Sprengel Osnabrück, KK Syke-Hoya | Patrozinium: Bartholomäus | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Barrien gehörte in ältester Zeit zur Gft. Altbruchhausen und kam mit dieser 1326 in den Besitz der Gf. von Hoya und 1582 unter die Herrschaft der Hzg. von Braunschweig und Lüneburg (Amt Syke). – Seit 1974 Ortsteil der Stadt Syke.

Kirche, Ansicht von Süden, um 1900

Kirche, Ansicht von Süden, um 1900

Die Gründung der Kirche wird auf die Zeit des Bremer Ebf. Libentius II. († 1032) zurückgeführt, der die Verehrung des heiligen Bartholomäus besonders förderte. Nach Foerster reicht sie vielleicht sogar bis ins 9. Jh. zurück (Übertragung des Bartholomäus-Patroziniums auf einen älteren Kirchenbau). Urkundlich erwähnt wird die Kirche erst am 24. Oktober 1273. 1306 gehörte sie dem Bremer Domkapitel.1 1345 wird das kercdorpe tho Beringen genannt.2 Die Reformation wurde in der Gft. Hoya 1525 durch Gf. Jobst II. eingeführt. Neben dem Pfarrer amtierte anfangs noch ein Kaplan. Als erster luth. Geistlicher gilt der aus Bremen stammende P. Walter Dörgeloh. Zur Parochie gehörte bis 1837 auch die Kapelle in Syke.
Von den Pfarrern ist P. Johann Wilhelm Appelius (amt. 1741-1758) besonders zu erwähnen, der seit 1738 Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft zu Göttingen (Sprachgesellschaft der Aufklärung) war.3 Johann Georg Drechsler (amt. 1814-1830) veröffentlichte Beiträge im Hannoverschen Magazin.4 In der NS-Zeit amtierte mit P. Friedrich Lührs (1930-1936) zunächst ein Mitglied der DC und der NSDAP. Sein Nachfolger P. Kurt Behrens (amt. ab 1937) gehörte der BK an und wurde wegen regimekritischer Äußerungen mehrfach verwarnt. Der KV war mehrheitlich kirchlich gesinnt.
Eine Sonderentwicklung nahm nach dem Zweiten Weltkrieg der bäuerliche Gemeindeteil Fahrenhorst. Dort bildete sich unter Flüchtlingsfamilien ein fester kirchlicher Kreis, der sich zunächst in einer Barackenwohnung traf. Wegen des weiten Wegs nach Barrien und der schlechten Verkehrsanbindung ließ die KG 1960/61 eine Kapelle in Fahrenhorst errichten (Heilig-Geist-Kapelle, Einweihung 31. Oktober 1961), zu deren Einzugsbereich auch die Ortschaft Ristedt gehörte. 1982 wurde Fahrenhorst nach Heiligenrode umgegliedert.
Zur Förderung von Kirchenmusik, Kinder- und Jugendarbeit, diakonischen Aufgaben und besonderen kirchengemeindlichen Projekten wurde 2011 eine Kirchenstiftung ins Leben gerufen.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Januar 1961.5

Umfang

Die Dörfer Barrien (mit den Höfen Brockhof, Bülten, Finkenhütte, Fischerei und Hahnenfeld), Fahrenhorst, Feine, Geßel, Leerßen, Oekel (mit den Höfen Falkenburg, Nesemannsbusch, Rohlfsteich und Uhlenwinkel), Osterholz (mit Leuchtenberg), Ristedt, Schnepke, Soerhausen, Steimke und Warwe, die Kolonie Schorlingkamp und die Höfe Hassinghausen, Lindhof und Pennigbeck; der Flecken Syke und die Kolonie Syke. Flecken und Kolonie Syke sowie Steimke, Schnepke und die Höfe Lindhof und Hassinghausen wurden 1837 abgetrennt als Kirchengemeinde Syke verselbständigt. Die im Ortsteil Fahrenhorst der politischen Gemeinde Stuhr wohnhaften Gemeindeglieder wurden mit dem 1. Januar 1982 in die St.-Marien-KG Heiligenrode umgegliedert und dort eine weitere Pfarrstelle errichtet.6

