Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Bartholomäus | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Eberholzen südwestlich von Hildesheim wird 1240 als Eilbereholthusen erstmals urkundlich erwähnt. Es fiel nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) zusammen mit der Stadt Gronau an das welfische Teilfsm. Calenberg (Amt Gronau) und kehrte erst 1643 unter stifthildesheimische Herrschaft zurück.1 Mit dem sacerdos Hermannus de Elberenholthusen erscheint 1282 der erste Geistliche.2 1304 wird die Kapelle im benachbarten Möllensen als Filial von Eberholzen genannt. Die Reformation wurde 1542 unter Elisabeth von Calenberg eingeführt. Erster luth. P. war Henrich Wyder. 1547 folgte ihm der mercenarius Hermann Kote, danach bis 1565 Hermann Becker, um 1567 bis 1586/87 Otto Potthenne.3
Von 1932 bis 1935 war die Pfarrstelle vakant. 1935 wurde sie mit P. Friedrich Nolte, einem Mitglied der BK, wieder besetzt (bis 1937). Unter seiner Leitung wurde trotz der Einschränkungen der NS-Zeit die Jugend- und Frauenarbeit reaktiviert und ausgeweitet. Die ev. Schule wurde 1942 in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt. Die Kirche wurde ab 1944 (ohne Orgel und Geläut) auch für kath. GD zur Verfügung gestellt.
Die abseits der großen Verkehrswege gelegene Gemeinde hatte nach Abgang der Flüchtlinge um 1957 noch rund 700, 1969 rund 650 Gemeindeglieder. Dennoch verzeichnete sie ein reges kirchliches Leben. Im Zuge der kommunalen Gebietsreform 1973/74 regten Strukturausschuss und KKV die Umgliederung in den KK Alfeld und den Zusammenschluss mit den benachbarten KG Möllensen und der jetzt zu Nienstedt gehörigen KapG Hönze an. Beides wurde nicht umgesetzt.4 Stattdessen wurde Eberholzen nach der Pensionierung von P. Karl-Heinz Wunderlich (amt. 1948–1977) von Nienstedt aus, ab 2002 vom Pfarramt in Rheden aus versorgt.

Umfang

Das Dorf Eberholzen. Die Dörfer Möllensen und Hönze wurden vor 1565 von der Parochie Eberholzen abgetrennt.5

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Rheden der Diözese Hildesheim. – Kam im Zuge der Neuorganisation der kirchlichen Aufsichtsbezirke 1542 zur Insp. Alfeld, 1829 zur neu gegründeten Insp. (1924: KK) Elze, Seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.

Patronat

Der Oblegiar des Kreuzstifts in Hildesheim.6 Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Einschiffiger, verputzter, gotischer Bruchsteinbau mit nachträglich angebautem, gerade geschlossenem und nicht eingezogenem Chor. Die Fenster wurden im 18. Jh. erneuert. Innen eine hölzerne Tonnendecke mit nachträglich untergelegten Kreuzrippen und Gurtbögen. Emporenanlage aus dem ersten Viertel des 18. Jh. Ausmalung (Mitte 18. Jh.): im östlichen Bogenfeld jüngstes Gericht, sechs Deckengemälde in querovalen Medaillons (Jesaias, Verklärung Christi, die Engel bei Abraham, Verkündigung und Geburt Christi, Traum Jakobs).

Turm

Unverputzter, quadratischer Westturm mit achteckigem Helm, im Kern vermutlich aus dem 12. Jh. Der Turm wurde 1956 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung von der politischen Gemeinde an die KG übergeben.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar (1731), die Kanzel flankiert von Moses und Johannes dem Täufer; unter der Kanzel ein Abendmahlsrelief; auf dem Gebälk die Apostel Petrus und Paulus, außen zwei Engel, den auferstandenen Christus in der Höhe anbetend. Auf der Kanzeltür ein plastisches Kreuzigungsrelief. – Achteckige Sandsteintaufe mit quadratischem Schaft auf Löwenköpfen (1611).7 Der hölzerne Deckel mit Schnitzrelief der Taufe Christi um 1717. – Zwei Schnitzfiguren der Heiligen Bartholomäus und Johannes Evangelist, aus der gleichen Werkstatt wie die Altarfiguren (um 1731). – Bildnis des P. H. S. Kuhlemanns († 1744). – Gedenktafeln für die Gefallenen von 1870/71 und 1914–18. – Grabplatten im Fußboden u. a. P. Johannes Leinemann († 1653) und P. Henricus Fischer († 1702).

