnung von Fritz Hildebrandt

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1939, Zeichnung von Fritz Hildebrandt

Müden war im Mittelalter Sitz eines kleinen Archidiakonats der Diözese Hildesheim, zu dem neben Müden selbst wohl Groß Oesingen und Päse (mit Seershausen) gehörten.4 In der zweiten Hälfte des 18. Jh. war Müden kurzzeitig Sitz einer Inspektion, die die Gemeinden Hohne, Langlingen und Bröckel umfasste (1780–1787).5
Müden zählt vermutlich zu den alten Kirchorten und besaß wohl schon im 9. Jh. eine Kirche.6 Chor und Schiff der heutigen Kirche entstanden in spätgotischer Zeit; im Chor haben sich Wandmalereien des 15. Jh. erhalten. Ein – allerdings nicht namentlich genannter – Geistlicher in Muden lässt sich urkundlich zuerst 1295 belegen.7 In der Zeugenliste einer Urkunde aus dem Jahr 1339 ist ein Johanne plebano in Muden aufgelistet.8 Mehrfach lässt sich her Jan van marnholte Kerchere tho můden urkundlich belegen: 1355, 1367, 1370 und als verstorben im November 1377.9 Weitere vorref. Geistliche in Müden waren 1415 der viceplebano Johannes Lawen und 1452 Herr Borchard Truteler.10 Als letzterer wohl um die Jahreswende 1468/69 sein Amt niedergelegt hatte, bemühte sich Conradus Marenhalte um die Müdener Pfarrpfründe.11 Die Zehntzahlungen an den Pfarrer von Müden, aufgezeichnet Mitte des 16. Jh., legen nahe, dass Müden ursprünglich ein recht ausgedehntes Kirchspiel war: Der Pfarrer hatte Anspruch auf den Zehnten bzw. den Fleischzehnten aus Kästorf, Wilsche, Spechtshorn, Ettenbüttel, Bokel, Bockelsberg und Gilde.12
Seit 1527 betrieb Hzg. Ernst I., später der Bekenner genannt, die Einführung der Reformation im Fsm. Lüneburg (Landtag in Scharnebeck). Das in diesem Jahr gedruckte Artikelbuch diente dabei, obwohl die Landstände es abgelehnt hatten, als Leitfaden.13 In Müden lässt sich 1522 P. Johann von Marenholtz als Inhaber der Pfarrpfründe nachweisen; den eigentlichen Pfarrdienst versah seit diesem Jahr der mercenarius Johann Crußendorf (amt. 1522–1567). Bald darauf starb P. Marenholtz und Crußendorf übernahm die Pfarrstelle. Er ist also vermutlich gleichzeitig als letzter kath. und erster luth. Prediger Müdens anzusehen. Im Lüneburger Pfründenregister von 1534 ist er als Her Johan Crußendorp verzeichnet.14 Seit etwa 1564 unterstützte ihn sein Sohn Joachim als Pfarrgehilfe.15 Die Müdener Pfarrer war gut ausgestattet: Der Pfarrer besaß einen Vollhof, den er selbst bewirtschaftete (bis in die 1880er Jahre) und darüber hinaus waren fünf weitere Höfe vermeiert.16 Die gute wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch darin, dass von der Reformation bis 1913 kein Müdener Pfarrer das Dorf wieder verließ, um eine andere Pfarrstelle anzutreten.17 Im Jahre 1574 ließ die Gemeinde südöstlich der Kirche ein Pfarrwitwenhaus; es befindet sich bis heute im Besitz der KG und ist das älteste erhaltene Wohngebäude Müdens.18

