Sprengel Lüneburg, KK Celle | Patrozinium: Maria | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Straßendorf im früheren Gau Flutwide südöstlich von Celle an der ehemaligen Heerstraße Celle–Braunschweig, entstanden wohl im 11. Jh. auf Veranlassung des Hildesheimer Bf. als Station am Bohlenweg zwischen Uetze und Eicklingen. Landesherren waren später die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg (Fsm. Lüneburg). Die Dorfbewohner waren in erster Linie Bauern, aufgrund der günstigen Verkehrslage im Nebenerwerb aber häufig auch als Frachtfahrer beschäftigt. Diese Tätigkeit endete mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz Mitte des 19. Jh.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1964

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1964

Die Kirche in Bröckel war ursprünglich Kapelle der Archidiakonatskirche in Wienhausen. Bf. Hartbert von Hildesheim erteilte den neun Bröckeler Bauern 1215 das Recht zur Bildung einer eigenen Pfarre und vollzog die Trennung von der Mutterkirche Wienhausen.1 Das KapGb wurde von den Bauern auf eigene Kosten errichtet. Für den Unterhalt des Priesters wurde der Pfarre 1234 ein aus dem Besitz des Ministerialen Engelbert von Rosenthal erworbener Hof zu Benrode übertragen.2 1380/81 wurde die Pfarrkirche in Bröckel dem Kloster Wienhausen inkorporiert.3 Unter den vorref. Geistlichen sind Hermann (1234)4, Tidericus plebanus in Brokhelde (1304)5 und Eggehardus (plebanus) belegt. Die Einführung der Reformation erfolgte im Fsm. Lüneburg 1527 unter Hzg. Ernst dem Bekenner. Als erster luth. P. wird im Pfründenverzeichnis von 1534 Johannes Schroder geführt.
Eine Küsterschule ist seit der zweiten Hälfte des 17. Jh. belegt (Küster und Schulmeister im Visitationsbericht von 1668). Nach Einrichtung einer zweiten Schulstelle errichtete die Gemeinde 1844 ein neues Schulhaus für die zweite Klasse (1894 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt).
P. Gellermann (ab 1934) war Mitglied der BK. Die Zusammenarbeit mit dem durch Kandidaten der NSDAP besetzten KV gestaltete sich schwierig. Gegen Kriegsende wurde die Kirche samt Orgel auch für kath. GD zur Verfügung gestellt.

Umfang

Die Dörfer Bröckel, Katzhorn und Wiedenrode.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Wienhausen der Diözese Hildesheim. – Nach der Reformation (1531 Errichtung der Suptur.) zur Insp. (1924: KK) Celle.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1961

Kirche, Grundriss, 1961

Verputzter gotischer Saalbau unter Satteldach, mit gleichbreitem, gerade geschlossenem Chor; erbaut im 15. Jh., wobei wohl der Ostteil des Vorgängerbaus aus dem 14. Jh. einbezogen wurde. 1766 wurde das Schiff erhöht. Der Sakristeianbau an der Nordseite stammt wohl aus dem 18. Jh. Fachwerk-Vorbau im Westen vom Ende des 19. Jh. Der Innenraum wird durch eine Flachdecke geschlossen. Emporen an Nord- und Westseite, im Übrigen nach Mithoff „nichts Bemerkenswerthes enthaltend“. 1949 Innenrenovierung.

Fenster

Altarfenster mit Kreuzigungsbild.

Turm

In früherer Zeit wird ein separater Glockenturm erwähnt. Nach dessen Abbruch erhielt die Kirche im 18. Jh. über dem Ostgiebel den heutigen achtseitigen Dachreiter mit offener Laterne und Spitzhelm. Turmuhr 1887 von J. F. Weule (Bockenem).

Kirche, Blick zum Altar, 1835 (?)

Kirche, Blick zum Altar, 1835 (?)

Ausstattung

Einfacher, gemauerter Blockaltar mit überkragender Mensa. – An der Nordwand Gemälde „Die Bergpredigt“ von Herbert Blasek (Wienhausen). – Fragmente zweier Altarflügel mit Heiligendarstellungen (um 1410/20) wurden 1914 an das damalige Provinzialmuseum verkauft, jetzt Niedersächsisches Landesmuseum Hannover (Inv.-Nr.: HS 2163 a/b).

Orgel

1826 Anschaffung einer Orgel. 1913 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 15 II/P, pneumatische Traktur. 1946/54 Umbau. 1968 kaufte die Gemeinde eine gebrauchte Kleinorgel mit angehängtem Pedal (Bj. 1959, Firma Emil Hammer, Arnum) von der St.-Johannis-KG in Uelzen an und ließ es 1973 um ein selbständiges Pedal erweitern; 7 IP, mechanische Traktur, Schleifladen. 2002 Neubau durch Rowan West (Altenahr), 11 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen. Einweihung 2. März 2002.

Geläut

Drei LG, I: c’’; II: d’’; III: f’’ (alle Bronze, Gj. 1970, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). – Eine SG in f’’ (Bronze, 14. Jh.). – Früherer Bestand: Bis zum Guss des heutigen Geläuts verfügte die Kirche über eine Gussstahlglocke in fis’ des Bochumer Vereins (gegossen nach dem Ersten Weltkrieg) und eine Eisenglocke in a’ von J. F. Weule (Bockenem), die 1946 geliefert worden war.

Friedhof

Begräbnisplatz hinter der Kirche, Eigentum der KG.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus, errichtet um 1639 als Vierständerhaus, Ende des 18. Jh. quer zum rückwärtigen Giebel um einen Wohntrakt erweitert. – Küsterhaus (Bj. 1801), später Gemeindehaus, 1995 renoviert.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1469–1489 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1195–1202 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 331–332 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 297; Zimmermann, Denkmaltopographie Lkr. Celle, S. 103 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 367.
B: Friedrich Barenscheer: Chronik des Fracht-Fahrerdorfes Bröckel, Bröckel 1963.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 684.
  2. UB HS Hildesheim II, Nr. 391.
  3. UB HS Hildesheim VI, Nr. 396; Schwarz, Papsturkunden, Nr.1067; Sudendorf, UB V, Nr. 199.
  4. UB HS Hildesheim II, Nr. 391.
  5. Lüneburger UB V, Isenhagen, Nr. 75.