Orgel

Eine Orgel war Mitte des 18. Jh. bereits vorhanden: 1750 reparierte Julius Römer auf Kosten der Kirche den Blasebalg, 1755 nahm der Orgelbauer Hagen eine weitere Instandsetzung vor. 1794 wird die vorhandene Orgel durch den Orgelbauer J. C. Müller in einem Gutachten als abgängig bezeichnet.8 1796 erfolgte ein Neubau durch den Orgelbauer Anton Heinrich Maasberg (Hildesheim), 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1813 Instandsetzung durch den Orgelbauer Brennecke. Nach einer schweren Beschädigung durch einen Blitzeinschlag (1826) nahm Conrad Euler (Gottsbüren) die Instandsetzung und einige Veränderungen an der Disposition vor. Wohl 1840/50 und 1873 folgten weitere Umbauten durch Heinrich Faber (Salzhemmendorf). 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1956 Instandsetzung durch Firma Weißenborn (Braunschweig). 1963 Erneuerung durch E. Hammer. 1979/83 Instandsetzung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 11 (14) I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. – Denkmalorgel.9

Geläut

Drei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1959, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: a’ (Bronze, Gj. 1929, Firma Radler, Hildesheim); III: h’ (Bronze, Gj. 1960, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). – Eine SG außen am Turmhelm: a’’ (Bronze). – Früherer Bestand: Eine Glocke 1532 in Mecheln gegossen, 1574 angeschafft, 1719 durch Eggert Christoph Becker, Hildesheim, umgegossen. Eine Glocke wurde 1819 durch den Glockengießer Book (Einbeck) umgegossen.10 1882 erfolgte der Umguss von drei LG durch die Firma J. J. Radler & Söhne (Hildesheim). Hiervon wurden zwei im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben und 1929 gleichfalls durch Radler ersetzt. 1942 musste die Gemeinde eine der beiden Radler-Glocken von 1929 und die verbliebene von 1882 abgeben.

Friedhof

Früher auf dem Kirchhof, später an den westlichen Ortsrand verlegt. Unmittelbar daneben entstand ein Friedhof der politischen Gemeinde (heute insgesamt in der Trägerschaft der Samtgemeinde Sibbesse).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2511–2514 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1931–1937 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 509 (Visitationen); D 22b (EphA Elze).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 414; Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 48–54.
B: Gottlob Friedrich Eduard Crusius: Beschreibung des Pfarrdorfes Eberholzen, Amts Gronau, im Fürstenthum Hildesheim, nebst geschichtlichen Nachweisungen und einer Sammlung vorhandener Sagen, in: Mittheilungen geschichtlichen und gemeinnützigen Inhalts für das Fürstenthum Hildesheim und die Stadt Goslar 2 (1833), S. 137–150.


Fußnoten

  1. Nach Crusius, S. 138 f., Anm. 3, gehörte Eberholzen bis 1558 zum Amt Winzenburg und kam dann an das Amt Gronau, vgl. jedoch u. a. NLA HA Hann. 74 Gronau (http://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction?detailid=b1267, 24.07.2018).
  2. UB HS Hildesheim III, Nr. 609.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 447.
  4. LkAH, B 2 K 1/Alfeld I, Bl. 46 f. (KKV Alfeld an LKA, 15.08.1973).
  5. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 447.
  6. Ahlhaus, Patronat, S. 29.
  7. Mathies, Taufbecken, S. 120. Vom gleichen Meister stammen die Taufbecken in Adensen, Möllensen und Sibbesse.
  8. LkAH, D 22b, Spec. Eberholzen A 5131.
  9. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).
  10. LkAH, D 22b, Spec. Eberholzen A 51301.