Sprengel Stade, KK Cuxhaven-Hadeln | Patrozinium: Nikolaus | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Die Geestrandsiedlung Cadenberge wird 1146 erstmals erwähnt und war seit dem Mittelalter Marktort und Zentrum eines größeren Ksp., das auch die Siedlungen Voigtding und Wingst umfasste. Der Bau einer eigenen Kirche dürfte in die Amtszeit des Bremer Ebf. Hartwig II. um 1200 zu datieren sein. Zuvor waren Cadenberge und die zugehörigen Ortschaften nach Lamstedt und Geversdorf eingepfarrt. Die Kirche erscheint um 1319 in einem Einnahmeverzeichnis des päpstlichen Kollektors Jacob de Rota.1 In der Gründungsurkunde der St.-Nicolai-Vikarie im erzbischöflichen Hof zu Stade wird 1337 als Testamentsvollstrecker u. a. Gerhard rector ecclesie in Kadenberge genannt.2 1495 war Mauritius Dyngworden rector ecclesiae in Cadenberge und Mitstifter einer Kommende in der Pfarrkirche St. Wilhadi in Stade.3 1514 wurde der Bremer Kleriker Hermann Viege als Pfarrer eingeführt, nachdem der bisherige Amtsinhaber, Johannes Storbecke, dem Deutschen Orden beigetreten war. Pfarrer Albert Westorp sowie die Juraten Barthold Poppe und Marquard Schomaker stifteten 1539 die Vikarie SS. Annae et Catharinae. Mit Westorps Wechsel zum luth. Bekenntnis wurde in Cadenberge die Reformation eingeführt. Weitere luth. P. waren Johann Bapst († wohl 1582), Joachim Eilers (1582/83), Samuel Melchow (1573 Vikar, 1584- um 1597 P.). Von den ehemals zwei Vikarien war nur noch die des St.-Annen- und Katharinen-Lehens besetzt, die 1757 zu einer zweiten Pfarrstelle (für den Gemeindeteil Wingst) aufgewertet wurde.
Die KG stand im ausgehenden 19. Jh. unter dem Einfluss der Erweckungsbewegung. In Cadenberge und Wingst-Dobrock fanden Lutherfestspiele des Luthervereins statt. Der Wingster Fahlenberg („Olymp“) war Veranstaltungsort für die Kr.-Missionsfeste. Angeregt hierdurch gründete sich 1894 der Posaunenchor Grift-Westerhamm als ältester noch bestehender Kreis der KG.
Am 1. Oktober 1937 wurde Cadenberge Suptur.-Sitz des vergrößerten KK An der Oste. Das Ephoralamt wurde mit der ersten Pfarrstelle verbunden.4 Zum Aufsichtsbezirk gehörten die KG des ehemaligen Aufsichtsbezirks Neuhaus an der Oste: Belum, Bülkau, Cadenberge, Geversdorf, Kehdingbruch, Neuhaus, Oberndorf und Oppeln, die bisher zum KK Stade gehörenden KG Basbeck, Hechthausen, Osten und Warstede sowie die bisher zum KK Bremervörde gehörende KG Lamstedt. Am 1. Juli 1959 wurde in Cadenberge ein Kreiskirchenamt eröffnet. Als 1977 die KK An der Oste und Land Hadeln zum neuen KK Land Hadeln zusammengeschlossen wurden, wurde in Cadenberge wegen der gewachsenen Aufgaben eine dritte Pfarrstelle errichtet. Seit dem 1. Juli 1982 ist Cadenberge mit der St.-Georg-KG in Kehdingbruch pfarramtlich verbunden.5 Bis 1. Juli 2009 war auch Geversdorf in die Verbindung mit einbezogen. Seit Januar 2019 gehört die KG Cadenberge zur Gesamtkirchengemeinde Am Dobrock; sie besteht weiter als Ortskirchengemeinde.6
Eine gesonderte Entwicklung nahm nach dem Zweiten Weltkrieg die Arbeit im Gemeindeteil Wingst. Schon 1945 pachtete die KG eine ehemalige Jugendherberge im Ortsteil Wingst-Dobrock. Der Bau eines Gemeindehauses in Wingst-Ellerbruch (Planungen 1951/52) kam nicht zustande, stattdessen wurde 1956/57 ein Gemeindezentrum in Wingst-Westerhamm errichtet (Bugenhagenhaus, Einweihung 23. Juni 1957). In Wingst-Dobrock wurde 1989/90 ein weiteres Gemeindehaus (St.-Michaelis-Haus) errichtet. Als diakonische Einrichtung verfügt die KG über einen KiGa (seit 2008 KiTa). Zur Förderung kirchlicher und diakonischer Aufgaben wurde 2008 eine Stiftung (St.-Nicolai-Stiftung) gegründet. Ein Förderverein unterstützt die Schaffung einer hauptamtlichen Stelle für die Kinder- und Jugendarbeit.
Die KG pflegt Partnerschaften zu den Gemeinden in Deutschneudorf/Deutscheinsiedel (Cadenberge) und Pfaffroda/Halbach (Wingst).

