Sprengel Osnabrück, KK Grafschaft Diepholz | Patrozinium: Heiliges Kreuz | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Barenburg entstand als Wohnplatz im Umfeld der 1285 erstmals erwähnten, gleichnamigen Burg, die den Mittelpunkt eines Vogteibezirks bildete.1 Als 1338 Gf. Nikolaus von Tecklenburg die Herrschaft Altbruchhausen an die Gf. Gerhard III. und Johann II. von Hoya verkaufte, ging auch dat hus to dher Barenborch in den Besitzer Hoyer Gf. über.2 Der Ort erhielt um 1450 Fleckensrechte. Seit 1530 war er an wechselnde Besitzer verpfändet. Die Herrschaft über das aus dem Vogteibezirk hervorgegangene Amt fiel mit dem Erlöschen des Grafenhauses 1582 an die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg. Das ohnehin verfallene Schloss wurde 1706 durch einen Brand zerstört. Seither wurde das Amt Barenburg von Ehrenburg aus mitverwaltet.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, Foto: Ernst Witt, Hannover, Oktober 1951

Kirche, Ansicht von Nordwesten, Foto: Ernst Witt, Hannover, Oktober 1951

Im Laufe des 12. Jh. wurde über einer Heilquelle in Barenburg eine kleine Kapelle (Heilig-Kreuz-Kapelle) errichtet, an deren Stelle später eine Eigenkirche der Gf. von Hoya entstand. Ihre Gründung ist wohl im Zusammenhang mit dem Burg- bzw. Schlossbau zu sehen. 1368 wurde sie vom Gf. Johann dotiert, der zugleich den von ihm mit der Kapelle in Barenburg belehnten Kaplan Borchard Unverwehrt zum Schlossgeistlichen ernannte.3 Um 1450 wurde die Kapelle (die sich wegen der Heilquelle auch zum Wallfahrtsort entwickelte hatte) zur Pfarrkirche erhoben. Einen eigenen Geistlichen erhielt sie vermutlich erst mit Einführung der Reformation (1525 durch Jobst II.). Seit 1526 amt. P. Werner Kübbecke (bis 1568). Sein Nachfolger Markus Backhaus (amt. bis 1615) unterschrieb 1580 die Konkordienformel. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Pfarrhaus niedergebrannt und die Kirche beschädigt (1626). Während letztere schon bis 1652 instandgesetzt und eingeweiht wurde, wurde ein neues Pfarrhaus erst 1666 errichtet (weiterer Neubau 1886). Eine Schule ist ebenfalls erst nach dem Dreißigjährigen Krieg nachweisbar. 1650 wird der Küster Hermann Karstens als Schulmeister genannt. Seit 1789 unterrichteten in Barenburg seminaristisch ausgebildete Lehrer. Wegen Baufälligkeit wurde das Schulgebäude 1811 durch einen Neubau ersetzt (1866 nach Brand erneuert, 1893 erweitert, 1958 nach einem weiteren Neubau abgerissen). 1893 erfolgte die Einrichtung einer dreiklassigen Schule.
1964 wurde ein neues Pfarrhaus errichtet (Architekt: Strunck, Diepholz), der Altbau von 1886 wurde 1966 abgerissen. Für Gemeindeveranstaltungen wurde seit 1935 das Schulgebäude genutzt. Nach der Kündigung durch die politische Gemeinde errichtete die KG 1970 ein eigenes Gemeindehaus.
Zum 1. Juli 2000 wurde die KG Barenburg mit der KG Sulingen pfarramtlich verbunden.4

Umfang

Der Flecken Barenburg und das einzelne Haus Pascheburg (1823), früher auch das Gut Borgstedt, das noch 1615 eigene Kirchenstände in Barenburg hatte.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat der Dompropstei Minden (Diözese Minden) oder Archidiakonat Lohe5. – Mit Einführung der Hoyaer KO 1581 zur Insp. Stolzenau. Bei der Neuordnung der Aufsichtsbezirke 1589 Insp. Holzhausen (1602 nach Stolzenau verlegt), ab 1796 Insp. (1924: KK) Sulingen. Mit Aufhebung des KK Sulingen am 1. Januar 1969 in den KK Grafschaft Diepholz überführt.

