Sprengel Hannover, KK Stolzenau-Loccum, Amtsbereich Stolzenau | Patrozinium: Katharina | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist der Kirchort Rießen erstmals als Risna in einer undatierten Urkunde des Klosters Schinna erwähnt, die Abt Konrad (amt. 1234–1242) ausgestellt hat.1 Nahe des Dorfes ließen vermutlich die Gf. von Hoya Mitte des 13. Jh. die Burg Steyerberg errichten, urkundlich 1259 als Steigerberge belegt.2 Die Burg war in der zweiten Hälfte des 13. Jh. umkämpft (1285 zerstört), später umstritten und seit 1315 im Besitz der Gf. von Hoya (1302 belehnten die Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg die Gf. von Hoya mit der Burg, 1315 verpfändete der Bf. von Minden die Burg an die Gf. von Hoya; Burg 1625 zerstört).3 Wohl in der ersten Hälfte des 15. Jh. verschwand das Dorf Rießen; lediglich Kirche, Pfarrhaus, Schule und Friedhof blieben bestehen. Möglicherweise siedelten sich die Dorfbewohner weiter westlich unmittelbar bei der Burg an.4 Die Kirche Rießen dient als Pfarrkirche der Siedlung Steyerberg, die 1511 als Weichbild und 1520 als Flecken belegt ist.5 1589 zählte der Ort zu den „sieben freyen flecken“ der Obergrafschaft Hoya.6 Steyerberg war Sitz der gleichnamigen Vogtei (später Amt) der Gft. Hoya. Als die Gf. von Hoya 1582 in männlicher Linie ausstarben, fiel ihr Besitz an das welfische Hzm. Braunschweig-Lüneburg (größtenteils an das Fsm. Calenberg-Göttingen, seit 1692 Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. „Kurhannover“).7 Eine Ortsansicht Steyerbergs ist in der „Topographia und Eigentliche Beschreibung Der Vornembsten Stäte, Schlösser auch anderer Plätze und Örter in denen Hertzogthümer[n] Braunschweig und Lüneburg“ aus dem Jahr 1654 überliefert.8 1709 wurde das Amt Steyerberg um die Vogtei Liebenau erweitert. In französischer Zeit gehörte Steyerberg 1810 zunächst kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und war dann bis 1813/14 Teil des Kantons Liebenau im Arrondissement Nienburg des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach war Steyerberg, nun im Kgr. Hannover, zunächst wieder Amtssitz; 1829 wurde das Amt aufgehoben und der Flecken kam zum Amt Stolzenau. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Steyerberg 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam der Ort zum Kr. Stolzenau, der 1932 im Kr. Nienburg/Weser aufging. 1974 wurden Bruchhagen, Deblinghausen, Düdinghausen, Sarninghausen, Sehnsen, Voigtei und Wellie nach Steyerberg eingemeindet. Einen Bahnanschluss erhielt Steyerberg 1910 (Strecke Nienburg–Uchte–Rahden, Personenverkehr bis 1968, Güterverkehr bis 1976, Empfangsgebäude 1978 abgerissen, Güterschuppen 1990/91).9 Um 1812 lebten etwa 640 Menschen in Steyerberg, 1905 rund 1.050, 1950 knapp 3.400 (1.340 Geflüchtete) und 2006 rund 3.000 (nur OT Steyerberg).

