Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Das kleine Dorf im westlichen Ambergau (2000: 172 Einwohner) ist seit 1974 Ortsteil der Stadt Bockenem. Es wird in einem Schutzbrief Ks. Lothars für das Kloster Riechenberg 1131 erstmals urkundlich erwähnt.1 Grundeigentümer waren im Mittelalter außer dem Kloster die Edlen von Hagen auf Söder, später die Frhr. von Brabeck und die Gf. von Stolberg auf Söder, sowie die von Linde (um 1383/85) und die von Schwicheldt. Die Herrschaftsrechte übten die Gf. von Wohldenberg aus, deren Besitz 1275 durch Kauf an das Hochstift Hildesheim kam (Amt Wohldenberg, in hannoverscher Zeit ab 1852 Amt Bockenem).

Orgel

Orgel

Die Martinskirche wird 1234 zuerst genannt. Das Patrozinium verweist möglicherweise auf eine Gründung in fränkischer Zeit oder unter Bf. Bernward von Hildesheim. Der in seinen ältesten Teilen romanische Bau wurde 1502 erneuert (inschriftliche Datierung in der Sakristei). Als vorref. Geistliche sind bekannt: Herebordus (1234) und Henning Olendorp, der 1498 den Altar zu den heilige Sakramenten in der St.-Pankratius-Kirche in Bockenem stiftete.2
Bültum war nach der Reformation nur zeitweilig Sitz eines Pfarrers, im Übrigen mater vagans und 1570 bis 1573 mit Nette, 1573 bis 1579 mit Upstedt, 1579 bis ? mit Wehrstedt, 1586 bis 1669 und 1674 bis 1784 wieder mit Nette sowie 1803 bis 1854 mit Groß Ilde (Ilde) verbunden. 1854 wurde die Gemeinde mater combinata von Groß Ilde, 1930 in den Verband auch die bisher zu Lamspringe gehörige Gemeinde Neuhof aufgenommen (nach ihrer Umwandlung von einer KapG in eine KG und Umgliederung in den KK Bockenem). Letztere schied mit dem 1. Januar 1999 wieder aus.3
Die Pfarrstelle von Ilde und Bültum wurde am 1. März 2001 aufgehoben und beide Gemeinden mit den KG Hary, Nette und Upstedt verbunden.4 Mit dem 1. Juli 2007 wurden die KG Bültum, Hary und Ilde unter dem Namen „Ev.-luth. KG Hary in Bockenem“ vereinigt. Die neue KG blieb mit der ebenfalls zusammengelegten KG Nette-Upstedt pfarramtlich verbunden und bildet mit ihr zur Erfüllung gemeinschaftlicher Aufgaben den Kirchengemeindeverband Ambergau.5

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Bockenem der Diözese Hildesheim (1338/52 belegt). – Um 1544 zur Insp. Bockenem, 1570 bis 1642 (ohne 1626–1631) zur Suptur. für das Gericht Wohldenberg in Baddeckenstedt; nachher Insp. für die Ämter Wohldenberg und Bilderlahe (Insp. Bockenem) ohne festen Suptur.-Sitz (1794–1817 von Nette aus versehen, 1817–1832 von Sehlde). Ab 1833 gehörte Bültum zur neu formierten Insp. (1924: KK) Bockenem (1. Januar 1978 umbenannt in KK Bockenem-Hoheneggelsen, am 1. Januar 2005 im KK Hildesheimer Land aufgegangen, seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze).

Patronat

Die Gemeinde (seit 1542 bezeugt).

Kirchenbau

Mehrfach vergrößerte rechteckige Bruchsteinsaalkirche mit flachgewölbter Holzdecke; der heutige Zustand des Schiffs wohl von 1502. Renovierung 1966. Wegen der drohenden Einsturzgefahr des Kirchturms wurde 1989 die Orgelempore abgebaut und die dahinterliegende Wand mit romanischen Bögen freigelegt.6

Turm

Querrechteckiger romanischer Westturm aus dem 12. Jh. Im Glockengeschoss kleine romanische Doppelschalluken mit Teilungssäulchen. Ins Achteck überführte verschieferte Spitze. Die Turmeindeckung wurde 2013 saniert.