Patronat

Die Gf. von Hoya (der Landesherr, bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1949

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1949

Ursprünglich wohl ein einfacher, flachgedeckter Feldsteinbau mit halbrunder Apsis im Osten, der im 13. Jh. erneuert und eingewölbt wurde; im 14. Jh. zur vierjochigen gotische Saalkirche mit geradem Ostschluss erweitert. Die Außenwände bestehen aus verputztem Ziegelmauerwerk. Reste des ersten Baus (wohl frühes 13. Jh.) sind im südlichen und westlichen Teil des Mauerwerks erhalten. Im 18. Jh. wurde die östlich angeschlossene Sakristei errichtet. Gewölbemalereien in den beiden östlichen Jochen (Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, um 1500; in der Reformationszeit übertüncht und 1898 von R. Herkenhoff (Hannover) freigelegt und überarbeitet). 1734/49 Sicherung der Kirche durch Stützpfeiler im Süden. 1861 Sanierung mit Vergrößerung von Fenstern und Türen. Einbau einer Empore. Der vermauerte Nordeingang der Kirche wurde 1952 wieder geöffnet. 1966/69 Renovierung.

Turm

Der alte hölzerne Kirchturm musste 1950 einem Ausbau der Bundesstraße weichen. Ein durch eine Vorhalle mit dem Schiff verbundener Neubau wurde 1952 nördlich davon nach einem Entwurf von Prof. Ernst Witt errichtet. Schlichter, verputzter Turm mit ins Achteck überführtem, kupferverkleidetem Spitzhelm. Das Turmuntergeschoss wurde bis zum Bau einer FKap auch als Leichenkammer genutzt.

Ausstattung

Dreigeschossiges barockes Altarretabel (Mitte 18. Jh.), in der Predella das Abendmahl, darüber der Gekreuzigte, oben der Auferstandene). – Farbig gefasste Kanzel im Renaissance-Stil (1668, gestiftet von Jobst von Weihe und Catharina von der Hude) mit Evangelistenfiguren. – Gedrungener kelchförmiger Taufstein mit Wappen der Gf. von Hoya (1485, Schaft ergänzt). – Messingleuchter (1698).

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1951

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1951

Orgel

Das Konsistorium in Hannover genehmigte 1776 den Bau einer Orgel, die wohl die erste in der Kirche war.6 Der Prospekt des heutigen Instruments wird auf die Zeit um 1800 datiert. Neubau des Werks 1910, eventuell von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 8 II/P, pneumatische Traktur. 1962 Neubau als hinterspieliges Brüstungspositiv durch Firma Hans Wolf (Verden), Disposition von KMD Alfred Hoppe, 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1993 Instandsetzung durch Firma Emil Hammer (Arnum).

Geläut

Zwei LG, I: b’ (Bronze, Gj. 1950, F. Otto, Bremen-Hemelingen; Umguss aus einer älteren Glocke von 1685, Diederich Harms, Minden); II: des’’ (Bronze, Gj. 1970, Karlsruher Glockengießerei; Ankauf aus dem Lagerbestand der Gießerei 1972). – Früherer Bestand II: des’’ (Eisenhartguss, Gj. 1951, J. F. Weule, Bockenem; 1972 wegen Beschädigung ersetzt und neben der Kirche aufgestellt).

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof (mit einigen erhaltenen historischen Grabdenkmälern). Wegen Platzmangels wurde der Begräbnisplatz nördlich vor dem Ort zwischen Barenburg und Munterburg (jetzt Henry-Kaufmann-Straße) neu angelegt und 1866 in Benutzung genommen. 1959 erweitert. Eigentum der KG. FKap (Bj. 1968, Architekt: Günter Müller-Bremen, gestiftet durch den gebürtigen Barenburger Henry Kaufmann) in Eigentum der politischen Gemeinde.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 502-511 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 482-491 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 121-125 (Visitationen); D 30 (EphA Sulingen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 188; Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 32; Gade, Hoya und Diepholz I, S. 167-175; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 145 f.
B: Arbeitsgruppe Chronik Barenburg (Hg.): Flecken Barenburg. Im Wandel der Zeit, [Barenburg 1997]; Gotthard Gehrold: Geschichte von Barenburg, [Sulingen] 1897, ND Liebenau 1983; Helmut Hark: Geschichte des Fleckens und der Kirchengemeinde Barenburg, Sulingen 1970.


Fußnoten

  1. Neubert-Preine, Rittergüter, S. 32 f.
  2. Hoyer UB I, Nr. 88.
  3. Urkunde gedruckt in: ZGNK 1 (1896), S. 227-229.
  4. KABl. 2000, 124 f.
  5. Lohe nach Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 176 mit Fragezeichen.
  6. LkAH, D 30 Rep. Spec. Barenburg 5131.