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1949

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1949

Ältestes Zeugnis der örtlichen Kirchengeschichte ist ein kapitellförmiges, u. a. mit Tierornamenten verziertes Taufbecken, das vermutlich aus dem Anfang des 13. Jh. stammt. Schriftlich sind in einer undatierten Urkunde Bf. Johanns von Minden (amt. 1243–1253) erstmals ein – namentlich nicht genannter – Priester (sacerdos) und die Kirche (ecclesia) in Rysna nachgewiesen.10 Im Jahr 1275 ist ein Johannes capellanus de Risne als Zeuge in einer Urkunde von Gf. Heinrich II. von Hoya genannt.11 1285/87 inkorporierte Bf. Volkwin von Minden (amt. 1275–1293) die Kirche in Rießen (ecclesiam in Rysne) dem Kloster Schinna; Messen und Amtshandlungen sollte in Zukunft einer der Mönche übernehmen oder ein Priester (per aliquem monachorum suorum sive per secularem presbiterum).12 Vermutlich stammen auch die ältesten Teile der heutigen Kirche etwa aus dieser Zeit.13 Erst aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. liegen weitere Nachrichten vor: Friedrich Balke, ein ehemaliger Laienbruder des Klosters Schinna, musste die Pfarre Rießen, die er unrechtmäßig innehatte, 1467 an Abt Heinrich von Schinna abtreten.14 Neben der Pfarrkirche in Rießen Bestand in vorref. Zeit auch eine (Burg-)Kapelle in Steyerberg.15 Auch nachdem das Dorf Rießen verschwunden war, blieb der Name für Kirche und Pfarre (und später Kirchengemeinde) bis in die zweite Hälfte des 20. Jh. hinein erhalten.
Während der Reformationszeit regierte Gf. Jobst II. den größten Teil der Gft. Hoya; sein Bruder Gf. Erich IV. regierte in den Ämtern Stolzenau und Steyerberg. Etwa gleichzeitig führten die Brüder die luth. Lehre ein: Um 1527 holte Jobst II. den Lutherschüler Adrian Buxschott an seinen Hof, später Pastor in Hoya und erster Sup. der Gft. sowie um 1533 vermutlich Mitautor der ersten Hoyaer KO (Cristlike ordeninghe, yn der karken unser hersschup gestellt). Auch Erich IV. stellte um 1528 mit Nikolaus Krage einen Lutherschüler als Hofprediger in Stolzenau an.16 Einzelheiten zur Entwicklung in Steyerberg und Rießen sind nicht überliefert. Der erste bekannte ev. Geistliche hier war P. Conrad Winkelmann (amt. wohl 1566–1608). 1566 legte er ein Taufregister an („De kinder, so vonn Cunrado Winckelmanno gedofft sintt Anno 1566“).17 1583, nachdem Steyerberg an die Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg gefallen war, belehnte Hzg. Julius von Braunschweig-Lüneburg P. Winkelmann erneut mit der Pfarre Rießen im Amt Steyerberg; er solle „Gottes wortt aus den Prophetischen und Apostolischen schrifften lauter und rein, seinem hochsten vermugh und von Gott verliehenen verstande und gaben nach, treulich und vleißig vortragen“.18 Bei der Visitation 1588 gab P. Winkelmann an, er habe u. a. ein Jahr an der Universität Wittenberg studiert; immatrikuliert hatte er sich dort im Sommersemester 1556 als Conradus Winckelmannus Mindensis.19 In den Protokollen der Visitation ist auch die erstmals 1583 belegte Schule erwähnt: Ein Schulmeister unterrichte in Steyerberg in einer Kapelle.20 Ein Jahr nach der Visitation verfasste P. Winkelmann eine Beschreibung des Kirchspiels, in der er neben den zugehörigen Dörfern auch die Einkünfte des Pastors aufzählte; er resümierte, „dat de pastor ene geringe Parre hefft“ und bat darum, „dat de Parre noch mit etwat möge verbetert werden“.21 Der im Steyerberger Erbregister von 1667 verzeichnete Besitz der Pfarre ist dann tatsächlich deutlich umfangreicher als noch 1589.22

