Sprengel Osnabrück, KK Syke-Hoya | Patrozinium: Mauritius und Victor | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Der 858/865 erstmals erwähnte Flecken (Birxinon) entstand in enger Verbindung mit dem vor 865 gegründeten Kanonissenstift Bassum. Um 1200 erlangte Gf. Heinrich III. von Oldenburg die Vogtei über das Stift und vererbte sie auf die von ihm abstammenden Gf. von Bruchhausen. Bei der Teilung der Gft. im 13. Jh. kam sie an die Linie Altbruchhausen. Gf. Otto V. von Altbruchhausen übertrug die Gft. 1335 seinem Schwiegersohn Nikolaus von Tecklenburg, der sie drei Jahre später an den Gf. Gerhard von Hoya veräußerte. Die Feste Freudenberg wurde zum administrativen Zentrum. Aus der Stiftsvogtei gingen die Vogtei, später das Amt und der Flecken Freudenberg hervor. Mit dem Erlöschen der Gf. von Hoya 1582 fiel der Flecken, aber nicht das Stift Bassum, als Zubehör des Amts Freudenberg als hessisches Lehen heim, wurde von Hessen den Gf. von Bentheim-Tecklenburg-Limburg zu Lehen gegeben, fiel 1700 wieder an Hessen-Kassel und wurde auf dem Wiener Kongress 1815 Hannover zugesprochen. Das Amt Freudenberg ging 1884 überwiegend im Kr. Syke auf. Durch den Zusammenschluss der drei Bürgereien Bassum, Freudenberg und Loge wurde 1896 der Flecken Bassum gebildet, der 1929 Stadtrecht erhielt.
Schon um 800 sollen Kanoniker auf einer Missionsstation in Bassum tätig gewesen sein. Um 858/60 gründete der Bremer Ebf. Ansgar das Bassumer Kanonissenstift, das von der Adeligen Luitgard (vermutlich dem Geschlecht der Udonen) mit Grundbesitz aus ihrem väterlichen Erbe ausgestattet wurde. Luitgard wurde erste Äbtissin das Stifts, das 937 bei der Bestätigung seiner Immunität durch Kg. Otto I. erstmals urkundlich erwähnt1 und unter dem Einfluss klösterlicher Reformbewegungen im 13. Jh. wohl die Benediktinerregel annahm. In einer Urkunde Papst Nikolaus IV. wird das Kloster 1290 offiziell dem Benediktinerorden zugerechnet, wenngleich die Stiftsdamen weiterhin in privaten Unterkünften lebten und über Privatbesitz verfügten.

