Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Bettrum wird in einem Einnahmeregister des Hildesheimer Dompropstes Johann aus den Jahren 1277/86 erstmals erwähnt. Es stand unter der Landesherrschaft des Hochstifts Hildesheim, kam im Quedlinburger Rezess (1523) mit dem Amt Steinbrück an Braunschweig-Wolfenbüttel und kehrte 1643 unter hildesheimische Hoheit zurück. 1802 an Preußen. 1807 westphälisch. 1815 an Hannover (Amt Steinbrück, 1859 Amt Marienburg).

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1957

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1957

Die ursprünglich zu Nettlingen gehörige Kirche geht wohl auf das 12. Jh. zurück, ist jedoch erst 1481 in einem Archidiakonatsregister urkundlich nachweisbar. Die Reformation wurde nach der Besetzung des Landes durch die Truppen des Schmalkaldischen Bundes im Zuge der Visitation des Amts Steinbrück am 20. Oktober 1542 durchgeführt. Der bisherige, in Erfurt geweihte Priester Johann Rodemann (im Amt seit 1511) nahm unter Zwang das luth. Bekenntnis an, wandte sich aber nach der Rückkehr Heinrichs des Jüngeren wieder dem kath. Ritus zu.1 Im zweiten Markgrafenkrieg wurde die Kirche 1553 durch Albrecht II. Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach verwüstet. Nach dem Regierungsantritt des Hzg. Julius (1568) setzte sich die luth. Lehre endgültig durch. Die Pfarre wurde 1568 zunächst von Hoheneggelsen aus versehen. Mit Jacob Busse (bis 1571) erhielt sie einen eigenen Pfarrer. Reiner Schrader (in Bettrum ab 1593) war nachher Pastor in Gandersheim und luth. Abt des Klosters Ringelheim. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche durch Truppen Tillys noch einmal geplündert.
Ab 1931 wurde Bettrum durch die Pfarre Groß Himstedt versehen. Bei der von der NSDAP beeinflussten KV-Wahl 1933 wurden in den sechsköpfigen KV fünf NS-Mitglieder gewählt. Sie wirkten jedoch überwiegend im kirchlichen Sinn. Einzige kirchengemeindliche Gruppe war zur damaligen Zeit der Jungmädchenbund, der seine Arbeit 1938 einstellen musste. Die ev. Bekenntnisschule wurde stillschweigend in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt. Im Übrigen hinterließ der Kirchenkampf keine tiefgreifenden Spuren.
Nach dem Krieg wurde die Pfarrstelle wieder besetzt. Das soziale Gefüge in der Gemeinde hat sich in den 1960er und 1970er Jahren stark verändert. Bettrum wandelte sich vom Bauerndorf in eine nach Salzgitter und Hildesheim orientierte Wohn- und Pendlergemeinde.2 Zum 12. April 1994 wurde die KG Himstedt mit der KG Bettrum durch das Pfarramt Bettrum pfarramtlich verbunden.3 Seit 1. Januar 2004 ist sie Teil des Gemeindeverbandes Söhlde.4

Umfang

Das Dorf Bettrum.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nettlingen der Diözese Hildesheim. – Wurde bei der Neuorganisation der kirchlichen Aufsichtsbezirke vor 1544 der Suptur. in Bockenem unterstellt, 1569 zur neu errichteten Insp. Niederfreden (Sitz 1569–74 in Ölsburg, dann in Niederfreden). Später zur Insp. der Ämter Ruthe, Steinbrück und Steuerwald (ohne festen Suptur.-Sitz). 1812 zur neu errichteten Insp. Nettlingen, deren Sitz 1924 nach Schellerten (ab 1924: KK), 1950 nach Hoheneggelsen verlegt wurde. 1. April 1976 der KK Hoheneggelsen in den KK Bockenem eingegliedert und mit dem 1. Januar 1978 in KK Bockenem-Hoheneggelsen umbenannt. 1. Januar 2005 KK Hildesheimer Land, 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze.

Patronat

Das Domkapitel zu Hildesheim. Unter braunschweigischer Herrschaft (1523–1643) der Landesherr. Von 1643 bis zur Säkularisierung des Fbm. Hildesheim 1802 wieder das Domkapitel. Nach 1802 der Landesherr.

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, vor 1957

Kirche, Blick zum Altar, vor 1957

Fünfachsige, horizontal in zwei Geschosse gegliederte Backsteinsaalkirche in Formen des Klassizismus und Historismus, errichtet 1848/49 nach Abbruch des Vorgängerbaus durch Friedrich August Hellner. Der Innenraum wird durch eine dreiseitig umlaufende Empore gegliedert. Ausmalung 1906 durch den Kirchenmaler Adolf Quensen (Braunschweig). Renovierung 1969/71 und 2003. Die Ausmalung wurde mit Ausnahme der Altarwand überstrichen.

Fenster

Über der Kanzel ein Buntglasfenster mit Darstellung des Heiligen Geistes (Taube). Weitere Fenster mit floralen Ornamenten und christlichen Symbolen (Zehn Gebote, Kelch).

Turm

Der Turm der alten Kirche (1660) blieb beim Neubau erhalten. In den unteren Stockwerken aus Bruchsteinen, darüber ein eingezogenes, schieferverkleidetes Geschoss mit ins Achteck überführtem Helm.

Ausstattung

An der Ostwand in der Art eines Kanzelaltars gemalte illusionistische Altarwand. Beiderseits der Kanzel Bilder der Kreuzigung und Auferstehung Christi (Kunstmaler Piepenberg, Berlin); unter der Kanzel die Grablegung. – Achteckige Sandsteintaufe (1663).

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

1848 Neubau durch den Orgelbauer Ernst Lindrum (Goslar). 1906 Neubau durch Firma Faber & Greve (Salzhemmendorf), II/P, 2 mal 9 Reg. im Manual (Zwillingslade), 4 Reg. im Pedal, pneumatische Traktur, Fabersche Transmissionslade. 1986 Neubau hinter dem historische Prospekt durch Firma Schmidt & Mappes (Langenhagen), 12 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1994, Glocken- und Kunstgießerei Carl Metz, Karlsruhe); II: fis’ (Bronze, Gj. 1776, Johann Conrad Grete, Braunschweig5); III: a’ (Eisenhartguss, Gj. 1948, J. F. Weule, Bockenem). – Eine SG (Bronze). – Früherer Bestand: Eine ältere Glocke mit Schlagton e’ (große LG) erhielt 1840 einen Riss und musste 1858 umgegossen werden. 1917 zu Rüstungszwecken abgegeben, 1921 Neuguss (Kriegergedächtnisglocke), 1942 ebenfalls abgeliefert. Erst 1994 wurde das Geläut wieder um eine e’-Glocke ergänzt.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1750, Anbau 1958).

Friedhof

Auf dem Kirchhof. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 966–969 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 748–754 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 199–202 (Visitationen); D 28 (EphA Hoheneggelsen).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 73, Nr. 40; Müller, Kirchenbauten, S. 124–126.


Fußnoten

  1. Spanuth, Quellen, S. 250.
  2. LkAH, L 5h, unverz. Bettrum, Visitation 1972.
  3. KABl. 1994, S. 84.
  4. KABl. 2004, S. 158.
  5. Drömann, Glocken Lkr. Hildesheim, S. 91.