Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Cosmas und Damian1 | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Möglicherweise ist der Ort Hretha, genannt im ältesten Teil des Verzeichnisses der Schenkungen (Traditionen) an das Kloster Corvey, identisch mit Rheden. Die urkundliche Ersterwähnung des Dorfes fiele damit in die erste Hälfte des 9. Jh. (zwischen 822 und 826).2 Sicher lässt sich eine zweihundert Jahre jüngere Erwähnung zuordnen: In einer Urkunde Ks. Heinrichs II. für das Hildesheimer Kloster St. Michaelis aus dem Jahr 1022 erscheint der Ort als Rhethun.3 Ebenso wie das Michaeliskloster hatte auch das Hildesheimer Bartholomäusstift Besitz im Dorf, eine Urkunde von 1147 nennt in Redhen viginti iugera, item in eadem villa quadraginta iugera cum area (20 Morgen, ebenfalls in diesem Dorf 40 Morgen mit Hausstelle).4 Anfang des 14. Jh. erhielt das neue Stift Maria Magdalena in Hildesheim (genannt Schüsselkorb), drei Hufen in Rheden.5 Die Adelsfamilie, die sich nach dem Ort von Rheden nannte, lässt sich urkundlich seit dem 13. Jh. nachweisen, im späten 16. Jh. hatten vier Linien der Familie ihren Wohnsitz in Rheden. Ihren Rhedener Grundbesitz besaßen sie u. a. als Lehen der Bf. von Hildesheim und als Lehen der Gf. von Schaumburg.6 Die Niedergerichtsbarkeit über die meisten Einwohner lag in den Händen der Herren von Rheden, die Landesherrschaft beim Bf. von Hildesheim (Amt Winzenburg des Hochstifts Hildesheim). Nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) kamen Rheden und die anderen Dörfer des Amtes Winzenburg unter die Landesherrschaft der welfischen Hzg. (Fs. Braunschweig-Wolfenbüttel). Im Winzenburger Erbregister von 1578 heißt es: „Jn dem Dorffe Rheden haben die Junckeren das Unter Gerichte und 120 Werckschue draußen. Aber auf Ill[ustrissi]mi7 oder des Amts Wintzenb[urg] dienstpflichtigen Höffen […], hat das Hauß Wintzenburg Richt und Recht“.8 Mit der Restitution des Großen Stifts kehrte Rheden 1643 zum Hochstift und unter die Landesherrschaft des Bf. von Hildesheim zurück. Zusammen mit den übrigen Dörfern der Niederen Börde kam Rheden 1690 vom Amt Winzenburg zum Amt Gronau. Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 fiel das Gebiet des Hochstifts an das Kgr. Preußen. In den Jahren des französischen Satellitenkgr. Westphalen (1807-1813) gehörte Rheden zum Kanton Gronau im Distrikt Hildesheim des Departements Oker. Danach zählte Rheden, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Gronau. Nach der Annexion von 1866 erneut preußisch, kam Rheden bei Einführung der Kreisverfassung 1885 zum Kr. Gronau (1932 Kr. Alfeld, 1977 Lkr. Hildesheim). Zusammen mit den Ortsteilen Heinum und Wallenstedt (beide 1974 eingemeindet) gehörte Rheden zur Samtgemeinde Gronau (Leine) und wurde 2016 in die Stadt Gronau (Leine) eingemeindet (Teil der Samtgemeinde Leinebergland). Als Gutsdorf war die Zahl der eigenständigen Bauern in Rheden nicht hoch; Handwerker, besonders Maurer, pendelten bereits Ende des 19. Jh. bis nach Hannover.9 1938 schrieb der Ortspfarrer, die Bevölkerung setze sich zusammen „aus vielen Land- und Fabrikarbeitern“ sowie aus Groß- und Kleinbauern.10 Um 1810 hatte Rheden gut 620 Einwohner und 1939 etwa 585. Die aufgrund der Einquartierung Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stark gestiegene Einwohnerzahl sank wieder ab und 2016 lebten rund 570 Menschen in Rheden. Zum Kirchspiel gehören auch das Dorf Dötzum (Ersterwähnung 1255 als Dothessem)11 sowie die ehemaligen KapG Wallenstedt und Heinum.