Kirche, Ansicht von Nordosten

Kirche, Ansicht von Nordosten

Während des Dreißigjährigen Krieges zerstörten kaiserliche Truppen 1625/26 Steyerberg teilweise und plünderten den Flecken. Auf Grundlage von Notizen von P. Friedrich Rathsam (amt. 1647–1676) schrieb P. Johann Christoph Ritter (amt. 1785–1833) gut anderthalb Jahrhunderte später, die Kirche sei damals „dergestalt ruiniret, daß die Glocken aus dem Thurm weggenommen, und solche, den Marquetendern zu verkaufen, nach Petershagen sind geführet worden“.23 Einige Bruchstücke konnten Ende der 1630er Jahre dort zurückerworben werden. 1641 erhielt die Kirche eine erste neue Glocke, 1653 eine zweite; 1657 ließ die Gemeinde die Kanzel renovieren und 1660 konnte in Hoya eine Orgel erworben werden.
In der ersten Hälfte des 18. Jh. war die Kirche für die Gemeinde zu klein geworden. Während der Amtszeit von P. Georg Friedrich Schmidt (amt. 1732–1748) entstand 1737 der Fachwerkanbau an der Nordseite, der beim Umbau 1908 noch einmal vergrößert wurde. 1769 folgte der Bau eines neuen Pfarrhauses. Mitte des 18. Jh. lassen sich erstmals jüd. Einwohner in Steyerberg belegen. 1847 lebten hier fünf jüd. Familien, 1861 noch drei. Seit 1843 gehörten sie zur Synagogengemeinde Liebenau.24 P. Johann Christoph Ritter (amt. 1785–1833) engagierte sich für die Einrichtung einer Armenanstalt in Steyerberg. 1804 konnten die Pläne verwirklicht werden: Flecken und Kirchspiel wurden in verschiedene Quartiere eingeteilt, in denen jeweils ein sogenannter Armenvater Spenden sammelte; die Verteilung der Gaben übernahm der Pastor.25
Bis Anfang des 20. Jh. betrieben die Rießener Pastoren noch Landwirtschaft und ein Teil des Pfarrhauses diente als Scheune. 1906 ließ P. Rudolph Johann Friedrich Jacobi (amt. 1906–1916) in dem nun ungenutzten Scheunenteil einen Konfirmandensaal einrichten.26 In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre bildete sich ein Posaunenchor in der Gemeinde.

Kirche, Ansicht von Südosten

Kirche, Ansicht von Südosten

Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Rudolf Conrades (amt. 1926–1934) und P. Friedrich Duensing (amt. 1934–1944, seit 1939 im Kriegsdienst) das Pfarramt Steyerberg inne. P. Conrades war 1932 in die NSDAP eingetreten und stand kirchenpolitisch aufseiten der DC.27 P. Duensing hingegen zählte zu den Gründungsmitgliedern der Landeskirchlichen Sammlung, aus der später die Hannoversche Bekenntnisgemeinschaft hervorging, deren Geschäftsführer er zeitweise war.28 Mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Siedlungsbau in der Nachkriegszeit wuchs die Zahl der Gemeindeglieder deutlich. Gleichzeitig war auch die Zahl der Katholiken gestiegen (1950: 510) und 1962 wurde die kath. Marienkirche eingeweiht. Ebenfalls 1962 erhielt die ev. Katharinen-KG Rießen eine Pfarrvikarstelle (seit 1972 Pfarrstelle) und wurde in zwei Seelsorgebezirke aufgeteilt (Flecken und Land).29 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen den Landeskirchen Sachsens und Hannovers baute die KG Rießen in den 1950er Jahren Kontakte zur sächsischen Kirchgemeinde Lichtenberg im Erzgebirge auf; die Partnerschaft besteht noch heute (2021).30
Nach der Einweihung des neuen Pfarr- und Gemeindehauses in Steyerberg im Jahr 1967 erhielt die Gemeinde mit dem Pfarr- und Gemeindehaus in Deblinghausen 1972/73 ein weiteres Zentrum. Bereits seit 1971/72 fanden neben den sonntäglichen Gottesdiensten in der Katharinenkirche jeweils einmal im Monat Gottesdienste in den kommunalen FKap in Deblinghausen, Düdinghausen, Hesterberg-Mainsche und Voigtei statt (seit 2015 nur noch in Hesterberg-Mainsche und im Gemeindehaus Deblinghausen).31 1973 änderte die Gemeinde ihren Namen von KG Rießen in Katharinen-KG Steyerberg.32 1974 zählte sie rund 4.900 Gemeindeglieder. Nach der Visitation 1986 beschrieb der LSup. des Sprengels Calenberg-Hoya Steyerberg als eine Gemeinde „mit einem festen Kern aufgeschlossener und zur Mitarbeit bereiter und motivierter, einer beachtlichen Zahl ansprechbarer und in den Gemeindegruppen aktivierter und einer großen Mehrheit in volkskirchlicher Unverbindlichkeit abseitsstehender Gemeindeglieder“.33
Im Jahr 2006 gründete sich die „St. Katharinen Stiftung Steyerberg“, die sich dem Zweck verschrieben hat, die kirchliche Arbeit in der KG Steyerberg zu fördern.34 In der Mittelregion des KK Stolzenau-Loccum arbeitet die Gemeinde mit den KG Landesbergen, Leese, Nendorf, Raddestorf, Schinna und Stolzenau zusammen.

