Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Auferstehung (seit 2003) | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Neuhof, heute Ortsteil von Lamspringe, ist eine Gründung des Benediktinerinnenklosters Lamspringe, die erstmals 1312 urkundlich belegt ist (curiam Nyenhof dictam).1 Neuhof entwickelte sich aus einem Vorwerk auf dem Gebiet des Ortes Liermund, den das Kloster erworben und aufgegeben hatte (1149 erstmals als Liermunde erwähnt, zuletzt 1274 als Leremunde).2 Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten verpfändete das Kloster im 15. Jh. Land und Rechte in Neuhof; seit Ende des 15. Jh. kaufte es die Pfandschaften zurück.3 Neuhof lag im Gebiet des Amtes Winzenburg des Hochstifts Hildesheim, die Niedergerichtsbarkeit hatte jedoch das Kloster Lamspringe inne. Nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) fiel das Amt an das welfische Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel und wurde erst 1643 mit der Restitution des Großen Stiftes wieder hildesheimisch. Das von englischen Benediktinern neu begründete Kloster Lamspringe erlangte in Neuhof jene Rechte, die auch das Nonnenkloster besessen hatte.4 Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 fiel das Gebiet des Hochstifts Hildesheim an Preußen, die preußische Regierung löste das Kloster Lamspringe auf. In der Zeit des französischen Satellitenkgr. Westphalen (1807-1813) gehörte Neuhof zum Kanton Lamspringe im DistriktGoslardes Departements Oker. 1815 kam das Dorf, nun im Kgr. Hannover, zum Amt Bilderlahe, das 1852 in Amt Lamspringe umbenannt und 1859 in das Amt Alfeld eingegliedert wurde. Nach der Annexion von 1866 wieder preußisch kam Neuhof 1885 zum neuen Lkr. Alfeld (1977 weitgehend in Lkr. Hildesheim eingegliedert). 1972 trat Neuhof der Samtgemeinde Lamspringe bei, seit 2016 ist das Dorf Teil der neuen Einheitsgemeinde Lamspringe. Zur Gemeinde Neuhof zählen auch die Orte Ammenhausen (Ersterwähnung 1183 als Ammenhusen,5 zeitweise wüst) und Wöllersheim (Ersterwähnung 1149 als Wallersheim6). Das einst landwirtschaftlich geprägte Neuhof wandelte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jh. zu einem Schlaf- und Pendlerdorf.7 Neuhofs Bevölkerungszahl lag 1810 bei etwa 430, 1925 bei knapp 490, stieg aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf über 1.000 und lag 2015 wieder bei etwa 440.