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1954

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1954

Rheden war im Mittelalter Sitz eines Archidiakonats, das seit 1220 urkundlich belegt ist: Seinerzeit war Iohannes archidiaconus in Rethen.12 1236 war der Hildesheimer Dompropst Rainald III. von Dassel gleichzeitig auch archidiaconus in Reden13 und von 1296 bis 1304 lässt sich Arnold von Warberg in diesem Amt nachweisen (1303 auch Domdekan, 1304 auch Dompropst).14 Später verwaltete der Archidiakon von Sarstedt das Archidiakonat Rheden mit.15 Zum Archidiakonat zählten im späten 15. Jh. die Dörfer Barfelde, Brüggen, Eberholzen, Deinsen, Gronau, Haddeßhußen (vermutlich Hoyershausen) und Nienstedt16, im späten 13. Jh. auch die Dörfer Betheln und Freden.17
Die Kirche in Rheden, errichtet vermutlich innerhalb einer alten sächsischen Wallburg18, lässt sich 1068 urkundlich belegen: Als Kg. Heinrich IV. in diesem Jahr dem Hildesheimer Bf. die Grafschaftsrechte in den Gauen Valedungon, Aringe und Guttingon übertrug, ist in der Schenkungsurkunde unter den publicae ecclesiarum parochiae (Pfarrkirchen) auch Redun aufgeführt.19 Zum Zeitpunkt dieser ersten Erwähnung existierte die Kirche vielleicht schon seit zweihundert Jahren.20 Eine Urkunde aus dem Jahr 1220 nennt schließlich einen plebanus de Rethen, verschweigt aber seinen Namen.21 Etwa in dieser Zeit entstand auch das bis heute erhaltene Kirchengebäude in Rheden: der Turm stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 12. Jh., das Schiff aus dem frühen 13. Jh. (lediglich der dreiseitige Chorschluss ist eine Zutat des frühen 17. Jh.; er ersetzte die ursprüngliche halbrunde Apsis). Namentlich lassen sich Rhedener Pfarrer erst 1398 nachweisen, als sich der Hildesheimer Vikar Johannes Conolinus um die Nachfolge von P. Ludolf de Reden bemühte. Anscheinend war er erfolgreich, denn ein Jahr später bezeichnet er die parochialis ecclesia in Reden als seine Pfründe.22 Im Jahre 1461 war Diakon Fridericus Burni Pfarrer von Rheden, bat allerdings zum einen darum, seine Priesterweihe noch fünf Jahre aufschieben zu dürfen, und zum anderen darum, ihn für den gleichen Zeitraum von der Residenzpflicht zu entbinden.23 Ein Jahr später lässt sich in Rheden eine Bruderschaft St. Cosmas und Damianus nachweisen, deren Status Bf. Berthold von Hildesheim 1496 bestätigte.24 Bis Anfang des 16. Jh. gehörte auch das Dorf Brüggen noch zum Kirchspiel Rheden, das seit 1485 eine eigene Kapelle besaß und 1505 eigenständige Pfarrgemeinde wurde.25 Bis etwa 1526 war Johann Götting Pfarrer von Rheden.26

