Sprengel Hannover, KK Stolzenau-Loccum, Amtsbereich Stolzenau | Patrozinium: Jakobus | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Als Gegenburg zur Schlüsselburg des Bf. von Minden ließen die Gf. von Hoya Mitte des 14. Jh. die Burg Stolzenau erbauen (Baubeginn wohl 1346).1 Urkundlich ist das schlott in Stoltenouwe erstmals im Jahr 1370 erwähnt.2 1503 übertrugen die Hoyaer Gf. Stolzenau den Hzg. zu Braunschweig und Lüneburg und erhielten es als Lehen zurück. Das Schloss diente seit 1525 Gf. Erich IV. von Hoya († 1547) als Residenz und von 1568 bis 1575 Otto VIII. († 1582).3 Befestigungen von Burg und Flecken wurden im Dreißigjährigen Krieg beschädigt (ab 1625) und abgebrochen (1635).4 Der spätere Flecken und Amtssitz Stolzenau entstand als Ansiedlung bei der gleichnamigen Burg.5 1459 sind erstmals „Borgermester und Rede […] Thor Stoltenouwe“ urkundlich belegt, 1520 ist Stolzenau als Flecken erwähnt, 1573 im Bürgerbuch als „alzeit vor ein Frey Weichbild“ bezeichnet und 1589 zählte der Ort zu den „sieben freyen flecken“ der Obergrafschaft Hoya.6 Als die Gf. von Hoya 1582 in männlicher Linie ausstarben, fiel ihr Besitz an das welfische Hzm. Braunschweig-Lüneburg (größtenteils an das Fsm. Calenberg-Göttingen, seit 1692 Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. „Kurhannover“).7 Eine erste Ortsansicht stammt aus der Mitte des 17. Jh. (Merian-Stich).8 In französischer Zeit gehörte Stolzenau 1810 zunächst kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und war dann bis 1813/14 Sitz des gleichnamigen Kantons im Arrondissement Nienburg des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach war Stolzenau, nun im Kgr. Hannover, wieder Amtssitz. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Stolzenau 1866 an Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung wurde es Sitz des Kr. Stolzenau, der 1932 im Kr. Nienburg/Weser aufging. 1974 wurden Anemolter, Diethe, Frestorf, Hibben, Holzhausen, Müsleringen, Nendorf und Schinna eingemeindet. Seit 2011 gehört Stolzenau zur Samtgemeinde Mittelweser. Von 1966 bis 1995 waren niederländische Soldaten in Stolzenau stationiert. Um 1812 lebten etwa 1.120 Menschen in Stolzenau, 1885 etwa 1.480, 1950 gut 3.210 und 2019 knapp 7.470 (mit Eingemeindungen).

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1955

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1955

Ursprünglich war Stolzenau Teil des Kirchspiels Holzhausen bzw. Repholthusen.9 Die ehemalige Kirche des heutigen Ortsteils von Stolzenau ist urkundlich erstmals um 1200 belegt: Bf. Thietmar von Minden (amt. 1185–1206) inkorporierte die ecclesiam in holthusen (Kirche in Holzhausen) dem neugegründeten Kloster Nendorf.10 1285 erneuerte Bf. Volkwin (amt. 1275–1293) zusammen mit dem Domkapitel die Inkorporation; die Messen in Holzhausen durften der Propst oder die Kaplane des Klosters feiern (ecclesiam officiare, gubernare seu regere per suum prepositum seu per capellanos).11 Aus dem gleichen Jahr ist anscheinend auch der Name eines Geistlichen überliefert: dominum Conradum sacerdotem in Theffholthusen.12 In Stolzenau selbst befand sich eine Burgkapelle, an der Gf. Johann V. von Hoya († 1466) 1448 oder kurz davor ein Priesterlehen stiftete.13
Während der Reformationszeit regierte Gf. Jobst II. den größten Teil der Gft. Hoya; sein Bruder Gf. Erich IV. regierte in den Ämtern Stolzenau und Steyerberg. Etwa gleichzeitig führten die Brüder die luth. Lehre ein: Um 1527 holte Jobst II. den Lutherschüler Adrian Buxschott an seinen Hof, später Pastor in Hoya und erster Sup. der Gft. sowie um 1533 vermutlich Mitautor der ersten Hoyaer KO (Cristlike ordeninghe, yn der karken unser hersschup gestellt). Auch Erich IV. stellte um 1528 mit Nikolaus Krage einen Lutherschüler als Hofprediger an.14 Als erster luth. Pastor des Kirchspiels Holzhausen ist P. Johann Brockmann anzusehen, der 1529 Kaplan in Stolzenau war und vermutlich bald darauf das Pfarramt in Holzhausen übernahm.15 Die mittelalterliche Kirche Holzhausens – einen gewölbten Steinbau – ließ Gf. Erich IV. wohl um 1530/40 abbrechen, um Baumaterial für den Umbau der Burg Stolzenau zur Residenz zu gewinnen (ebenso wie die Kirchen Leese und Schinna sowie den Kirchturm Landesbergen).16 Als Ersatz wurde, wiederum in Holzhausen, eine Fachwerkkirche errichtet. Auf die Frage Gf. Erichs IV., ob der Abbruch der Steinkirche „statthaft und nicht sündlich sei“ soll P. Brockmann geantwortet haben, es „sei dem lieben Gott einerlei, ob man ihn in einer hölzernen oder steinernen Kirche verehre“.17

