Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes findet sich in einer Urkunde Kg. Heinrichs IV. aus dem Jahr 1064. Heinrich bestätigte darin, dass seine Mutter, Ksn. Agnes (Agnes imperatrix augusta), dem Goslarer Stift St. Petersberg Güter geschenkt habe, u. a. in Ecgolvesheim.1 Auch das Hildesheimer Sültestift (St. Bartholomäus) besaß 1147 Land in Eggelsim.2 Das 1221 genannte Klein Eggelsen (minori Eggelsem) ist später wüst gefallen (15. Jh.).3 Aus dem Jahr 1234 ist erstmals der Name Honnegkelsen überliefert.4 Größter mittelalterlicher Grundbesitzer in Hoheneggelsen war das Domkapitel Hildesheim (um 1225/27 villicacionem in Ekkelsem5 genannt, 1234 Vogteirechte6), daneben waren auch das Hildesheimer Kloster St. Michaelis (1255 Vogteirechte in Ekkelsem7) und das Reichsstift Gandersheim hier begütert.8 Hoheneggelsen war Gerichtssitz der Go Eggelsen, zu der außerdem die Dörfer Bettrum, Feldbergen, Garbolzum, Garmissen, Groß Himstedt und Klein Himstedt, Oedelum, Mölme und Söhlde zählten. Die Go Eggelsen bildete später einen Teil des Amtes Peine des Hochstifts Hildesheim, bevor Bf. Magnus von Hildesheim die Mehrzahl dieser Dörfer 1425 der Burg Steinbrück übertrug und damit den Grundstein für das Amt Steinbrück legte.9 Nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) fielen Hoheneggelsen und das Amt Steinbrück an das welfische Teilfürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Seit der Restitution des Großen Stifts (1643) gehörte das Amt wieder zum Hochstift Hildesheim. Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 kam das Gebiet des Hochstifts an Preußen. Von 1807 bis 1813 war Hoheneggelsen Hauptort des gleichnamigen Kantons im Distrikt Hildesheim des Departements Oker im französischen Satellitenkgr. Westphalen; 1809 löste die Gemeinde den Zehnten ab.10 Ab 1815 gehörte Hoheneggelsen, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Steinbrück, das 1859 im Amt Marienburg aufging. Nach der preußischen Annexion von 1866 blieb die Ämterstruktur zunächst bestehen, bevor Hoheneggelsen 1885 zum neu gegründeten Lkr. Marienburg kam (1946 Lkr. Hildesheim-Marienburg, 1977 Lkr. Hildesheim). 1974 wurde Hoheneggelsen nach Söhlde eingemeindet. Das ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Dorf entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jh. zu einer Wohn- und Pendlersiedlung, dessen Bevölkerung überwiegend in Peine und Salzgitter arbeitet (1967: „Das Dorf Hoheneggelsen hat seinen Charakter als Bauerndorf verloren. […] es hat […] die Züge einer Kleinstadt angenommen.“11) Um 1810 hatte der Ort knapp 650 Einwohner, nach Ende des Zweiten Weltkriegs war ihre Zahl auf gut 2.500 gestiegen (1947), davon ungefähr die Hälfte Geflüchtete.12 2017 zählte Hoheneggelsen rund 1.900 Einwohner. Zum Kirchspiel gehören auch die KapG Mölme und die KapG Steinbrück.