Kirche, Ansicht von Südosten, 1966

Kirche, Ansicht von Südosten, 1966

Mit der Gründung des Kanonissenstifts wurde die Abhaltung der Messfeiern Wochenpriestern übertragen. Für deren Versorgung wurden vier Kanonikerstellen gebildet, von denen später aber nur noch eine von einer Person geistlichen Standes besetzt werden musste. Eingenommen wurden sie in der Regel von Angehörigen der stiftsnahen Ministerialität bzw. nach der Vereinnahmung des Stifts durch die Gf. von Hoyav im 14. Jh. durch Hoyaer Burgmannen und Gutsherren. 1380 wurde der dienstälteste Stiftsherr als Senior bezeichnet. Er leitete die Stiftskanzlei und war Beichtvater der jeweiligen Äbtissin.
Die Stiftskirche war dem heiligen Viktor geweiht, dessen Gebeine 965 von Ebf. Adalag (amt. 936-988) aus Italien transloziert wurden. Als zweiter Patron trat im 13. Jh. der heilige Mauritius hinzu. Die Stiftskirche war zugleich Pfarrkirche für den Flecken Bassum. Durch einen Vertrag zwischen Propst Volquin und dem Kapitel in Bremen sowie der Äbtissin Agnes von Oldenburg wurde 1317 dem Propst Dietrich Bücken die Seelsorge der Pfarrei zugesichert.2
Ab etwa 1525 breitete sich in der Gft. Hoya die Reformation aus. Das Stift blieb unter der Leitung der aus dem Niederadel der Gft. Hoya entstammenden, altgläubigen Äbtissin Anna Frese zunächst noch kath. und schloss sich erst nach deren Tod 1541 der neuen Lehre an, wenngleich reformatorische Ideen im Ksp. unter dem Einfluss des Priesterkanonikers Klencke schon 1538 an Einfluss gewonnen hatten. Anna Frese stand der Reformation an sich wohl aufgeschlossen gegenüber und soll die Ausbildung des vermutlich aus einer Barenburger Burgmannenfamilie stammenden Christoph Baumgarten als luth. Prediger finanziert haben, versuchte aber in ihrem Beharren auf dem alten Konfessionsstand einer Säkularisierung des Stifts entgegenzuwirken.3 1544 erarbeitete der Lutherschüler Adrian Buxschott eine ev. Klosterordnung für die Gft. Hoya. Als erster luth. Pfarrer wird P. Johann Frisius († 1565) geführt. Wohl gleichzeitig amtierte als Kaplan der frühere Nienburger Mönch Caspar Creutzunger (1549-1580).4 Ihm folgte der bereits genannte Christoph Baumgarten als Stiftsprediger (amt. 1580-1606). Als Erziehungs- und Versorgungsanstalt für adelige Töchter blieb Bassum (im Gegensatz zu anderen Stiften und Klöstern) auch über die Reformationszeit hinaus erhalten. Das bisherige Kanonissenstift wurde in ein freiweltliches adeliges Damenstift umgewandelt. Gf. Jobst I. sicherte seinen Einfluss und die Vereinnahmung der Pfründe durch die Installierung seiner Töchter Margaretha von >Hoya und (nachdem diese 1549 den Gf. Rudolf von Diepholz geheiratet hatte) Anna von Hoya als Äbtissinnen. Unter Anna von Hoya huldigte das Stift 1581 den Welfen. Nach dem Tod des Gf. Otto VIII. von Hoya (1582) erhob Lgf. Wilhelm IV. von Hessen als Oberlehnsherr über das Amt Freudenberg Anspruch auf das Stift, wurde aber von der Äbtissin abgewiesen. Der Stiftsbezirk kam mit dem größeren Teil der Gft. Hoya an die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg und bildete eine Enklave innerhalb des hessischen Territoriums. Die Welfen führten für den Stiftsbezirk zunächst die Wolfenbütteler KO von 1569, ab 1635 die Lüneburger KO ein. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurden Stift und Flecken schwer in Mitleidenschaft gezogen. Kirche und Stift wurden am Himmelfahrtstag 1627 von Soldaten des Gf. Tilly vollständig ausgeraubt. Der Konvent flüchtete nach Delmenhorst. Gestützt auf das Restitutionsedikt von 1629 versuchte Fbf. Franz Wilhelm von Osnabrück, das Stift wieder dem Katholizismus zuzuführen. Er scheiterte aber am Widerstand des Landesherrn Christian von Braunschweig und Lüneburg. Das Stift wurde unter französischer Herrschaft am 18. September 1811 aufgehoben, nach Wiederherstellung der alten Ordnung im Januar 1814 jedoch restituiert. 1842 erhielt es den Charakter einer selbständigen Stiftung. Bassum ist das letzte noch bestehende Kanonissenstift Europas. Die Stiftskirche ging 1932 in den Besitz der KG über. Die Rechtsaufsicht über das Stift wurde 1946/49 vom Regierungspräsidenten auf den Präsidenten der Klosterkammer übertragen.5
Der Charakter des Ksp. war noch bis Ende des 19. Jh. eher ländlich. Der Gründung eines Eisenwerks zur Herstellung landwirtschaftlicher Maschinen (1901) folgen nach dem Zweiten Weltkrieg weitere Betriebe des Maschinenbaus, die das soziale Gefüge nachhaltig veränderten. Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen wuchs die Einwohnerzahl von Bassum stark an und verdoppelte sich auf rund 7.500. Angesichts der veränderten Bedingungen wurde 1956 eine dritte und 1988 eine vierte Pfarrstelle errichtet, zugleich mit letzterer die St.-Katharinen-KG in Neuenkirchen pfarramtlich verbunden.6 Stiftsprediger Frithjof Bestmann, der von 1928 bis 1963 die Pfarre im Osten innehatte, machte sich auch einen Namen als Heimatforscher. Er verfasste zahlreiche Beiträge zur Stiftsgeschichte und gab 1981 die Anregung zur Gründung des Stiftsarchivs.7 Die profilierte Kulturarbeit der KG wird seit 2005 von der Landeskirche und der Hanns-Lilje-Stiftung gesondert gefördert.