Kirche, Ansicht von Nordosten, Teilansicht

Kirche, Ansicht von Nordosten, Teilansicht

Die Petruskirche erhielt ihr heutiges Aussehen im 17. und 18. Jh.: 1654 ließ Moritz von Marenholtz auf Dieckhorst nördlich des Chors einen Fachwerkanbau mit Gutsprieche, Sakristei und Familiengruft errichten.19 Im Corpus bonorum von 1734 heißt es, die Kirche sei für die „ziemlich starke Gemeinde etwas zu klein“.20 1768 wurde ein neuer Glockenturm, ebenfalls ein Fachwerkbau, vollendet. P. Henricus Hoffmann (amt. 1646–1676), legte 1647 Kirchenbücher für seine Gemeinde und sammelte weiteres Material, das er 1668 in drei Teilen niederschrieb: Im ersten geht es um „der geistlichen Häuser intraden und accidentia“, der zweite ist ein „Inventarium de Supellectile ecclesiastica“ (ein Verzeichnis der Kirchenausstattung) und der dritte befasst sich mit der „Historiam ecclesiastica“, also der Geschichte der Kirche.21
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. beeinflusste die Hermannsburger Missions- und Erweckungsbewegung das kirchliche Leben in Müden. P. Ludwig Harms aus Hermannsburg predigte wiederholt in Müden und 1982 charakterisierte der Sup. des KK Gifhorn Müden als eine der „traditionellen Hermannsburger Gemeinden im Kirchenkreis“, zu denen in der Umgebung auch Bröckel und Wahrenholz zählten.22 Während der Amtszeit von P. Georg Mühle (amt. 1872–1883) gründete sich 1879 der Posaunenchor Müden. Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Theodor Gustav Helmut Vandré (amt. 1928–1937) und P. Siebo Siuts (amt. 1938–1952) das Pfarramt in Müden inne. Beide gehörten, wie P. Siuts rückblickend im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ angab, der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft an. Bei der Neuwahl des KV 1933, schrieb P. Siuts weiter, wurde „weniger auf die kirchl[iche] Stellung als die Zugehörigkeit zur Partei gesehen“; der KV trat 1937 zurück.23
Seit Ende der 1920er Jahre bestand in Müden eine Gruppe der Landeskirchlichen Gemeinschaft, die nach und nach ein eigenes Gemeindeleben entwickelte. Nach zunehmender Entfremdung mit der KG Müden seit Mitte der 1980er Jahre führte die Gemeinschaft 1993 eigene Gottesdienste ein und trennte sich schließlich von der Landeskirche Hannovers: 1996 gründete sie die Johannes-Gemeinde, eine selbständige ev. Gemeinde im Ohofer Gemeinschaftsverband.24

Kirche, Blick zum Altar, vor 1962

Kirche, Blick zum Altar, vor 1962

Der Sup. des KK Gifhorn beschrieb Müden 1976 als eine der „lebendigen Gemeinden des Kirchenkreises“, in der erstaunlich viele Ehrenamtliche besonders die Frauen- und Jugendarbeit trugen.25 Die Gemeinde baute eine Partnerschaft mit der Kirchgemeinde Oberwiesenthal in Sachsen auf, die der Ortspfarrer 1988 knapp auf den Punkt brachte: „Intensive Kontakte und reger Austausch!“26 Neben dem sonntäglichen Gottesdienst in der Petrikirche diente bis 1980 einmal im Monat auch die kommunale FKap in Flettmar als Gottesdienststätte.
Im letzten Viertel des 20. Jh. machte die KG Müden einen tiefgreifenden Wandel durch, den P. Hans-Volker Hoppe (amt. 1970–2002) als Entwicklung von einer „volkskirchliche geprägten Traditionsgemeinde“ hin zu einer „entscheidungsgeprägte[n] Kerngemeinde in der Volkskirche“ charakterisierte.27 P. Hoppe, ein Pastor „biblisch-missionarischer Prägung“28, führte Anfang der 1980er Jahre Hauskreise ein und bot, inspiriert von der „Charismatischen Gemeindeerneuerung in der Ev. Kirche“ (später Arbeitskreis Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Ev. Kirche, GGE), seit 1985 „Grundkurse des Glaubens“ und seit Ende der 1990er Jahre sogenannte Alpha-Kurse an.29 „Lobpreis, charismatische Gottesdienste, Praktizierung von Gaben des Heiligen Geistes wie Prophetie und Sprachengebet, Krankengebet, Glaubenskurse, persönliche Segnungen fanden behutsam Eingang in unser Gemeindeleben“ schrieb P. Hoppe rückblickend.30 Zur 1991 eingeführten Lobpreis-Zeit im GD gehörten zeitweise auch Anbetungstänze. Nebeneffekte dieser Veränderungen waren nicht zuletzt die Abtrennung der Landeskirchlichen Gemeinschaft und eine wachsende Distanz zwischen Dorf und KG.31
Als Förderverein der KG gründete sich 1991/92 der „Trägerkreis Missionarische Gemeindearbeit e. V.“, der seit 1995 über Spenden eine Mitarbeiterstelle vor allem für Jugendarbeit finanzierte.32 Nachdem P. Hoppe schon 1993 ein umfangreiches „Gemeindeprofil“ verfasst hatte (Neufassungen 1994, 1995 und 1999), erarbeitete die KG Müden 2017 ein neues Leitbild und stellte sich unter das Motto „St. Petri. Kirche für Generationen“ („Wir wollen Menschen aller Generationen befähigen, ihre Identität in Christus zu erkennen und daraus in der Kraft des Heiligen Geistes zu leben“).33