Pfarrstellen

I: vorref. – II: 1962 als Pfarrvikarstelle gegründet, 1972 Pfarrstelle. 1997 umgewandelt in eine Dreiviertelstelle, 2019 in eine halbe.35

Umfang

1588/89 bestand das Kirchspiel aus dem Flecken Steyerberg, den Dörfern Deblinghausen, Düdinghausen und Sarnighausen sowie elf Meyer- und acht Kothöfen.36 1821 zudem Bösenhausen, Bruchhagen, Hegeringen, Heide, Hesterberg, Mainsche, Mainschhorn, Reese, Siedenberg, Staken, Stalle, Südholz, Wehrenberg und vier Höfe. Bis 1932 auch die Orte Hasselbusch und Oldenburg sowie die nördlich davon gelegenen Neusiedlungen (dann umgepfarrt nach Kirchdorf).37 2021 Steyerberg sowie die Orte Bösenhausen, Bruchhagen (teilweise), Düdinghausen, Ihlberg, Mainsche, Mainschhorn, Reese, Sarninghausen, Voigtei,

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Lohe der Diözese Minden, seit 1285/87 synodalfrei (in Kloster Schinna inkorporiert).38 – Seit etwa 1560 Insp. Stolzenau. 1589 Insp. Holzhausen, wohl 1602 Suptursitz nach Stolzenau verlegt (Schlossprediger): Insp. Stolzenau, 1924: Aufsichtsbezirk Stolzenau, KK Loccum-Stolzenau. Seit 1. April 1976 KK Stolzenau-Loccum, Amtsbereich Stolzenau.39

Patronat

Ab 1285/87 das Kloster Schinna, wohl seit der Reformation der Landesherr (Gf. von Hoya, ab 1582 Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg; bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Innenansicht, Foto: Ernst Witt, Hannover, nach 1956

Kirche, Innenansicht, Foto: Ernst Witt, Hannover, nach 1956

Dreijochiger, verputzter Backsteinbau mit geradem Ostschluss, späterem Fachwerkanbau an der Nordseite des Mitteljochs und Sakristeianbau an Nordseite des Chors, T-förmiger Grundriss, älteste Teile erbaut vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jh.40 Satteldächer, Anbau im Norden mit Krüppelwalm, Sakristei mit Schleppdach. Strebepfeiler an Schiff und Chor. An Südseite teilweise vermauerter Eingang im Westjoch, darüber kleines Spitzbogenfenster, zweibahniges Fenster mit Dreipassbögen im Mitteljoch, unterhalb zwei kleine Rechteckfenster; dreibahniges Fenster mit Dreipassbögen im Ostjoch. Im Innern Kreuzrippengewölbe in Schiff und Chor, flachgewölbte Decke im Anbau, Anbau ganz zum Schiff geöffnet, Emporen an West-, Nord- und Ostseite des Schiffs sowie an Westseite des Anbaus. Der ursprünglich zweijochige Bau wurde in einer zweiten Bauphase um ein gewölbtes Ostjoch erweitert. Wohl in einer dritten Bauphase West- und Mitteljoch eingewölbt (vorher flache Decke). Vermutlich in vierter Bauphase Sakristei an der Nordseite des Chors angebaut. Um 1507 Turmbau und neue Südfenster. 1737 Fachwerkanbau nördlich des Mitteljochs errichtet und Reparaturen durchgeführt.41 1908 Umbau (Architekt: Eduard Wendebourg, Hannover; u. a. Fachwerkanbau von 1737 verlängert und mit Treppenhaus im Nordwesten versehen; Altar an Südseite verlegt; neuer Eingang durch Turmhalle). 1956 Neuausmalung. 1962 Dachneudeckung. 1966 Empore an Nordseite des Anbaus entfernt. 1996/97 Innenrenovierung. 2008 Außensanierung.

Fenster

Figürlich und ornamental gestaltete Buntglasfenster in der Südwand: dreibahniges Fenster mit Weihnachtsszene und Inschrift: „Gewidmet der Kirchengemeinde Riessen von dem Bürger Heinrich Wohlers aus Steyerberg, Kirchenvorsteher der Gemeinde Riessen von 1899–1925.“, zweibahniges Fenster mit zwei Engelsfiguren; die beiden kleinen Fenster mit Abendmahlssymbolen (Ähren und Weintrauben). Figürliches Buntglasfenster in der Sakristei mit Darstellung der heiligen Katharina.