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1957

Kirche St. Martin, Ansicht von Südosten, vor 1957

Von 1950/52 bis 1976 war Hoheneggelsen Sitz der Suptur. des KK Hoheneggelsen (zuvor Schellerten bzw. Nettlingen).13 Zum KK zählten neben Hoheneggelsen selbst die Gemeinden Bettrum, Feldbergen, Garmissen, Groß Himstedt und Klein Himstedt, Heinde-Listringen, Kemme, Lechstedt, Nettlingen, Oedelum, Rautenberg, Schellerten, Söhlde und Wendhausen. Der KK Hoheneggelsen wurde 1976 mit dem KK Bockenem zusammengelegt.14
Mit dem Kleriker Ludengero de Honeckelsem ist im Jahr 1235 erstmals ein Dorfgeistlicher nachgewiesen.15 Auch die Weihekreuze an der Matthiaskirche, der kleineren der beiden Hoheneggelser Kirchen, lassen eine Bauzeit im 13. Jh. vermuten.16 Der Unterbau des Kirchturms der Wehrkirche St. Martin ist ähnlich alt. Aus dem Jahr 1258 ist eine Urkunde über ein Tauschgeschäft zwischen Werner, Propst des Klosters Wienhausen einerseits sowie ecclesiam et sacerdotem de honeckelsen andererseits überliefert; der Name des Priesters bleibt jedoch ungenannt.17 Mit Wolthero plebano in Egelsem (1372)18 und Ludelfes Blomelage […]kerkheren to Honegghelsem (1442)19 sind zwei weitere vorref. Geistliche namentlich bekannt. Das Patronat über die Kirche lag, wie sich seit dem 15. Jh. belegen lässt, bei den Dorfbewohnern (villici): Sie hatten das Recht, ihren jeweiligen Priester vorzuschlagen und mit der Pfarre zu belehnen.20
Erste luth. Predigten hörte die Gemeinde vermutlich schon 1529, als P. Friedrich von Hüventhal als Geistlicher nach Hoheneggelsen kam, der zuvor ev. Prediger in Göttingen gewesen war.21 Auch der 1534 erwähnte P. Heinrich Lakmann war möglicherweise Anhänger Luthers.22 Eine erste offizielle Einführung der Reformation erlebte Hoheneggelsen nachdem der Schmalkaldische Bund 1542 den kath. Landesherrn, Hzg. Heinrich den Jüngeren Fs. von Braunschweig-Wolfenbüttel, vertrieben hatte. Lgf. Philipp von Hessen und Kfs. Johann Friedrich von Sachsen setzten eine provisorische Regierung ein, die das besetzte Fsm. reformieren sollte. Johannes Bugenhagen, Martin Görlitz und Antonius Corvinus visitierten 1542 die Gemeinden, um die einzelnen Pfarrer zu begutachten; 1543 erschien die Christlike kerken-ordening im lande Brunschwig, Wulffenbüttels deles ; 1544 fand eine weitere Generalvisitation statt.23 In den Protokollen der Visitation von 1542 ist Heinricus Wartkenstete als Geistlicher der Gemeinde Hoheneggelsen genannt; er habe die Pfarre „von den Mennen im Dorf zu lehn“.24 Auch die zweite Kirche, St. Matthias im Unterdorf, wird als Capellen in den Protokollen genannt, Mölme als Tochtergemeinde (Mollem ist filia).25 1547 konnte der kath. Hzg. Heinrich der Jüngere zurückkehren und suchte sein Fsm. zu rekatholisieren. Die Berichte über eine Anhörung verschiedener Geistlicher, die Hzg. Heinrich 1551in Wolfenbüttel durchführen ließ, enthalten weitere Details zum Hoheneggelser P. Wartkenstedt: er habe das Abendmahl früher „in einer gestalt chatolice gereicht“ und nach der Vertreibung Hzg. Heinrichs unter der „gewaltbaren regierung sub utraque specie“ (in beiderlei Gestalt). Er habe sich auch in allen anderen Dingen „nach der neuen weiß gehalten“, habe der Statthalterregierung als Visitator gedient und sei „darbei gewesen, das in etlichen kirchen etliche altaria sein ufgehauen worden“.26 Falls er damit Unrecht getan habe, bitte er um Vergebung. Ab 1555 war P. Wartkenstedt Pfarrer in Solschen. Hzg. Heinrichs Sohn und Nachfolger Hzg. Julius, der 1568 die Regierung übernahm, führte im gleichen Jahr erneut die luth. Lehre im Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel ein, ließ die Gemeinden wiederum visitieren und erließ 1569 die später sogenannte Calenberger Kirchenordnung.27 Seinerzeit war P. Bartholomeus Weyhel (Barthold Weigel) (amt. 1555-1586) Geistlicher in Hoheneggelsen; gleichzeitig war er auch für Bettrum zuständig.28

