Sprengel Hannover, KK Burgdorf | Patrozinium: Antonius | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Immensen wird schriftlich erstmals im Jahre 1297 als Ynnghesen1 erwähnt. Das Dorf war im Besitz der Herren von Escherde, die zu den Gefolgsleuten des Bf. von Hildesheim zählten. 1339 verkauften sie Immensen an die Herren von Gadenstedt, die das Dorf zunächst als Lehen der Grafen von Regenstein-Blankenburg besaßen und, nachdem diese 1599 in männlicher Linie ausgestorben waren, als Lehen der Hzg. von Braunschweig.2 Die Niedergerichtsbarkeit lag bis 1850 in den Händen der Herren von Gadenstedt. Immensen gehörte zum Amt Burgdorf im Fsm. Lüneburg. Von 1810 bis 1813 war der Ort Teil des Kantons Burgdorf im Distrikt Celle des Departements Aller im Kgr. Westphalen. Danach kam Immensen wieder zum Amt Burgdorf, nun im Kgr. Hannover. Nach der Annexion Hannovers wurde der Ort 1866 preußisch und 1885 Teil des neuen Lkr. Burgdorf. Seit 1974 ist Immensen Ortsteil der Stadt Lehrte im Lkr. (2001: Region) Hannover. Das langgestreckte Waldhufendorf war lange Zeit bäuerlich geprägt. Um 1850 gründete sich eine genossenschaftliche Ziegelei; 1832 hatte der Ort gut 460 Einwohner, 1910 rund 1.040 und 2016 gut 2.400. Immensen ist heute eher eine Wohnsiedlung, der größte Teil der Bevölkerung pendelt zur Arbeit.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1935

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1935

Kirchlich gehörte Immensen zunächst zum Ksp. Burgdorf. Im 14. Jh. trennten sich die Dörfer Steinwedel, Aligse und Immensen von Burgdorf und bildeten ein eigenes Ksp.3 Bis 1901 blieb Immensen eine KapG der KG Steinwedel. Eine Kapelle besaß der Ort anscheinend bereits im frühen 15. Jh., denn in einem Inventar, das der Steinwedeler P. Andreas Franke (amt. 1648-1676) im Jahre 1649 aufstellte, heißt es „dass das hinterste theill der Kirchen zu letzt hintenan gebawet, ist solches nach ausweisung des ecksteins geschehen Anno 1414“.4 In P. Frankes Amtszeit fiel 1655 die Neuausmalung der Kapelle (Johann Olpe, Solshausen)5 und 1660 lässt sich erstmals ein Schulmeister in Immensen nachweisen. Zu seinen Aufgaben zählte auch die Pflege der Kapellenuhr und das Läuten der Glocken.6 Bereits 1686 bemühte sich die KapG um einen eigenen Pastor und wollte eigenständig werden, konnte diese Pläne jedoch nicht verwirklichen.7 In den Jahren 1769 und 1770 ließ die Gemeinde das alte Kapellengebäude abreißen und ein neues errichten, das 1771 geweiht wurde. 1775 scheiterte ein zweiter Versuch, sich vom Ksp. Steinwedel zu lösen und selbständige Gemeinde zu werden.
Als Preußen im Januar 1874 die Zivilehe einführte, kam es in der Landeskirche Hannovers zu Auseinandersetzungen, die in der Hermannsburger Separation gipfelten. Auch in Immensen schlossen sich einige Gemeindeglieder den Separierten an (1890 insgesamt fünf Familien). Sie trafen sich zu Betstunden, die zunächst der Sievershausener P. Ferdinand Raven (amt. 1855-1876) leitete, und besuchten seit 1883/84 die Kapelle der Separierten in Arpke.8
Das Wachstum des Ortes machte in der zweiten Hälfte des 19. Jh. eine Erweiterung der Kapelle notwendig. Nach Entwürfen des Konsistorialbaumeisters Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) erhielt das KapGb 1877/78 eine Apsis. Eine zweite Erweiterung erfuhr die Kapelle 1899/1900, als nach Plänen von Hases Nachfolger Karl Mohrmann (1857-1927) im Süden Turm und Seitenschiff angebaut wurden. Zuvor hatte die Gemeinde 1885 einen weiteren Versuch gestartet, eigenständig zu werden. Ihre Bemühungen waren schließlich erfolgreich und zum 1. April 1901 verfügte das Konsistorium die Gründung der KG Immensen, die zunächst eine ständige Pfarrkollaboratur erhielt9 und ein Jahr später eine Pfarrstelle.10 Der erste Pfarrer war P. Rudolf Guden (amt. 1901-1910).