Kirche, Ansicht von Osten (links), Querschnitt, Blick zum Altar, Entwurf, Foto: Ulrich Ahrensmeier (LKA), um 1980

Kirche, Ansicht von Osten (links), Querschnitt, Blick zum Altar, Entwurf, Foto: Ulrich Ahrensmeier (LKA), um 1980

In der Stolzenauer Kapelle soll im 16. Jh. an fast jedem Sonntag ein Gottesdienst stattgefunden haben.18 Gf. Otto VIII. († 1582), der letzte Gf. von Hoya, ließ die Kapelle abbrechen, um einen Neubau zu errichten; die Pläne verzögerten sich jedoch. Während der Amtszeit von P. Henricus Roscamp (amt. 1576–1602) erhielten die Stolzenauer Bürger 1590 schließlich die Genehmigung, ein neues Gotteshaus zu errichten, wie einem Schreiben an das Konsistorium Celle aus dem Jahr 1646 zu entnehmen ist. Der Bericht erläutert, „wie es mit der Kirchspiellkirche zu Holtzhausen in dem hochlobl. Fürstenthumb Braunschweig-Lüneburg, wie auch der Nebenkirche Zur Stolzenaw etc. bewandt“.19 Nach dem Bau der Kirche in Stolzenau – erneut verzögert durch einen Ortsbrand – habe sich die Gemeinde nur noch aller vier Wochen sowie an den zweiten Festtagen der hohen Kirchenfeste in Holzhausen zum Gottesdienst versammelt; die übrigen Gottesdienste fanden in Stolzenau statt. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) sei in den 1630er Jahren das Pfarrhaus in Holzhausen abgebrannt und P. Marcus Grünreuter (amt. 1616–1648) verlegte den Pfarrsitz nach Stolzenau. 1646 war die Kirche in Holzhausen verfallen, die dortige Orgel abgebaut und in der Stolzenauer Kirche wieder errichtet, die Schule nach Stolzenau verlegt. Auf diesen Bericht hin ordnete das Konsistorium Celle den Wiederaufbau der Kirche und des Pfarrhauses in Holzhausen an, „zur Wiederbewohnung des Superintendenten und Abhaltung des Gottesdienstes an dem je vierten Sonntage“.20 Faktisch ist die Holzhausener Kirche seit dieser Zeit also eher als Kapelle anzusehen. Laut Corpus Bonorum von etwa 1737 fanden in Holzhausen seinerzeit nur noch Gottesdienste Weihnachten, Ostern und Pfingsten statt, jeweils an den zweiten Feiertagen.21 Die Kirche in Stolzenau erhielt in der zweiten Hälfte des 17. Jh. ihren Turm mit der charakteristischen, gedrehten Turmhaube.

