Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: Jakobus der Ältere | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Landgemeinde am Zusammenfluss von Gosebeke und Aha, 1209 in einer Urkunde des Hochstifts Hildesheim erstmals erwähnt.1 Eime unterstand dem Amt Lauenstein, das nach dem Aussterben der Edelherren von Homburg 1409 an die Braunschweiger Hzg. fiel, 1433 als Lehen an die Bf. von Hildesheim weitergegeben und von diesen als Afterlehen an die Bock von Nordholz und 1493 an die von Saldern versetzt wurde (bis 1587). Mit dem Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1523) kam Eime wieder unter calenbergische Landesherrschaft. Mitte des 16. Jh. hatte Eime bereits eine Fleckensverfassung. Heute ist es Teil der Samtgemeinde Gronau (Leine).
Wann Kirche und Parochie entstanden, ist unbekannt. Sie wurden jedenfalls erst im Zuge der reformatorischen Kirchenvisitation 1543 aus dem größeren Pfarrsprengel von Elze herausgelöst und als mater combinata mit dem benachbarten Sehlde verbunden.2 Erster luth. P. für die beiden Gemeinden war Wolpertus Ludovici († 13. Februar 1588). Während des Dreißigjährigen Krieges forcierte Johann Rothen als Amtmann des Amts Lauenstein die Rekatholisierung der Gemeinde und forderte den luth. Prediger Daniel Ludovici (Ludewig) zur Räumung der Pfarrstelle auf. Gegen den von ihm präsentierten kath. Pfarrer kam es jedoch zu Widerstandsäußerungen der Dorfbewohner.3 Die Pfarre in Eime blieb letztlich im Besitz der Lutheraner.
Unter den örtlichen P. ist Georg Bauer (amt. 1891–1923) als bedeutender Heimatforscher mit zahlreichen Veröffentlichungen zur Geschichte von Eime zu nennen. Er regte auch die Gründung des Posaunenvereins an (1894) und war Initiator und Mitgründer des Männerturnvereins (1909). Während der NS-Zeit amt. P. Blitz (ab 1934), der zwar seit 1931 Mitglied der NSDAP war, sich aber auch kritisch äußerte und beispielsweise für die Entfernung von antikirchlicher Propaganda aus dem Schulungsmaterial der Partei einsetzte. Wegen Übertretung des Sammlungsgesetzes wurde 1943 ein Parteigerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet. Seine Parteimitgliedschaft bei gleichzeitiger scharfer Absage an die DC hielt den Kirchenkampf aus der Gemeinde fern. Die Bekenntnisschule wurde 1937/38 in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt. Die Kirche in Eime wurde ab 1944 auch für kath. Evakuierte zur Verfügung gestellt (priesterliche Betreuung durch die Pfarre Gronau). Unter den Flüchtlingen war auch eine größere Gruppe von nicht der Kirche angehörenden Vertretern der schlesischen „Gemeinschaftsbewegung“ (Vertreter der Erwachsenentaufe). Sie wurden nach dem Krieg in das Gemeindeleben integriert.
Der Status der Gemeinde Sehlde als mater combinata war 1871 durch den KV von Eime zunächst in Zweifel gezogen, durch das Konsistorium in Hannover jedoch bestätigt worden.4 Mit dem 1. Januar 1980 wurde diese Verbindung gelöst5 und Eime am 1. Mai 2010 mit Deinsen pfarramtlich verbunden.6 Seit 1. Januar 2012 besteht ein Ev.-luth. Kirchengemeindeverband mit Sitz in Elze, dem die KG Elze, Eime (mit KapG Dunsen), Deinsen, Mehle, Esbeck und Wülfingen angehören.7

Umfang

Der Flecken Eime, die Saalmühle und der Büchenkrug. Mit dem 1. Januar 1980 wurden die KapG Deilmissen (1. Januar 2012 aufgehoben) und Dunsen aus der KG Esbeck nach Eime umgepfarrt.8

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Elze der Diözese Hildesheim. – Nach der Reformation (1589) zur Insp. Gronau, 1636 Insp. Münder (durch Verlegung der Suptur.).9 Von 1760 bis 1769 bestand in Salzhemmendorf eine eigene Suptur. für das Lauenstein (II. Mündersche Insp.). 1794 kam Eime zur neu gebildeten Insp. Oldendorf, 1868 Insp. (1924: KK) Elze (1. Januar 1975: KK Elze-Coppenbrügge). Mit dem 1. Januar 2005 wurden die KK Bockenem-Hoheneggelsen und Elze-Coppenbrügge zum KK Hildesheimer Land vereinigt10; seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Emporenkirche aus verputztem Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderverzahnung, errichtet 1732–38 nach Plänen des Hofbauschreibers Jungen.