Grablege

Erbbegräbnis der Familie Münchhausen.

Turm

Westturm mit massivem Unterbau und zwei hölzernen Obergeschossen, erbaut 1507 (Bauinschrift, Dendrodatierung). Vierseitiger, schiefergedeckter Pyramidenhelm, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Hahn, Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Süden. Unterbau verputzt, Obergeschosse vertikal verschalt. Im Glockengeschoss je zwei rechteckige Schallöffnungen nach Norden, Süden und Westen, an der Südseite dazwischen Uhrziffernblatt. Im Erdgeschoss flachbogiges Portal nach Süden, darüber Inschriftenstein „M D VII“ (1507). 1891 neue Turmuhr (J. F. Weule, Bockenem). 1958 Turmdach neu gedeckt. 2008 Außensanierung. 2013/14 Sanierung Turmdach.

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1966

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1966

Ausstattung

Blockaltar, Retabel mit hohem Kruzifix und zwei flankierenden Putten, im Gewölbe oberhalb des Altars Gottesauge im Strahlenkranz; Altar 1908 umgebaut: vorher standen Putten auf Gebälk, das von zwei korinthischen Pfeilern und zwei korinthischen Säulen getragen wurde, zwischen den Putten Gottesauge als Bekrönung. – Hölzerne Kanzel mit Schalldeckel (1737, Tischlermeister Mues, Siedenburg).42 – Reich verzierte, farbig gefasste Holztaufe mit Deckel (1656), vierseitige Bodenplatte mit abgeschrägten Ecken; kurzer, achteckiger Schaft; achteckige Zylindercuppa, Wandungen zweifach kassettiert, Inschriften: „Ernst Werenberg hat diese Tavffe zvm Gedechtnvs seines sel[igen] Sohns Johann so in der See vertrvnken verehret. Renoviert 1908 von den Kindern des Bvrgers Heinrich Wehrenberg zvr Erinnervng an ihren verstorbenen Vater“ und „Wie viel ever getavfet sind sie haben Christvm angezogen zvn. Galater am 3. Cap[itel]. Anno 1656“ (Gal 3,27). – Becken eines romanischen Taufsteins (Anfang 13. Jh.), Kapitellform, verziert mit Kopf- und Tierornamenten; aufgestellt im Turmraum. – Hölzernes Epitaph für Statius von Münchhausen (1582–1646) und seine Ehefrau Agnes Ripperda († 1647). – Grabplatte für Statius von Münchhausen (1582–1646), zeitweise außen an der Kirche, mittlerweile in der Friedhofskapelle. – Frühere Ausstattung: Kanzel (1557), gestiftet von Hilmar von Münchhausen, 1657 renoviert.43 – Grabplatte für P. Friedrich Rathsam (amt. 1647–1673), außen an der Kirche.

Orgel

Neue Orgel 1660 in Hoya erworben.44 Neue Orgel, erbaut 1737/38 von Christian Vater (Hannover), wohl 8 II/–. 1791 repariert, Orgelbauer Küster, 1852 umgebaut und erweitert. 1908 Neubau des Orgelwerks, ausgeführt von P. Furtwängler& Hammer (Hannover), 22 II/P, pneumatische Traktur (Opus 631), Orgel von der Westempore versetzt auf die neue Empore am Nordende des Anbaus.45 Neubau des Orgelwerks 1965/66, ausgeführt von Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2001 Orgel umgebaut von Rudolf Janke (Bovenden), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; Gehäuse (teilweise) und ein Register von 1738 erhalten. Orgel steht seit 1966 auf einem Podest an der Nordseite des Fachwerkanbaus.46