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1955

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1955

Seit Anfang des 18. Jh. lassen sich in Stolzenau jüd. Einwohner belegen: 1702 lebten drei jüd. Familie hier, der älteste Grabstein auf dem jüd. Friedhof trägt die Jahreszahl 1729.22 Ende der 1830er Jahre lag die Zahl der Juden bei gut 100. Im Jahr 1834 ließ die Gemeinde, zu der seit 1843 auch Nendorf und Leese zählten, Synagoge und Schule errichten.
Anfang des 19. Jh. war die Stolzenauer Kirche baufällig und 1802 wurden Abbruch oder Neubau „in ernstliches Bedenken genommen“.23 Erst gut zwei Jahrzehnte später, nach Ende der Napoleonischen Kriege, wurden die Planungen konkreter und 1823 lag ein erster Neubauentwurf vor.24 Dem dritten Entwurf, vorgelegt von Konsistorialbaumeister Friedrich August Ludwig Hellner (1791–1862), stimmten Kirchenjuraten und Konsistorium 1828 zu. Den letzten Gottesdienst in der alten Kirche hatte die Gemeinde bereits am 29. Oktober 1826 gefeiert, dann wurde sie geschlossen. Nach den Abbrucharbeiten – allein der Turm blieb erhalten – versammelte sich die Gemeinde am 8. August 1828 zur Grundsteinlegung und knapp zweieinhalb Jahre später, am Zweiten Weihnachtstag 1830, zur Einweihung der neuen Kirche. Nun wurden auch die Kirchenvermögen Holzhausens und Stolzenaus zusammengelegt und die ehemalige Mutterkirche in Holzhausen in ein Schulhaus umgewandelt (um 1960/70 abgerissen, Glockenturm erhalten).25 Zudem erhielt Stolzenau einen eigenen Friedhof; Böthel, Holzhausen und Kohlenweihe nutzten weiterhin den alten Friedhof in Holzhausen. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. richtete P. Karl Heinrich Wilhelm Schünhoff (amt. 1867–1873) eine höhere Privatschule in Stolzenau ein.26
Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Karl Wilhelm Arthur Meyer (amt. 1928–1935) und P. Johannes Bosse (amt. 1936–1964) das Pfarr- und Superintendentenamt in Stolzenau inne. P. Bosse zählte im Mai 1933 zu den Initiatoren der Landeskirchlichen Sammlung, aus der später die Hannoversche Bekenntnisgemeinschaft hervorging.27 Die Stolzenauer Synagoge wurde während des Novemberpogroms 1938 zerstört; die letzten jüd. Einwohner Stolzenaus wurden 1942 deportiert.28
Aufgrund der wachsenden Zahl der Gemeindeglieder erhielt die KG Stolzenau 1951 eine zweite Pfarrstelle.29 Im gleichen Jahr weihte die kath. Gemeinde ihre Kirche St. Georg ein. Bei der Visitation 1979 zeigte sich LSup. Günter Linnenbrinck erfreut über das gute Verhältnis sowohl zur kath. Gemeinde als auch zur niederländischen Militärgemeinde und regte an, über den Weltgebetstag hinaus weitere ökumenische Veranstaltungen mit den beiden Gemeinden ins Auge zu fassen.30 Seit 1973 ist die KG Stolzenau Trägerin eines ev. Kindergartens, der seit 1998 den Namen „Die Arche“ trägt. In der Mittelregion des KK Stolzenau-Loccum arbeitet die Gemeinde mit den KG Landesbergen, Leese, Nendorf, Raddestorf, Schinna und Steyerberg zusammen.

Pfarrstellen

I: 1448 Priesterlehen, 1525 Schlossprediger, um 1630 Pfarrsitz von Holzhausen nach Stolzenau verlegt; Supturpfarre. – II: 1951.31

Umfang

Neben Stolzenau die Orte Böthel, Holzhausen und Kohlenweihe. Seit 1897 auch das Brückenwärterhaus bei Stolzenau (zuvor KG Leese).32

Aufsichtsbezirk
Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Dezember 1955