Alte Kirche von 1610-12 (1970 abgerissen), Ansicht von Südosten, um 1960

Alte Kirche von 1610-12 (1970 abgerissen), Ansicht von Südosten, um 1960

Seit 1997 gehört zur KG Bassum auch die Dreifaltigkeitskirche in Neubruchhausen. Neubruchhausen entstand um eine im 13. Jh. errichtete Wasserburg der Gf. von Oldenburg-Wildeshausen-Neubruchhausen, die 1384 in den Besitz des Gf. Otto von Hoya gelangte. Eine Burgkapelle gab es wohl schon in vorref. Zeit. Unter Eberhard von Bothmer (Drost in Neubruchhausen 1609-1640, † 1646) wurde 1610/12 eine neue Fachwerkkapelle errichtet, die von den verheerenden Bränden im Ort 1644 und 1674 weitgehend verschont blieb. Sie diente auch als Grablege für Amtsschreiber und andere leitende Beamten in Neubruchhausen (letzte Beisetzung 1836, Oberförster August Wackerhagen).
Seit der zweiten Hälfte des 17. Jh. ist in Neubruchhausen ein eigener Schulmeister nachweisbar (Johann Bartels, † 1670), der auch Lese-GD in der Kapelle hielt. 1663 wurde das erste Schulgebäude errichtet. Während die Schule dem Ksp. Bassum unterstand, war die Kapelle ursprünglich der Parochie Sudwalde zugeordnet. Die Grenze zwischen den Ksp. verlief entlang der alten Hache quer durch den Ort, so dass etwa ein Drittel der Einwohner zu Sudwalde und zwei Drittel zu Bassum gehörten. Die Zugehörigkeit des Amtsschreibers (als höchster Beamter des Amts Neubruchhausen) war umstritten und wurde 1689 durch die fürstliche Kanzlei in Celle dahingehend entschieden, dass die Beamten selbst frei entscheiden können, zu welcher Kirche sie sich halten, ihr Gesinde jedoch nach Sudwalde gehört. Anfang des 20. Jh. gab es Bestrebungen zur Bildung einer KapG. Sie scheiterten aber ebenso wie die Bemühungen um die Berufung eines besonderen Kirchenvorstehers. 1929 wurde die Vermögensauseinandersetzung zwischen Kirche und Schule durchgeführt. 1934 wurde der gesamte Ort nach Sudwalde eingepfarrt.
Die bis dahin fiskalische Kapelle (die nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweilig auch den Katholiken zur Verfügung gestellt wurde) wurde 1957 in das Eigentum der KG Sudwalde übertragen und 1956/58 instandgesetzt. Aus verkehrstechnischen Gründen wurde sie 1970 abgebrochen. Die ursprünglich geplante Umsetzung auf den Wallgarten scheiterte am schlechten Zustand des Ständerwerks. Stattdessen wurde dort ein moderner Neubau errichtet und mit dem Inventar der alten Kapelle ausgestattet. 1990 erhielt Neubruchhausen ein neues Gemeindehaus.8 1997 wurden die Ortsteil Neubruchhausen und Freidorf in die KG Bassum umgegliedert. Die für Neubruchhausen zunächst noch vorgehaltene Pfarrstelle wurde 2000 aufgehoben und Neubruchhausen von Bassum aus betreut. Jetzt (Stand 2015) wird es durch einen Mithilfeauftrag von 25 Prozent aus Sudwalde versorgt, gehört aber rechtlich weiterhin zu Bassum.

