Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich: Elze | Patrozinium: Georg | KO: Calenberger KO von 1569

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Banteln, südwestlich von Gronau auf dem westlichen Geestrand der Leine, gehörte zum sächsischen Gau Gudingo und wird 997 als Bantanon erstmals urkundlich erwähnt. Als Zubehör (Vorwerk oder Wirtschaftshof) des Königshofs in Brüggen kam es als Schenkung Ks. Ottos III. in den Besitz des Klosters Essen.1 1039 wurde es dem Stift Gandersheim übertragen. Als Ministeriale des Stifts saßen in Banteln ab etwa 1200 die Herren von Banteln. 1386 verzichtet Arluwin von Banteln gegenüber der Äbtissin zu Gandersheim auf einen Hof in Banteln, den späteren Pfarrhof gegenüber der heutigen Kirche. Vermutlich wurde damit die letzte Verbindung der Herren von Banteln zu ihrem Stammsitz gelöst. An ihre Stelle traten die Herren von Dötzum, die schon 1367 Besitzer eines Sattelhofs in Banteln waren und 1455/59 als Lehnsleute des Klosters Gandersheim genannt werden. Mit Johann von Dötzum ist das Geschlecht 1582 ausgestorben. Mit dem Lehen in Banteln wurden die von Bennigsen belehnt, die auch den Allodialbesitz der von Dötzum erbten. – Die Landesherrschaft übte das Hochstift Hildesheim aus. Im Quedlinburger Rezess fiel Banteln 1523 an das Fsm. Calenberg und verblieb dort auch nach der Restitution des Großen Stifts im Hildesheimer Hauptrezess von 1643. Banteln war Sitz eines Patrimonialgerichts, das im Zuge der Verwaltungsreform von 1852 aufgehoben und dem Amt Gronau eingegliedert wurde.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1935

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1935

Banteln hatte im Mittelalter zunächst keine eigene Kirche, sondern war nach dem im Norden benachbarten Feldbergen eingepfarrt. Feldbergen wird 946 erstmals urkundlich erwähnt. Ob es wie Banteln zum Königshof Brüggen gehörte, ist unsicher. Die den Heiligen Georg, Sergius und Bacchus geweihte Feldberger Kirche, deren romanische Reste auf dem heutigen Friedhof erhalten sind, stammt wohl aus dem 12. Jh. Sie war Grablege der Herren von Dötzum. Die Vikarie Feldbergen gehörte bis 1464 zum Archidiakonat Elze und wurde dann dem Stift Gandersheim inkorporiert.
Als ältestes kirchliches Grundstück in Banteln erscheint bereits im Mittelalter ein an der Stelle der heutigen Kirche gelegener Friedhof. 1386 kaufte Hinrich Sunnenberg, Pfarrer von Feldbergen, mit Zustimmung der Äbtissin zu Gandersheim einen Hof ghelegen to Banthenum teghen deme kerkhove als Pfarrhof (Wedeme) an.2 Vermutlich war seither ein Geistlicher in Banteln ansässig, dem weiterhin die Versorgung der Feldberger Kirche oblag. Das Dorf Feldbergen fiel jedoch nach 1400 wüst und wurde wahrscheinlich während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–23) ganz aufgegeben. Mit der Reformation, die in Banteln 1542/43 unter Elisabeth von Calenberg Einzug hielt, ging für das Ksp. wohl auch der Namenswechsel von Feldbergen zu Banteln einher.3
Noch kurz vor der Reformation scheint auf dem Friedhofsgelände im Osten des Dorfes vor dem Gutsbezirk eine erste zweijochige Kirche mit niedrigem Ostturm errichtet worden zu sein, die 1618 nach Osten erweitert wurde, so dass der Turm die Mitte des Gebäudes bildete. 1785/88 entstand ein barocker Neubau nach Entwurf des Konsistorialsekretärs Heinrich Brückmann (Hannover), der im Herbst 1788 durch Sup. Justus Christoph Brasen (Münder) eingeweiht wurde.
1642 ist in den Kirchenrechnungen ein Schulmeister nachgewiesen. Das 1791 bei einem Dorfbrand zerstörte Schulhaus wurde ein Jahr später an gleicher Stelle westlich des Pfarrhauses neu errichtet (später Küsterhaus bzw. Gemeindesaal). Das Pfarrhaus war 1722 gegenüber der Kirche neu errichtet worden.

