Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: Nikolaus | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Deinsen wird vielleicht in einer Urkunde des Bf. Bernhard von Hildesheim 1146 erstmals erwähnt (Zuweisung unsicher). Das Dorf wuchs aus mehreren Ansiedlungen westlich des Külf, darunter dem früheren Kirchort Bantensen, zusammen1 und gelangte vor 1400 unter die Herrschaft der Edelherren von Homburg (Vogtei/Amt Lauenstein), aus deren Erbe es 1409 in welfischen Besitz überging. Von 1433 bis 1523 war das Amt Lauenstein im Pfandbesitz der Bf. von Hildesheim, die es ihrerseits an die Bock von Nordholz und ab 1493 an die von Saldern afterverpfändeten. Seit dem Quedlinburger Rezess (1523) stand es wieder unter der Oberherrschaft der Welfen (Fsm. Calenberg, Amt Lauenstein). Hzg. Julius löste 1587 das Pfand von den von Saldern ein. – Seit 1974 Ortsteil des Fleckens Eime.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, Teilansicht, 1962

Kirche, Ansicht von Nordwesten, Teilansicht, 1962

Das Alter der Pfarrei ist unbekannt. Sie scheint um 1400 mit Marienhagen verbunden gewesen zu sein und wurde mit Duldung des Pfandinhabers Burchard von Saldern schon vor 1540 luth. 1542 führte Elisabeth von Calenberg die Reformation auch offiziell ein.2 Das Amt Lauenstein wurde am 27. April 1543 visitiert.3 Als erster luth. P. wird Johann von der Lippe geführt. Seine Amtszeit ist unklar. Sicher ist, dass er der Vorgänger des vor 1584 in sein Amt eingeführten P. Adolf Kock war.4 Nach Kocks Emeritierung (1588) wurde die Pfarre von Marienhagen aus versehen5, nach seinem Tod 1591 erhielt Deinsen wieder einen eigenen Geistlichen. 1628 übernahm der Deinser P. Petrus Coccius (amt. 1624-1652) umgekehrt auch die Pfarrstelle in Marienhagen. Diese Verbindung blieb seither (mit Deinsen als Pfarrsitz) bestehen. Marienhagen hatte nur 1626 bis 1628 für kurze Zeit noch einmal einen eigenen P.6
Kirchenpolitisch von Bedeutung war die im Herbst 1926 im Pfarrhaus von Deinsen unter Beteiligung des dortigen P. Karl Wörpel (amt. 1925-1928) gegründete Deinser Konferenz, ein Vorläufer der Hannoverschen Jungevangelischen Bewegung von 1929, die sich als Alternative zu den bereits bestehenden landeskirchlichen Gruppen und Synodalparteien verstand.7 In der NS-Zeit stand P. Heinrich Christian Hermann August Woeckener (amt. 1934-1937) den DC nahe, vertrat aber eine eher gemäßigte Haltung. Noch in den 1930er Jahren war Deinsen eine stark bäuerlich (Kleinbauern und Pächter) geprägte Gemeinde und stand damit in einem gewissen Gegensatz zur pfarramtlich verbundenen KG Marienhagen, deren Einwohnerschaft sich – neben wenigen Landwirten – vorwiegend aus Arbeitern des örtlichen Kalkwerks zusammensetzte. In beiden sind nach dem Ersten Weltkrieg antikirchliche Strömungen nachweisbar. Der Visitationsbericht von 1937 vermerkt insbesondere Aktivitäten des Tannenbergbundes.
Zum 1. Januar 1993 wurde die pfarramtliche Verbindung zwischen den KG Deinsen und Marienhagen gelöst und die KG Deinsen mit der KG Banteln pfarramtlich verbunden. Die Pfarrstelle in Deinsen wurde aufgehoben.8 An die Stelle der Verbindung mit Banteln trat zum 1. Mai 2010 eine pfarramtliche Verbindung mit der KG Eime.9 Zum 1. Januar 2012 wurde ein ev.-luth. KG-Verband mit Sitz in Elze gebildet, bestehend aus den KG Elze, Eime (mit KapG Dunsen), Deinsen, Mehle, Esbeck und Wülfingen.10