Umfang

Müden (Aller) sowie Dieckhorst und Flettmar. Bis 1965 auch Nienhof (dann KG Langlingen).34 Von 1776 bis 1978 auch Bokelberge (dann KG Meinersen).35

Aufsichtsbezirk

Sitz eines Archidiakonats der Diözese Hildesheim.36 – Nach der Reformation zur 1531 gegründeten Insp. Celle. 1780–87 Sitz der kurzlebigen Insp. Müden, dann wieder Insp. Celle. 1803 zur neu gegründeten Insp. Beedenbostel, Sitz der Suptur. bis 1810 in Celle-Neuenhäusen, dann in Winsen (Aller). 1855 zur neuen Insp. Beedenbostel, die 1925 im KK Celle aufging.37 1965 zum KK Gifhorn.38

Patronat

Bf. von Hildesheim, belegt 1437/70 und um 1500.39 Mindestens ein Teil der Pfarreinkünfte („1 Commende“) war 1534 in der Hand der Familie von Marenholtz („hebben de van Marenholte undersick, wo und in welker gestalt, will de parher der fundation ein Copei bringhen“).40 Nach der Reformation der Landesherr (bis 1871).41

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, nach 1963, vor 1965

Kirche, Blick zum Altar, nach 1963, vor 1965

Ostsüdöstlich ausgerichteter, spätgotischer, einschiffiger Backsteinbau mit polygonaler Apsis und Fachwerkanbau mit vorkragenden Geschossen an Nordseite (Sakristei, Gruft und Prieche der Familie von Marenholtz auf Dieckhorst). Satteldach, über dem Chor abgewalmt. Verputztes Mauerwerk, gemauerte Strebepfeiler; am Chor doppelte, sowie ein einfaches und ein dreifaches Spitzbogenfenster, am Schiff unterschiedliche Rechteck- und ein Spitzbogenfenster; Haupteingang nach Norden, Nebeneingang nach Süden. Fachwerkanbau mit Ziegelausfachung und Rechteckfenstern. Im Innern gewölbte Bretterdecke, modern ausgemalt (1963, Hubert Distler, München, erlöste und unerlöste Welt nach Jes 11 und Offb 21; im Chor spätgotische Wandmalereien (Ende 15. Jh., Szenen der Passionsgeschichte, Rankenwerk, 1962/63 restauriert); L-förmige Empore an Nord- und Westseite, Brüstungen bemalt (Tugend-, Apostel- und Prophetenfiguren); Gutsprieche an Nordwand. 1654 Fachwerkanbau errichtet. 1905 Fachwerkanbau zur Kirche geöffnet. 1962–68 Sanierung (u. a. statische Sicherung, Decke erneuert und neu ausgemalt, Orgelempore über dem Altar entfernt und Orgel nach Westen versetzt). 1983/84 Außenrenovierung. 1989 Innenrenovierung.