Kirche, Ansicht von Nordwesten, Blick zum Altar, P. Rudolf Armin Ludwig Guden (amt. 1901-10)

Kirche, Ansicht von Nordwesten, Blick zum Altar, P. Rudolf Armin Ludwig Guden (amt. 1901-10)

Während der NS-Zeit wirkte P. Friedrich Lindemann (amt. 1931-1956) in Immensen, der Mitglied der BK war. Die Wahlliste für die KV-Wahl 1933 hatte der Sievershausener Sup. Felix Rahn (DC) zusammen mit dem NSDAP-Ortsgruppenleiter aufgestellt. Sup. Rahn hielt zudem mehrfach Vorträge und Werbeveranstaltungen für die DC in Immensen, während P. Lindemann zwischen 1934 und 1936 regelmäßig zu BK-Abendgottesdiensten einlud, die nach seiner Aussage gut besucht waren.11
Zum 1. Dezember 1978 erhielt die KG den Namen „Ev.-luth. St. Antonius-Kirchengemeinde Immensen“.12 Die Kinder- und Jugendarbeit ist seit Mitte der 1990er Jahre geprägt von der Pfadfindergruppe „Die Freien vor dem Nordwalde“ (gegründet 1994).13 2008 konstituierte sich ein Förderverein, der die Gemeindearbeit unterstützen und zum Erhalt der kirchlichen Gebäude beitragen möchte. Die Pfarrstelle ist 2009 auf 75 Prozent reduziert worden.

Umfang

Das Dorf Immensen.

Aufsichtsbezirk

Mit der Gründung der KG zum KK Burgdorf.

Patronat

Vermutlich seit Mitte des 14. Jh. die Herren von Gadenstedt, 1665 aberkannt.14

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Zweifach erweiterte Saalkirche mit Satteldach und sechs Zwerchhäusern, 1769/70 als Kapelle erbaut; erste Erweiterung 1877/78: neuromanische Apsis mit Blendarkadengliederung und Walmdach (Architekt Conrad Wilhelm Hase); zweite Erweiterung 1899/1900: südliches Seitenschiff, Zwerchhäuser, Rundbogenportal in Westfront (Architekt Karl Mohrmann). Im Innern trapezoide Holzdecke mit neuromanischem Friesdekor, Emporen im Westen und im Seitenschiff, bemalte Glasfenster u. a. mit Brustbildern der zwölf Apostel (vor Erweiterung: flachbogige, verputzte Holzdecke, u-förmige Empore, flachbogige Fenster). Instandsetzung 1965-66 (neues Dach, Innenraum, Fassade); Außensanierung 1980; Sanierung 2017.

Turm

Seitlicher Westturm mit Satteldach sowie hohem Dachreiter mit Laterne, errichtet 1899/1900 (Architekt Karl Mohrmann); vorher polygonaler Dachreiter über Westfront. 1964 Dachreiter erneuert. Turmuhr 1649 nachweisbar (Uhrschlagglocke), 1785 neues Uhrwerk (Bussmann, Wettmar), 1883 wiederum neue Uhr (Furtwängler, Elze).

Vorgängerbau

Vermutlich kleiner Fachwerkbau des frühen 15. Jh.

Ausstattung

Ehemaliger Kanzelaltar (1771, Tischlermeister Cordes), architektonischer Aufbau mit korinthischen Säulen und bekrönendem Kruzifix (möglicherweise aus Vorgängerkapelle), statt Kanzel Auferstehungsbild von E. Jordan (1900). – Hölzerner Kanzel (19. Jh.) – Schlichte Eichentaufe mit Bronzebecken (1968, Hartwig Ulrich, Hamburg). – Holzrelief des hl. Antonius (1987, Heinz Regenhardt).