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Dezember 1955

Archidiakonat Lohe der Diözese Minden.33 – Seit etwa 1560 Insp. Stolzenau. 1589 Insp. Holzhausen, wohl 1602 Suptursitz nach Stolzenau verlegt (Schlossprediger): Insp. Stolzenau, 1924: Aufsichtsbezirk Stolzenau, KK Loccum-Stolzenau. Seit 1. April 1976 KK Stolzenau-Loccum, Amtsbereich Stolzenau.34 – Die Insp. Holzhausen bzw. Stolzenau umfasste anfänglich die Gemeinden Barenburg, Holzhausen (mit Stolzenau), Landesbergen, Lavelsloh, Leese, Mellinghausen, Nendorf, Schinna, Steyerberg bzw. Rießen, Warmsen und bis 1588 auch, Barrien, Bassum, Brinkum, Heiligenfelde, Heiligenloh, Heiligenrode, Kirchweyhe, Leeste, Neuenkirchen bei Bassum, Nordwohlde, Riede, Schmalförden, Scholen-Schwaförden, Seehausen, Sulingen und Varrel. 1796 kamen Mellinghausen und Barenburg zur Insp. Sulingen. Von 1627 bis 1728 zählte auch Harpstedt zur Insp. Stolzenau, von 1806 bis 1869 Estorf (vorher Teil der Gemeinde Landesbergen, dann zur Insp. Nienburg). 1815/16 kamen Uchte und Kirchdorf hinzu (vorher Lgft. Hessen-Kassel) sowie Rehburg (1869, vorher Insp. Holtorf), im 20. Jh. die neue KG Raddestorf (1926).35 1904 wechselte Kirchdorf zur Insp. Sulingen.36 Seit 1869 bildete die Insp. Stolzenau eine Bezirkssynode mit dem Stiftsbezirk Loccum; seit 1924 teilte sich der Kreiskirchenverband bzw. KK Loccum-Stolzenau in den Aufsichtsbezirk Stolzenau und den Stiftsbezirk Loccum. 1976 erfolgte die Umbenennung in KK Stolzenau-Loccum und Aufteilung in Amtsbereich Stolzenau (Sup. versieht Aufsichtsamt) und Stiftsbezirk Loccum (ein „mit der Wahrnehmung der Ephoralaufgaben im Stiftsbezirk beauftragter Konventual“ versieht das Aufsichtsamt), der die KG Loccum, Münchehagen und Wiedensahl umfasst37.

Patronat

Seit 1200 Kloster Nendorf (Kirche war dem Kloster inkorporiert).38 Seit der Reformation der Landesherr (bis 1871).39

Kirchenbau – St. Jacobi Stolzenau

Fünfachsiger, rechteckiger Saalbau mit halbrundem, niedrigem Sakristeianbau im Osten, errichtet 1828–30 (Architekt: Friedrich August Ludwig Hellner, Hannover). Satteldach, über der Sakristei flaches Kuppeldach. Verputztes Mauerwerk mit aufgeputzten, gequaderten Ecklisenen; gekuppelte, zweieinhalbgeschossig gestaltete Rundbogenfenster in Rundbogennischen; nach Norden und Süden in der Mittelachse Ädikulaportale mit Pilastern, Gebälk und Dreiecksgiebel, nach Süden mit Inschrift „Deo“; im Ostgiebel großes Halbkreisfenster mit zwei eingestellten Stützen (Thermenfenster); an der Sakristei Rundbogenfenster und Ädikulaportal nach Osten, Inschriftenstein „Anno 1828“. Im Innern u-förmige Emporenanlage, Emporenstützen reichen bis zur Decke und tragen kassettierte Holztonne, Emporenstützen unterhalb der Emporen als dorische, oberhalb als ionische Säulen gestaltet; über den Emporen flache Decke; tempelartige Kanzelaltarwand. 1955 Innenrenovierung. 1982/83 Innen- und Außensanierung.

Vorgängerbauten

Schloss- bzw. Amtshofkapelle, wohl um 1580 abgebrochen. Neubau nach 1590, Fachwerkbau mit Backsteinausfachung, „ohngefähr 112 Fuß lang, 30 Fuß breit“.40 Um 1737 „in schlechtem Stande“41, 1826 wegen Baufälligkeit geschlossen und abgebrochen.

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1958

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1958

Turm

Westturm, erbaut 1678/79, bis 1965 Eigentum des Fleckens Stolzenau (auch für Bauunterhaltung zuständig).42 Verschieferter Turmhelm mit vierseitigem Ansatz und sehr schlanker und hoch ausgezogener gedrehter Achteckspitze, bekrönt mit Kugel und Wetterhahn, Uhrerker nach Westen und Osten, Ausleger für zwei Uhrschlagglocken nach Osten. Verputztes Mauerwerk, je zwei flachbogige Schallfenster nach Norden und Süden, nach Süden dazwischen Sonnenuhr, ein flachbogiges Schallfenster nach Westen; Portal nach Süden. Um 1737 „Schlaguhr in schlechten Stande“ vorhanden.43 1878 neue Turmuhr (J. F. Weule, Bockenem).44