Kirche, Blick zum Altar, 1935

Kirche, Blick zum Altar, 1935

Von den Geistlichen in Banteln erscheint 1543 als erster Johann Schnehage, pfarrer zu Bantelem, der damals auch das Lehen Mariae veteris in Gronau innehatte.4 Unter seinen Nachfolgern ist P. Wilhelm Dietrich Beneken (amt. 1815–1847) hervorzuheben, der schriftstellerisch tätig war (Aufsätze im Hannoverschen Magazin; Herausgeber einer Predigtsammlung). Ab 1935 amtierte P. Hans Rüppell, der 1937 eine Anzeige wegen Beleidigung der SS, Eintretens für Juden und regimefeindlicher Äußerungen erhielt. Während des laufenden Verfahrens kam es zu Vandalismus am Pfarrhaus, antikirchlichen Kundgebungen der HJ, Hausdurchsuchungen und Vernehmungen durch die Gestapo. Rüppell wurde letztlich mit einem „schweren Verweis“ bestraft.5 Kirchenkampf und Krieg haben das Gemeindeleben insgesamt leicht geschwächt. Frauen- und weibliche Jugendarbeit wurden erst durch P. Rüppell neu gegründet und ungehindert betrieben, schliefen aber nach seiner Einberufung zum Militärdienst (1939) wieder ein. 1942 wurde die ev. Schule per Dekret in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt.
Vom 1. Januar 19936 bis 1. Mai 20107 waren die KG Banteln und Deinsen unter dem Pfarramt Banteln pfarramtlich verbunden.

Umfang

Das Dorf Banteln.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Elze der Diözese Hildesheim (1481 genannt).8 – Nach der Reformation zur Insp. Gronau, 1643 zur Insp. Münder. 1794 kam Banteln zur neu gebildeten Insp. Oldendorf. 1868 wurde es der Insp. (1924: KK) Elze zugelegt9 (1. Januar 1975 umbenannt in KK Elze-Coppenbrügge). Mit dem 1. Januar 2005 wurden die KK Bockenem-Hoheneggelsen und Elze-Coppenbrügge zum KK Hildesheimer Land vereinigt10 und dieser am 1. Januar 2011 mit dem KK Alfeld zum KK Hildesheimer Land-Alfeld (hier: Amtsbereich Elze).

Patronat

Die Äbtissin des Klosters Gandersheim, die das Patronatsrecht (ursprünglich für Feldbergen, dann auch für Banteln) den von Dötzum übertrug. 1579 übertrug Johann von Dötzum das Gut Banteln an Johann von Bennigsen, der auch mit dem Patronatsrecht als Sonderlehen der Familie belehnt wurde. 1676 wurde das Präsentationsrecht durch das Stift Gandersheim wahrgenommen, nachher wieder durch die von Bennigsen. Die Oberlehnshoheit ging später vom Stift Gandersheim auf die Hzg. von Braunschweig-Wolfenbüttel über. Nach dem kinderlosen Tod des letzten in Banteln ansässigen Gf. Alexander Levin von Bennigsen († 1893) wurde das Gut durch seine russischen Erben veräußert. Weitere Eigentümer waren 1899 Major Grote-Hasenbalg, 1907 Amtsrat Storck, 1912 Gf. von Hardenberg, 1914 Kommerzienrat August Stuckenbrock in Einbeck. Während das Konsistorium noch 1903 das Patronatsrecht des Majors Grote-Hasenbal „bis zum Beweise des etwaigen besseren Rechtes eines Dritten“ anerkannte, wurde es 1920 nach dem Verkauf des Guts an den Unternehmer Stuckenbrok angezweifelt. Begründet wurde dies damit, dass es sich nicht um ein dingliches, sondern um ein persönliches, der Familie von Bennigsen zu Lehen verliehenes Recht handle.11 1931 übernahm der Landwirt August Block († 1956) das Gut, unter dem das Patronat abgelöst wurde.12

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1939

Kirche, Grundriss, 1939

Einschiffiger, barocker, verputzter und mit Eckquaderung versehener Bruchsteinsaal zu sieben Achsen (1785/88). Werksteinsockel. Mansarddach (Dacheindeckung ursprünglich mit Sandsteinplatten, 1925 durch Dachpfannen ersetzt). Für den Bau wurde Bruchstein vom Oberg verwendet. An den rechteckigen Chorschluss ist eine Sakristei angebaut. Das Schiff wird durch ein hölzernes Spiegelgewölbe mit stuckierten Rahmungen geschlossen. 1910/11 Restaurierung durch Eduard Wendebourg (Hannover).

Turm

Westturm mit ins Achteck überführtem, schiefergedecktem Helm.

Grablege

Erbbegräbnis der von Bennigsen.