Kirche, Ansicht von Nordwesten

Kirche, Ansicht von Nordwesten

Zur Zeit der Reformation gehörte Rheden zum welfischen Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel und erlebte so eine erste Einführung der luth. Lehre, nachdem die Truppen des Schmalkaldischen Bundes 1542 den kath. Hzg. Heinrich den Jüngeren vertrieben hatten. Eine Statthalterregierung, eingesetzt von Lgf. Philipp von Hessen und Kfs. Friedrich Johann von Sachsen, ließ Gemeinden und Geistliche 1542 visitieren, verkündete 1543 die Christlike kerken-ordening im lande Brunschwig, Wulffenbüttels deles und sandte 1544 erneut Visitatoren in die Dörfer und Städte.27 Die Berichte zur Visitation 1542 nennen zwei Pfarrer für Rheden: Der Name des noch kath. Heinricus Heyne, der mindestens seit 1526 Pfarrer in Rheden war28, ist durchgestrichen und der stattdessen genannte Matthias Funcke (amt. 1542, 1544) ist vermutlich als erster ev. Pfarrer des Kirchspiels anzusehen (er war 1535 auch Pfarrer in Limmer).29 Als Tochtergemeinden zählen die Visitatoren Wallenstedt und Heinum auf.30 1547 gelang Hzg. Heinrich die Rückkehr und er suchte sein Fsm. zu rekatholisieren. Als 1568 sein Sohn Hzg. Julius die Regierung übernahm, führte dieser sogleich erneut die Reformation ein (Heinrich von Rheden gehörte der Kommission an, die mit der Umsetzung beauftragt war), ordnete wiederum eine Visitation sowie eine theologische Prüfung der Geistlichen an und erließ 1569 die später sogenannte Calenberger Kirchenordnung.31 Seinerzeit war P. Heinrich Arndes (amt. 1568, 1575, 1583) in Rheden tätig. Die Visitatoren waren mit ihm zufrieden; er habe auf ihre Fragen nicht schlecht geantwortet und feiere den Gottesdienst in luth. Form (Non male respondit. Non celebravit.). Neben Heinum und Wallenstedt ist nun auch Dötzum als Tochtergemeinde (filial) genannt.32
P. Warnerus Oporinus (amt. 1607-1643) ließ die Rhedener Kirche umgestalten: anstatt der halbrunden Apsis erhielt das Gebäude einen dreiseitigen Chorschluss und Emporen vermehrten die Anzahl der Sitzplätze. Zudem bekam die Kirche 1614 eine erste Orgel. Während des Dreißigjährigen Krieges floh P. Oporinus mit seiner Familie vor den kaiserlichen Truppen 1630 nach Hildesheim, konnte jedoch etwa 1632 zurückkehren. In der Zwischenzeit hatte Rheden vermutlich wieder einen kath. Geistlichen.33 Das im Westfälischen Frieden festgelegte Normaljahr 1624 sorgte schließlich dafür, dass das Kirchspiel Rheden luth. blieb, obwohl es seit 1643 mit dem Bf. von Hildesheim wieder einen kath. Landesherrn hatte. In diesem Jahr starb P. Oporinus; sein Grabstein befindet sich im Chor der Rhedener Kirche. Eine weitere Umgestaltung erfuhr das Kirchenschiff 1681, als sich die örtliche Adelsfamilie von Rheden eine eigene Prieche mit separatem Eingang an der Nordseite baute. In einer Beschreibung der ev. Dörfer des Hochstifts Hildesheim aus dem Jahre 1730 sind wiederum Wallenstedt, Heinum und Dötzum als zugehörige Dörfer des Kirchspiels Rheden genannt.34
Über den langjährigen Pfarrer des Kirchspiels P. Georg Ludwig Weinhagen (amt. 1811-1849) heißt es in seinem Nachruf, er sei ein Anhänger der theologischen Richtung des „rationalen Supranaturalismus“ gewesen und ein „Feind aller Frömmelei und alles Pharisäismus“.35 P. August Sporleder (amt. 1851-1871) fand neben seinem Pfarramt auch Zeit für naturwissenschaftliche Studien und zählte 1868 zu den ersten Mitgliedern der Malakozoologischen Gesellschaft (Weichtierkunde). Er ließ 1858 in Wallenstedt die zweite Schule des Kirchspiels errichten.36

