Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Maria | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Breinum (seit 1974 Ortsteil der Stadt Bad Salzdetfurth) wird 1149/78 im Schutzbrief des Bf. Bernhard von Hildesheim für das Kloster Lamspringe erstmals genannt. 1224 übertrug Bf. Konrad III. dem Kloster Derenburg bei Halberstadt den Zehnten. Zu den Grundbesitzern gehörte u. a. das Godehardikloster in Hildesheim. Die Landesherrschaft lag beim Hochstift Hildesheim (Gericht/Amt Winzenburg), 1523-1643 beim Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel.

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Wann die Kirche gegründet wurde, ist unbekannt. Der Turm als ältester Teil des Kirchenbaus weist noch romanische Stilelemente auf. 1207 wird Alexander de breinem […] sacerdos banni de Dethvorde erwähnt1, der sich vielleicht auch nach seinem Heimatort Breinum nannte und anderwärts als Priester amtierte; 1257 Hermannus de breynem sacerdos; 1339 dominus Conradus plebanus in Breynum.2 Die Einführung der Reformation erfolgte 1542 im Zuge der Besetzung des Landes durch die Truppen des Schmalkaldischen Bundes (Visitation des Gerichts Winzenburg 1542).3 Pfarrer war 1542 Tilemannus Oppermann, 1544 Matthias (Matthäus) Wenthemeyger, ein früherer Mönch des Klosters Amelungsborn. 1593 wurde Johann Leseberch für Breinum ordiniert. Unter den späteren Stelleninhabern ist insbesondere P. Heinrich Ludwig Fischer (amt. 1807–1831) zu nennen. Als Pädagoge vorher u. a. am Waisenhaus in Halle sowie an den Lehrerseminaren in Köthen (Anhalt) und Hannover tätig, war er Verfasser mehrerer Schulbücher und Aufklärungsschriften (u. a. Anweisung für Landschullahrer, 2 Bde., 1789; Das Buch vom Aberglauben, 3 Bde., 1790–94; Geschichtsbüchlein für Kinder und Volksschulen, 1793; Neues geographisches Lehr- und Lesebuch für Kinder, 1794).
Ab 1928 war die Pfarrstelle dauervakant und wurde überwiegend von Ruheständlern, Halbinvaliden und Hauptvertretern aus den Nachbargemeinden versorgt. 1931 bis 1938 wurde die Vertretung durch P. i. R. Kühnemund, 1939 bis 1945 durch Sup. Petri übernommen. Beide gehörten der Bekenntnisgemeinschaft an. Der KV war unpolitisch, der Kirchenkampf spielte in der Gemeinde kaum eine Rolle. Die ev. Bekenntnisschule blieb erhalten.

Kanzelaltar, um 1960

Kanzelaltar, um 1960

Die Gemeinde setzte sich überwiegend aus mittleren und kleineren Landwirten, einzelnen Handwerkern und vorwiegend im Kaliwerk Salzdetfurth beschäftigten Arbeitern zusammen.4 Die Zahl der Gemeindeglieder sank nach dem Krieg ab und betrug 1963 noch 690.5 Da eine selbständige Wiederbesetzung angesichts dieser Entwicklung nicht mehr zu erwarten stand, schlug die Landes-Suptur die Verbindung mit Almstedt vor. Der KK Alfeld favorisierte angesichts der bevorstehenden kommunalen Neugliederung und der Eingemeindung nach Bad Salzdetfurth die Umgliederung in den KK Bockenem und Verbindung mit der KG Bodenburg. Die Pfarrstelle der KG Breinum sollte mit der zweiten Pfarrstelle von Bodenburg vereinigt werden.6 1974 schlug der KV vor, die dauervakante Pfarrstelle zum 31. Dezember 1974 aufzuheben und die KG Breinum mit der KG Sehlem zu verbinden.7 Zum 1. Oktober 1999 wurden die KG Breinum, Evensen, Sehlem und Woltershausen pfarramtlich verbunden8 und zum 1. Juli 2007 die KG Breinum, Evensen und Sehlem zur neuen Ev.-luth. Trinitatis-KG in Sehlem vereinigt.9

Umfang

Das Dorf Breinum.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Detfurth der Diözese Hildesheim. – Kam bei der Neuordnung der kirchlichen Aufsichtsbezirke 1542 zur Insp. Alfeld, 1569 zur Spezial-Suptur. des GSup. in Alfeld (Insp. Alfeld).10 1829/30 war Breinum der kurzlebigen Insp. Wrisbergholzen unterstellt, deren Gemeinden nach einem Jahr wieder unter die Aufsicht des Sup. in Alfeld zurückkehrten. 1833 wurde es in die Insp. Bockenem umgegliedert. 1869 wurden die vormals zu Wrisbergholzen gehörigen KG erneut von Alfeld gelöst und zu einer Insp. Breinum zusammengefasst, die aber nicht mit einem eigenen Sup. besetzt, sondern von Alfeld aus mitversehen wurde. Erst 1872 erfolgte die Benennung eines Sup. mit Sitz in Wrisbergholzen11, später in Sehlem (bis 1936). Nach Aufhebung des KK Wrisbergholzen zum 1. April 1941 wurde Breinum in den KK Alfeld eingegliedert. Durch Zusammenschluss des KK Alfeld mit dem KK Hildesheimer Land seit 1. Januar 2011 zum KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.