Kirche, Blick zum Altar, vor 1956

Kirche, Blick zum Altar, vor 1956

Geläut

Vier LG, I: a’, Auferstehungsglocke, (Bronze, Gj. 2003, Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher), Inschriften: „Christus spricht: Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Joh 11,25“, „Steyerberg 2003“ und „Mitgestiftet von Heinz Meyersieck, Friedrich Buchholz, Sigrid und Kurt Schmidt, Raphaele und Günter Hopp und den Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern“; II: cʼʼ (Bronze, Gj. 1734, Thomas Rideweg, Hannover), Inschriften: „M[eister] Thomas Rideweg goss mich in Hannover anno 1734“ und „Diese Glocke ist ehedem von dem wohls[eeligen] Landdrosten Staz v[on] Münchhausen geschencket und wieder umgegossen“; III: d’’, Betglocke, (Bronze, Gj. 2003, Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher), Inschriften: „Christus spricht: „Bittet, so wird euch gegeben. Lk 11,9“, „Steyerberg 2003“ und „In Dankbarkeit gestiftet von Gisela, Jens-Uwe und Gerd-Jürgen Gross“; VI: f’’, Taufglocke, (Bronze, Gj. 2003, Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher), Inschriften: „Christus spricht: Gehet hin und macht zu Jüngern alle Völker und tauft sie. Mt 28,19“, „Steyerberg 2003“ und „Gestiftet von Birgit und Kurt Schrader“. Eine SG, (Bronze, Gj. 2012, Karlsruhe), Inschrift: „St. Katharina A[nno] D[omini] 2012“; 2014 nach Turmdachsanierung montiert. – Früherer Bestand: Zwei LG (Bronze), 1625/26 während des Dreißigjährigen Krieges von kaiserlichen Soldaten abgenommen und zum Verkauf zerschlagen; Bruchstücke später zurückerworben. Eine kleine LG (Bronze, Gj. 1641), 1734 umgegossen zu heutiger LG II. Eine große LG (Bronze, Gj. 1653), Inschrift „1653“, Bilder: Blume sowie Wappen Statius von Münchhausen und Agnese von Ripperda, mit Inschriften „St. v. M.“ und „A. v. R.“; 1821 geborsten umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1879, Firma Radler, Hildesheim), im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1917).47 Ersetzt durch eine LG, aʼ (Stahl, Gj. 1923, Bochumer Verein), Inschrift: „Gedenket der Opfer des Weltkrieges 1914–1918. Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unsern Zeiten! Anno Domini 1923“, 2003 durch heutige LG I ersetzt, aufgestellt vor der Südseite der Kirche. Eine SG, bʼʼ (Eisen, Gj. Anfang 20. Jh.), 2013/14 abgenommen und durch Bronzeglocke ersetzt.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarr- und Gemeindehaus (Bj. 1769, als Pfarrhaus erbaut, seit etwa 1970 ungenutzt, ab 1976 vermietet, 2008–10 Umbau und seit 2011 Pfarr- und Gemeindehaus). – Pfarr- und Gemeindehaus Steyerberg (Bj. 1967, nach 2008 verkauft). – Pfarr- und Gemeindehaus Deblinghausen (Bj. 1972/73).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof bei der Kirche in Rießen-Steyerberg, FKap (Bj. 1966). Kommunale Friedhöfe in Deblinghausen, Düdinghausen, Mainsche und Voigtei (1906), jeweils mit FKap.

Liste der Pastoren (bis 1940)
Kirche, Blick zum Altar, nach 1956

Kirche, Blick zum Altar, nach 1956

1566–1608 Conradus Winkelmann. – 1609–1647 Magister Petrus Cossenius. – 1647–1676 Friedrich Rathsam. – 1677–1682 Johann Faes. – 1682–1700 Heinrich Tiedemann. – 1701–1713 Hermann Jansen. – 1714–1723 Stats Friedrich Buchholtz. – 1724–1732 Siegmund Wilhelm Toppius. – 1732–1748 Georg Friedrich Schmidt. – 1749–1784 Georg Sattler. – 1782–1785 Georg Anthon Friedrich Sattler. – 1785–1833 Johann Christoph Ritter. – 1833–1852 Carl Friedrich Paul Kriegk. – 1852–1868 Andreas Friedrich Beer. – 1868–1901 Hermann Friedrich Metzenheim. – 1902–1904 Albert Heinrich Friedrich Matthias Bremer. – 1904–1905 Heinrich Friedrich Konrad Rühmkorf. – 1906–1916 Rudolph Johann Friedrich Jacobi. – 1916–1926 Franz August Karl Erich Seidensticker. – 1926–1934 Rudolph Andreas Wilhelm Conrades. – 1934–1944 Friedrich Wilhelm Heinrich Ernst Duensing.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 308–309