Turm

Romanischer Westturm auf quadratischem Grundriss, 1889 um das heutige Glockengeschoss erhöht. Ins Achteck überführter, verschieferter Spitzhelm mit Seitengiebeln und Filialtürmchen.

Ausstattung

Blockaltar. Darauf ein Flügelaltar (sogenannter Siebenschmerzenaltar), wohl aus einer Hildesheimer Werkstatt, um 1515/20. In der Mitte des Schreins Darstellungen aus dem Marienleben, außen die Heiligen Jakobus der Ältere und Bartholomäus (links) sowie Petrus und Paulus (links). In den Flügeln innen Heiligenfiguren in zweireihiger Anordnung; auf den Flügelaußenseiten Temperagemälde (Verkündigung, Enthauptung Jakobus des Älteren; Christi Geburt, unbekanntes Heiligenmartyrium). – Barocke Kanzel mit reich ausstaffiertem Schalldeckel in der Empore über dem Altar (Anfang 18. Jh.), Stiftung des Kammerherrn von Hardenberg auf Heinsen aus seiner Patronatskirche in Esbeck. – Achteckige Sandsteintaufe (1605).11 – Kreuzigung, Öl auf Leinwand (zweite Hälfte 17. Jh.).

Orgel

Die Kirche erhielt 1706 ein kleines Orgelwerk, das 1732 vermutlich in einen größeren Neubau (16 II/aP, mechanische Traktur, Schleifladen) integriert wurde. Als Erbauer gilt der Hildesheimer Orgelbauer Johann Georg Müller. 1849 wurde das Werk durch P. Furtwängler (Elze) instandgesetzt und um ein selbständiges Pedalwerk erweitert. 1904 erfolgte hinter dem historischen Prospekt ein Neubau durch Firma Faber & Greve (Salzhemmendorf), mit 26 II/P, davon 11 Reg. doppelspielig auf Manual I und II, 4 Reg. im Pedal, pneumatische Traktur, Fabersche Transmissionslade. Die Prospektpfeifen der alten Orgel blieben (stumm) erhalten.12 1979 Restaurierung durch Bernd Gisevius (Clausthal-Zellerfeld). 1988 Neubau des Werks hinter dem historischen Prospekt durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 17 II/P (OW, UW), mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Vier LG, I: dis’; II: fis’; III: g’/gis’ (alle Eisenhartguss, Gj. 1947, Firma Weule, Bockenem); IV: h’ (Bronze, Gj. 1920, Firma Radler, Hildesheim). – Zwei SG, I: e’’; II: fis’’; beide (Eisen, Gj. vermutlich 1947). – Früherer Bestand: Eine Glocke von 1437 (Rudorff: 1433) war wohl 1858 noch vorhanden. Belegt ist weiterhin eine LG von Henni Lampe (Hildesheim) von 1653. 1941 verfügte die Kirche über ein Dreiergeläut aus einer Bronzeglocke (Gj. 1847) von Friedrich Dreyer, (Linden/Hannover) und zwei Radler-Glocken von 1920. Außen am Turmhelm befanden sich zwei SG (1801 und Radler 1888). Der Austausch der Eisenglocken durch ein neues Bronzegeläut ist geplant (Stand: 09/2015).

Friedhof

Östlich des alten Dorfkerns (beiderseits der Pastor-Bauer-Straße). In Trägerschaft der KG. FKap (Bj. 1968, in Trägerschaft der Samtgemeinde Gronau).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2695–2724 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2037–2046 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 547–551 (Visitationen); B 18 Nr. 256 (Orgelsachverständiger); D 22a (EphA Coppenbrügge); D 22b (EphA Elze).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 427; Gmelin, Tafelmalerei, Kat.-Nr. 96; Huck, Archidiakonat Elze, S. 13 f.; Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 56–61; Rudorff, Amt Lauenstein, S. 309–311.
B: Malte Ewert (Hg.): Eime, ein Flecken im Fürstenthum Calenberg, [Eime 2005] [Aufzeichnungen des P. Georg Bauer].


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim, Nr. 631.
  2. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 359.
  3. Plath, Konfessionskampf, S. 240 f.
  4. LkAH, D 22b, Spec. Eime, A 103.
  5. KABl. 1980, S. 13.
  6. KABl. 2010, S. 54.
  7. KABl. 2011, S. 291–295.
  8. KABl. 1980, S. 13.
  9. Jarck, Kirchengeschichte Lauenstein, S. 192.
  10. KABl. 2005, S. 5–7.
  11. Mathies, Taufbecken, S. 121.
  12. LkAH, B 2 G 9 B/Eime (Gutachten von Bernd Gisevius, Febr. 1981; Gutachten von Karl-Heinz Davin, 30.08.1983).