Kirche, Blick zum Altar, 1935

Kirche, Blick zum Altar, 1935

Während der NS-Zeit war zunächst P. Theodor Krabbo (amt. 1930-1934) Pfarrer des Kirchspiels; er stand, wie sein Nachfolger im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ angab, der BK nahe. Die Hälfte der 1933 gewählten Kirchvorsteher gehörte zu den DC.37 Auf P. Krabbo folgte P. Ulrich Reymann (amt. 1935-1946), der aus der „lutherischen Freikirche Schlesiens“ kam und der BK angehörte.38 P. Reymann wurde 1939 zur Wehrmacht eingezogen (bis Kriegsende) und trat „etwa 1941“ aus der BK aus.39 Vom Gut Rheden, so fasste der LSup. 1958 rückblickend zusammen, gingen „starke nationalsozialistische Einflüsse“ aus, die noch lange nachwirkten: Der Elzer Sup. hatte 1957 angemerkt, die „Ludendorfbewegung [sic] ist noch bis heute wirksam“.40 Insgesamt erschien Rheden dem Sup. in den 1950er Jahren als Gemeinde der Gegensätze: „Bauern und Landarbeiter, Einheimische und Flüchtlinge, das Rittergut mit dem ‚Landesbauernführer‘ und die Dorfbewohner, das Kirchdorf und die zwei Außenorte“.41
Bereits in den Jahren nach Ende des Ersten Weltkriegs hatte sich in Rheden eine Pfingstgemeinschaft gebildet, die zur Mitte der 1950er Jahre ein prägendes Element der Gemeinde blieb. 1920 schrieb P. Peter Karl Andreas Eidnaes (amt. 1919-1930), etwa ein Dutzend Menschen fänden sich wöchentlich im Haus des Stellmachers zu Erbauungsstunden zusammen. Früher hätte ein Mann aus Gronau die Treffen geleitet, der selbst das Zungenreden betrieb und behauptete, ohne Sünde zu sein. „Seit einem Jahr hält mein Vater, früher Missionar in Ostindien, diesem Kreis regelmäßig Erbauungsstunden, wodurch die Leute in gesündere und nüchterne Bahnen gelenkt werden.“42 Die Pfingstler seien treue Kirchgänger, vermissten in der Kirche aber besonders „die Gabe des Zungenredens und Weissagens“.43 1938 schrieb P. Reymann, der „ursprüngliche Fanatismus“ habe sich gelegt und seit zwei Jahren nähmen alle Pfingstler wieder am Abendmahl teil.44 Der Kopf der Gemeinschaft, Stellmachermeister Heinrich Stucke, gehörte seit 1946 dem KV an und noch 1952 stellte die Pfingstgemeinschaft „den Kern der Kirchenbesucher.45 Seit Ende der 1950er Jahre weniger aktiv, war sie 1970 weitgehend verschwunden.
1970 beschloss der KV, in der FKap. in Wallenstedt (Eigentum der politischen Gemeinde) wie auch in der KapG Heinum einmal pro Monat einen Gottesdienst zu feiern.46 Die Gemeindeglieder aus Dötzum orientierten sich politisch und auch kirchlich eher nach Gronau, die Konfirmandinnen und Konfirmanden besuchten 1976 den Unterricht in der dortigen KG.47 In der KG Rheden bestand jedoch kein Interesse, den Ort in die KG Gronau umzugliedern – nicht zuletzt um angesichts sinkender Gemeindegliederzahlen den Fortbestand der Rhedener Pfarrstelle nicht zu gefährden.48 Bei den Visitationen in den 1980er Jahren lobte der Elzer Sup. das aktive kirchliche Leben in der Gemeinde, während der LSup. den Beschluss des KV kritisch sah, beim Abendmahl gänzlich auf Wein zu verzichten und lediglich Traubensaft anzubieten.49
Das Pfarramt Rheden ist seit 1999 für die dauervakante KG Brüggen zuständig und seit 2002 auch für die ebenfalls dauervakante KG Eberholzen.

Umfang

Die Dörfer Dötzum, Heinum (KapG bis 2000), Rheden und Wallenstedt.