Ausstattung

Dreiachsige Kanzelaltarwand mit korinthischen Säulen (1830), davor Blockaltar mit seitlichen Schranken; in der Mittelachse polygone Kanzel mit Schalldeckel, Wandungen des Kanzelkorbs mit floralen Reliefs; in den Seitenachsen Blendfenster. – Runde Sandsteintaufe (zweite Hälfte 13. Jh.) mit modernem Fuß, Becken mit Ranken verziert. – Taufe mit achtseitigem Becken und vierteiligem Säulenbündel als Schaft (1830). – Sandsteinepitaph mit drei Wappen und den Inschriften: „Von Gottes Gnaden Dorothea geborne zv Sachsen Hertzogin zv Bravnschweig vnd Lvnebvrg“, „Von Gottes Gnaden Heinrich Ivlivs postvlirter Bischof zv Halberstadt vnd Hertzog zv Bravnschweig vnd Lvnebvrg“ und „Von Gottes Gnaden Elisabeth gebrone avs Kon Stam zv Dennemarck Hertzogin zv Bravnschweig vnd Lvnebvrg“. – Skulptur „Einander zuhören“ (1989, Roman Manewitch, Kischinew).

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1955

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1955

Orgel

Vor 1646 Orgel aus der Kirche Holzhausen übernommen, um 1737 als „schlechte Orgell“ bezeichnet.45 Orgelneubau 1830/31, ausgeführt von Ernst Wilhelm Meyer (Hannover). 1922 Neubau des Orgelwerks hinter dem historischen Prospekt, Firma Faber & Greve (Salzhemmendorf), pneumatische Traktur. 1957 Neubau des Orgelwerks, Pfeifenmaterial von 1922 teilweise wiederverwendet, Paul Ott (Göttingen), 32 III/P (HW, BW, SchwW), mechanische Traktur, Schleifladen; Prospekt von 1830 beibehalten. 1982/83 Instandsetzung und Änderung der Disposition, ausgeführt von Firma Gebrüder Hillebrand, Altwarmbüchen). 2001 saniert von Rudolf Janke (Bovenden), 32 III/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2004 Dispositionsänderung (ein Pedalregister geändert), Rudolf Janke (Bovenden). Prospekt von Meyer aus dem Jahr 1830 erhalten.

Geläut

Vier LG, I: gisʼ (Bronze, Gj. 1693, Nikolaus Greve, Hannover), Inschrift: „Nicolaus Greve Anno 1695“ und „Da pacem Domine in diebus nostris“ (Gib uns Frieden, Herr, in unseren Tagen); II: hʼ (Bronze, Gj. 1964, Firma Rincker, Sinn), Inschriften: „Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen. Römer 11 Vers 36“ und „Reformationsfest Anno Domini 1964“, Bild: Schiff mit Kreuz auf dem Meer; III: cisʼʼ (Bronze, Gj. 1639, Engelhart Kroger, Minden), Inschrift: „Soli Deo Gloria. Semptliche Einwohner des freien Wichbildes Stoltzenow durch das Fur bin ich geflossen M[eister] Engelhart Kroger hat mich gegossen 1639“; IV: disʼʼ (Bronze, Gj. 1964, Firma Rincker, Sinn), Inschrift: „Reformationsfest Anno Domini 1964“, Bild: Schiff mit Kreuz auf dem Meer; die beiden 1964 gegossenen Glocken waren ein Geschenk der Redaktion „Kirche und Heimat“. Zwei SG, I: esʼʼ; II: gisʼʼ (beide Bronze, Gj. 1878, Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher).

Kirchenbau – Holzhausen

Fachwerkbau, errichtet etwa um 1540/50. nach 1646 Instandsetzung. Ab 1830 als Schule genutzt. Um 1960/70 abgebrochen.

Vorgängerbau

Mittelalterlicher Steinbau, Innenraum gewölbt. Um 1540/50 abgebrochen.

Turm

Fachwerkturm mit Holzverkleidung und Walmdach, erbaut um 1750. 1995 Fundament saniert. 1999 Verschalung saniert.

Orgel

Vor 1646 Orgel ausgebaut und in Stolzenauer Kirche versetzt.

Geläut

Eine LG (Bronze, Gj. 1821).

Weitere kirchliche Gebäude

Superintendentur (Bj. 1902). – Pfarrhaus II (Bj. 1952/53). – Gemeindehaus (Bj. 2001).

Friedhof

Alter kirchlicher Friedhof bei der ehemaligen Kirche in Holzhausen, für gesamtes Kirchspiel genutzt bis 1831. – In Stolzenau neuer kirchlicher Friedhof nördlich des historischen Ortskerns, erste Beerdigung 1831, FKap (Bj. 1870, Entwurf: Konrad Wilhelm Hase, Hannover).