Orgel, 1977, Fotograf: Dawin

Orgel, 1977, Fotograf: Dawin

Zur vorref. Kirchengeschichte des Dorfes Neuhof ist wenig bekannt. Das Dorf hatte keinen eigenen Priester, die kirchliche Versorgung oblag dem Kloster Lamspringe. Da Neuhof seit 1523 zum Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel gehörte, erlebte es eine erste Einführung der Reformation, nachdem die Truppen des Schmalkaldischen Bundes 1542 Hzg. Heinrich den Jüngeren vertrieben hatten. Lgf. Philipp von Hessen und Kfs. Johann Friedrich von Sachsen installierten eine Statthalterregierung, die mehrere Maßnahmen ergriff, um das besetzte Fsm. zu reformieren: Johannes Bugenhagen, Martin Görlitz und Antonius Corvinus erhielten den Auftrag, die Gemeinden des Fsm. zu visitieren, um die einzelnen Pfarrer zu begutachten; 1543 erschien die Christlike kerken-ordening im lande Brunschwig, Wulffenbüttels deles, die Corvinus und Görlitz verfasst hatten; 1544 fand eine weitere Generalvisitation statt.8 Zu Neuhof heißt es 1542 in den Visitationsberichten „Ein Capell, gehort gein Lamspring in die kirchen.“9 Die Nonnen des Klosters Lamspringe widersetzten sich jedoch der neuen Lehre und blieben, wie die Visitatoren 1544 anmerkten, bei jre Supersticiones papisticas (bei ihrem papistischen Aberglauben).10 1547 konnte der kath. Hzg. Heinrich der Jüngere nach Wolfenbüttel zurückkehren und suchte sein Fsm. zu rekatholisieren. Heinrichs Sohn und Nachfolger Hzg. Julius, der 1568 die Regierung übernahm, führte im gleichen Jahr erneut die luth. Lehre im Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel ein, ordnete wiederum eine Visitation an und erließ 1569 die später sogenannte Calenberger Kirchenordnung.11 Als Pfarrer von Lamspringe war 1568 P. Heinrich Sybolt für Neuhof zuständig; die Visitatoren schrieben über ihn. „Dieser Pfarrer ist nichts sunders gelert, weißt die zeugniß der heiligen schrift nicht, sein leer damit zu bestetigen.“12 Sie empfahlen seine Abberufung. Neuhof blieb kirchlich mit Lamspringe verbunden, auch als mit der Restitution des Großen Stiftes der Bf. von Hildesheim 1643 wieder die Landesherrschaft übernahm und das Kloster Lamspringe mit englischen Benediktinern neu besiedelte.
Ein Lehrer lässt sich in Neuhof erstmals 1662 nachweisen, die Schule wurde 1973 geschlossen.13 Die Kirchenbücher setzen 1690 ein. Im Jahr 1691 vereinbarten Kloster und Flecken Lamspringe, dass die Kapelle in Neuhof von beiden Konfessionen genutzt werden dürfe.14 Wegen Baufälligkeit musste das alte Kapellengebäude Mitte des 18. Jh. abgebrochen werden, 1757 konnte die Gemeinde die Einweihung des Neubaus feiern. Bereits in den 1870er Jahren stand zur Diskussion, Neuhof von einer Kapellengemeinde in eine Kirchengemeinde umzuwandeln.15 Dazu kam es jedoch erst 1930: Das Landeskirchenamt trennte die KapG Neuhof von der KG Lamspringe ab und fasste die Bewohner Neuhofs und Ammenhausens zur KG Neuhof zusammen. Gleichzeitig begann die pfarramtlichen Verbindung Neuhofs mit Ilde und Bültum unter dem Pfarramt in Ilde.16 Zur Unterstützung des Ilder Pfarrers setzte das Landeskirchenamt ab 1946 für einige Jahre einen Ostpfarrer in Neuhof ein.17 Im Visitationsbericht 1954 heißt es, die Neuhofer strebten eine Rückkehr ins Kirchspiel Lamspringe an; der Grund dafür läge nicht zuletzt in „der kläglichen pastoralen Versorgung“ von Ilde aus.18 Mitte der 1980er Jahre hatten die drei Gemeinden insgesamt noch etwa 800 Mitglieder (ungefähr die Hälfte entfiel auf Neuhof) und bildeten damit einen der kleinsten Gemeindeverbünde im Kirchenkreis. Das Landeskirchenamt wandelte die gemeinsame Pfarrstelle 1995 von einer vollen in eine halbe Stelle um.19 1999 endete schließlich die pfarramtliche Verbindung mit Ilde und Bültum. Neuhof wechselte in den KK Alfeld und ging eine pfarramtliche Verbindung mit Lamspringe und Graste ein.20 Im Jahr 2003 erhielt die Neuhofer Kirche den Namen Auferstehungskirche. Seit 2011 bildet Neuhof einen Gemeindeverband mit den KG Adenstedt-Wrisbergholzen, Almstedt, Graste-Netze, Lamspringe, Möllensen, Petze, Sibbesse und Woltershausen. Neuhof, Graste-Netze und Lamspringe teilen sich eine Pfarrstelle.21

Umfang

Neuhof und Ammenhausen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Lamspringe der Diözese Hildesheim. – Um 1542/44 zur Insp. Alfeld, 1569 zur Insp. Lamspringe/Groß Freden.22 Ab 1651/52 Spezialinsp. des GSup. Alfeld (Insp. Alfeld). 1829 zur kurzlebigen Insp. Wrisbergholzen, seit etwa 1834 Insp. Bockenem. 1869 zur neu gebildeten Insp. Breinum bzw. Wrisbergholzen, zunächst von Alfeld aus versehen, Sitz der Suptur. ab 1872 in Wrisbergholzen, KK ab 1925 unter Verwaltung des Bockenemer Sup., 1927 Suptur. mit Pfarrstelle Sehlem verbunden. Mit Beginn der pfarramtlichen Verbindung mit Ilde und Bültum 1930 in den KK Bockenem umgegliedert, dieser fusionierte zum 1. April 1976 mit dem KK Hoheneggelsen, zum 1. Januar 1978 umbenannt in KK Bockenem-Hoheneggelsen.23 1999 Umgliederung der KG Neuhof in den KK Alfeld.24 Mit Zusammenschluss der KK Alfeld und KK Hildesheimer Land seit 1. Januar 2011 zum KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.25

Patronat

Kloster Lamspringe (bis 1803), dann der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Querschnitt (Blick zu Altar), Grundriss, 1929

Kirche, Querschnitt (Blick zu Altar), Grundriss, 1929

Kleiner Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss, errichtet 1757. Satteldach, im Osten abgewalmt, verputztes Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, flachbogige Fenster, zwei ovale Fenster im Westgiebel. Im Innern flache Decke mit Vouten, u-förmige Empore (Orgel) und Ostempore (Kanzelaufgang). 1933 Neuausmalung Kirchenschiff (Sternenhimmel). 1958 Neuausmalung. Außenrenovierung 1986. Renovierung 1993.