Aufsichtsbezirk

Sitz eines Archidiakonats der Diözese Hildesheim. – Um 1542/44 zur Insp. Alfeld, 1569 zur Insp. Dietrichholtensen (Wrisbergholzen).50 1651/52 Insp. des GSup. Alfeld.51 1829 zur neuen Insp. (1924: KK) Elze. 1974 Eingliederung des KK Coppenbrügge52, 1975 Umbenennung in KK Elze-Coppenbrügge.53 Mit der Vereinigung der KK Bockenem-Hoheneggelsen und Elze-Coppenbrügge am 1. Januar 2005 zum KK Hildesheimer Land.54 Seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.55

Patronat

Domkapitel Hildesheim56, später der Archidiakon von Rheden57, dann der Archidiakon von Sarstedt (1568).58 Laut Winzenburger Erbregister von 1578 geht die Pfarre „von dem Archidiacono zu Hildesh[eim] zu Lehen“, aber „wegen des hauses Winzenb[urg]“ habe der Fs. von Braunschweig-Wolfenbüttel „darüber gebott“.59 Später wieder der Hildesheimer Archidiakon bzw. das Domkapitel, zuletzt der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1964

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1964

Einschiffiger, romanischer Bau mit eingezogenem, etwas niedrigerem Rechteckchor und ursprünglich halbrunder Apsis (seit 1610 dreiseitiger Chorschluss), frühes 13. Jh. Schiff schließt bündig an etwas älteren Turm an; Satteldach mit Walm im Osten; Hausteinmauerwerk mit Eckquaderung („bemerkenswert sorgfältig“60); hohe und niedrige rundbogige Fenster; am Chorschluss hohe, gekuppelte, spitzbogige Fenster; an Nordseite des Chors rundbogiges Portal mit Tympanon, Relief zeigt in der Mitte Lamm Gottes (agnus Dei), links vielleicht einen Lebensbaum (arbor vitae), rechts vermutlich die segnende Hand Gottes (dextra Dei);61 an Nordseite des Schiffs Eingang zur Prieche, darüber Wappen der Familie von Rheden mit Inschrift: „Hartwig Jobst v. Rheden 1681“. Am Chor Inschrift: „A[nn]o MDCX W[arnerus] O[porinus] P[astor]“.62 Im Innern flache Balkendecken, teilweise mit Ornamentfriesen verziert; hohe Rundbögen zwischen Schiff und Chor sowie zwischen Chor und ehemaliger Apsis; Westempore (in Turmhalle), Nordempore; zwei farbige, ornamental gestaltete Fenster im Chor (gestiftet 1898 von Sophie und Elfriede von Rheden, wohl Firma Henning & Andres, Hannover). Halbrunde Apsis 1610 durch dreiseitigen Chorschluss ersetzt; Fenster am Schiff im 18./19. Jh. neu gebrochen oder verändert. Neugestaltung Innenraum 1935 (Orgel auf Westempore verlegt, obere Westempore entfernt). Innenrenovierung 1964 (u. a. obere Empore im Schiff entfernt, Nord- und Südempore im Chor entfernt). Innenrenovierung 1994.

Turm

Querrechteckiger Westturm mit Satteldach quer zum Schiff, spätes 12. Jh. Quadermauerwerk mit mehreren Reliefs im oberen Teil (u. a. Hand, Schlange, Löwe, Vogel, Männerköpfe, Christuskopf)63; Giebel mit Kreuzsteinen bekrönt; gekuppelte, rundbogige Schallfenster mit Teilungssäulchen und Farbwechsel in Bogenquaderung (rot-weiß), jeweils eins an Schmalseiten und zwei an Längsseiten; Uhrziffernblatt zwischen westlichen Schallöffnungen; Westportal. Turmhalle Teil des Kirchenschiffs. Turmgiebel im 14./15. Jh. erneuert.

