Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich: Alfeld | Patrozinium: Mauritius (Moritz) | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Almstedt wird 1151 in einem Güterverzeichnis des Moritzstifts, das dort ein Vorwerk (Villikation) besaß, erstmals urkundlich erwähnt.1 Weitere Grundherren waren die von Bortfeld, das Kloster Lamspringe und die Dompropstei in Hildesheim. Mit dem Großen Stift kam Almstedt 1523 unter braunschweigische Landesherrschaft, 1643 zurück an das Hochstift Hildesheim.

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Die Gründungszeit der Kirche ist unbekannt. 1481 erscheint ein praepositus montis S. mauritii Almstede. Die in Almstedt begüterten Herren von Steinberg waren bereits 1542 Anhänger des luth. Bekenntnisses und sorgten als Patronatsherren für die Besetzung der Pfarrstellen in Almstedt und Wehrstedt mit luth. Geistlichen. Heinrich von Steinberg aus dem Haus Almstedt-Wehrstedt gehörte 1542 zur Visitationskommission des Schmalkaldischen Bundes.2 Definitiv setzte sich die Reformation jedoch auch in Almstedt erst 1568 mit dem Regierungsantritt Hzg. Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel durch. P. war 1568 Melchior Henke. 1668 wird erstmals ein Schulmeister genannt.
P. Henning (amt. 1926-1938) war bis etwa 1936 Ortsgruppenamtsleiter der NSV. Nach seinem Weggang blieb die Pfarrstelle zunächst vakant. Kirchenkampf, Krieg und die lange Vakanzzeit wirkten sich nachteilig auf das Gemeindeleben und die GD-Beteiligung aus. Zur Entkirchlichung trug möglicherweise auch der mit der Industrialisierung einsetzende Strukturwandel im Dorf bei: 1951 waren die Kali- und Kalkarbeiter gegenüber Handwerkern und den wenigen verbliebenen Bauern in der Mehrzahl.3

Kirche, Blick zum Altar, um 1960 bzw. vor 1958

Kirche, Blick zum Altar, um 1960 bzw. vor 1958

Seit Mitte des 16. Jh. (1758 oder 1747) war Almstedt mater combinata von Petze.4 Im Zuge der Gebietsreform von 1973/74 kamen erstmals Überlegungen auf, diese Verbindung zu lösen und Petze mit Sibbesse zu verbinden. Dafür sollten die KapG Segeste und Westfeld von Wrisbergholzen nach Almstedt umgepfarrt werden. Zu einer Umsetzung kam es nicht.5 Erst mit dem 1. Mai 1996 wurde die pfarramtliche Verbindung mit der KG Petze aufgehoben und Almstedt mit Wrisbergholzen, Petze mit Sibbesse verbunden.6 Am 1. Oktober 1999 wurden Almstedt und Wrisbergholzen wieder getrennt. Die gemeinsame Pfarrstelle wurde Almstedt zugewiesen.7 Mit dem 1. Januar 2011 wurden die KG Adenstedt-Wrisbergholzen, Almstedt, Graste-Netze, Lamspringe, Möllensen, Neuhof, Petze, Sibbesse und Woltershausen pfarramtlich verbunden. Die bisherige Pfarrstelle der KG Almstedt wurde vierte Pfarrstelle der verbundenen Gemeinde.

Umfang

Das Dorf Almstedt.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Detfurth der Diözese Hildesheim. – 1542 wurde Almstedt der Suptur. in Alfeld unterstellt. 1569 zur Suptur. Lamspringe/Groß Freden der Generaldiözese Alfeld; später (vor 1651) Insp. Alfeld, 1869 zur neu errichteten Insp. Breinum (ab 1872 Wrisbergholzen, 1924 KK). Bei Aufhebung des KK Wrisbergholzen zum 1. April 1941 in den KK Alfeld eingegliedert (seit 1. Januar 2011 zum KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld).

Patronat

Das Moritzstift bei Hildesheim. Um 1548 wurde das Patronat durch das aus dem Vorwerk des Moritzstifts hervorgegangene Gut Almstedt übernommen (dingliches Patronat), dessen Besitzer um 1548/68 die von Steinberg (bis zum Erlöschen der Linie Almstedt-Wehrstedt 1570), um 1578 die von Asseburg, um 1640 die von Lützow, um 1738 die von Rhoeden/Rheden waren. Danach kam das Gut durch Kauf an den Propst und Schatzrat von Kurtzrock, später an die Familien Ernst und (um 1807) Lüntzel in Hildesheim, ab 1837 die von Steinberg-Brüggen, 1911 im Erbgang an die von Cramm, die es 1928 an Heinrich Sandvoß verkauften. Obwohl seit dem Verkauf des Guts kein Anspruch mehr bestand, wurde das Patronatsrecht noch 1957 (in der Annahme, es sei mit den weiter bestehenden Reallasten der Familie von Cramm verbunden) durch die von Cramm in Bodenburg ausgeübt. Siegfried Freiherr von Cramm hat 1975 formlos auf die Wahrnehmung seiner Rechte verzichtet. Seither gilt das Patronat als erloschen.8

