Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südwesten, vor 1957

Kirche, Ansicht von Südwesten, vor 1957

Klein Himstedt, heute Ortsteil der Gemeinde Söhlde, ist schriftlich erstmals in der zweiten Hälfte des 13. Jh. fassbar (1274 parvo Heymstede1). Maßgeblicher Landbesitzer des Dorfes war das Hildesheimer Domkapitel.2 Zur weiteren Ortsgeschichte siehe Groß Himstedt. 1816 zählte Klein Himstedt gut 300 Einwohner, im September 2017 gut 220. Klein Himstedt ist stark landwirtschaftlich geprägt.3
Klein Himstedt und Groß Himstedt teilten sich bereits in vorref. Zeit einen Geistlichen. Diese Verbindung blieb nach der Reformation bestehen; 1689 verpflichtete die Gemeinde den Pfarrer vertraglich dazu, alle drei Wochen in Klein Himstedt zu predigen und das Abendmahl zu feiern.4 Zur Kirchengeschichte insgesamt siehe Groß Himstedt. Zum 1. Januar 1969 schlossen sich die KG Klein Himstedt und Groß Himstedt zur KG Himstedt zusammen.5

Umfang

Das Dorf Klein Himstedt.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nettlingen der Diözese Hildesheim. – 1569 zur Superintendentur (Insp.) Niederfreden, ab 1651 Insp. der Ämter Ruthe, Steinbrück und Steuerwald (ohne festen Superintendentursitz).6 1812 zur neu errichteten Insp. Nettlingen, deren Sitz 1924 nach Schellerten (ab 1924: KK), 1952 nach Hoheneggelsen verlegt wurde.7

Patronat

Die Gemeinden zu Groß und Klein Himstedt.8

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1955

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1955

Kleine, rechteckige Saalkirche, vermutlich aus gotischer Zeit, verändert 1782. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, Satteldach, Ostwand mit zwei kleinen Spitzbogenfenstern und gotischem Giebelkreuz; flachbogige Fenster an Längsseiten (1782).9 Im Innern geputzte Balkendecke, Westempore. 1954 Erneuerung der Südwand des Langhauses. 1975/76 Reparatur des Kirchendachs.

Turm

Hoher Westturm aus Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, gekuppelte, spitzbogige Schallöffnungen, schießschartenartige Lichtschlitze, Eingang an Südseite. Verschieferter Turmhelm mit quadratischem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, Uhrgaube nach Westen, Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Osten. 1954 Erneuerung der Westwand des Turms, 1975/76 Reparatur des Turmdachs. 1990 neue Turmbekrönung.10

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar, verziert mit Engelsköpfen (1699, vermutlich Ernst Dietrich Bartels, Hildesheim), Kanzelkorb zwischen zwei gewundenen Säulen, darüber Schalldeckel und gesprengter Giebel mit Taube, seitliche Schwerwände mit Durchgang.11 – Sandsteintaufe (1612), quadratischer Sockel, Relief auf vier Seiten zeigt Engelsköpfe, achtseitiges Becken mit Inschrift Mt. 28,19 sowie „Melchior Mvller Pastor, Henni Nohriseln Altarmann, M. Frantz Neddermeier, Hans Dammans, Cord Gronstidt vndt Ilsa Brawers fvndatores“; Taufen aus der gleichen Werkstatt in Adensen, Eberholzen, Möllensen und Sibbesse.12

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

Um 1935 Neubau durch Faber & Söhne (Salzhemmendorf), 7 I/P, pneumatische Traktur, Membranlade. Klang und Zustand der Orgel empfand der Orgelrevisor 1974 als mäßig bis schlecht.13 1993 Neubau einer Kleinorgel von den Orgelbauwerkstätten Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.14

Geläut

Zwei LG, I: gisʼ, Inschrift: „Wer an mich glaubt. der wird leben, ob er gleich stürbe“ (Bronze, Gj. 1963, Gebr. Rincker, Sinn); II: hʼ, Inschrift „vocor anna harmen koster me fecit anno d[omi]ni m ccccc xi o rex glorie crste veni cum pace“, Ich heiße Anna. Harmen Koster hat mich gemacht im Jahr des Herrn 1511. O König der Ehre, Christus, komm mit Frieden (Bronze, Gj. 1511, Harmen Koster, Hildesheim).15 Eine SG hʼ (Bronze).16 – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze), im Ersten Weltkrieg zu Kriegszwecken abgegeben, 1933 ersetzt mit einer LG, Inschriften: „Wer da glaubet, der wird Leben, ob er gleich stürbe“, „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen“ sowie „Im neuen Reich der alte Gott möge uns helfen aus aller Not“, verziert mit Kreuz und Hakenkreuz (Bronze, Gj. 1933, Firma Radler, Hildesheim), im Zweiten Weltkrieg zu Kriegszwecken abgegeben.17

Friedhof

Eigentum der KG, bei der Kirche.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 5470-5486 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 653 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 3003-3010 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1066-1068 (Visitationen); D 28 (EphA Hoheneggelsen); S 11a Nr. 7285 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 803; Mathies, Taufbecken, S. 135; Mithoff, Kunstdenkmale III, S. 190; Pape, Schaper S. 119; Pape/Schloetmann, Hammer S. 146; Siebern/Kayser, KD Kr. Marienburg, S. 97-99.
B: Friedrich Nehrenberg: 800 Jahre Groß Himstedt, Groß Himstedt 1984.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim III, Nr. 369.
  2. Siebern/Kayser, KD Kr. Marienburg, S. 97.
  3. LkAH, L 5h, unverz., Himstedt, Visitation 1993.
  4. Evangelischer Kirchenstaat, S. 118.
  5. KABl. 1969, S. 4.
  6. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  7. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 124 ff.
  8. Lüntzel, Ältere Diöcese Hildesheim, S. 243.
  9. Siebern/Kayser, KD Kr. Marienburg, S. 97.
  10. LkAH, L 5h, unverz., Himstedt, Visitation 1993.
  11. Meyer-Roscher, Kanzelaltäre, S. 32 f.
  12. Mathies, Taufbecken, S. 135; DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 319 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0031900.
  13. LkAH, L 5h, unverz., Himstedt, Visitation 1974.
  14. LkAH, L 5h, unverz., Himstedt, Visitation 1993.
  15. DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 94 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0009408.
  16. LkAH, L 5h, unverz., Himstedt, Visitation 1979.
  17. LkAH, L 5h, unverz., Himstedt, Visitation 1961; Nehrenberg, S. 105.