Ausstattung

Mittelalterliche Sandsteinmensa mit Reliquiengrube und Weihekreuzen auf aus Sandsteinquadern gemauertem Stipes. – Barocker Altar (um 1700), im Mittelfeld rundbogiges Kreuzigungsbild flankiert von gewundenen, mit Weinlaub umrankten Säulen, links und rechts zwei Figuren (Moses und Johannes der Täufer), Kreissegmentgiebel bekrönt mit Figur des triumphierenden Christus und zwei flankierenden Engelsfiguren, in Predella Abendmahlsbild; Altar gestiftet von Erasmus von Weltze. – Holztaufe (Anfang 19. Jh.). – Kanzel, an Südseite des Bogens zwischen Chor und Schiff (1702), Kanzelkorb getragen von korinthischer Säule, an Wandungen des Kanzelkorbs Figuren Christi und der vier Evangelisten, an der Brüstung Engel mit Kruzifix und Kerzenleuchter, Schalldeckel mit geflügelten Engelsköpfen verziert. – Steinerner Opferstock (17. Jh.), Inschriften u. a.: „Des Armen Handt ist Gottes Kasten“ und „Gebet so wird euch gegeben“.64 – Gemaltes Epitaph für Heinrich von Rheden († 1572) und seine Frau Anna von Oberg († 1568).65 – Grabplatte für P. Warnerus Oporinus, Inschrift u. a.: „Warnerus Oporinus P[astor] Rhedenae qvvm vivvs hoc monimentvm poni cvrasset a[nn]o Chr[isti] 1618 aet[atis] 4[6] [p]ie ac placide in Christo obdormivit a[nno] Chr[isti] 1643 aet[atis] 72“ (Werner Oporinus, Pastor der Rhedener Kirche, ist, nachdem er [bereits] zu Lebzeiten mit 46 Jahren, im Jahr Christi 1618, dieses Grabmal hatte errichten lassen, fromm und friedlich in Christus entschlafen im Jahr Christi 1643, in seinem 72. Lebensjahr).66 – Grabplatte für Anna von Buchwald (17. Jh.).67

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1964

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1964

Orgel

Ursprünglich auf der südliche Chorempore, 1935 auf Westempore verlegt. Erste Orgel erbaut von Henning Hencken (Hildesheim), Vertrag 1611 geschlossen, Orgel 1614 aufgebaut, sieben Register; im Dreißigjährigen Krieg beschädigt und Zinnpfeifen geraubt.68 Reparatur und Erweiterung 1662, Heinrich Herbst (Hildesheim), zehn Register, Orgelprospekt mit Schnitzwerk verziert. 1748 Reparatur, ausgeführt von Johann Georg Müller (Hildesheim). Zustand 1758: 10 I/aP (vermutlich), mechanische Traktur Schleifladen. 1759 Reparatur, ausgeführt von Johann Conrad Müller (Hildesheim); 1830 Reparatur, ausgeführt von Konrad Euler (Wahmbeck).69 Orgelwerk 1883 von P. Furtwängler (Elze) erneuert und erweitert, 10 I/P mechanische Traktur, Kegelladen; Prospekt von 1614 erhalten und vergrößert. 1936/37 Umbau und Erweiterung, ausgeführt von Faber & Greve (Salzhemmendorf), 13 (und drei Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Kegel- und Taschenladen; darüber hinaus drei vakante Reg., historischer Prospekt erhalten. 1979 Instandsetzung, ausgeführt von Firma Schmidt & Thiemann (Hannover). 2012/13 Reparatur und Dispositionsänderung, ausgeführt von W. Sauer Orgelbau (Frankfurt an der Oder), 16 (und vier Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Kegel- und Taschenladen.