Liste der Pastoren (bis 1940)
Kirche, Blick zum Altar, vor 1955

Kirche, Blick zum Altar, vor 1955

1526–1535 Dr. Nicolaus Cragius. – 15.. Johann Brockmann. – 15..–1564 Johann Holst. – 1564–1575 Nicolaus Landrader. – 1576 (1589)–1602 Henricus (Dierk) Roßkamp. – 1602–1616 Martinus (Matthias) Mossius. – 1616–1648 Marcus Grünreuter. – 1648–1673 Magister Godeschalcus Duvius. – 1673–1679 Johann Ernst Stille. – 1679–1709 Reinerus Buchholz. – 1709–1726 Andreas Leopold Borkenstein. – 1726–1731 Lic. Henricus Augustinus Andreas. – 1732–1734 Johann Jacobus Praetorius. – 1735–1759 Barthold Georg Hölscher. – 1761–1762 Simon Johann Eberhart. – 1763–1768 Otto Christopherus Kahle. – 1769–1788 Johannes Friedrich Blatt. – 1788–1792 Johann Friedrich Mithoff. – 1792–1795 Johann Nicolaus Schrage. – 1796–1805 August Ludwig Gottlieb Hoppenstedt. – 1805–1821 Johann Georg Jacobshagen. – 1821–1829 Christoph Heinrich August Bernhard Seidel. – 1829–1836 Georg Ernst Heinrich Mehliß. – 1836–1867 Johann Georg August Bornträger. – 1867–1873 Karl Heinrich Wilhelm Schünhoff. – 1873–1883 Bernhard Wilhelm Karl Wendland. – 1883–1890 Friedrich Wilhelm Ferdinand Bunnemann. – 1890–1893 Christian Heinrich Gustav Karl Firnhaber. – 1904–1927 Friedrich Heinrich Cord Loose. – 1928–1935 Karl Wilhelm Arthur Meyer. – 1936–1964 Ernst Wilhelm Johann Bosse.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 415–416

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1, Nr. 10795–10824 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 851 (Spec. Landeskons.); A 6 7910–7921 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 412 (CB); A 9 Nr. 2225Digitalisat, 2226Digitalisat, 2227Digitalisat, 2228Digitalisat (Visitationen); L 5a, Nr. 362–366 (LSuptur Calenberg-Hoya mit Verden-Hoya und Celle); N 006 (Nachlass Johannes Bosse); S 2 Witt Nr. 05 und 12 (Fotosammlung); S 09 rep. Nr. 2113 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7257 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1674
Trauungen: ab 1674 (Lücken: 1761)
Begräbnisse: ab 1674
Kommunikanten: ab 1732 (Lücken: 1814–1854)
Konfirmationen: ab 1751 (Lücken: 1760–1762, 1768–1792)

Literatur & Links

A: Kirchen KK Stolzenau-Loccum, [S. 15]; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1258–1259; Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 506–510; Gade, Hoya und Diepholz I, S. 456–458 (Holzhausen), ebd. II, S. 250–282 (Stolzenau); Meyer, Pastoren II, S. 415–416; Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 163 (Holzhausen) und S. 191–193 (Stolzenau); Müller, Kirchenbauten, S. 80–82; Müller, Orgeldenkmalpflege, S. 90, 186–187; Peter, Kirchen, S. 14.
B: Heinrich Gade: Geschichte des Fleckens Stolzenau an der Weser, mit Berücksichtigung des Amtes und der Umgegend, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen 36 (1870), S. 235–344 [online]; Ulrich Rokahr: Die Geschichte der Juden in Stolzenau, [Stolzenau] [2015?].
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche, Kirche.