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat der Dompropstei Bremen.7 – Nach der Reformation zur Insp. Stolzenau (1560 nachweisbar), ab 1588 Insp. Sulingen und 1794 zur neu errichteten Insp. (1924: KK) Weyhe. Mit dem 1. Februar 1925 wurden die Bezirkssynodalverbände Weyhe und Bassum zum Kirchenkreisverband Weyhe-Bassum zusammengelegt und durch Verfügung vom 4. Oktober 1934 zum Aufsichtsbezirk und KK Syke mit Sitz in Syke vereinigt8 (seit 1. Januar 2001 KK Syke-Hoya).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, um 1900

Kirche, Blick zum Altar, um 1900

Ursprünglich flachgedeckter, wohl im 14. Jh. zu zwei Jochen eingewölbter, romanischer Feldsteinsaalbau, in den ältesten erhaltenen Teilen vermutlich aus dem späten 12. Jh. Mitte des 14. Jh. wurde die Kirche in Backsteinmauerwerk mit eingezogenem, gerade geschlossenem und kreuzrippengewölbtem Chor und vorgelagertem Westturm erneuert und 1659/65 erneut saniert (Neueinwölbung des Altarraums, Strebepfeiler zur statischen Sicherung). Die Gewölbe im Schiff wurden 1703 durch eine flache Balkendecke ersetzt. 1742 erhielt die Kirche an der Nordseite einen Sakristeianbau.9 Bei einer umfassenden Renovierung wurden 1779 größere Fenster in die Wände des Schiffs und des Chors gebrochen. Spätgotische Deckengemälde des 15. Jh. im Chorgewölbe (Christus als Weltenherrscher). Die 1942 durch eine Luftmine beschädigte Kirche wurde Anfang der 1950er Jahre wiederhergestellt. Die Priechen der adeligen Güter in Okel im Chorraum wurden 1888, die Südprieche (1863) 1964 entfernt. Renovierungen 1887/89, 1954/55 (Erneuerung des Innenraums unter der Leitung von Ernst Witt und Kirchenmaler Hermann Oetken, Delmenhorst) sowie 1985/86 und 1999/2002 (innen).

Turm

Quadratischer Westturm. Turmhalle mit Kreuzgratgewölbe. Früher Satteldach und Giebel an der West- und Ostseite. Seit 1779 pyramidenförmiger Turmhelm, 1901 um Zwerchgauben für die Zifferblätter der Turmuhr ergänzt.

Grablege

Die Kirche war Grablege der Rittergutsbesitzer zu Okel.

Kirche, Blick in den Chor, Foto: Ernst Witt, Hannover, März 1956

Kirche, Blick in den Chor, Foto: Ernst Witt, Hannover, März 1956

Ausstattung

Gemauerter und weiß verputzter Stipes; Sandsteinmensa mit Weihekreuzen und Reliquiengrube. Darauf ein dreigeschossiges barockes Retabel, im Zentrum die Kreuzigung, in der Predella das Heilige Abendmahl, im Giebel die Auferstehung (Gemälde von Cord Ritterhof aus Thedinghausen, 1711). Das Abendmahlsbild wurde Anfang des 20. Jh. durch eine Kopie ersetzt. – Barocke Kanzel mit Schalldeckel, auf den Brüstungen Bilder des Apostels Petrus und der vier Evangelisten (geschnitzt von Arendt Schulze, Leeste, 1660). – Farbig gefasste, achteckige Sandsteintaufe der Barockzeit (gestiftet von Arendt Meyer, Okel, 1660) mit einer Messingtaufschale des 18. Jh. Romanische Basalttaufe mit neuerem Sockel im Turmraum (11./12. Jh.). – An der Empore an der Nordseite Bilder und Bibelworte aus dem AT und NT von Cord Ritterhof (wohl nach italienischen Vorbildern, 1710/11). – In der Turmhalle eine Grabplatte (eventuell der Familie von Hitzfeld zuzuordnen) und zwei barocke Grabsteine des 18. Jh. für den Kaufmann Lüdeke Klauenburg († 1788) und seine Frau Magdalena Eleonore Fuchs († 1793) sowie deren Tochter Anna Margreta Klauenburg († 1792) und ihren Ehemann Albert Hinrich Meyer († 1792). – Opferstock (18. Jh.). – Weltkugelleuchter von Dieter Hische, Bassum (2004).