Geläut

Drei LG, I: cis’, Inschrift u. a.: „Durch Unglück bin ich nun zum andernmahl zersprungen, da erst 256 letzt 31 Jahr geklungen – 1. A[nn]o 1678; 2. A[nn]o 1709 erhielte bald durch Kunst zum dritten diesen Klang, den höre man wie erst zu Gottes Ehren lang. Das ich mag zum Gebet und Kirchen-Gehen läuten, kein Unglück der Gemein, kein Feuersnoth andeuten. Bey einem Leichen-Klang ermuntern zur Andacht das seinen Gang zum Grab ein jeder wol betracht.“ und „Julius Casper, Ludwig Levin, Anthon Gottfried und Wilhelm Hardwig Gebrüdere von Rheden Erbherrn zu Rheden und Heinem. Jodocus Casparus Gieslerus Pastor Anno ministerii XXXVIII, Jacob Sievers und Hans Mollenhauer Altaristen“ sowie „Für die Gemeine zu Rheden, Wallenstedt, Heinem und Dötzem hat mich gegossen Christian Ludewig Meyer zu Braunschweig Anno 1709“ (Bronze, Gj. 1709, Christian Ludwig Meyer, Braunschweig), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und 1947 zurück nach Rheden, 2017 restauriert von Firma Lachenmeyer, Nördlingen; II: gis’ (Bronze, Gj. 1929, Firma Ulrich, Laucha); III: h’ (Bronze, Gj. 1973, Glockengießerei Heidelberg). – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1422), gesprungen und umgegossen zu einer LG (Bronze, Gj. 1678). Diese geborsten und 1709 umgegossen zu heutiger LG I. Eine LG, e’ (Bronze, Gj. 1929, Firma Ulrich, Laucha), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, zunächst ersetzt durch eine LG (Eisen) und 1973 durch jetzige LG III.

Kapelle in Heinum.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1852, zweistöckiger Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach). – Küsterhaus (Bj. Mitte 18. Jh., zweistöckiger Fachwerkbau, 1970 empfahl Amt für Bau- und Kunstpflege Abbruch; 1976 beschloss KV Verkauf).