Turm

Achtseitiger, verschieferter Dachreiter mit geschwungener Haube, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne (dat. 1757). 1770 alte Turmuhr durch neue von Johann Carl Mann ersetzt. 1917 neue Uhr der Firma Weule (Bockenem), heute im Uhrenmuseum Bockenem. 1973 Turmuhr mit elektrische Uhrwerk. Turmdachsanierung 2000.

Vorgängerbau

Wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Ausstattung

Kanzelaltar (um 1754), zweistöckiger, architektonischer Aufbau, Kanzelkorb flankiert von zwei korinthischen Säulen, darüber gesprengter Giebel; Bildfeld über der Kanzel mit Gottesauge, im gesprengten Giebel Figur Christi mit Siegesfahne; Abendmahlsbild in Predella. – Hölzerner Taufständer (vielleicht 18. Jh.). – Rechter Flügel eines verlorenen Taufengels (18. Jh.), an Empore links des Altars.

Orgel

1755 Orgel nachweisbar. 1870 Neubau durch Heinrich Schaper (Hildesheim), 12 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Prospektpfeifen 1917 zu Rüstungszwecken abgegeben, 1930 ersetzt. 1935 Änderung der Disposition durch unbekannten Orgelbauer, 11 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1977 Renovierung durch Albrecht Frerichs (Göttingen), 12 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.26

Geläut

Eine LG, aʼ, (Bronze, Gj. 1852, S. Lange, Hildesheim).27 Eine SG, bʼʼ (Bronze, Gj. 1979). – Früherer Bestand: Eine LG, Inschrift: „Me pro Nieuhofanis fundi juvavit Theodorus Witte 1669“ (Bronze, Gj. 1669), 1851 geborsten. Eine SG b’’ (Eisen).

Friedhof

Alter Friedhof neben der Schule 1832 angelegt und 1905 geschlossen. Neuer kirchlicher Friedhof am östlichen Dorfrand, FKap (Bj. 1964/65).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 43 (EphA Alfeld); D 44 (EphA Bockenem); S 11a Nr. 7440 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 561-564; Kiecker/Graff, KD Kr. Alfeld, S. 244-247; Pape, Schaper, S. 211 f.
B: Auferstehungskirche Neuhof. Festschrift zur Namensgebung der Kirche zu Neuhof: Auferstehungskirche, hrsg. vom Kirchenvorstand Neuhof, Lamspringe 2003; Martina Möhle u. a.: Neuhöfer Dorfgeschichte(n). Ein Dorfbuch zum 700-jährigen Bestehen der Gemeinde Neuhof, Hildesheim 2012.

GND

16035479-1, Kapellengemeinde [sic] Neuhof


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim IV, Nr. 144; NLA HA Hild. Or. 2 Lamspringe Nr. 101, http://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1609541.
  2. Möhle u. a., S. 16; UB HS Hildesheim I, Nr. 253; ebd. III, Nr. 378.
  3. Möhle u. a., S. 19; Dolle, Klosterbuch II, S. 902.
  4. Dolle, Klosterbuch II, S. 903 ff.
  5. UB HS Hildesheim I, Nr. 421.
  6. UB HS Hildesheim I, Nr. 253.
  7. Möhle u. a., S. 293 ff.
  8. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 4 und 22 ff.; Butt, Herrschaft, S. 42 ff.
  9. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 222.
  10. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 49, Anm. 69.
  11. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 5 und 83 ff.
  12. Spanuth, Quellen, S. 282.
  13. Auferstehungskirche Neuhof, S. 22 f.
  14. Möhle, S. 30; NLA HA Hild. Or. 2 Lamspringe Nr. 257, http://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1609397.
  15. LkAH D 43 Spec.Neu.100.
  16. KABl. 1930, S. 48.
  17. LkAH, L 5h, unverz., Ilde-Bültum-Neuhof, Visitation 1948.
  18. LkAH, L 5h, unverz., Ilde-Bültum-Neuhof, Visitation 1954.
  19. KABl. 1995, S. 90.
  20. KABl. 1999, S. 50.
  21. KABl. 2011, S. 64.
  22. Reller, Kirchenverfassung, S. 112, 169 f. und 226.
  23. KABl. 1977, S. 36 und 145.
  24. KABl. 1999, S. 50.
  25. KABl. 2011, S. 70 ff.
  26. Pape, Schaper S. 211 ff.
  27. Drömann, Glocken Lkr. Hildesheim, S. 97.