Patronat

Das Domkapitel des Bm. Hildesheim. Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, vor 1929

Kirche, Grundriss, vor 1929

Schiff aus verputztem grauem Bruchsteinmauerwerk aus der Almstedter Feldmark, im Kern spätgotisch. 1794 (Datierung über dem Türsturz) als gerade geschlossener Saalbau erneuert. Der Saal wird von einer flachbogigen Holztonne mit unterlegten Rippen überdeckt. Die Turmvorhalle ist in einem großen Bogen zum Schiff hin geöffnet. Barocke Raumgestaltung. 1907 grundlegend saniert bzw. umgebaut.

Turm

Spätromanischer querrechteckiger Westturm mit verschiefertem Dachreiter mit sechsseitig geschweifter Haube auf dem Walmdach. Rundbogig geschlossene Schallöffnungen mit romanischen Teilungssäulchen. Eine Turmuhr war schon 1680 vorhanden und wurde 1901 durch ein neues Werk der Firma J. F. Weule (Bockenem) ersetzt.

Ausstattung

Barocker hölzerner Kanzelaltar des Bildhauers Johann Heinrich Fahrenholz aus Bockenem (1722/28), farbige Fassung von Kunstmaler Schulze, Hildesheim (1747/48); Johannes und Mose als Vollfiguren zu beiden Seiten der Kanzel, auf dem Gebälk Christus mit der Siegesfahne zwischen den Allegorien der Tugenden Glaube und Hoffnung. – Barocker Taufengel, vermutlich von J. H. Fahrenholz, 1724 von der Gemeinde erworben; restauriert 2000/02 durch Wolfram Kummer (Pattensen). – Lesepult (1724). – An der Decke vier Ölgemälde mit biblischen Darstellungen (Anfang 18. Jh.).

Orgel

Orgel

Orgel

1782 Neubau durch Gebrüder Bentroth (Seesen), 9 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1927 Neubau des Werks durch Firma Faber & Dienes (Salzhemmendorf) hinter dem Bentroth-Prospekt, 10 II/P, pneumatische Traktur, Membranlade (Multiplex-System). 2003 Neubau des Werks hinter dem historische Prospekt durch die Firma Bosch (Kassel), 12 II/P.

Geläut

Vier LG, I: f’ (Eisenhartguss, Gj. 1948, Firma Weule, Bockenem); II: g’ (Eisenhartguss, Gj. 1948, Firma Weule, Bockenem); III: b’ (Bronze, Gj. 1562, Henni Kruse12); IV; es’’ (Bronze, Gj. 1458, Gießer unbekannt).13 – Eine SG in b’’ (Bronze, mittelalterlich). – Früherer Bestand: Eine LG in gis’ (Bronze, Gj. 1512, Harmen Koster, Hildesheim), war gesprungen, wurde nach Umguss durch J. J. Radler & Söhne (Hildesheim) 1914 an das Provinzialmuseum (Landesmuseum) Hannover verkauft und 1917 zu Rüstungszwecken eingeschmolzen.14

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus, ein älteres Gebäude (um 1705) wurde 1849/50 durch einen Neubau ersetzt. – Pfarrwitwenhaus, 1668 in der Kirchenrechnung erwähnt, 1877 auf Abbruch verkauft. – Altes Schulhaus vom 1750, 1828/29 Neubau der Schulstube, 1870/73 Abriss und Neubau.

Friedhof

1927 Neuanlage eines Friedhofs im Trägerschaft der KG außerhalb der Ortschaft, FKap (Bj. 1959/60).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1389–1397 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 936 und 943 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1121–1128 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 300–302 (Visitationen); D 43 (EphA Alfeld); S 1 H III Nr. 311 (Kirchenkampfdokumentation).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 239, Nr. 11; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 294; Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 516–520; Kiecker/Graff, KD Kr. Alfeld, S. 114–117.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 619.
  2. Cal. UB XI, Wülfinghausen I, Nr. 137.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 223.
  4. LkAH, L 5h, unverz., Breinum, Visitation 1949 (Beantwortung der Visitationsfragen V.14).
  5. LkAH, B 2 K 1/Alfeld I, Bl. 102 (Lasup. für Hildesheim an Sup. Sprondel in Alfeld, 19. Dezember 1963).
  6. LkAH, B 2 K 1/Bockenem I, Bl. 113 (LKA an KKV Bockenem, 05.04.1974).
  7. LkAH, B 2 K 1/Alfeld II, Bl. 145.
  8. KABl. 1999, S. 216 f.
  9. KABl. 2007, S. 178 f.
  10. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  11. NLA HA, Hann. 122a Nr. 3733
  12. Drömann, Glocken Lkr. Hildesheim, S. 65.
  13. Drömann, Glocken Lkr. Hildesheim, S. 49.
  14. Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 519.