Turm

Niedriger Fachwerkturm, vollendet 1768.42 Zeltdach bekrönt mit Kugel und Wetterfahne, Uhrgaube und Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Norden. Ziegelausfachung, flachbogige Schallöffnungen. Älterer Turm, ebenfalls aus Fachwerk; 1734 Turmuhr vorhanden, welche jedoch „altershalber gegenwärtig in gar schlechtem Stande“ sei.43

Vorgängerbau

Holzkirche, bei Bau der Heizung nachgewiesen.44

Ausstattung

Schlichter Blockaltar (1963) mit alter Mensa (bei Renovierung 1963 im Fußboden entdeckt). – Hängendes Altarkreuz (1965, Hermann Jünger). – Reich verzierte Kanzel (1617) mit Schalldeckel (1614), am Kanzelkorb Gemälde Christi und der vier Evangelisten; verschiedene lateinische Bibelverse als Inschriften; am Schalldeckel: „Hvivs svggesti tegmen in honorem Dei dedit David Bottichervs pastor mvdensis anno 1614“ (Die Bedachung dieser Kanzel stiftete zur Ehre Gottes David Bötticher Pastor zu Müden im Jahr 1614). – Schlichter Taufstein (1557), achtseitiges, kelchförmiges Becken auf achtseitigem Schaft; diente seit 1790 als Viehtränke, kam später nach Lachendorf und von dort ins Bomann-Museum Celle; 1965 restauriert und wieder in Müden aufgestellt (Dauerleihgabe des Museums).45 – Gutsprieche Familie von Marenholtz (1654). – Grabsteine (16./17. Jh.), für Ilsa von Wittorf († 1565) und ihren Ehemann Moritz von Marenholtz († 1569), für Hans von Marenholtz († 1587), für Margarethe von Marenholtz († 1585) und für Elisabeth von [R]antorff († 1604). – Mehrere Epitaphe (16./17. Jh.), Holzepitaph für Sofia von Marenholtz († 1628), Tafelgemälde mit Kreuzigungsszene, architektonische Rahmung, diente etwa 1790 bis 1962 als Altarbild; Holzepitaph für Hans von Marenholtz († 1587), Gemälde „Auferstehung der Toten“; Holzepitaph für Heinrich von Marenholtz († 1595), Gemälde mit Auferstehungsszene; Steinepitaph für August von Marenholtz († 1620), Kreuzigungsszene mit Maria und Johannes. – Außen: Mehrere Grabplatten an Außenwand: für Melchior Levin von Marenholtz († 1?10); für Augustus von Marenholtz († 1620); für drei Söhne von P. Joachim Meineke und seiner Frau Anna Sophia Heidemans, gestorben 1680 und 1681; für Anna Catrina Homans († 1722); für P. Volmer, Inschrift: „1659 ist H. Johan Baldvin Volmer avf diese Welt gebohren gestorben 1727 im 69. Ja[hr sei]nes Alter und im 41 Jahr seines Predi[ger]ambts“; für P. Rosenhagen, Inschrift: „Hier ruhen die Gebeine des woll seeligen und wollverdienten Predigers Georg Zacharias Rosenhagen welcher den VI. Februar MDCLXXXXVII in der Stadt Hannover gebohren und den XIII. Martii MDCCL abend um XI Uhr an einem Recidiv vom Schlagfluße alhie zu Müden an der Aller in dem Herrn seelig entschlaffen ist, nachdehm selbiger seit dem Sontag Laetare MDCCXXIIX also XXII Jahre der hiesigen Gemeinde als ein Seelsorger vorgestanden und sein Leben gebracht hat auf LIII Jahre VI Wochen und II Tage. ‚Ich habe einen guten Kampf gekämpfet und Herr nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren.‘“; für Sup. Johann Daniel Schumann († 1787); für Familie Sarnighausen, Inschrift: „Hier sind begraben Johann Friederich Sarnighausen Sohn des Pastors hierselbst gestorben den 21ten Januar 1810 alt 18 Jahr. Dessen Mutter Eleonore Philippine Charlotte gebohrne Meyenburg gestorben den 20ten Februar 1810 alt 55 Jahr. Dessen Vater Ludwig Anton Sarnighausen gestorben den 12ten October 1827 alt 89 Jahr“. Ehemalige Ausstattung: Geschnitztes Flügelretabel, Flügel außen bemalt (um 1430/40), gestiftet von Diderik van marenholte vn Hille [von Gustedt] sin husfrouwe; im Mittelschrein Christi Geburt, in den Seitenflügeln je drei Heiligenfiguren; Retabel bei Bau der Ostempore 1791 in Sakristei gestellt, 1890 an Provinzialmuseum Hannover verkauft (jetzt Landesmuseum Hannover); Verkaufserlös von 500 Mark für Glockenfonds.46 – Hölzerne Taufe (1909, Abbauer Wilhelm Schepelmann), Inschrift: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“.