Kirche, Ansicht von Südwesten, vor 1957

Kirche St. Matthias, Ansicht von Südwesten, vor 1957

Unterlagen über Bauarbeiten an der kleinen Kirche St. Matthias reichen zurück bis ins Jahr 1591.29 Seit 1601 lässt sich eine Schule in Hoheneggelsen nachweisen, ein Schulhaus wurde 1613 errichtet, ein Jahr nach dem Pfarrhaus.30 Die Zerstörungen des Dreißgjährigen Krieges verschonten Hoheneggelsen nicht und 1643 musste sich die Gemeinde zur Reparatur ihrer Kirche Geld bei der Gemeinde Groß Himstedt borgen.31 Seit 1643 gehörte Hoheneggelsen wieder zum Hochstift Hildesheim und hatte mit dem Hildesheimer Bf. nun einen kath. Landesherrn. In einer Beschreibung der luth. Dörfer des Hochstifts aus dem Jahr 1730 heißt es über den Ort, er habe zwei Kirchen „und muß der Pastor an denen hohen Fest-Tagen Vormittages in der grossen, und Nachmittages in der kleinen Kirche predigen“. Er habe zudem ein „hübsches Pfarr-Haus“.32 Fast alle Geistlichen, die zwischen dem 16. und 20. Jh. das Pfarramt Hoheneggelsen übernommen hatten, blieben hier bis zum Ende ihrer Dienst- bzw. Lebenszeit. Bis ins 18. Jh. hinein fanden sie ihre letzte Ruhestätte unter dem Chor der Wehrkirche St. Martin.33 Unter P. Georg Heinrich August Schmidt (amt. 1791-1852) erhielt die Kirche Ende des 18. Jh. ihre heutige Gestalt.
Seit dem 19. Jh. zählten einige Hoheneggelser Familien zur Herrnhuter Brüdergemeine. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jh. hinein kam daher der Prediger der Hannoveraner Brüdergemeine regelmäßig nach Hoheneggelsen. P. Hans Meyer-Roscher (amt. 1933-1977) merkte bei mehreren Visitationen an: „Diese Familien gehören zu den treusten Gliedern der Kirchengemeinde.“34
Während der NS-Zeit gehörte P. Meyer-Roscher seit 1933 zur BK. Rückblickend berichtetet er: „Aus Anlass der Kirchenwahlen 1933 waren die Vertreter der Partei [NSDAP] damit einverstanden, dass ihnen zwei von den sechs Sitzen des Kirchenvorstandes eingeräumt wurden. Mit den beiden Vertretern, die dann Juli 1939 auf Druck der Partei ausschieden, war eine geordnete Zusammenarbeit möglich.“35 Die beiden Parteivertreter selbst gaben bei ihrem Ausscheiden zu Protokoll: „Wir sind einst ohne unseren Willen, von der Partei in den KV. gesendet (gewählt). – Wir haben in all den Jahren erfahren, dass man hier stets mit, nicht gegen die neue Zeit gearbeitet hat.“36 Die DC luden mehrfach zu Veranstaltungen in die Schule ein, fanden laut P. Meyer-Roscher in der Gemeinde jedoch wenig Widerhall.
Mit dem Zuzug Geflüchteter am und nach Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs die Zahl kath. Familien im Kirchspiel. Bis in die Mitte der 1950er Jahre stellte die Gemeinde daher die Matthiaskirche für kath. Gottesdienste zur Verfügung.37 Als P. Hans Meyer-Roscher 1950 das Amt des Sup. im KK Schellerten übernahm, wurde Hoheneggelsen damit neuer Sitz des nunmehrigen KK Hoheneggelsen (bis zur Auflösung 1976). Im neuen Kreiskirchenrentamt konnte die Gemeinde auch Räume für die Jugendarbeit einrichten. Die KG war auch Trägerin eines ev. Erntekindergartens38, aus dem die Kindertagesstätte St. Martin hervorging. 1969 genehmigte das Landekirchenamt die Einrichtung einer Gemeindeschwesternstation, die später in die Diakonie-Sozialstation Schellerten-Söhlde integriert wurde (2010: Diakoniestation Hildesheimer Land gem. GmbH).
Zum 1. September 2004 gründete Hoheneggelsen zusammen mit den Gemeinden Bettrum, Feldbergen, Himstedt, Nettlingen und Söhlde den Gemeindeverband Söhlde. Innerhalb des Gemeindeverbandes wollen die Gemeinden bei verschiedenen Aufgaben wie Kinder- und Jugendarbeit, Gemeindearbeit, Seelsorge, Öffentlichkeitsarbeit und Pfarrstellenbesetzung kooperieren und sie gemeinsam erfüllen.39 Das Pfarramt Hoheneggelsen ist für die Kirchengemeinden Bettrum, Feldbergen, Hoheneggelsen sowie die KapG Mölme und Steinbrück zuständig. 2016 übernahm der Gemeindeverband auch die Trägerschaft für die Kindertagesstätte St. Martin in Hoheneggelsen.40
Seit 2007 untertstützt die „Stiftung Hoheneggelser Kirchen“ die Gemeinde beim baulichen Erhalt ihrer Kirchengebäude. Im Turm der Wehrkirche richtete die Gemeinde im Jahr 2012 das erste Kolumbarium auf dem Gebiet der Landeskirche Hannovers ein.