Friedhof

Ursprünglich Friedhof rund um die Kirche, eingeebnet. 1868 neuer, kommunaler Friedhof angelegt.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 9437-9445 (Pfarroffizialsachen; A 6 Nr. 6986-6998 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1905-1908 (Visitationen); D 22b (EphA Elze); E 5 Nr. 901 (Konsistorialbaumeister); S 2 Witt Nr. 5 und 15 (Fotosammlung); S 11a Nr. 7957 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1118-1119; Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 194-204; Meyer, Pastoren II, S. 302-303; Reden-Dohna, Rittersitze, S. 71-75.
B: Kurd Fleige: Ein Tympanon verrät sein Geheimnis, in: Aus der Heimat (Beilage der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung) 3/1974, S. 20-21; Johannes Hahn & Konstanze Weinmeister: Die Samtgemeinde Gronau (Leine). Ein Bildband, Leipzig 2013, bes. S. 40-43; Armgard von Reden-Dohna: Rheden. Elf Jahrhunderte und mehr im Umfeld von Gronau, in: Beiträge zur Geschichte der Stadt Gronau (Leine) 2001, S. 19-35.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 130.
  2. Mönchslisten I, § 20; Mönchslisten II, S. 81 f.; Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 72; Reden-Dohna, S. 21 f.
  3. UB HS Hildesheim I, Nr. 68. Vgl. auch ebd. die im 12. Jh. gefälschten Urkunden Nr. 67 und Nr. 69.
  4. UB HS Hildesheim I, Nr. 243.
  5. Dolle, Klosterbuch II, S. 762.
  6. Reden-Dohna, Rittersitze, S. 71.
  7. Gemeint ist Hzg. Julius von Braunschweig-Lüneburg, Fs. von Braunschweig-Wolfenbüttel.
  8. Junker, Winzenburger Erbregister, S. 574; Reden-Dohna, S. 30.
  9. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1994.
  10. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1938.
  11. UB HS Hildesheim II, Nr. 964.
  12. UB HS Hildesheim I, Nr. 745.
  13. UB HS Hildesheim II, Nr. 469; Rainald III. von Dassel (GSN: 060-03199-001), in: Germania Sacra, http://personendatenbank.germania-sacra.de/index/gsn/060-03199-001, 09.08.2018.
  14. UB HS Hildesheim III, Nr. 1083 und 1452.
  15. Machens, Archidiakonate, S. 111.
  16. Kleinau, Neuer Text, S. 94 f.
  17. UB HS Hildesheim III, Nr. 970.
  18. Reden-Dohna, S. 22.
  19. UB HS Hildesheim I, Nr. 111.
  20. Reden-Dohna, S. 23 ff.
  21. UB HS Hildesheim I, Nr. 745.
  22. RG Online, RG II 03877, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/2/3877, 09.08.2018.
  23. RG Online, RG VIII 01214, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/8/1214, 09.08.2018.
  24. Peters, Inventare Gronau, S. 75 f., Nr. 1 und 3 (Urkunden im PfA Rheden).
  25. Peters, Inventare Gronau, S. 76, Nr. 5 (Urkunde im PfA Rheden).
  26. Peters, Inventare Gronau, S. 76, Nr. 6 (Urkunde im PfA Rheden).
  27. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 4 und 22 ff.; Butt, Herrschaft, S. 42 ff.
  28. Peters, Inventare Gronau, S. 76, Nr. 6 (Urkunde im PfA Rheden).
  29. Meyer, Pastoren II, S. 303.
  30. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 226.
  31. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 5 und 83 ff.; Butt, Herrschaft, S. 58 ff.
  32. Spanuth, Quellen, S. 276.
  33. LkAH, S 9/Rheden (Material der Geschichtswerkstatt Rheden, 2009).
  34. Evangelischer Kirchenstaat, S. 73.
  35. Vierteljährliche Nachrichten 1850, S. 36.
  36. LkAH, S 9/Rheden (Material der Geschichtswerkstatt Rheden, 2009).
  37. LkAH, S 1 H III Nr. 314, Bl. 37.
  38. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1938.
  39. LkAH, S 1 H III Nr. 314, Bl. 37.
  40. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1957. Vgl. auch Reden-Dohna, S. 32: „Es gab in Niedersachsen keine andere Adelsfamilie, die wie die hiesige so entschieden und offen dem Nationalsozialismus zugewandt war.“ Der Ortspfarrer schrieb 1938: „Der politisch bedingte Deutschglaube in seiner unorganisierten Form hat in einzelnen Familien jeglichen Standes Eingang gefunden, ist kirchenfeindlich und aggressiv“ (LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1938).
  41. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1952.
  42. LkAH, A 9 Nr. 1908, Visitation 1920. In der Visitationsakte von 1912 ist die Pfingstgemeinschaft noch nicht erwähnt.
  43. LkAH, A 9 Nr. 1908, Visitation 1925.
  44. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1938.
  45. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1952.
  46. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1970.
  47. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1976.
  48. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1982.
  49. LkAH, L 5h, unverz., Rheden, Visitation 1988.
  50. Reller, Kirchenverfassung, S. 112, 168 f. und 226.
  51. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 122.
  52. KABl. 1974, S. 115.
  53. KABl. 1975, S. 4.
  54. KABl. 2005, S. 5 ff.
  55. KABl. 2011, S. 70 ff.
  56. Rheden-Dohna, Rittersitze, S. 71.
  57. Kleinau, Neuer Text, S. 94.
  58. Machens, Archidiakonate, S. 111; Spanuth, Quellen, S. 276.
  59. Junker, Winzenburger Erbregister, S. 574.
  60. Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1118.
  61. Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1118; Fleige deutet den Baum als heidnisches Relikt und stellt einen Bezug zur Weltenesche Yggdrasil der nordischen Mythologie her.
  62. DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 313 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0031301.
  63. Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 197, Abb. 49 und Taf. 49 a, c-h.
  64. DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 459 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0045909.
  65. DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 185 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0018507.
  66. DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 339 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0033902.
  67. DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 359 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0035904.
  68. LkAH, S 9/Rheden (Material der Geschichtswerkstatt Rheden, 2009).
  69. LKA, G 9 B/Rheden, Bl. 207.