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1968

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1968

Orgel

1610 Organist erwähnt.47 Um 1610 neue Orgel, gestiftet von Witwe Marenholtz auf Dieckhorst. Zustand um 1720 wohl 12 II/P (HW, BW), Springlade, 1728 Orgel als zerfallen beschrieben.48 Im Corpus bonorum von 1734 ist „eine kleine Orgel oder vielmehr Positiv von sieben Stimmen“ erwähnt.49 1790/91 gebrauchte Orgel erworben (wohl um 1726 für Braunschweiger Dom erbaut) und auf Empore über dem Altar aufgestellt, Inschriften am Prospekt außen: „1790“, innen: „Rudolph Friedrich Leopold Rudloff von Braunschweig gebürtig hat diese Orgel hier helfen umsetzen, den 25. Januar 1791“ und „Frantz, 12. Mai 1726“.50 1819 Reparatur, ausgeführt von Ernst Wilhelm Meyer (Hannover), 13 I/P, mechanische Traktur, Springladen. 1857 Reparatur, ausgeführt von Ferdinand Scheller (Celle), zwei Reg. nicht mehr erhalten. 1877 Neubau des Orgelwerks hinter dem vorhandenen Barockprospekt, ausgeführt von Ph. Furtwängler & Söhne (Elze), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 146).51 Im Ersten Weltkrieg Zinnpfeifen des Prospekts zu Rüstungszwecken abgegeben, in den 1920er Jahren durch „hölzerne Nachbildungen ersetzt“; Zustand 1944: 14 II/P.52 1952 Reparatur, Änderung der Disposition und Ergänzung, vorgenommen von Lothar Wetzel (Hannover), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1962 Instrument abgebaut (Kirchenrenovierung) und 1967/68 auf Westempore wieder aufgebaut, Firma Schmidt & Thiemann (Hannover), 15 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, zudem ein vakantes Pedalregister (Posaune 16’). 2005 Instandsetzung, Dispositionsänderung und Einbau des fehlenden Pedalregisters, ausgeführt von Firma Christoph Grefe (Ilsede), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Der Barockprospekt vom Anfang des 18. Jh. ist erhalten.