Pfarrstellen

I (Pfarre im Westen): vorref. – II: 1549 (errichtet als Kaplanei, 1599 in die Stelle eines Stiftsgeistlichen umgewandelt und seither Pfarre im Osten). – III: 1. April 19569; ab 1. Juli 2008 Pfarrstelle mit eingeschränktem Dienst (Hälfte eines vollen Dienstes).10 – IV: 1. Juli 1988; 1. Dezember 1997 aufgehoben; die bisherige zweite Pfarrstelle der KG Sudwalde wird vierte Pfarrstelle in Bassum11; 1. Dezember 2000 aufgehoben.12

Umfang

Der Umfang des späteren Ksp. geht vielleicht auf den mittelalterlichen Gogerichtsbezirk zurück. Er umfasste den Flecken Bassum, die Dörfer Albringhausen, Apelstedt (mit Pannstedt), Eschenhausen, Hallstedt, Hassel, Groß Hollwedel, Klenkenborstel, Nienhaus, Nienstedt, Osterbinde, Klein Ringmar (mit Lahof), Schorlingbostel (mit Colloge, Lowe und Schulenberg), Wedehorn (mit Klövenhausen), Wichenhausen; Dieck, Dimhausen; Groß Henstedt, Hilken, Klein Hollwedel, Katenkamp, Möhlenhof, Nüstedt, Groß Ringmar, Groß Bramstedt (mit Westermark), Klein Bramstedt, Bünte (mit Windhorst), Fuldenriede und Rollinghausen; den Flecken Neubruchhausen diesseits der Hache. 1891 wurde eine KG Twistringen gebildet (aus den politischen Gemeinden Twistringen, Scharrendorf, Abbenhausen, Mörsen, Altenmarhorst ohne den Hof Ellerhorst sowie Stelle) und mit Bassum pfarramtlich verbunden.13 Mit dem 1. August 1900 wurde die Verbindung gelöst und Twistringen mit eigener Pfarrstelle verselbständigt.14 Am 1. Mai 1908 wurde die zur politischen Gemeinde Jardinghausen gehörige Gemeinde Fuldenriede aus der KG B. in die KG Heiligenfelde umgepfarrt.15 Mit dem 1. Dezember 1997 wurden die luth. Gemeindeglieder in den Gemeindeteilen Freidorf und Neubruchhausen aus der KG Sudwalde in die KG Bassum umgegliedert.16

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Bücken der Erzdiözese Bremen. – Nach Einführung der Reformation im Stift stand Bassum zunächst unter Aufsicht der Suptur. in Stolzenau. Nach der Teilung der Insp. Stolzenau wurde es 1588 der Insp. Sulingen zugewiesen. Da der Suptur. Sulingen nicht nur einer der flächenmäßig größten Bezirke, sondern auch rund 90 Schulen unterstellt waren, wurde die Insp. 1869 geteilt und eine neue Insp. Bassum gebildet, die jedoch bis 1884 von Sulingen aus mit verwaltet wurde. 1884 wurde die Suptur. mit der Pfarre im Westen verbunden. Ihr Aufsichtsbezirk umfasste die beiden Pfarren in Bassum, die KG Harpstedt, Heiligenloh, Neuenkirchen sowie Colnrade (bisher zur Insp. Diepholz), ab 1891 auch Twistringen und ab 1929 Sudwalde. Am 1. Februar 1925 wurden die Bezirkssynodalverbände Weyhe und Bassum zum KK Weyhe-Bassum und durch Verfügung vom 4. Oktober 1934 zum Aufsichtsbezirk und KK Syke mit Sitz in Syke zusammengelegt17 (1. Januar 2001 mit dem KK Hoya zum KK Syke-Hoya vereinigt).

Patronat

Das Stift Bassum (1934 durch Verzicht zugunsten der KG erloschen18).

