Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Maria (1304)1, Lucia (1518)2 | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Dorfes stammen aus dem Jahr 1227: Ulrich von Steinberg verkaufte dem Hildesheimer Johannisstift den Zehnten in Mollem; kurz darauf bestätigte Bf. Konrad von Hildesheim diese Übertragung und nannte das Dorf in der entsprechenden Urkunde Molinhus.3 Die wesentlichen Grundbesitzer in Möllensen waren die Herren von Steinberg; 1411 verkauften sie Land und einige Höfe an das Hildesheimer Kreuzstift.4 Möllensen lag im Gebiet des Amtes Winzenburg des Hochstifts Hildesheim, die Gerichtsbarkeit hatten teilweise jedoch die Herren von Steinberg inne. Nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) fiel die Landesherrschaft an das welfische Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel. Im Winzenburger Erbregister ist festgehalten: „das Dorff Möllensen gehöret den von Steinberg mit dem Dienste, Unter Gerichte im dorffe und 120 Werckschue draußen“; der Zehnte war noch immer im Besitz des Johannisstifts („Capitul S. Johannis binnen hildesheim“).5 Mit der Restitution des Großen Stifts kehrte Möllensen 1643 unter die Landesherrschaft des Bf. von Hildesheim zurück, die Niedergerichtsbarkeit lag weiterhin bei den Herren von Steinbrück (Patrimonialgericht). Seit 1690 gehörte Möllensen wohl mit den übrigen Dörfern der Niederen Börde zum Amt Gronau.6 Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 fiel das Gebiet des Hochstifts Hildesheim an das Kgr. Preußen. In den Jahren des französischen Satellitenkgr. Westphalen zählte Möllensen zum Kanton Gronau im Distrikt Hildesheim des Departements Oker. Ab 1815 gehörte das Dorf, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Gronau. Nach der preußischen Annexion von 1866 blieb die Ämterstruktur vorerst bestehen. Bei der Einführung der Kreisverfassung kam Möllensen 1885 zum neuen Kr. Gronau (1932 in Kr. Alfeld eingegliedert, dieser 1977 zum Lkr. Hildesheim). 1974 wurde das Dorf nach Sibbesse eingemeindet. Das kleine, ländlich geprägte Dorf hatte um 1810 knapp 110 Einwohner und 2014 knapp 120.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, um 1960

Kirche, Ansicht von Nordwesten, um 1960

Am Anfang der örtlichen Kirchengeschichte steht eine Urkunde aus dem Jahr 1304. Möllensen war seinerzeit eine Tochtergemeinde von Eberholzen, die Dorfkapelle war der Jungfrau Maria geweiht und Friedrich von Magdeburg war Rektor der Kapelle (dominum Fredericum quondam dictum de Magdeburch rectorem capelle sancte Marie virginis in Molhusen filie ecclesie in Elberholthusen).7 Die Urkunde hält fest, dass jeweils der Pleban von Eberholzen das Recht hat, den Vikar von Möllensen einzusetzen. Der westliche Teil der heutigen Kapelle und auch die Altarplatte stammen noch aus mittelalterlicher Zeit.
Bis hinein in die zweite Hälfte des 16. Jh. war Möllensen eine Tochtergemeinde von Eberholzen; seit Ende der Hildesheimer Stiftsfehde erstreckte sich das Kirchspiel also über zwei welfische Fsm.: Eberholzen gehörte als Enklave im Amt Winzenburg zu Calenberg, Möllensen zu Braunschweig-Wolfenbüttel. Vermutlich wechselte Möllensen zusammen mit der Muttergemeinde Eberholzen zur luth. Lehre, als Hzgn. Elisabeth von Calenberg-Göttingen 1542 die Reformation einführte und die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft setzte.8 Der erste luth. Prediger in Möllensen war P. Henrich Wyder, der Pfarrer von Eberholzen. Im gleichen Jahr übernahm auch das Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel die neue Lehre: Die Truppen des Schmalkaldischen Bundes hatten den kath. Hzg. Heinrich den Jüngeren vertrieben und die Statthalterregierung, eingesetzt von Lgf. Philipp von Hessen und Kfs. Johann Friedrich von Sachsen, verfügte die Einführung der Reformation und verkündete 1543 die Christlike kerken-ordening im lande Brunschwig, Wulffenbüttels deles.9 1547 begannen in beiden Fsm. Bestrebungen zur Rekatholisierung: Hzg. Heinrich der Jüngere kehrte nach Braunschweig-Wolfenbüttel zurück und in Calenberg trat Hzg. Erich II., Elisabeths Sohn, zur kath. Kirche über. Die Calenbergischen Stände konnten 1553/56 jedoch die Beibehaltung der luth. Lehre durchsetzen. Da der ev. P. Hermann Becker (amt. bis 1565) „der Religion wegen nicht hat über 20 Schritt aus dem Dorf gehen mögen“, konnte er die beiden Tochtergemeinden Eberholzens, Hönze und Möllensen, nicht mehr betreuen.10 Sie wurden abgetrennt und Möllensen kam zur Gemeinde Sibbesse.

Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Als Hzg. Julius 1568 in Braunschweig-Wolfenbüttel die Regierung übernahm, führte er von neuem die luth. Lehre ein, ließ die Pfarrer und Gemeinden visitieren und verkündete 1569 die später sogenannte Calenberger Kirchenordnung.11 Fridericus Wilcken, Pfarrer von Sibbesse und nach Einschätzung der Visitatoren ein völlig ungebildeter Greis (Senex prorsus rudis), war seinerzeit für die Tochtergemeinde Möllensen („Filial Mülhesen) zuständig. Als Patron der Gemeinde nennen die Visitationsberichte Jost von Steinberg; er zahlte dem Pfarrer für seine Dienste sechs Gulden und behielt die Einkünfte der Pfarre selbst („gibt dem Pfarrer 6 fl. nimpt das einkhomen“).12 Die pfarramtliche Verbindung mit Sibbesse bestand vermutlich bis 1733, dann übernahm der Pfarrer von Nienstedt, P. Karl Johann Konrad Groll (amt. 1731-1762) den Pfarrdienst in Möllensen. In seine Amtszeit fiel die Erneuerung der Möllenser Kirche und sein Name findet sich auf der Inschriftentafel über dem Eingangsportal. Von 1762 bis 1782 betreute der Pfarrer von Eberholzen Möllensen und von 1782 bis 1806 der Pfarrer von Almstedt. Von 1809 bis 1819 hatte das Dorf mit Friedrich August Röbbelen (amt. 1809-1813) und Johann Friedrich Oelkers (amt. 1815-1819) gewissermaßen eigene Pfarrer, allerdings waren beide zugleich auch Rektor der Schule in Gronau. Seit 1842 ist Möllensen pfarramtlich wieder mit Sibbesse verbunden (mater combinata).13 Mit 66 Gemeindegliedern (Stand 2015) ist Möllensen die kleinste KG der Landeskirche Hannovers.

Umfang

Das Dorf Möllensen

Aufsichtsbezirk

Vermutlich Archidiakonat Rheden der Diözese Hildesheim.14 – Um 1542/44 zur Insp. Alfeld, 1569 zur Insp. Dietrichholtensen (Wrisbergholzen).15 Ab 1651/52 Spezialinsp. des GSup. Alfeld.16 1829 zur kurzlebigen Insp. Wrisbergholzen, 1833 Insp. Elze, 1854 Insp. Alfeld. 1869 zur neu gebildeten Insp. Breinum, die bis 1872 von Alfeld aus verwaltet und dann nach dem neuen Sitz der Suptur. in Insp. (1924: KK) Wrisbergholzen umbenannt wurde. KK ab 1925 unter Verwaltung des Bockenemer Sup., 1927 Suptur. mit Pfarrstelle Sehlem verbunden, ab 1936 von Alfeld verwaltet, 1941 mit KK Alfeld vereinigt.17 Mit Zusammenschluss des KK Alfeld und des KK Hildesheimer Land seit 1. Januar 2011 zum KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.18

Patronat

Die Besitzer des Gutes Bodenburg: zunächst die Herren von Steinberg, nach deren Aussterben in männlicher Linie seit 1911 die Familie von Cramm zu Brüggen. In den Unterlagen zur Visitation 1941 ist vermerkt: „Das Patronat ist durch Abfindung erloschen.“19

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, vor 1939

Kirche, Grundriss, vor 1939

Mittelalterliche Altarmensa mit Reliquiengrube und Weihekreuzen, gemauerter Stipes. – Kleiner Rechteckbau, westlicher Teil mittelalterlich, östlicher Teil erbaut 1744. Satteldach, verputztes Bruchsteinmauerwerk, Fachwerkgiebel, flachbogige Fenster, Portal in Südseite, darüber Inschriftentafel: „Auf Befehl der hohen Herrn Patronen haben diese Kirche verbesern lasen der Pastor Groll und die Altaristen Reisse und Haman MDCCXLIV“. Im Innern verschaltes Tonnengewölbe, geschwungene Westempore, gerade Scheinempore im Osten.