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1929

Kirche, Grundriss, 1929

Die wohl 1618 errichtete rechteckige vierachsige Saalkirche aus rotem Bruchstein der Almstedter Feldmark wurde 1721 umgebaut und 1819 nach Westen erweitert. Mansardwalmdach. Gebogene Holzdecke. U-förmige Emporenanlage, im Westen zweigeschossig (Orgelempore) mit vier Wappen der Familie von Rhoeden. Renovierungen 1958/59 und 2013/14.

Turm

Im Osten ein gedrungener frühgotischer Turm (13. Jh., 1718 erneuert) mit ins Achteck überführtem Pyramidenhelm. In der gewölbten Turmhalle befindet sich die Sakristei. Fragmente einer spätgotischen Ausmalung des 15. Jh.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar mit opulenter farbiger Ausschmückung (1760, die Kanzel datiert 1784). Als Bekrönung zwischen den Teilen des Sprenggiebels Christus mit der Siegesfahne. – Taufengel, wohl um 1760. 1875 noch in Gebrauch9, zwischenzeitlich in der Sakristei eingelagert (noch 1929), nach dem Zweiten Weltkrieg restauriert und wieder aufgehängt; nicht mehr für Taufen genutzt. – Kronleuchter (gestiftet 1742).

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1958

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1958

Orgel

1746 Neubau (erste Orgel) von Johann Georg und Johann Conrad Müller (Hildesheim), 10 I/-, mechanische Traktur, Schleifladen. Die Orgel war eine Stiftung des damaligen Patrons Adam Ernst Friedrich von Rhoeden. 1750/51 (Mahr: 1753) wurde sie von Johann Conrad Müller um ein Pedal auf 15 I/P ergänzt. 1839 Instandsetzung durch Heinrich Schaper (Alfeld). 1958 Einbau eines elektrischen Gebläses durch die Hildesheimer Orgelbauwerkstatt. 1959/60 Restaurierung durch die Hildesheimer Orgelbauwerkstatt. 1987/88 Restaurierung durch Rudolf Janke (Bovenden), 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel.10

Geläut

Zwei LG, I: gis’ (Maria, Bronze, Gj. 1512, Harmen Koster, Hildesheim)11; II: ces’’ (Bronze, Gj. 1748, Johann Jakob Dornmann, Königsberg i. Pr.; Patenglocke aus Nemmersdorf, Kr. Gumbinnen).12 – Eine SG (Eisenguss). – Früherer Bestand: Eine Glocke wohl in h (Bronze, Gj. 1732, Bernhart Lampen) wurde im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert. Der Neuguss in e (Bronze, Gj. 1933, J. J. Radler & Söhne, Hildesheim) wurde ebenso wie die SG (Gj. 1740) im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.

Weitere kirchliche Gebäude

Das Pfarrhaus wurde 1999 zum „Einkehrhaus St. Moritz“ umgewandelt und 2010 verkauft. – Neues Gemeindehauses gegenüber der Kirche (Bj. 2014/15).

Friedhof

Eigentum der KG. Der alte Begräbnisplatz bei der Kirche wurde 1863 geschlossen und im gleichen Jahr ein neuer Friedhof angelegt. Am nördlichen Ortsrand. FKap.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 168-176 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 938 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 144-153 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 32-36 (Visitationen); D 43 (EphA Alfeld); S 1 H III, Nr. 311 (Kirchenkampfdokumentation).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 234, Nr. 2; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 123; Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 511-516; Kiecker/Graff, KD Kr. Alfeld, S. 109-114; Mahr, Orgelbauer Müller, S. 244-250; Pape, Palandt, S. 305-308.
B: Hermann Borcher: Almstedt in Wort und Bild. Eine Aufzeichnung seiner Geschichte von 1151-1999, Bad Salzdetfurth 2000.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 275.
  2. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 8, Anm. 8.
  3. LkAH, L 5h, unverz., Almstedt, Visitation 1951, Beantwortung der Visitationsfragen V.14.,
  4. Meyer, Pastoren I, S. 13.
  5. LkAH, B 2 K 1/Alfeld II, Bl. 44 (KKV Alfeld an LKA, 15.08.1973).
  6. KABl. 1996, S. 123.
  7. KABl. 1999, S. 216.
  8. LKA, G 15/Almstedt.
  9. Barenscheer, Taufengel, S. 47.
  10. KABl. 1952, S. 159; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).
  11. Drömann, Glocken Lkr. Hildesheim, S. 61.
  12. Poettgen, Glockengießer, S. 12.