Sprengel Hildesheim-Göttingen, Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Das an einer mittelalterlichen Handels- und Heerstraße gelegene Dorf Feldbergen wird 1213 erstmals urkundlich erwähnt. Es war Stammsitz der Ritter von Veltbergen und unterstand der Landeshoheit des Hochstifts Hildesheim (Amt Steinbrück), 1523-1643 des Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel.
Zur Entstehung von Kirche und Parochie liegen keine näheren Angaben vor. Die Missionierung ging vielleicht von Nettlingen aus. Der Kirchenbau reicht bis in die romanische Periode (12. Jh.) zurück, ein Geistlicher ist 1305 erstmals nachweisbar: Damals zeugt Henricus rector capelle in Veltborch in einer Urkunde des Edelherrn Ludolf von Hessen.1 Die Bezeichnung als Kapelle deutet darauf hin, dass ein selbständiges Ksp. noch nicht bestand. 1466 war Heinrich Coci, Pfarrer von St. Georg in Gandersheim, zugleich Vikar am Altar SS. Sergii et Bacchi in Feldbergen.2 1467 bestätigte Papst Paul II. die Inkorporierung der Pfarrkirche St. Georg in Gandersheim sowie der Vikarie SS. Sergii et Bacchi in Feldbergen in das Stift Gandersheim3 (erneute Bestätigung 1471).4
Die Einführung der Reformation erfolgte 1542 nach dem Sieg der Truppen des Schmalkaldischen Bundes über Heinrich den Jüngeren. Die Pfarrstelle wurde zunächst dem in Hoheneggelsen amtierenden P. Heinrich Wartkenstedt übertragen und biß vff negste visitation von dort aus versehen.5 Mit Johannes Bödeker (vorher Franziskanermönch in Hildesheim und Kaplan in Garbolzum) erhielt Feldbergen allerdings schon 1545 (oder vorher) einen eigenen P. († 1572), der sich nach der Rückkehr Heinrichs des Jüngeren 1547 wieder zur alten Lehre bekannte.6 Endgültig setzte sich auch in Feldbergen das luth. Bekenntnis erst mit dem Regierungsantritt Hzg. Julius 1568 durch. Bis 1664 versah der P. von Feldbergen meist auch die Pfarrstelle von Schellerten. 1682 bis 1726 war Oedelum mater combinata von Feldbergen.
Von 1932 bis 1945 war die Pfarrstelle vakant und wurde durch P. Meyer-Roscher in Hoheneggelsen (Mitglied der BK) mit versehen. Unter dem Einfluss der Partei wurden bei der KV-Wahl von 1933 ausschließlich Nationalsozialisten gewählt; allerdings legten drei von vier Vertretern noch im gleichen Jahr im Amt nieder, der letzte bei Kriegsbeginn. Sie wurden durch frühere, kirchlich gesinnte Kirchenvorsteher ersetzt. 1937 fand ein BK-GD in Feldbergen statt. Gemeindeglieder nahmen auch regelmäßig an BK-Veranstaltungen in Hildesheim und Hannover teil. Insgesamt hat sich die Gemeinde im Kirchenkampf besonders bewährt.7
Zum 1. Januar 1949 wurden die KG Feldbergen und Oedelum erneut pfarramtlich verbunden.8 Die Zahl der Gemeindeglieder betrug 1982 noch rund 3809, auch für die verbundene Gemeinde 1990 nur noch 765. Die Pfarrstelle war über viele Jahre dauervakant, eine Wiederbesetzung angesichts der geringen Gemeindegliederzahl ausgeschlossen. Am 1. Juni 1991 wurden die KG Feldbergen und Oedelum mit der KG Garmissen verbunden. Sitz des gemeinsamen Pfarramts wurde Garmissen.10 Zum 1. Juni 1999 wurde die pfarramtliche Verbindung der drei Gemeinden aufgehoben und die KG Feldbergen mit der KG Hoheneggelsen unter einem gemeinsamen Pfarramt mit Sitz in Hoheneggelsen verbunden.11 Seit 1. Januar 2004 ist sie Teil des Gemeindeverbandes Söhlde.12

Umfang

Das Dorf Feldbergen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nettlingen der Diözese Hildesheim.13 – Bei der Neuorganisation der kirchlichen Aufsichtsbezirke vor 1544 wurde Feldbergen der Suptur. in Bockenem unterstellt. 1569 kam es zur neu errichteten Insp. Niederfreden (1569-74 mit Sitz in Ölsburg, dann in Niederfreden), später (vor 1651) zur Insp. der Ämter Ruthe, Steinbrück und Steuerwald (ohne festen Suptur.-Sitz), 1812 zur neu errichteten Insp. Nettlingen, deren Sitz 1924 nach Schellerten (ab 1924: KK), 1950 nach Hoheneggelsen verlegt wurde. Der KK Hoheneggelsen wurde am 1. April 1976 in den KK Bockenem eingegliedert (1. August 1978 umbenannt in KK Bockenem-Hoheneggelsen) und am 1. Januar 2005 mit dem KK Elze-Coppenbrügge zum KK Hildesheimer Land vereinigt14 wurde (seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze).