Umfang

Hoheneggelsen sowie KapG Mölme und Steinbrück (KapG seit 1957).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nettlingen der Diözese Hildesheim.41 – Nach der Reformation um 1544 der Superintendentur Bockenem unterstellt, 1569 zur neu errichteten Insp. Niederfreden. Seit etwa 1651 Insp. der Ämter Ruthe, Steinbrück und Steuerwald (ohne festen Superintendentursitz).42 1812 zur neu errichteten Insp. Nettlingen, deren Sitz 1924 nach Schellerten verlegt, seitdem KK Schellerten; 1952 Sitz nach Hoheneggelsen verlegt, seitdem KK Hoheneggelsen.43 Dieser zum 1. April 1976 in den KK Bockenem eingegliedert, zum 1. Januar 1978 umbenannt in KK BockenemHoheneggelsen.44 Zum 1. Januar 2005 mit dem KK Elze-Coppenbrügge zum KK Hildesheimer Land vereinigt.45 Nach Fusion mit KK Alfeld seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze.46

Patronat

Die Gemeinde, konnte ihr Recht auch in der zweiten Hälfte des 17. Jh. gegen das Domkapitel behaupten.47

Kirchenbau – St. Martin (Oberkirche, Wehrkirche)

Gotisches Kirchenschiff aus Bruchsteinen mit leicht eingezogenem und etwas niedrigerem Rechteckchor, erneuert 1793. Satteldach, Strebepfeiler an den Ecken des Chors, flachbogige Fenster, Steinkreuz über Ostgiebel, vermauertes Spitzbogenfenster im Osten, an Südseite des Chores gotischer Sakristeianbau. Im Innenraum flache, stuckierte Spiegeldecke mit zentralem Gottesauge im Strahlenkranz, rundbogiger Triumphbogen zwischen Chor und Schiff, u-förmige Holzempore mit Bildern der Evangelisten und der Apostel an den Brüstungen (18. Jh.), in Sakristei Kreuzrippengewölbe mit Maskenkonsolen. Reparaturen an Kirchengebäude nach Zerstörungen von 1626, 1681 neue Fenster48, 1793 Schiff und Chor erneuert (Jahreszahl über Tür an Nordseite), neue Fenster gebrochen.49 1938 Empore hinter Altar entfernt, 1957 Gräber unter Chor eingeebnet und Empore an Nordseite des Chorraums abgebaut50, 1982 Renovierung.