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1548 (als Vikariat)/1757. – III: 1. Januar 19777; später wieder aufgehoben.

Umfang

Das Ksp. umfasste neben Cadenberge auch die Gemeinde Wingst mit Voigtding, aber ohne den Ortsteil Oppeln. Zwischen 1511 und 1558 schenkte der Bremer Ebf. Christoph der Kirche in Cadenberge das Ostermoor zur Einrichtung von Meierstellen. 1823 gehörten zum Pfarrsprengel der Flecken Cadenberge die Dorfschaften auf dem Berge, Dobrock, Ellerbruch, Fünfhausendorf, Grift, Höftgrube, Klotzen, Langenstraße, Ostermoor, Ostermoor im Voigtding, Ostercadewisch, Schuhstraße, Sandberg, Westercadewisch, Weißenmoor, Westerhamm und Wingst, die Landgüter Cadenberge und Cadewisch, die Höfe Altenfluth, Altenfluth im Wingst-Distrikt, Altkehdingen, Bargkamp, am Balgsee, Bovenmoor, Bullenwinkel, vor dem Baum, Bösenhörne, Bösenhörne im Voigtding, vor dem Dobrock, am Dobrock, Freesenmoor, Fahlenberg, Freienhof, Gatjensohren, in der Heide, auf der Hoyden, Höftgrube, Hermannsthal, im Holze, vor dem Krayenhölter Moor, Kleverberg, beim Kleverberge, Krummbusch, Kriegerkuhle, Klind, Langenstraße zur Wingst, Langenfelde, Moorwettern, am Moorwege, Müggenberg, Neuendeich, Oppeler Zollbaum, Portshemm, Quetschenhagen, Schenkel, beim Stege, Sumpf, vor dem Seemoor, Süderbusch, beim Süderbusch, Sothgrift, Süderhörne, Spleeth, Voßverge, vor der Westercadewisch, Wassermühle, Westerhammer Moor, Westermoor.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Dompropstes. – Unter schwedischer Herrschaft (Kons. Stade ab 1651) zur Präpositur Neuhaus; mit der Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden ab 1. Januar 1827 Insp. (1924: KK) Neuhaus/Oste, ab 1. Oktober 1937 KK An der Oste mit Sitz in Cadenberge. Cadenberge blieb auch nach der Zusammenlegung des KK An der Oste mit dem KK Land Hadeln (1. Januar 1977) zum neuen KK Land Hadeln Sitz der Suptur. Seit 1. Januar 2013 zum KK Cuxhaven-Hadeln.