Ausstattung

Auf einem Stipes mit vorref. Mensa ein barocker Kanzelaltar von Johann Heinrich Fahrenholtz aus Bockenem (dat. 1734); als Bekrönung der triumphierende Christus.7 – Barockes Lesepult (1734). – Taufstein aus neuerer Zeit. Ein früherer Taufengel (gestiftet 1755) ist nicht mehr vorhanden.

Orgel

Orgel

Orgel

1792 Neubau vermutlich durch Johann Conrad Müller (Hildesheim) oder einen seiner Schüler, vielleicht Andreas Georg Almes.8 1813 Reparatur durch Josef Friderici (Hildesheim), 10 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1814 durch die Orgelbauer Brennecke & Krause vom ursprünglichen Standort über dem Altar an die Westseite verlegt. 1845 Änderung der Disposition durch Charles Berger de la Rivoire (Peine). 1863/64 Reparatur und Erweiterung um ein selbständiges Pedal durch Heinrich Schaper (Hildesheim), 12 I/P. 1935 Einbau eines elektrischen Gebläses. 1958/59 Umbau durch Emil Hammer Orgelbau (Empelde), 12 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen; das geplante BW (zweites Manual) wurde nicht mehr vollendet. Seit 1952 unter Denkmalschutz.9 1989 Abbau und Einlagerung. Teile des Pfeifenwerks waren 2008 noch im Orgelmagazin der Landeskirche in Hannover eingelagert. Für den gottesdienstlichen Gebrauch dient eine Elektronenorgel.

Geläut

Zwei LG, I: gis’ (Bronze, Gj. 1938, Firma Schilling, Apolda); II: h’ (Bronze, Gj. 1977, Glockengießerei Heidelberg). – Früherer Bestand: Glocken sind in den Kirchenrechnungen seit 1683 belegt. 1775 beschaffte die Gemeinde zwei neue LG von Christoph August Becker (Hildesheim), von denen die größere 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert wurde. Bei der Montage einer Ersatzglocke der Firma Schilling (1938, LG I) ist die verbliebene alte Glocke zersprungen. Eine Eisenglocke in fis’ (Gj. 1946, Firma Weule, Bockenem) wurde 1972 wegen des zu hohen Gewichts stillgelegt. Elektrisches Läutewerk seit den 1950er Jahren.

Friedhof

In Trägerschaft der KG. Ursprünglich auf dem Kirchhof, 1948 am östlichen Ortsausgang (Rösen) neu angelegt. Hölzerne FKap in Fertigbauweise (Bj. 1974).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 89 (Spec. Landeskons.); D 44 (EphA Bockenem).

Literatur

A: Günther, Ambergau, S. 451 f.; Mahr, Orgelbauer Müller, S. 454–460.
B: Gerhard und Elli Blankenburg: Das Dorf Bültum, seine Geschichte und seine Einwohner, Bockenem 2001; Kirchenvorstand der St. Martins-Kirche zu Bültum (Hg.): Festschrift zum 250jährigen Jubiläum der St. Martins-Kirche zu Bültum, 1984.

GND

1214001009, Martinskirche (Bültum)


Fußnoten

  1. MGH DD Lo III 32.
  2. UB Bockenem, Nr. 192.
  3. KABl. 1999, S. 50.
  4. KABl. 2001, S. 64.
  5. KABl. 2007, S. 181 f.
  6. Mahr, Orgelbauer Müller, S. 455.
  7. Meyer-Roscher, Kanzelaltäre, S. 35 f.
  8. Mahr, Orgelbauer Müller, S. 455.
  9. KABl. 1952, S. 160.