Turm

Westturm aus Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, verputzt, wohl 12./13. Jh. Verkupferter Helm mit viereckigem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Nordosten, bekrönt mit Kugel und Wetterhahn. Rund-, spitz- und flachbogige Schallöffnungen, an Ostseite gekuppelt; Tür in Nordwand mit Rundfenster darüber, Westportal 1835. Turmhelm 1949 saniert (verkupfert), 1957 Einrichtung einer Gedenkstätte in der Turmhalle. 2012 Bau eines Kolumbariums im Turm. Turmuhr 1691 nachgewiesen, 1888 neue Turmuhr (Firma Weule, Bockenem).51

Altaraufsatz, um 1952

Altaraufsatz, um 1952

Ausstattung

Steinmensa mit Reliquiengrube.52 – Altarretabel (etwa 1675, Meister Hermann Scheller, Braunschweig) mit Kreuzigungsbild, flankiert von je zwei gedrehten Säulen, in der Predella Abendmahlsbild, im gesprengten Giebel Auferstehungsbild zwischen zwei runden Säulen, darüber Kreissegmentgiebel (Bilder wohl von Meister Pickardt, Braunschweig; Altar 2003 restauriert). – Holzkanzel (etwa 1675, Meister Hermann Scheller, Braunschweig) mit geschnitzten Darstellungen der Evangelisten, der Apostel Petrus und Paulus sowie des Märtyrers Stephanus an den Wandungen des Kanzelkorbs. – Sechseitiger Taufstein (um 1688, Daniel Bartels, Hildesheim), verziert mit Engelsköpfen und Muscheln.53 – Chorgestühl. – An der Emporenbrüstung Apostelbilder (ursprünglich in Matthiaskirche) und Bilder der Evangelisten (1706, Johannes Niehus, Hildesheim). – Kronleuchter mit Doppeladler (1656, Messing). – Schlichter Altar in Sakristei (Steinmensa auf zwei Steinkonsolen). – Zwei Fenster mit Glasmalereien im Chor, Ähre und Weinstock (1959). – Gemälde des Jüngsten Gerichts (1716) in Turmhalle, ursprünglich aus Matthiaskirche. – Grabstein (wohl Anfang 17. Jh.), Pastor in Amtstracht mit Engel, 1961 im Chor entdeckt und an Außenmauer aufgestellt, mittlerweile in Turmhalle.54 – Grabstein (1744) mit Darstellung eines Ehepaars, in Turmhalle.

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

1706 von „Orgelbauer Müller in Hildesheim eine neue Orgel“ gekauft.55 1873 Neubau durch Heinrich Schaper (Hildesheim), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Prospektpfeifen zu Kriegszwecken abgegeben. 1983 Renovierung, ausgeführt von Albrecht Frerichs (Göttingen).56

Geläut

Drei LG, I: h; II: dʼ; III: fʼ (alle Stahl, Gj. 1924, Bochumer Verein). Eine SG fisʼʼ (Eisen).57 – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1660, Henni Lampen und Jacob Körber), Umguss aus einer älteren, gesprungenen Glocke.58 Eine LG (Bronze, Gj. 1852, Bartels, Hildesheim), Umguss einer geborstenen Glocke, 1917 zu Kriegszwecken abgegeben.59 Kleine LG, Inschrift u. a.: „Ich grüße deine ersten Tage, um deinen Tod tönt meine Klage, ich ruf im Leben dich, o Christ, zu dem, der selbst das Leben ist.“ (Bronze, Gj. 1830, Siegmund Andreas Lange, Hildesheim) 1924 abgenommen, 1942 zu Kriegszwecken abgeliefert.

Kirchenbau – St. Matthias (Unterkirche, „kleine Kirche“)

Rechteckige Saalkirche aus Bruchsteinmauerwerk, im Kern vielleicht romanisch (Weihekreuze an Westportal) kaum vor 1200 erbaut. Satteldach, Rechteckfenster (1698 vergrößert), Steinkreuze über Giebeln, Uhrziffernblatt an Westgiebel. Im Innern flache Balkendecke mit Rankenmalerei, über dem Chor Brettergewölbe mit Gemälde des triumphierenden Christus und musizierender Engel (frühes 18. Jh., 1953 freigelegt); u-förmige Emporenanlage mit Brüstungsbildern (teilweise 17. Jh.). 1591 Instandsetzung, neue Fenster zwischen 1690 und 1698, Renovierung 1851, Restaurierung Deckengemälde 1953, 1987-89 Renovierung.60

