Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: Gallus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Esbeck ist seit 1970 Teil der Samtgemeinde Elze, seit 1974 Ortsteil der Stadt Elze. – 1022 hatte das Michaeliskloster zu Hildesheim Grundbesitz in Asbike. Der entsprechende Urkundennachweis ist zwar eine Fälschung aus der zweiten Hälfte des 12. Jh., geht aber wohl auf ein älteres echtes Besitzverzeichnis zurück.1 Der Zehnt war ab etwa 1300 im Besitz des Johanniterordens, der ihn 1359 mit dem Johanniterhof zu Quanthof an die Edelherren von Homburg veräußerte. Die Homburger hatten nach der Spiegelberg-Homburger Fehde 1226 auch die Herrschaftsrechte über die Vogtei Lauenstein an sich gebracht. Mit der Vogtei bzw. dem Amt Lauenstein fiel Esbeck 1409 aus dem Erbe der Homburger an die Welfen. 1433 wurde das Amt an die Bf. von Hildesheim verpfändet, die es als Afterpfand an die Bock von Nordholz und 1493 an die von Saldern gaben.
Die geistliche Versorgung erfolgte zunächst durch die Taufkirche in Elze. Die Galluskirche entstand vermutlich zwischen 1163 und 1200. Das in Niedersachsen seltene Patrozinium lässt auf die Erbauung unter Heinrich den Löwen schließen, der Reliquien aus St. Gallen eingeführt hatte.2 Der 1207 in einer Schenkungsurkunde als Zeuge genannte Iohannes sacerdos de Asbeke3 ist wohl eher dem Ort Esbeck bei Helmstedt zuzuweisen. 1323 erscheint Iohannes plebanus in Esbeke4, 1365 Hermannus plebanus in Esbeke5, 1374 Thidericus plebanus in Esbeke (Zuweisung ebenfalls unsicher). Nach dem Tod des Pfarrers Ludolf Bese wurde 1402 der Paderborner Geistliche Albert Stieger in das Amt eingeführt. Ab 1523 ist Joachim Ruwen als Pfarrer belegt.6
Burchard von Saldern gehörte als Pfandinhaber des Amts Lauenstein zu den frühen Förderern der Reformation und ließ wohl schon vor 1540 die Einführung des neuen Bekenntnisses zu.7 1543 wurde das Amt durch Antonius Corvinus 1543 visitiert. Erster bekannter luth. Geistlicher war Georg Thonebone (Tönebögel), der von 1553 bis 1599 amtierte. Im Pfarrhaus von Esbeck wurde 1601 der Theologe, Kirchenliederdichter und GSup. Justus Gesenius geboren, dessen Vater Joachim Gese dort (zeitweilig unterbrochen während des Dreißigjährigen Krieges) von 1599 bis 1640 P. war. Kirche, Pfarrhaus und Schule wurden 1623 durch Söldner Tillys niedergebrannt. In Esbeck soll nur ein Haus stehen geblieben sein.8 Die nach 1630 vorübergehend rekatholisierte Pfarre wurde mit der Wiederherstellung der welfischen Herrschaft über das Amt Lauenstein 1633 endgültig luth.
Verdienste um die schulische Bildung hatten P. Heinrich Friedrich Adolf Wedemeier (amt. 1831-1871), der 1833 im alten Schulhaus eine Feinpinnschule einrichtete, und P. William Boes (amt. 1891-1911) als Gründer einer ländlichen Fortbildungsschule (1899/1900).
1933 kamen vier Nationalsozialisten in den KV, von denen sich aber zwei kirchlich bewährten. Ein weiterer trat später aus dem KV und aus der Kirche aus. P. Erythropel (amt. 1911-1945) war Mitglied der BK und führte ab 1934 regelmäßige BK-GD. Die Gemeindeveranstaltungen standen unter der Beobachtung von Polizei und Gestapo.
Die Pfarre war ab 1988 dauervakant und wurde am 1. April 1994 mit der Urbani-KG Mehle (neu) unter dem Pfarramt in Mehle pfarramtlich verbunden. Mit dem 1. Juli 2010 wurde die Verbindung um die KG Wülfingen erweitert.9 Am 1. Januar 2012 wurde Esbeck Teil des neu gebildeten Ev.-luth. Kirchengemeindeverbandes Elze-Eime.10
Zum 1. Juni 2018 fusionierten die KG Esbeck und Mehle (neu) und gründeten gemeinsam die neue KG Mehle-Sehlde-Esbeck.11