Kirchenbau – Stiftskirche
Kirche, Grundriss, 1878

Kirche, Grundriss, 1878

Erste hölzerne Anlagen wurden im 10. Jh. durch einen Massivbauten ersetzt. Die heutige Kirche reicht in ihren ältesten Teilen (spätromanischer Chorraum) bis in das erste Viertel des 13. Jh. zurück. Mitte des 13. Jh. entstand eine dreischiffige romanische Backsteinbasilika mit Querschiff, halbrunder Apsis sowie zwei Westtürmen und Vierungsturm. Nach Teilzerstörung durch einen Brand (Fronleichnam 1327) wurde beim Wiederaufbau auf das Westwerk verzichtet. Die übrige Kirche wurde weitgehend in den alten Formen (mit drei quadratischen Jochen im Mittelschiff) wiederhergestellt. Sakristeianbau an der Nordseite des Chors. Die Kirche wurde 1866/69 unter der Leitung von Conrad Wilhelm Hase gründlich renoviert und teilweise umgebaut. Von herausragender Bedeutung ist ein Fußboden aus Hochbrandgips im Chorraum, der durch den Bildhauer Theodor Maßler nach Entwürfen des Kirchenmalers Heinrich Ludger Schröer (Köln) gestaltet und 2013/14 durch die Firma Piepo & Partner (Hannover) restauriert wurde. Gesamtrenovierung 1960/61. Bei der letzteren Maßnahme wurden u. a. die hölzernen Emporen in den Seitenschiffen entfernt. Die Ausmalung des 19. Jh. wurde 1960/71 weiß überstrichen, später jedoch restauriert.

Turm

Quadratischer Vierungsturm mit Pyramidendach.

Kirche, Blick zur Orgel (mit Bänken im Kirchenschiff), um 1920

Kirche, Blick zur Orgel (mit Bänken im Kirchenschiff), um 1920

Grablege

Unter dem Chorraum befand sich früher die Grablege der Äbtissinnen.

Ausstattung

Altar, Kanzel, Taufe, Lesepult und Chorgestühl stammen aus der Zeit der Renovierung unter Conrad Wilhelm Hase, wobei das hölzerne Altarretabel bei einer späteren Renovierung vom Altar entfernt und an der Wand aufgehängt wurde. Kanzel mit Reliefs der vier Evangelisten. Die mittelalterliche Ausstattung ging 1797 (Brand) bzw. bei der Haseschen Renovierung weitgehend verloren. Erhalten ist der Holzkern eines Reliquienschreins des heiligen Viktor (12. Jh., 2013 restauriert). – Grabtumba der Äbtissin Anna Gfn. von Hoya († 1585) im südlichen Querhausarm. – Epitaphe von Äbtissinnen des 17. und 18. Jh., u. a. Eleonora von Estorff († 1769).

Kirche, Blick zur Orgel (mit Stühlen im Kirchenschiff)

Kirche, Blick zur Orgel (mit Stühlen im Kirchenschiff)

Orgel

1866/67 Neubau durch Folkert Becker (Hannover), 23 II/P (HW, HintW), mechanische Traktur, Schleifladen. Die Orgel wurde 1925 im Hinterwerk um die Reg. Salicional und Klarinette ergänzt und 1965/66 durch Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen) umgebaut; 24 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Instandsetzung 1984/85 durch Firma Rudolf von Beckerath (Hamburg).

Geläut

Drei LG, I: es’; II: ges’; III: as’ (alle Bronze, Gj. 1950, Firma F. Otto, Bremen-Hemelingen). – Eine SG in as’’ (Bronze, um 1850; Viertelstundenglocke). – Früherer Bestand: Eine LG von 1450 (gegossen in Bramstedt gegossen19) ging verloren. Um 1879 erhielt die Stiftskirche ein dreiteiliges Geläut in c, es und g der Firma J. J. Radler (Hildesheim). Kriegsverlust.

Kirchenbau – Dreifaltigkeitskirche Neubruchhausen

Moderner Saalbau unter asymmetrischen Satteldach (Bj. 1972). Umlaufendes Fensterband unter dem Dachsims.

Turm

Freistehender Glockenträger.

Altaraufsatz, um 1960

Altaraufsatz, um 1960

Ausstattung

Schnitzaltar mit zweigeschossigem architektonischem Aufbau aus der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock (dat. 1610, gestiftet durch den Drosten Eberhard von Bothmer). Im unteren Bild die Einsetzung des heilige Abendmahls, links flankiert von Johannes dem Täufer, rechts dem Apostel Paulus, außen die Stifterwappen der Familien von Bothmer und von Landesbergen. Darüber in einem tempelartigen Aufsatz Christus mit der Siegesfahne; zu seinen Seiten Maria Magdalena und der Jünger Johannes. Restaurierung 1958 durch Kirchenmaler Hermann Oetken (Delmenhorst). – Freistehende Kanzel mit Bildern der vier Evangelisten. Der Schalldeckel wurde in der neuen Kirche nicht mehr angebracht und befindet sich im Heimatmuseum.20 – Votivtafel mit Akanthusranken und Putten (Anfang 18. Jh.; Text [Joh 3,16] nachträglich verändert).