Turm

Kleiner, offener Dachreiter mit Satteldach über Westgiebel, erbaut Mitte 19. Jh. Turmuhr 1643 nachgewiesen (zur Ausbesserung nach Hildesheim geschickt).61

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1954

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1954

Ausstattung

Steinmensa mit Kanzelaltar (1698, Werkstatt Bartels, Hildesheim und Johannes Busse, Hildesheim62), Kanzelkorb zwischen zwei gedrehten Säulen, an Rückwand der Kanzel mit Gemälde der Dreieinigkeit (1703, Siegfried Schulz, Hildesheim), an den Wandungen des Kanzelkorbs Schnitzfiguren (Christus, Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist). – Taufstein (1591), Engelsköpfe am Schaft, Doppelwappen des Stifterehepaares an Becken, Inschrift: „Wendel vom Langensals Ambtman zur Steinbruck Anna Wochmans s[eine] Eh[e]f[rau] Anno Domini 1591 in Gots Ehre geben“.63

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1954

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1954

Orgel

1669-72 Neubau von Heinrich Herbst (Magdeburg) für die Kirche in Holle, 6 I/-, mechanische Traktur, Schleifladen. 1846 erweitert auf 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.64 1934 erworben und von P. Furtwängler und Hammer (Hannover) in Hoheneggelsen aufgestellt (Opus 1130). 1957/58 Renovierung, ausgeführt von Hildesheimer Orgelbauwerkstatt. Instandsetzung 2002/03, Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen).

Geläut

Eine LG, gʼʼ, Inschrift: „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren.“ (Bronze, Gj. 1909, Franz Schilling, Apolda), 1951 erworben, zuvor in der Gemeinde Knutbühren. – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1853 Johann Heinrich Bartels, Hildesheim), Umguss einer älteren, beschädigten Glocke; im Zweiten Weltkrieg zu Kriegszwecken abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1612, zweigeschossiger, Ziegelmauerwerk und Fachwerk, Umbau 1853, Erweiterung 1908).65 – Gemeindehaus (Bj. 1908). – Rentamt mit Jugendräumen (Bj. 1958, seit den 1980er Jahren Diakonie-Sozialstation Schellerten-Söhlde). – Mitarbeiterwohnhaus (Bj. 1966). – Küsterhaus (Bj. 1896).66

Friedhof

Alter Friedhof rund um die Kirche, 1890 geschlossen. Neuer kirchlicher Friedhof, südöstlich der Kirche, FKap (Bj. 1996, Vorgängerbau Bj. 1906, 1955 erweitert).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 5584-5591 (Pfarroffizialsachen; A 6 Nr. 3777-3782 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1091-1092 (Visitationen); D 28 (EphA Hoheneggelsen); S 11a Nr. 7976 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Blume, Beiträge, S. 120-123; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 741; Pape, Palandt, S. 274-275; Pape, Schaper S. 224-225; Siebern/Kayser, KD Kr. Marienburg, S. 85-88.
B: 1064–1964. 900 Jahre Hoheneggelsen (Festschrift zum 900 jährigen Bestehen des Dorfes Hoheneggelsen), Hoheneggelsen [1964]; Fritz Garbe: Im Schatten der Wehrkirche, Geschichte der Kirche und Gemeinde zu Hoheneggelsen, Hildesheim 1964; Eckhard Hallemann: Kolumbarium Wehrkirche Hoheneggelsen, Hoheneggelsen 2012 [Faltblatt].

GND

2111397-X, Evangelisch-Lutherische Sankt-Martin-Kirchengemeinde (Hoheneggelsen); 1075766788, Ev.-luth. Gemeindeverband Söhlde.