Umfang

Zur Parochie Esbeck gehörten die KapG Dunsen und Deilmissen sowie das Gut Heinsen; im Mittelalter auch Oelsen und Bansten (beide wohl schon vor 1600 wüst gefallen). Mit dem 1. Januar 1980 wurden die KapG Dunsen und Deilmissen in die St.-Jakobi-KG Eime umgegliedert.12

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Elze der Diözese Hildesheim. – Nach der Reformation (1589) zur Insp. Gronau. 1636 wurde die Suptur. nach Münder verlegt. Von 1760 bis 1769 bestand in Salzhemmendorf eine eigene Suptur. für das Amt Lauenstein (II. Mündersche Insp.). 1794 kam Esbeck zur neu gebildeten Insp. Oldendorf (nach Sitzverlegung ab 1913 Insp./1924 KK Coppenbrügge. Der KK Coppenbrügge wurde mit dem 1. März 1974 dem KK Elze eingegliedert (ab 1. Januar 1975 KK Elze-Coppenbrügge, zum 1. Januar 2005 mit dem KK Bockenem-Hoheneggelsen zum KK Hildesheimer Land vereinigt.13 Seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze).

Patronat

Die Edelherren von Homburg, ab 1409 die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg (der Landesherr). Durch Tausch kam das Patronatsrecht 1726 an die Besitzer des Guts Heinsen (dingliches Patronat). Das Gut war Eigentum der Familie von Hardenberg, ab 1796 der von Hammerstein-Gesmold. 1928 wurde es von Carl Barckhausen und später dessen Nachkommen übernommen. Das Patronat ruht seit 1994 (Aufhebung der dauervakanten Pfarrstelle), ist jedoch nicht erloschen.14

Kirchenbau

Das KGb wurde wohl bald nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wieder instandgesetzt und auf Veranlassung des Patrons Christoph Friedrich von Hardenberg 1729/30 zur barocken Saalkirche mit fünfseitig geschlossenem Chor umgestaltet. Baureste des Vorgängerbaus finden sich möglicherweise in der Gruftanlage unter dem Ostchor. Die aufgehenden Außenwände bestehen aus Bruchsteinmauerwerk. Der Innenraum wird durch eine u-förmige Empore in drei Schiffe gegliedert; abgeschlossen durch eine flache Kastendecke. 1959 wurde neben der Treppe zum Chor ein Gefallenendenkmal angebracht und später in den Turmraum verlegt. Allgemeine Renovierungen 1904, 1950; Innenrenovierung 1958 und 1979/80 (u. a. Neugestaltung des Gestühls, Verkürzung der Patronatsprieche und Restaurierung der Altarwand).

Turm

Romanischer Westturm (Wehrturm) aus Bruchsteinen über einem breitrechteckigen Grundriss (Ende 12. Jh. [Dehio] oder zweite Hälfte 13. Jh. [Jürgens]). Querliegendes Satteldach mit kleinem Reiter.

Grablege

1735 ließ die Patronatsfamilie unter dem Chor ein Grabgewölbe anlegen. Sie wurde 1926 teilweise zum Heizungsraum umgebaut, 1950 ganz beseitigt und die sterblichen Überreste in einem Gemeinschaftssarg unter dem Fußboden beigesetzt. Die Angehörigen der Gutsbesitzerfamilie haben seit 1953 eine eigene Begräbnisstätte in Park.15

Ausstattung

Mensa aus gotischer Zeit; Altarwand aus der ersten Hälfte des 19. Jh., der Kanzelkorb um 1729/30. – Farbig gefasste, runde Sandsteintaufe (1731, gestiftet von Christoph Friedrich von Hardenberg). Beckeneinsatz aus Zinn (1844).

