Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: Markus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte
Kapelle, Ansicht von Südwesten, 1933 oder 1936

Kapelle, Ansicht von Südwesten, 1933 oder 1936

Bülten (bis 1966 Klein Bülten) ist seit 1971 Ortsteil der Gemeinde Ilsede. Die Ortschaft ist vermutlich seit dem ausgehenden 10. Jh. urkundlich nachweisbar. Der 994 verstorbene Gf. Ekbert aus der Familie der Billunger vermachte dem Bm. Hildesheim u. a. Grundbesitz in Bulthem, das mit Bülten identifiziert wird. 1232 übertrugen die Gf. von Wohldenberg der Hildesheimer Kirche ihre Vogteirechte über eine Villikation in Bülten. Die Unterscheidung in maiori et in minori bultem (Groß und Klein Bülten) findet sich erstmals 1318 in einem Lehnbuch des Hzg. Otto von Braunschweig. Belehnt wurden die Herren von Uetze und die von Schwicheldt mit Grundbesitz in Klein Bülten. Neben dem Bf. von Hildesheim und dem Hzg. von Braunschweig ist auch die Dompropstei im 14. Jh. als Grundherr nachweisbar. Als Teil des Amts Peine unterstand Bülten der Landesherrschaft der Hildesheimer Bf.

Das Dorf bildete früher eine KapG der KG Groß Solschen (Solschen). Die auf das 14. oder 15. Jh. datierte Kapelle ist das älteste erhaltene Bauwerk im Ort. Sie wurde nach Einführung der Reformation für Nachmittagsgottesdienste des Schullehrers und zweimal jährlich für Abendmahlsgottesdienste durch den P. von Groß Solschen genutzt. An den übrigen Sonntagen besuchten die Klein Bültener die Kirche der Muttergemeinde Groß Solschen, nach 1903 aber auch zunehmend die neu erbaute Kirche in Groß Bülten.

Kirche, Außenansicht, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1956

Kirche, Außenansicht, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1956

Die Gründung der Ilseder Hütte (1858), die Aufnahme des Bergbaus (1976 wieder eingestellt) und die allgemeinen Industrialisierung der Region leiteten für das Dorf einen radikalen Wandel ein. 1910 wurde der nahegelegene Gerhardschacht abgeteuft, im Rahmen des nationalsozialistischen Vierjahresplans kam 1937 der Schacht Emilie hinzu. Für die notwendigen Berg- und Industriearbeiter errichtete die Niedersächs. Heimstätte GmbH in den Jahren 1939 bis 1941 auf der nördlichen Bültener Feldmark eine neue Siedlung. Die Einwohnerzahl stieg binnen weniger Jahre von etwa 370 auf über 2.000 anstieg. Die 1948/49 noch einmal instandgesetzte Kapelle bot jedoch nur Raum für rund 70 Personen und erwies sich damit dauerhaft als zu klein.1 An Feiertagen musste die Gemeinde teilweise in die Turnhalle ausweichen. An anderer Stelle im Dorf wurde deshalb 1955/56 – u. a. mit finanzieller Unterstützung der Ilseder Hütte – ein Kirchenneubau errichtet (Architekt: Konsistorialbaumeister Ernst Witt) und am 23. Dezember 1956 von LSup. Detering eingeweiht. Der von der politischen Gemeinde befürwortete Abbruch der alten Kapelle (1964) wurde durch Einwohnerproteste verhindert. Sie blieb erhalten und wurde 1965 der Kommune für kulturelle Veranstaltungen übereignet. Seit den 1990er Jahren finden dort auch wieder gelegentliche GD statt.
Bereits 1950 war in Groß Solschen eine zweite Pfarrstelle mit Sitz in Klein Bülten errichtet worden. Mit dem 1. April 1960 wurde die KapG Klein Bülten in eine KG umgewandelt. Die am 1. September 1954 errichtete zweite Pfarrstelle der KG Groß Solschen ging auf die neue KG über.2 Die bisher zu Groß Solschen gehörigen KapG Klein Solschen und Stedum wurden gleichfalls nach Bülten eingegliedert. 1957 erhielt die Gemeinde ein neues Pfarrhaus. Aus einem Spielkreis heraus entstand 1972 ein kirchlicher KiGa.

Aufsichtsbezirk

Mit Errichtung der KG zum KK Groß Solschen (1. Oktober 1965 Verlegung und Umbenennung in KK Ölsburg, 1. Januar 1999 im KK Peine aufgegangen).

Kapellenbau
Kapelle, Altar

Kapelle, Altar

Schlichter rechteckiger Bau aus Bruchsteinmauerwerk, im Kern spätmittelalterlich (14./15. Jh.), 1690/92 durch den Zimmermeister Berent Clages Vogdes grundlegend renoviert und vermutlich vergrößert. Die Fenster wurden 1785 vergrößert. Ein Teil der Nordseite wurde im 19. Jh. in Backstein erneuert. Dach im Osten abgewalmt. Westgiebel und darüber sitzender Dachreiter in Fachwerk mit Backsteinausfachung. Im Innern wurden Weihekreuze aus vorref. Zeit freigelegt.

Geläut

Eine LG in c’’ (Bronze, Gj. 1734, Johann Christian Kreidteweiß, Braunschweig; Umguss aus einer älteren Glocke).

Kirchenbau – Markuskirche
Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1956

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1956

Nicht geosteter, flachgedeckter Saalbau mit Orgelempore (1955/56). Ein Gemeindesaal (Konfirmandenraum) wurde in den Bau integriert und kann zum Schiff hin geöffnet werden. An den Gemeindesaal wurde 1988 zusätzlich ein Jugendraum angebaut.

Turm

Turm unter Satteldach an der südlichen Ecke in die Fassade einbezogen.

Ausstattung

Hölzerner Altartisch mit einem Triptychon des Goldschmiedemeisters Bolze (Bremen), im Mittelbild das heilige Abendmahl, auf den Flügeln die vier Evangelisten. Über dem Altar ein hängendes Kruzifix aus Kupfer, ebenfalls von Bolze.

Orgel, 1974

Orgel, 1974

Orgel

Neubau 1962 durch Firma Hermann Hillebrand (Hannover) 14 (16) II/P (HW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen. 1988 Ergänzung der beiden noch fehlenden Reg. Trompete 8’ und Krummhorn 8’ zu 16 II/P. 2012/13 Instandsetzung durch die Orgelbauwerkstatt Christoph Grefe (Ilsede).

Geläut

Drei LG, I: fis’, II: a’, III: h’ (alle Stahl, Gj. 1956, Bochumer Verein; gestiftet von der politischen Gemeinde Klein Bülten).

Friedhof

Ehemaliger Begräbnisplatz bei der Kapelle. Ein eigener Bereich für die Einwohner von Klein Bülten befand sich auch auf dem Friedhof der Muttergemeinde Groß Solschen. Vor 1856/57 Neuanlage am südlichen Ortsausgang. 1905 an die politische Gemeinde Klein Bülten verkauft, 1906 und 1938 erweitert. Jetzt in Eigentum und Verwaltung der Gemeinde Ilsede.

Literatur

B: Heimat- und Bergbauverein Klein Bülten von 1997 e.V. (Hg.): Bulthen, Luttken Bulten, Klein Bülten. Die Geschichte des Dorfes Bülten, Braunschweig, 2004.


Fußnoten

  1. LkAH, B 2 G 9/Solschen, Bl. 9b (Visitation in Gr. Solschen 1955. Niederschrift über die Verhandlungen mit dem Kirchenvorstand betr. Beschaffenheit der kirchl. Gebäude).
  2. KABl. 1960, S. 67.