Umfang

Das Dorf Deinsen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Rheden oder Wallensen der Diözese Hildesheim. – Nach der Reformation (1589) zur Insp. Gronau, deren Suptur. 1636 nach Münder verlegt wurde.11 Von 1760 bis 1769 bestand in Salzhemmendorf eine eigene Suptur. für das Amt Lauenstein (II. Mündersche Insp.). 1794 kam Deinsen zur neu gebildeten Insp. Oldendorf (nach Sitzverlegung ab 1913: Insp./1924 KK Coppenbrügge). Der KK Coppenbrügge ging mit dem 1. März 1974 im KK Elze auf (1. Januar 1975: KK Elze-Coppenbrügge). Mit dem 1. Januar 2005 wurden die KK Bockenem-Hoheneggelsen und Elze-Coppenbrügge zum KK Hildesheimer Land vereinigt12; seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, vor 1939

Kirche, Grundriss, vor 1939

Der wuchtige Kirchturm wird in seinen ältesten Teilen in das 12. Jh., im Obergeschoss in das 14. Jh. datiert. Das mittelalterliche Kirchenschiff wurde 1843 abgebrochen und nach einem Entwurf von Friedrich August Ludwig Hellner neu errichtet. Sechsachsige, klassizistische Saalkirche aus Kalkbruchstein, geschlossen mit einer flachen Schaldecke. U-förmige Emporenanlage.

Turm

Der querrechteckige Westturm im unteren Teil vermutlich romanisch (12. Jh.), in den oberen, mit Treppengiebel versehenen Geschossen gotisch (14. Jh.).

Ausstattung

Zweigeschossige pilastergegliederte Altarwand mit Kanzel und Empore. – Sechseckige Sandsteintaufe (1636).13 – Reste von Wandmalereien aus der Mitte des 16. Jh., an der Südwand die Anbetung der Heiligen Drei Könige.

Orgel, 1974

Orgel, 1974

Orgel

Auf der Westempore, erbaut 1846 von P. Furtwängler (Elze), 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1950 Instandsetzung, Veränderung der Disposition und Wiedereinbau der Prospektpfeifen durch Firma Niemeyer (Hannover). 1986/87 Restaurierung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen).

Geläut

Zwei LG, I: a’ (Bronze, Gj. 1746; Patenglocke aus Ostpreußen, kam nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in die Kreuzkirche in Hannover, vor 1962 nach Deinsen). II: g’ (Bronze, Gj. 1649, Henni Lampe, Hildesheim). – Eine SG in fis’’ (Bronze, Gj. 1934?, Firma Radler, Hildesheim). – Früherer Bestand: Die Kirche hatte ursprünglich wohl ein Geläut aus drei Glocken. Eine größere wurde im Zweiten Weltkrieg abgegeben. Der Verbleib der anderen ist unklar.14

Friedhof

Am südlichen Ortsrand (Straße Am Friedhof). 1. Januar 1969 in die Verwaltung und Bewirtschaftung der Kommune übergeben, jetzt in Trägerschaft der Samtgemeinde Gronau (Leine). FKap (Bj. 1972).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2107-2118 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1678-1685 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 435-437 (Visitationen); D 22a (EphA Coppenbrügge); D 100 (PfA Deinsen).

Literatur & Links

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 381; Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 43-46; Meyer, Pastoren I, S. 189-190.
B: Christian Eickhoff: Die Furtwängler-Orgeln in Deinsen und Marienhagen, in: Uwe Pape (Hg.): Frühromantischer Orgelbau in Niedersachsen, Bericht über die Fachtagung, Hildesheim, 16.-18. September 1976, Berlin 1977, S. 37-40.

Liste der Pastoren und Lehrer in Deinsen auf vennekohl.de, 08.01.2020


Fußnoten

  1. Rudorff, Amt Lauenstein, S. 316.
  2. Jarck, Kirchengeschichte Lauenstein, S. 172.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 250, Anm. 503.
  4. Visitationsbescheid von 1588, nach: Jarck, Kirchengeschichte Lauenstein, S. 201.
  5. Jarck, Kirchengeschichte Lauenstein, S. 182.
  6. Meyer, Pastoren II, S. 123.
  7. Brunotte, Bewegung.
  8. KABl. 1993, S. 13.
  9. KABl. 2010, S. 54.
  10. KABl. 2011, S. 291-295.
  11. Jarck, Kirchengeschichte Lauenstein, S. 192.
  12. KABl. 2005, S. 5-7.
  13. Mathies, Taufbecken, S. 119.
  14. LKA, G 9 B/Deinsen (Bericht über die amtliche Glockenrevision am 23.10.1958).