Fußnoten

  1. UB Goslar I, Nr. 94.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 243.
  3. UB HS Hildesheim I, Nr. 766; 1064–1964, S. 9 f.
  4. Cal. UB III, Loccum, Nr. 66.
  5. UB HS Hildesheim II, Nr. 145.
  6. UB HS Hildesheim II, Nr. 401.
  7. UB HS Hildesheim II, Nr. 964.
  8. Blume, Beiträge, S. 121 f.
  9. Sudendorf, UB IX, Nr. 54,4; Meyer-Roscher, 400 Jahre, S. 143; Bertram, Bistum Hildesheim I, S. 393.
  10. Blume, Beiträge, S. 123.
  11. LkAH, L 5h, unverz., Hoheneggelsen, Visitation 1967; ähnliche Formulierung bereits ebd., Visitation 1947.
  12. LkAH, L 5h, unverz., Hoheneggelsen, Visitation 1947.
  13. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 124 f.; KABl. 1952, S. 153; 1064–1964, S. 15.
  14. KABl. 1977, S. 36 und 145.
  15. UB HS Hildesheim II, Nr. 416.
  16. Grabe, S. 80.
  17. Cal. UB III, Loccum, Nr. 199.
  18. UB Stadt Hildesheim, Nr. 350.
  19. UB S Hildesheim IV, Nr. 401.
  20. Kleinau, Neuer Text, S. 90; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 140.
  21. Rotermund, Das gelehrte Hannover II, S. 700 f.; Meyer, Pastoren I, S. 524.
  22. Garbe, S. 108 f. (ohne Beleg); Meyer, Pastoren I, S. 524.
  23. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 4 und 22 ff.; Butt, Herrschaft, S. 42 ff.
  24. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 140.
  25. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 141.
  26. Alle Zitate: Spanuth, Quellen, S. 251.
  27. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 5 und 83 ff.
  28. Spanuth, Quellen, S. 285.
  29. Garbe, S. 81.
  30. Garbe, S. 37 f.
  31. Garbe, S. 27 f.
  32. Evangelischer Kirchenstaat, S. 117.
  33. Garbe, S. 108 ff.
  34. LkAH, L 5h, unverz., Hoheneggelsen, Visitation 1959. Vgl. auch ebd., Visitation 1940, Visitation 1947 und Visitation 1953 sowie Garbe, S. 63.
  35. LkAH, S. 1 H III Nr. 318, Bl. 11.
  36. LkAH, L 5h, unverz., Hoheneggelsen, Visitation 1940.
  37. LkAH, L 5h, unverz., Hoheneggelsen, Visitation 1959.
  38. LkAH, L 5h, unverz., Hoheneggelsen, Visitation 1959.
  39. KABl. 2004, S. 158; KABl. 2015, S. 142 ff.
  40. KABl. 2016, S. 72.
  41. Kleinau, Neuer Text, S. 90.
  42. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  43. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 124 f.; KABl. 1952, S. 153.
  44. KABl. 1977, S. 36 und 145.
  45. KABl. 2005, S. 5 ff.
  46. KABl. 2011, S. 70 ff.
  47. Kleinau, Neuer Text, S. 90; Meyer, Pastoren I, S. 524.
  48. Garbe, S. 27 f.
  49. Garbe, S. 29 ff.
  50. Garbe, S. 100 f.
  51. Garbe, S. 56 und 65.
  52. Garbe, S. 15.
  53. Garbe, S. 31.
  54. Garbe, S. 101 und Bild 19.
  55. Zit. bei Garbe, S. 30
  56. Pape, Schaper S. 224 f.
  57. B 2 G 9 B/Hoheneggelsen, Bd. I, Bl. 123.
  58. Garbe, S. 29 f.
  59. Garbe, S. 64.
  60. Garbe, S. 80 ff.
  61. Garbe, S. 81.
  62. Garbe, S. 82.
  63. Mathies, Taufbecken, S. 131 f.
  64. Pape, Palandt, S. 274 f.; LkAH, L 5h, unverz., Hoheneggelsen, Visitation 1980.
  65. LkAH, L 5h, unverz., Hoheneggelsen, Visitation 1974.
  66. LkAH, L 5h, unverz., Hoheneggelsen, Visitation 1992.