Geläut

Zwei LG, I: cis’ (Bronze, Gj. 1955, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg), Inschrift: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt“, „Bernwardsglocke der Kirchengemeinde Müden/Aller“ und „Gegossen von der Firma Schilling in Heidelberg“, Bilder: Bf. Bernward, Bischofskreuz; II: e’ (Bronze, Gj. 1895, Firma Radler, Hildesheim), Inschrift: „O Land, Land, Land, höre des Herren Wort“ und „Gegossen von J. J. Radler u[nd] Soehne, in Hildesheim 1895“, Bild: bekreuztes Alpha und bekreuztes Omega, Girlandenfries mit Blättern. Eine SG, g’’’ (Bronze, 20. Jh.). – Früherer Bestand: Eine große Lg (Bronze), Inschrift wohl: „o rex glorie veni cum pace s[an]c[t]a maria“ (O König der Ehre komm mit Frieden. Heilige Maria), Bilder: Petrus sowie Kreuzigungsszene mit Maria und Johannes, beim Guss der neuen LG 1895 in Zahlung gegeben, laut Eintrag in der Schulchronik von 1895 lautete die Inschrift nicht „sca maria“ sondern „ave maria“ (Sei gegrüßt Maria).53 Zwei kleinere LG (beide Bronze, Gj. 1475), I: Inschrift: „anno d[omi]ni m cccc lxxv sancta maria bidde vor vns“, Bilder: Petrus und weitere Heiligenfigur; II: Inschrift: „anno d[omi]ni m cccc lxxv sancta anna bidde vor vns“, beide Glocke in der zweiten Hälfte des 19. Jh. geborsten und beim Guss der neuen LG 1895 in Zahlung gegeben.54 Zwei neue LG, I: cis’, Inschriften: „Ehre sei Gott in der Höhe“, „Friede sei mit Euch“ und „Gegossen von der Firma J. J. Radler & Söhne, in Hildesheim 1895“, Bilder: segnender Christus, Kreuz; II: heutige LG II (beide Bronze, Gj. 1895, Firma Radler, Hildesheim), LG I 1917 zu Rüstungszwecken abgegeben. Eine LG (Bronze, Gj. 1929, Apolda), Inschriften: „Niemand hat größere Liebe, denn der lässet sein Leben für die Brüder“ und „Zum Andenken an die im Weltkriege 1914–1918 gefallenen Brüder. Kirchengemeinde Müden, gegossen in Apolda“, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1791). – Gemeindehaus „Haus der Kirche“ (Bj. 1867, ehemaliges Schul- und Küsterhaus). – Ehemaliges Pfarrwitwenhaus (Bj. 1574), ältestes Wohnhaus in Müden; Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach; vermietet.

Friedhof

Alter kirchlicher Friedhof rund um die Kirche. 1831 neuer kirchlicher Friedhof angelegt, FKap (Bj. 1978). Kommunaler Friedhof in Flettmar (1933), FKap (Bj. 1965). Kommunaler Friedhof in Gerstenbüttel (1966).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 8000–8017 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 60 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 5626–5641 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 293 (CB); A 9 Nr. 1594–1595 (Visitationen); D 40 (EphA Gifhorn); S 09 rep Nr. 1728 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7113 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 959; Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 230–240; Meyer, Pastoren II, S. 152–153; Rund, Ortsverzeichnis Kr. Gifhorn, S. 157–158.
B: Hans-Volker Hoppe: mit-ER-lebt. Drei Jahrzehnte als Pastor in Müden/Aller. Die ev.-luth. St.-Petri-Kirchengemeinde 1970–2002, [Müden] ⁴2007; Heinrich Klingenspor sen.: Dorfchronik Müden (Aller) (= Beiträge zur Heimatkunde 1), Müden ²2003, bes. S. 45–140.