Orgel, nach 1975

Orgel, nach 1975

Orgel

1842 Bau einer Orgel geplant, aber nicht verwirklicht. Neubau 1883 durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 10 I/P, mechanische Traktur, Kegelladen (Opus 214).15 1954/55 Instandsetzung und Dispositionsänderung, 1969 abgebaut, seinerzeit 9 I/P. Neubau 1970 durch Wilfried Müller (Arpke), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, ein Reg. aus dem alten Instrument übernommen (Subbaß 16’).16

Geläut

Zwei LG, I: a’; II: c’’ (beide Stahl, Gj. 1899, Bochumer Verein). Eine SG, Inschrift: „Anno 1557 Jar do goth mich Hans Pelckinck in Hildesheim das ist war“ (Bronze, Gj. 1557, Hans Pelckinck, Hildesheim). – Früherer Bestand: Das Inventar von 1649 nennt zwei LG und eine SG, die kleinere LG dient seit 1899/1900 als SG.17

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1903, villenartiger Klinkerbau, Architekt Stöver, Ausführung E. Haepke, 1977/78 Einbau Gemeinderaum).

Friedhof

Alter kirchlicher Friedhof südwestlich der Kirche, 1839 angelegt, 1964 eingeebnet. Neuer Friedhof am nordwestlichen Ortsrand, Ostern 1912 eröffnet; alte FKap (Bj. 1912) 1973 abgerissen, neue FKap (Bj. 1973/74).18

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 6189-6191 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 4158-4159 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2209-2211 (Visitationen Steinwedel); D 52 (EphA Burgdorf); S 11 a Nr. 7396 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 777 f.; Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 304-308; Meyer, Pastoren I, S. 562 f.; Ohainski/Udolph, Ortsnamen Hannover, S. 237 f.; Pape/Schloetmann, Hammer, S. 98; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 52 f.
B: Adolf Meyer: Ortschronik I: Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Kirchengemeinde Immensen am 1. April 1976, Immensen 1976; Adolf Meyer: Ortschronik IV: Immensen im 19. Jahrhundert. Strukturwandel eines Dorfes, Immensen 1984; Adolf Meyer: Ortschronik VI: Immensen in alter Zeit, Immensen 1991; Adolf Meyer: Ortschronik VII: Ein Dorf unter dem Hakenkreuz. Immensen in den Jahren des Nationalsozialismus, Immensen 1994; Adolf Meyer: Vor 350 Jahren erlosch das Patronat der Herren von Gadenstedt bei der Immenser Kapelle, in: Lehrter Land & Leute: Magazin zur Geschichte, Kultur und Heimatkunde 43 (2015), S. 28-30; Adolf Meyer: St. Antonius-Kirche Immensen. Über 600 Jahre Kirche im Dorf. Erläuterungen zur Baugeschichte, Lehrte 2014; Adolf Meyer u. a.: 100 Jahre Kirchengemeinde Immensen, Großburgwedel 2000; Hans-Wilhelm Mölbitz: Die Glocken der St. Antonius-Kirche in Immensen, in: Lehrter Land & Leute. Magazin zur Geschichte, Kultur und Heimatkunde 42 (2014), S. 26-27.

GND

2068543-9, Kirchengemeinde Immensen; 1060079232, Evangelische Kirche Sankt Antonius (Lehrte).


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim III, Nr. 1154.
  2. Meyer, Dorfchronik VI, S. 26.
  3. Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 52.
  4. Zit. in Meyer, Ortschronik I, S. 12
  5. Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 52.
  6. Meyer, Ortschronik I, S. 17.
  7. Meyer, Ortschronik I, S. 21.
  8. Meyer, Ortschronik I, S. 68 ff.
  9. KABl. 1901, S. 11.
  10. KABl. 1902, S. 15 f.
  11. LkAH, S 1 H III, Nr. 511, Bl. 38.
  12. Meyer u. a., S. 18 f.
  13. Meyer u. a., S. 26 f.
  14. Meyer, Ortschronik I, S. 16.
  15. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 98.
  16. Meyer, Ortschronik I, S. 40 ff.
  17. Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 52.
  18. Meyer, Ortschronik I, S. 78 ff.