Fußnoten

  1. Hoyer UB I, Nr. 1749; Gade, Geschichte, S. 256 ff.
  2. Hoyer UB I, Nr. 270.
  3. Paravicini, Residenzen, IV,1, S. 691; Gade, Geschichte, S. 267 und 281.
  4. Gade, Geschichte, S. 294 ff., bes. S. 299. Siehe auch Hoyer UB I, Nr. 1749, S. 1046 f.: Burg und Wälle waren 1682 „in einem desolaten Zustande“.
  5. Zum älteren Ort Border in diesem Gebiet vgl. Gade, Geschichte, S. 246 ff.
  6. 1459: Hoyer UB I, Nr. 500 (an der Urkunde befindet sich auch das älteste bekannte Siegel mit der Umschrift: „S[igillum] Bormester un Ra[d] van der Stoltenawe“, Gade, Geschichte, 261; 1520: Hoyer UB I, Nr. 616; 1573: zit. bei Gade, Geschichte, S. 284; 1589: Dienwiebel, Ortszverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 507 (die übrigen sechs waren Diepenau, Steyerberg, Barenburg, Siedenburg, Sulingen und Syke).
  7. Gade, Geschichte, S. 290. Detailliert: Gade, Hoya und Diepholz I, S. 114 ff.
  8. Digitalisat http://digital.slub-dresden.de/id404350887/507, 28.06.2021.
  9. Hoyer UB I, Nr. 213: Holthusen dat geheten Is Repholthusen.
  10. Hoyer UB VI, Nr. 2. Dolle, Klosterbuch III, S. 1069 ff.
  11. Hoyer UB VI, Nr. 52 (vgl. auch ebd., Nr. 54); Holscher, Bisthum Minden, S. 303.
  12. Würdtwein, Subsidia XI, Nr. 1; Holscher, Bisthum Minden, S. 303.
  13. Hoyer UB I, Nr. 1162.
  14. Vgl. zur Reformation in der Gft. Hoya zuletzt Bösche, Holste, S. 75 ff., zu Stolzenau S. 91 f., zur KO S. 115 f. Vgl. zudem Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,2, S. 1122 ff. Zeitgenössische Quellen zur Reformation in der Gft. Hoya fehlen weitgehend; die Kenntnisse stammen überwiegend aus historischen Arbeiten der zweiten Hälfte des 18. Jh., die „urkundlich und archivalisch nicht mehr belegt werden“ können (ebd., S. 1122).
  15. Bösche, Holste, S. 92.
  16. Gade, Geschichte, S. 267 und 272 f.
  17. Gade, Geschichte, S. 272.
  18. Dienwiebel, Ortszverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 507.
  19. Hoyer UB I, Nr. 1744. Zum Folgenden ebd.
  20. Hoyer UB I, Nr. 1745.
  21. LkAH, A 8, Nr. 412, Bl 6v; Gade, Geschichte, S. 314.
  22. Vgl. zum Folgenden Obenaus, Handbuch II, S. 1433 ff., siehe auch Rokahr, passim.
  23. Gade, Geschichte, S. 334.
  24. Zum Folgenden: Müller, Kirchenbauten, S. 80 ff.
  25. Gade, Geschichte, S. 336.
  26. Gade, Geschichte, S. 342.
  27. P. Bosses Nachlass befindet sich im LkAH, vgl. LkAH, N 0006, 23.06.2021.
  28. Obenaus, Handbuch II, S. 1437 f.
  29. KABl. 1951, S. 48.
  30. LkAH, L 5a, Nr. 363 (Visitation 1979).
  31. KABl. 1951, S. 48.
  32. KABl. 1897, S. 24.
  33. Holscher, Bisthum Minden, S. 302.
  34. KABl. 1976, S. 49 f.
  35. KABl. 1926, S. 208.
  36. KABl. 1904, S. 40.
  37. KABl. 1976, S. 49 f.
  38. Dolle, Klosterbuch III, S. 1069 ff.
  39. Kayser, General-Kirchenvisitation II, S. 59: P. Roscamp „ist belehnt vom Grafen von Hoia, als das Jungfrauenkloster Neundorf in esse gewesen, hat dies die Belehnung gehabt.“
  40. LkAH, A 8, Nr. 412, Bl. 6v f.
  41. LkAH, A 8, Nr. 412, Bl. 7r.
  42. Im CB von etwa 1737 ist vermerkt, „der Thurm ist vom Flecken erbauet“; für die Unterahltung der Uhr hingegen war die Kirche zuständig, vgl. LkAH, A 8, Nr. 412, Bl. 8v.
  43. LkAH, A 8, Nr. 412, Bl. 8.
  44. Gade, Hoya und Diepholz II, S. 252: „Die beim Schlagen der Uhr mit den Köpfen zusammenstoßenden Hirche, welche das Zifferblatt der alten Uhr zierten, sind bei der neuen Uhr [1878] nicht wieder angebracht.“
  45. LkAH, A 8, Nr. 412, Bl. 7r.