Turm

Sechseckiger, verschieferter Dachreiter mit leicht geschweifter, hoch ausgezogener Haube, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne. Flachbogige Schallfenster, Uhrziffernblätter. 1769 Turmuhr angeschafft.20

Ausstattung

Kanzelaltar (wohl zweite Hälfte 18. Jh.), zweistöckiger Aufbau, Kanzelkorb flankiert von zwei Pilastern, im Feld oberhalb des Schalldeckels Abendmahlsbild, flankiert von zwei Säulen. – Taufstein (1603, Meister MB), schmales, achteckiges und leicht gebauchtes Becken, verziert mit Reliefköpfen und Rosetten, Inschrift u. a.: „Her Johan Anthonius Pastor z[u] S[ibbesse] Heinrich Kalen, Andreas Ressem, Olderlude“; zylindrischer Schaft mit drei geflügelten Engelsköpfen; geschweifter Holzdeckel (Ende 17. Jh.); ähnliche Taufen aus der gleichen Werkstatt in Adensen, Eberholzen, Sibbesse und Klein Himstedt.21 – Gedenktafeln für die Gefallenen der beiden Weltkriege an Südwand.

Orgel

1849 Neubau von Heinrich Schaper, 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (Zinn) und Abgabe zu Rüstungszwecken, später neue Prospektpfeifen eingesetzt. 1956 Dispositionsänderung, vorgenommen von Lothar Wetzel (Hannover), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2009/10 Restaurierung, ausgeführt von Firma Orgelbau Reinhard Hüfken (Halberstadt), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Eine LG h’ (Bronze, Gj. 1975, Glockengießerei Heidelberg). – Früherer Bestand: Eine LG h’ (Bronze, Gj. 1860, J. H. Bartels, Hildesheim), aufgestellt an Westseite der Kirche.

Friedhof

Kirchlicher Friedhof am Nordrand des Dorfes.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 5 Nr. 940 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 5568-5574 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2120-2124 (Visitationen); D 43 (EphA Alfeld); S 11a Nr. 7271 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 955; Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 169-172; Mathies, Taufbecken, S. 140; Meyer, Pastoren II, S. 148; Pape, Schaper, S. 60-63.
B: Sabine Hartmann: Die Samtgemeinde Sibbesse. Geschichten und Bilder von damals und heute, Sibbesse 2005, bes. S. 175-190.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim III, Nr. 1452.
  2. Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 171 (Kelchinschrift: „Dusce Kelch hort sunte Lucyen to Melsen un[t] wart ghemaket na goddes bort M C XVIII iar“).
  3. UB HS Hildesheim II, Nr. 241 und 240.
  4. Peters, Inventare Gronau, S. 22, Nr. 49.
  5. Junker, Winzenburger Erbregister, S. 599.
  6. Hartmann, S. 176; bei Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 105 nicht genannt.
  7. UB HS Hildesheim III, Nr. 1452.
  8. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, Herrschaft, S. 47 ff.
  9. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 4 und 22 ff.; Butt, Herrschaft, S. 42 ff.
  10. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 225; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 447, Anm. 925.
  11. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 5 und 83 ff.; Butt, Herrschaft, S. 58 ff.
  12. Spanuth, Quellen, S. 277.
  13. Meyer, Pastoren II, S. 148.
  14. Kleinau, Neuer Text, S. 95: Die Muttergemeinde Eberholzen gehörte zum Archidiakonat Rheden.
  15. Reller, Kirchenverfassung, S. 112, 168 f. und 226.
  16. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  17. KABl. 1927, S. 43; KABl. 1941, S. 44.
  18. KABl. 2011, S. 70 ff.
  19. LkAH, L 5h, unverz., Sibbesse, Visitation 1941.
  20. Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 172.
  21. DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 299 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0029900; Mathies, Taufbecken, S. 140.