GND

2112127-8, Sankt-Petri-Kirchengemeinde (Müden (Aller))


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 127 und ebd. II, S. 52.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 67 und 69; MGH DD H II 260.
  3. LkAH, L 5h, unverz., Müden (Aller), Visitation 1988.
  4. Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 158.
  5. Klingenspor, S. 125.
  6. Erbe, Niederkirchenwesen, S. 118.
  7. UB HS Hildesheim III, Nr. 1045.
  8. UB Braunschweig III, Nr. 582.
  9. Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 157 (1339); Lüneburger UB V, Isenhagen, Nr. 288 (1367) und 310 (1377: hern Jane van marnholte dede perner was tho můden); UB HS Hildesheim V, Nr. 1315 (1370: her Johan van Marnholte perner to Muden).
  10. Fiedeler, Kirche Meinersen, S. 90; Klingenspor, S. 87.
  11. RG Online, RG IX 00835, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/9/835, 07.02.2020.
  12. Klingenspor, S. 48; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 462.
  13. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 484 und 492 ff.
  14. Salfeld, Pfründenregister, S. 102.
  15. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 462.
  16. Klingenspor, S. 90 ff. und 127.
  17. Klingenspor, S. 128.
  18. Klingenspor, S. 117.
  19. Klingenspor, S. 50.
  20. LkAH, A 8, Nr. 293, Bl. 4r.
  21. Klingenspor, S. 93 f.
  22. LkAH, L 5h, unverz., Müden (Aller), Visitation 1982; Hoppe, S. 23, Klingenspor, S. 126.
  23. Beide Zitate: LkAH, S 1 H III, Nr. 513, Bl. 31.
  24. Hoppe, S. 313 ff.
  25. LkAH, L 5h, unverz., Müden (Aller), Visitation 1976.
  26. LkAH, L 5h, unverz., Müden (Aller), Visitation 1988.
  27. Hoppe, S. 11.
  28. Hoppe, S. 15.
  29. Hoppe, S. 43, 135 ff. (Grundkurse und Alpha-Kurse, S. 140 ff. (Hauskreise).
  30. Hoppe, S. 304.
  31. Hoppe, S. 48 und 302 ff.
  32. Hoppe, S. 69 und 147 ff.
  33. Unser Leitbild – und wie wir es leben wollen, hg. von der Ev.-luth. St. Petri Kirchengemeinde Müden/Aller, Müden 2017, S. 4 (abrufbar über https://petrionline.wir-e.de/uber-uns, 11.02.2020); vgl. zum älteren Gemeindeprofil Hoppe, Anhang S. 9 ff.
  34. KABl. 1965, S. 258.
  35. KABl. 1979, S. 7; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 158.
  36. Kleinau, Neuer Text, S. 98.
  37. KABl. 1925, S. 14.
  38. KABl. 1965, S. 259.
  39. Erbe, Patronatsverzeichnis, S. 167; Kleinau, Neuer Text, S. 98.
  40. Salfeld, Pfründenregister, S. 102.
  41. Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 157; Klingenspor, S. 88.
  42. Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 231: „Die Konsistorialakten des Amts Meinersen [?] berichten über den Turmbau zu Müden 1757, 1761, 1768“; NLA HA Hann. 83 II, Nr. 3835, Reparatur der Kirche zu Müden an der Aller, 1748–1838, http://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2942774, 11.02.2020.
  43. LkAH, A 8, Nr. 293, Bl. 4v.
  44. Klingenspor, S. 49.
  45. Klingenspor, S. 61 ff.
  46. Klingenspor, S. 58 ff.
  47. Zur Orgel vgl.: Piper, Orgeln, S. 21; Klingenspor, S. 56 ff. und LKA, G 9 B/Müden (Aller) Bd. I, Bl. 4 f. Die Angaben sind zum Teil widersprüchlich; Piper erwähnt eine mögliche Reparatur oder einen Neubau, ausgeführt von Erasmus Bielefeld 1720, 13 II/P.
  48. Klingenspor, S. 56.
  49. LkAH, A 8, Nr. 293, Bl. 4r.
  50. Klingenspor, S. 57.
  51. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 93.
  52. LKA, G 9 B/Müden (Aller) Bd. I, Bl. 1 und 4 f.
  53. Klingenspor, S. 52; Lesung „sca Maria“ bei Mithoff, Kunstdenkmale IV, S. 217.
  54. Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 231; Klingenspor, S. 52 ff.