Orgel

Neubau 1958 durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 3 I/aP, mechanische Traktur, Schleiflade.

Geläut

Eine LG (Bronze, Gj. 1608, Adam Lichtenau; gestiftet durch Hartwig von Badendorff, Drosten in Neubruchhausen). Die Glocke hing ursprünglich in einem separaten Glockenträger, kam 1785 in einen Dachreiter und wurde beim Neubau der Dreifaltigkeitskirche 1973 übernommen.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus I (1845, Umbau 1990). – Pfarrhaus II (1855, Umbau 1988). – Pfarrhaus III (1855; ehemaliges Küsterhaus; Umbau zum Gemeindehaus ist geplant). – Gemeindehaus (1972/73).

Friedhof

In Trägerschaft der KG. Der Gemeindefriedhof im Osten der Kirche wurde 1848 geschlossen und an die Eschenhäuser Straße verlegt; dort später mehrfach erweitert. Die reetgedeckte FKap (Bj. 1951) wurde 1971 durch Brandstiftung zerstört und 1971/72 durch einen funktionalen Neubau Entwurf von Kurt Schulze-Herringen und Erwin Gerding (Osterholz-Scharmbeck) ersetzt. – Neubruchhausen verfügt seit 1905 über einen eigenen (kommunalen) Friedhof (FKap, Bj. 1967).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 696-732 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 52 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 610-622 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 163-165 (Visitationen); D 96 (EphA Syke).

Quelle

Mitteilung Knut Laemmerhirt (Vorsitz des KV) vom 2. September 2015.

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 197-199; Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 43; Gade, Hoya und Diepholz I, S. 181-194.
B: Klaus Bergmann: Kunstschätze in Neubruchhausen. Die Altarleuchter in der Dreifaltigkeitskirche, in: Heimatblätter des Landkreises Diepholz 14 (1991); Frithjof Bestmann: Bassum. Kirche und Stift im Wandel der Zeiten, Bassum 1959; Frithjof Bestmann: Das Stift Bassum im Rahmen der niedersächsischen Kirchengeschichte, bearb. von Nicolaus Heutger, Hildesheim 1972; Frithjof Bestmann: Klage um eine alte Kapelle. Ein Beitrag zur Kirchen- und Schulgeschichte des Fleckens Neubruchhausen, in: Heimatblätter des Landkreises Grafschaft Hoya 4 (1975), S. 94-116; Rudolf Fantini u. a.: Kirche und Stift Bassum, München u. a. 1997, 3. Aufl.; Nicolaus Heutger: Stiftspropst Frithjof Bestmann †, in: Heimatblätter des Landkreises Diepholz 14 (1991); Hermann Mehliß: Geschichte und Beschreibung der Stiftskirche zu Bassum, Hannover 1870; [Sigrun Reimer]: Die Kirchen- und Schulgeschichte des Fleckens Neubruchhausen, o. O. [1985].


Fußnoten

  1. UB Hamburg I, Nr. 31.
  2. Hoyer UB II, Nr. 155.
  3. Neubert-Preine, Rittergüter, S. 359.
  4. Meyer, Pastoren I, S. 70.
  5. Franitza, Klosterfonds, S. 77.
  6. KABl. 1988, S. 79.
  7. Heutger, S. 42.
  8. LkAH, L 5a, Nr. 60 (Bassum, Visitation 1998).
  9. KABl. 1956, S. 21.
  10. KABl. 2008, S. 41.
  11. KABl. 1998, S. 56.
  12. KABl. 2000, S. 261 f.
  13. KABl. 1891, S. 39.
  14. KABl. 1900, S. 117.
  15. KABl. 1908, S. 49.
  16. KABl. 1998, S. 56.
  17. KABl. 1934, S. 158.
  18. Bestmann, Stift Bassum, S. 67.
  19. Bestmann, Stift Bassum, S. 16.
  20. Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 967.