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 9542, 9543, 9549 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 7049–7060 (Pfarrbestallungsakten); L 5a Nr. 358–361, 1333–1334 (LSuptur Calenberg-Hoya mit Verden-Hoya und Celle); N 019 (Nachlass Friedrich Duensing); S 2 Witt Nr. 05, 12 (Fotosammlung); S 09 rep Nr. 2124 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7287 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1566 (Lücken: 1607, 1608, 1738–Juli 1741, 1734–1736, 1738–Juli 1741; unvollständig: 1677, 1731–1733, 1737)
Trauungen: ab 1566 (Lücken: 1610–1646, 1733, 1735–Okt. 1741; unvollständig: 1676, 1699, 1700, 1731, 1732)
Begräbnisse: ab 1566 (Lücken: 1610–1646, 1734–1740; unvollständig: 1676, 1677, 1731–1733, 1741, 1745)
Kommunikanten: ab 1584 (Lücken: 1585–1740, 1813–1839)
Konfirmationen: ab 1786 (Lücken: 1813–1829)

Literatur & Links

A: Kirchen KK Stolzenau-Loccum, [S. 14]; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 206–207, Nr. 282; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1254–1255; Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 464–465 (Rießen) und 503–505 (Steyerberg); Gade, Hoya und Diepholz II, S. 170–175 (Rießen) und 241–248 (Steyerberg); Meyer, Pastoren II, S. 308–309; Müller, Orgeldenkmalpflege, S. 89, 184–185; Peter, Kirchen, S. 12.
B: Die St. Katharinen-Kirche in Steyerberg. Eine kurze Zusammenfassung, hrsg. von der Ev.-luth. Kirchengemeinde Steyerberg, Steyerberg 2005; Stefan Amt & Jens Blume: Die bauliche Entwicklung der St. Katharinen-Kirche in Steyerberg/Rießen, in: Jahrbuch der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte 100 (2002), S. 203–222 [.pdf online]; Friedrich Bomhoff: Steyerberg „ein gar schön und nützlich Haus und Flecklein“, Eystrup 1987; Rudolf Conrades: Von Kaiser Wilhelm bis zur Autolawine. Aus den Tagebüchern eines Landpfarrers, Stadthagen 1980, bes. S. 73–78; Arnold Pieper: Chronik von Steyerberg. Burg, Vogtei, Amt, I. Teil, Sulingen in Hannover 1959; Arnold Pieper: Aus Steyerbergs vergangenen Tagen. Beiträge zur Geschichte des Amtes und Fleckens Steyerberg, Würzburg-Aumühle 1940.
Internet: Familienkunde Niedersachsen: Pastorenliste (.pdf); Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche, Altarraum, Taufe, Epitaph.