Patronat

Wohl ursprünglich das Stift Gandersheim, dann an die Herren von Dötzen verliehen. Mitte des 15. Jh. fiel das Patronat an die Äbtissin zurück.15 1448, 1458 und 1481 ist der Bf. von Hildesheim als Patronatsinhaber belegt. 1542 und 1568 wird Feldbergen als Bauernlehen bezeichnet.16 Das Reichskammergericht erkannte 1665 das Recht des Hildesheimer Bf. auf das Patronat an (der Landesherr, bis 1871). Die Besetzung der verbundenen Pfarrstelle erfolgt heute gemäß einer Vereinbarung aus dem Jahr 1965 alternierend durch die Landeskirche, das Kloster Loccum (als Patron von Oedelum) und Gemeindewahl.

Kirchenbau

Von der romanischen Bruchsteinkirche sind zwei gegurtete Langhausjoche mit Kreuzgratgewölbe sowie die östlichen Ecken des eingezogenen Chors erhalten. Der Chor wurde in gotischer Zeit rechteckig nach Osten verlängert. Im 19. Jh. wurde das Schiff erhöht und die Querarme zum kreuzförmigen Grundriss angefügt. Renovierung 1985.

Fenster

In der Ostwand hinter dem Altar ein dreiteiliges Fenster aus gotischer Zeit. Die übrigen Fenster wurden später erneuert.

Turm

Querrechteckiger romanisch Westturm (12. Jh.) mit Satteldach, mittig ein vierseitiger Dachreiter.

Ausstattung

Altar mit gotischer Steinmensa. Darauf ein barockes Retabel (1714, Jobst Heinrich Lessen aus Goslar zugeschrieben; 1987/88 restauriert). In der Predella das Abendmahl, im Hauptbild eine Kreuzigung aus freistehenden Figuren, darüber die Grablegung und die Auferstehung als Bekrönung. – Osterleuchter und eisernes Kreuz im Vorraum der Kirche von Kunstschmied Otto Ohlendorf sen.

Orgel

1868 wurde in der Kirche an der linken Seite des Altarraums eine um 1750 erbaute Orgel aus Binder aufgestellt (6 I/-, mechanische Traktur, Schleifladen). 1871 Instandsetzung durch Heinrich Schaper (Hildesheim). 1883 Instandsetzung durch August Schaper (Hildesheim). 1889 nach Espol umgesetzt. Neubau von August Schaper (Hildesheim), 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Das zunächst ebenerdig im nördlichen Seitenschiff aufgestellte Werk wurde 1898/99 durch Schaper auf 14 II/P erweitert und auf die Westempore verlegt.17 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1937 Änderung der Disposition durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1996/97 Renovierung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen). – Denkmalorgel.

Geläut

Zwei LG, I: d’ (Bronze, Gj. 2011, Rudolf Perner GmbH & Co KG, Passau); II: g’ (Bronze, Gj. 1777, Christoph August Becker, Hildesheim). – Eine SG in c’’’ (Bronze, Gj. 2011, Rudolf Perner GmbH & Co KG, Passau). – Früherer Bestand: Die älteste Glocke von 1416 war während des Dreißigjährigen Krieges hinter dem Turm vergraben. Sie wurde Anfang des 19. Jh. umgegossen und im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert. Eine 1947 beschaffte Eisenhartguss-Glocke (d’) der Firma J. F. Weule (Bockenem) war abgängig und wurde 2011 durch die heutige LG I ersetzt. Als SG war noch 1970 die Schale eines Bohrturms angebracht. Sie wurde gleichfalls durch eine Bronzeglocke ersetzt.

Friedhof

Bei der Kirche. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 2436-2442 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 695-698 (Visitationen); D 28 (EphA Hoheneggelsen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 467; Pape, Schaper, S. 195 f. und 370-372.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim III, Nr. 1520.
  2. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 2008.
  3. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 2016.
  4. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 2048.
  5. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 143.
  6. Spanuth, Quellen, S. 252.
  7. LkAH, L 5h, unverz., Feldbergen, Visitation 1970 (Gruppenbogen V).
  8. KABl. 1949, S. 2.
  9. LkAH, L 5h, unverz., Feldbergen, Visitation 1982.
  10. KABl. 1991, S. 64 f.
  11. KABl. 1999, S. 90.
  12. KABl. 2004, S. 158.
  13. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 141.
  14. KABl. 2005, S. 5-7.
  15. Ahlhaus, Patronat, S. 17, Anm. 23.
  16. Meyer, Pastoren I, S. 284.
  17. LkAH, D 28 Rep. Spec. Feldbergen 5131.