Orgel

Auf der Westempore. Prospekt 1746 von Dietrich Andreas Bentrodt (Seesen/Harz).16 1862/63 Neubau des Werks durch P. Furtwängler & Söhne (Elze) unter Verwendung des alten Gehäuses und des barocken Prospekts, 20 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (1920 ersetzt). 1959 Teilrenovierung durch Firma Emil Hammer (Hannover). Weitere Instandsetzungen 1966 durch Firma Schmidt & Thiemann (Hannover) und 1983/84 durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen).

Geläut

Eine LG in fis’ (Betglocke, Bronze, Gj. 1527, Brant Helmes, Hildesheim).17 – Eine SG in a’’ (frühere Totenglocke, Bronze, Gj. um 1300; 1981 geschweißt). – Früherer Bestand: Eine (beschädigte) Glocke aus der Zeit um 1200, die früher als Uhrschlagglocke diente, wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Eine weitere LG (Gj. 1706, Thomas Rideweg, Hannover) war bereits im Ersten Weltkrieg abgeliefert worden. Die 1920 beschaffte Ersatzglocke (Radler, Hildesheim) fiel gleichfalls dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1880/81, 1973/74 Umbau und Einrichtung einer Gemeindeetage mit Gemeinderäumen und Amtszimmer). – Alte Schule (nach Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wieder aufgebaut, 17846 erweitert; bis 1897 als Schul-, dann als Kantorhaus genutzt. 1987 abgebrochen).

Friedhof

Am nördlichen Ortsausgang (Geseniusstraße), 1923 neu angelegt und zunächst durch die KG verwaltet. Ab 1929 in Trägerschaft der Realgemeinde, jetzt der Stadt Elze. Der Kirchhof wurde erst 1970 endgültig als Begräbnisplatz aufgegeben.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3198-3214 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2292-2299 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 654-657 (Visitationen); S 22 a (EphA Coppenbrügge).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 107 f.; Nr. 99; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 453; Huck, Archidiakonat Elze, S. 18 f.; Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 78-83.
B: Oskar Narten: Dorf am Sonnenberg. Die Geschichte der Gemeinde Esbeck, [Esbeck 1998]; Günter Putzberg: Gallus-Kirche. Festschrift, Esbeck [1980]; Ingo Zach (Hg.): Esbeck, eine ländliche Siedlung im heimatlichen Raum, Gronau [1980].


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 67 und 69.
  2. Putzberg, S. 15.
  3. UB HS Hildesheim VI, Nachträge Nr. 8.
  4. UB Hilwartshausen, Nr. 166.
  5. UB Fredelsloh, Nr. 165.
  6. Huck, Archidiakonat Elze, S 19.
  7. Jarck, Kirchengeschichte Lauenstein, S. 172.
  8. Jarck, Kirchengeschichte Lauenstein, S. 185.
  9. KABl. 2010, S. 80 f.
  10. KABl. 2011, S. 291-295.
  11. KABl. 2018, S. 41 ff.
  12. KABl. 1980, S. 13.
  13. KABl. 2005, S. 5-7.
  14. LkA, G 15/Esbeck.
  15. Osten, Rittergüter, S. 169.
  16. LKA, G 9 B/Esbeck (Wilhelm Drömann: Gutachten über die Orgel in der ev.-luth. Kirche zu Esbeck, 08.07.1963. Nach Bericht des Orgelrevisors H. Ch. Becker-Voss vom 24.03.2011: 1761).
  17. LKA, G 9 B/Esbeck (Gutachten von Andreas Philipp, 18.10.2006).