Weitere Bilder

Fußnoten

  1. Hoyer UB VII, Nr. 16.
  2. Hoyer UB I, Nr. 20 und 21. Gegenburg gegen die Befestigung Neuhaus des Bf. von Minden, vgl. Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 503.
  3. Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 503; Hoyer UB VIII, Nr. 105.
  4. Vgl. Bomhoff, S. 32; siehe auch Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 464: Rießen bildete „den Fl[ecken] zur Burg Steyerberg, auf den später der Name der Festung überging“.
  5. 1511: Hoyer UB I, Nr. 590; 1520: ebd., Nr. 616.
  6. Dienwiebel, Ortszverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 507 (die übrigen sechs waren Diepenau, Stolzenau, Barenburg, Siedenburg, Sulingen und Syke).
  7. Gade, Geschichte, S. 290. Detailliert: Gade, Hoya und Diepholz I, S. 114 ff.
  8. Digitalisat: http://digital.slub-dresden.de/id404350887/499, 28.06.2021.
  9. Mootz: 100, S. 67.
  10. Hoyer UB VII, Nr. 24.
  11. Cal. UB III, Loccum, Nr. 345; UB Loccum, Nr. 347.
  12. Hoyer UB VII, Nr. 61 und 62.
  13. Zur Baugeschichte: Amt & Blume, S. 203 ff.
  14. Hoyer UB VII, Nr. 183.
  15. Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 504.
  16. Vgl. zur Reformation in der Gft. Hoya zuletzt Bösche, Holste, S. 75 ff., zu Stolzenau S. 91 f., zur KO S. 115 f. Vgl. zudem Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,2, S. 1122 ff. Zeitgenössische Quellen zur Reformation in der Gft. Hoya fehlen weitgehend; die Kenntnisse stammen überwiegend aus historischen Arbeiten der zweiten Hälfte des 18. Jh., die „urkundlich und archivalisch nicht mehr belegt werden“ können (ebd., S. 1122).
  17. Bomhoff, S. 37. Laut Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 465, ist für die Zeit vor 1589 ein P. Johann Eickhoff in Steyerberg genannt; als Quelle gibt Dienwiebel an: NLA HA Celle Br. 72 Nr. 1026, 28.06.2021.
  18. Hoyer UB I, Nr. 1706; vgl. auch Bomhoff, S. 37 f.
  19. Kayser, General-Kirchenvisitation, S. 60; Corpus Inscriptorum Vitebergense, 29.06.2021.
  20. Kayser, General-Kirchenvisitation, S. 61; Bomhoff, S. 43 ff.
  21. Zit. bei Bomhoff, S. 40.
  22. Vgl. Bomhoff, S. 39 f. (u. a. 1589 insgesamt 18 Morgen Ackerland und Weide für vier Kühe und 1667 dann 52 Morgen Land und Weide für acht Kühe).
  23. Zit. bei Pieper, Aus Steyerbergs…, S. 23. Siehe auch Bomhoff, S. 102 f.; Gade, Hoya und Diepholz II, S. 174.
  24. Bomhoff, S. 97 ff. Die letzte Steyerberger jüd. Familie emigrierte während der NS-Zeit nach Amerika. Vgl. auch Obenaus, Handbuch, S. 985 ff. (Artikel Liebenau).
  25. Pieper, Aus Steyerbergs…, S. 102 ff.
  26. Conrades, S. 73 f.
  27. Bomhoff, S. 158. Vgl. auch Conrades, S. 78: In seinen Erinnerungen schreibt P. Conrades, er sei eingetreten, um „dann innerhalb der Partei die Dinge zum Guten“ zu lenken und habe bald „mehr gegen als für die Partei“ gearbeitet (1933 stellte er sich zum Heldengedenktag – heute Volkstrauertag – gegen den Gottesdienstbesuch von SA und SS in Uniform und mit Fahnen; seine Konfirmanden habe er auch nicht zu gunsten des HJ-Dienstes vom Kirchenbesuch befreit). Siehe auch LkAH, S 1 H III, Nr. 714, Bl. 06.
  28. Der Nachlass von P. Duensing befindet sich im LkAH, vgl. LkAH, N 019, 23.06.2021. Siehe auch LkAH, L 5a, Nr. 358 (Visitation 1935). Im Bericht über die Visitation 1942 heißt es zu P. Duensing: „Als Oberleutnant der Reserve eingezogen, ist er inzwischen zum Major aufgerückt und hat sich in den Feldzügen so ausgezeichnet, daß er nicht nur mit dem ‚Eisernen Kreuz‘ beider Klassen, sondern als erster Pfarrer unserer Landeskirche mit dem ‚Deutschen Kreuz in Gold‘ geehrt wurde“, ebd. (Visitation 1942).
  29. KABl. 1962, S. 28.
  30. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  31. Bomhoff, S. 192; LkAH, L 5a, Nr. 359 (Visitation 1974). 2015 führte die Kommune Gebühren für die Nutzung der FKap ein.
  32. LkAH, G 8/Steyerberg Bd. I, Bl. 83 ff. Das neue Siegel für die KG entwarf Ferdy Horrmeyer (Hannover).
  33. LkAH, L 5a, Nr. 360 (Visitation 1986).
  34. KABl. 2007, S. 119.
  35. KABl. 1962, S. 28; KABl. 1972, S. 85 f. (§ 2); KABl. 1997, S. 129.
  36. Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 465; Bomhoff, S. 39.
  37. KABl. 1932, S. 70 f.
  38. Holscher, Bisthum Minden, S. 306.
  39. KABl. 1976, S. 49 f.
  40. Ausführlich zur Baugeschichte: Amt & Blume, S. 203 ff.
  41. Einige Jahre zuvor wurde die benachbarte Kirche in Warmsen in gleichartiger Weise erweitert.
  42. Pieper, Aus Steyerbergs…, S. 107, Anm. 16.
  43. Pieper, Aus Steyerbergs…, S. 24.
  44. Pieper, Aus Steyerbergs…, S. 24.
  45. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 120.
  46. Müller, Orgeldenkmalpflege, S. 184 f.
  47. Pieper, Aus Steyerbergs…, S. 23, Anm. 5, und S. 108, Anm. 18; St. Katharinen-Kirche, S. 14.