Ausstattung

Barocke Kanzelaltarwand, Emporen und Gestühl aus der Erbauungszeit. – Runde hölzerne Taufe in Form eines kleinen Schüsselgefäßes auf einem quadratischen Standsockel (1788, früher Teil des Kanzelaltars), Taufschale aus Zinn (1839). – Zwei Ölgemälde: Levin August Gottlieb Gf. von Bennigsen (1745–1826, kaiserlich russischer General en Chef) als Sieger in der Schlacht von preußisch Eylau; von Christoffer Suhr, Hamburg (1815) sowie Christus und Nikodemus (um 1870). – Grabmale der Barbara von Boventen († 1572) und Hieronymus Brant von Arnstedt († 1636). – Das sogenannte Feldberger Kreuz (romanisches Triumphkreuz, erste Hälfte des 12. Jh.) befindet sich seit 1918 als Dauerleihgabe im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover.

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1988

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1988

Orgel

In der alten Kirche 1618 erstmals nachweisbar. Neubauten 1803 durch Ernst Gottlieb Hencke (Landwehr/Schaumburg)13 und 1884 durch Faber & Söhne (Salzhemmendorf), letzterer hinter dem vorhandenen Prospekt und unter Übernahme zweier Reg. aus der Vorgängerorgel. 1938 Umbau/Erweiterung um ein RP auf 26 II/P, pneumatische Traktur, Schleifladen (Stiftung des Rittergutsbesitzers August Block). 1988/89 Neubau hinter dem historischen Prospekt durch Firma Schmidt & Mappes (Langenhagen), 16 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: f’ (Eisen, Gj. 1946, J. F. Weule, Bockenem); II: g’ (Eisen, Gj. 1946, J. F. Weule, Bockenem); III: b’ (Eisen, Gj. 1947, J. F. Weule, Bockenem). – Eine SG in c’’ (Bronze, Gj. 1924, 1946 zur Uhrschlagglocke umfunktioniert). – Früherer Bestand: 1685/86 werden zwei LG erwähnt; die älteste (Gj. 1653 oder 1659, Meister Henni Lampen, Hildesheim) wurde nach dem Neubau der Kirche umgegossen, 1744 eine LG neu angeschafft. Weiterer Bestand unklar; Kriegsabgaben 1917. 1924 wurden bei der Firma Radler in Hildesheim drei neue Bronzeglocken in f’, as’ und c’’ gegossen, hiervon die beiden größeren im Zweiten Weltkrieg abgeliefert; die kleinste ist die heutige Uhrschlagglocke. 1946 erhielt die Kirche ein neues Geläut aus Eisenhartguss, wobei die dritte LG (a’, Eisen, Gj. 1946, J. F. Weule, Bockenem) wenige Wochen nach Aufhängung durch Zusammenprall mit einer anderen beim Läuten zerstört und durch einen Neuguss ersetzt werden musste.

Friedhof

Eigentum der KG. Außerhalb des Dorfes an der Leine. Auf dem Friedhof befindet sich die Feldberger Kapelle (Altarraum der Kirche des abgegangenen Dorfs Feldbergen, erbaut um 1300, Chor 1674). Neue FKap (Bj. 1972).14

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 449–471 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 442–450 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 108–111 (Visitationen); D 22a (EphA Coppenbrügge); D 22b (EphA Elze).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 66, Nr. 25; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 182; Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 1–5; Huck, Archidiakonat Elze, S. 23.
B: Unser Dorf und seine Kirche, hrsg. vom Arbeitskreis für Ortsheimatpflege Banteln e. V., Banteln 1988; Gemeinde Banteln (Hg.): 1000 Jahre Banteln 997–1997, [Banteln 1997]; Ilsemarie Witvogel: Aus der Geschichte des Dorfes Banteln, Banteln 1984.


Fußnoten

  1. MGH DD O III 242. Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 69.
  2. UB HS Hildesheim VI, Nr. 737.
  3. Huck, Archidiakonat Elze, S. 23.
  4. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 336, Anm. 667.
  5. Lindemann, Stellung, S. 676.
  6. KABl. 1993, S. 13.
  7. KABl. 2010, S. 54.
  8. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 81; Unser Dorf und seine Kirche, S. 10.
  9. Vierteljährliche Nachrichten 1869, S. 35.
  10. KABl. 2005, S. 5-7.
  11. LkAH, D 22b, Spec. Banteln A 101.
  12. Reden-Dohna, Rittersitze, S. 82.
  13. LkAH, B 18, Nr. 123 (Auswertung des Orgelfragebogens).
  14. Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 84–86.