Orgel, nach 1964

Orgel, nach 1964

Orgel

1863/654 Neubau des Orgelbauers Johann H. Rohdenburg (Lilienthal), 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen (erste Orgel). 1888 Erweiterung um ein zweites Manual durch Johann Martin Schmid (Oldenburg), 13 II/P, mechanische Traktur. 1927 gründliche Überholung durch Firma Rehbock (Oldenburg). 1942 weitere Überholung und Erweiterung auf 17 II/P durch Firma Emil Hammer (Hannover). 1964/66 Umbau durch Hans Wolf (Verden), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Gehäuse und Windladen blieben erhalten. Die Orgel stand bis 1964 auf einer Westempore und wurde im Zuge des Neubaus ebenerdig neben dem Durchgang zur Turmhalle aufgestellt. 1999 Renovierung durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven).

Geläut

Zwei LG in der Kirche, I: es’ (Bronze, Gj. 1957, F. Otto, Bremen-Hemelingen); II: f’ (Bronze, Gj. 1896, F. Otto Bremen-Hemelingen). – Eine SG in as (Gj. vermutlich 1949, J. F. Weule, Bockenem). – In der FKap eine LG in cis’’ (Bronze, Gj. 1960, F. Otto, Bremen-Hemelingen). – Früherer Bestand: Älteste und zunächst wohl einzige Glocke war eine um 1200 gegossene LG in ges’, die 1895 gesprungen ist. In der Zeit nach der Reformation beschaffte die Gemeinde eine weitere (größere) LG und eine SG (außen am Turmhelm), von denen die erstere mehrfach geborsten ist und 1669 (durch Claudius Gage, Bremen), 1693 (Heinrich Brüggermanns/Bringmann, Bremen) und nach 1767 (Johann Philipp Barthels, Bremen) umgegossen wurde. Ein letzter Umguss erfolgte 1865 durch Friedrich Dreyer (Linden/Hannover; in es’. 1917 wurde die Glocke zu Rüstungszwecken abgeliefert. Als 1895 auch die kleinere LG gesprungen war, gab die Gemeinde bei der Glockengießerei F. Otto in Bremen-Hemelingen zwei neue Glocken in Auftrag. Davon wurde die größere (in des’) 1917 ebenfalls abgegeben. 1931 lieferte die Firma Radler (Hildesheim) zwei Glocken in des’ und es’, die im März 1942 ebenfalls abgegeben wurden. Es verblieb nur die heute noch vorhandene kleine f’-LG von 1896, die 1957 um eine zweite LG ergänzt wurde.

Weitere kirchliche Gebäude

Das alte Pfarrhaus ist 1654 niedergebrannt, wobei auch der größte Teil der historischen Urkunden vernichtet wurde. Neubauten 1655, 1784 und 1959. Das Fachwerk-Pfarrhaus von 1784 ist erhalten und dient seit einem Umbau als Gemeindehaus.

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof. 1860/61 an den damaligen Ostrand des Dorfs verlegt. FKap (Bj. 1961). Der alte Begräbnisplatz bei der Kirche wurde 1902 aufgelassen.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 549-580 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 525-534 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 132-134 (Visitationen); D 96 (EphA Syke).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 68 f., Nr. 30; Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 39; Gade, Hoya und Diepholz I, S. 177-180.
B: Heiner Büntemeyer und Rudolf Lüdemann: Die Kirche in Barrien, Syke, 1980; Frank Foerster: Die Kirche in Barrien. Kirchenführer und Chronik der St. Bartholomäuskirche Barrien, Karlsruhe 2010; Gudrun Lueken-Dencker: Pastoren- und Küsterfamilien aus dem Bereich der alten Superintendentur Sulingen 1525-1700, Teil IV: Barrien-Syke, in: Heimatblätter des Landkreises Diepholz 8 (1982), S. 133-142.


Fußnoten

  1. Hodenberg, Stader Copiar, S. 110 f.; Möhlmann, Güterbesitz Domkapitel, S. 71.
  2. Hoyer UB I, Nr. 115.
  3. Rotermund, Das gelehrte Hannover I, S. 50.
  4. Meyer, Pastoren I, S. 62.
  5. KABl. 1961, S. 10.
  6. KABl. 1982, S. 13.
  7. Hodenberg, Stader Copiar, S. 112.
  8. KABl. 1934, S. 158
  9. Amt, Dorfkirchen, S. 10.