Patronat

Erste Pfarrstelle: Der Bremer Dompropst8, nach dem Übergang unter schwedischer Herrschaft die Gf. Königsmarck, dann der Landesherr. – Zweite Pfarrstelle (Vikariat): Die Gemeinde. Die Pfarrerwahl erfolgte bis 1938 nach Feuerstellen (Wegfall durch Verordnung der Kirchenregierung betreffend die Aufhebung besonderer Besetzungsrechte 25. Oktober 1938), seither nach dem Pfarrerwahlgesetz von 1870.9

Kirchenbau

Das im alten Ortsmittelpunkt an der Ostseite der Cuxhavener Straße gelegene KGb aus der Gründungszeit erhielt um die Wende vom 15. zum 16. Jh. einen neuen Chorraum mit 3/10-Schluss. Das Schiff wurde 1742/50 abgebrochen und nach Plänen des Baumeisters C. Goetze auf den Grundmauern des Vorgängerbaus als fünfachsige Saalkirche (jeweils ein Portal in der Mittelachse) mit flachem, polygonalem Abschluss neu errichtet. Segmentbogige Sprossenfenster. Dach mit Krüppelwalm im Westen. Hölzerne Segmentbogentonne über dem Innenraum. Gestühl, Emporen und Gutsprieche stammen aus der Erbauungszeit. Renovierung 1962/65.

Turm

Freistehender, hölzerner Turm vor der Westwand.1720/23 erneuert.

Grablege

Unter der Kirche befindet sich das Erbbegräbnis der Familie Bremer auf Cadenberge; beigesetzt wurden dort u. a. Diederich Bremer, Erbherr auf Cadenberge und Bentwisch (1696), Georg Diederich Bremer, Erbherr zum Dobrock (1753), Georg August von Estorf, Erbherr zu Cadenberge, und der Staats- und Kabinettminister Friedrich Franz Dietrich Bremer (1836). Die letzte Beisetzung war 1892.

Ausstattung

Kanzelaltar mit Pilasterrahmung und reich verkröpftem Gebälk (Ende 18. Jh.). – Die alte Bronzetaufe von 1573 wurde 1805 nach Hamburg verkauft und seither eine Taufschale auf dem Altar genutzt. 1965 erhielt die KG als Stiftung aus einer Antiquitätenhandlung in Freiburg i. Br. einen von vier Säulen getragenen, reich verzierten, quadratischen Taufstein aus oberitalienischem Sandstein (Anfang 17. Jh., Deckel aus Kupfer 1965 neu gestaltet).

Orgel

1642 stiften die Brüder Bendix und Dietrich Bremer 150 Reichstaler für eine Orgel (erbaut 1643/44, Orgelbauer und Disposition unbekannt. Neues Werk 1692 von Johann Werner Klapmeyer (Krempe/Glückstadt), 12 II/aP (HW, BW), der wohl erste selbständige Orgelbau eines früheren Gesellen von Arp Schnitger. Beim Abbruch der alten Kirche wurde die Orgel abgebaut, der weitere Verbleib ist unbekannt. Für die neue Kirche begann der Orgelbauer Jacob Albrecht (Lamstedt/Stade) mit einem barocken Neubau, der 1754 zunächst unvollendet liegen blieb. Fortgeführt wurde er durch Johann Hinrich Klapmeyer, der während des Baus im November 1757 starb. Abschluss der Arbeiten durch Dietrich Christoph Gloger (Stade): II/P (HW, BW), ursprünglich 27 klingende Stimmen. 1810 größere Reparatur durch die Stader Orgelbauer Wilhelmy, ab 1867 mehrfach Umbauten. 1935/36 Versuch der Wiederherstellung des ursprünglichen Klangbilds durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1969/71 Rekonstruktion der ursprünglichen Struktur und Disposition durch die Orgelbauwerkstatt Rudolf Janke (Bovenden). Denkmalorgel.10

Geläut

Zwei LG, I: g’ (Bronze, Gj. 1732, Caspar König, Danzig, Umguss aus einer älteren Glocke); II: as’ (Bronze, Gj. 1698, Christoph Haupner, Stade). – Eine SG: e’’ (Eisen, Gj. 1950, J. F. Weule, Bockenem). – Eine weitere LG in der FKap: f’’ (Bronze, Gj. 1961). – Eine LG im Bugenhagenhaus in Wingst-Westerhamm: as’’ (Bronze, Gj. 1957, Gebrüder Rincker, Sinn); Eine LG im St.-Michaelis-Haus in Wingst-Dobrock in c’’ (Bronze, Gj. 1991, Gebrüder Rincker, Sinn) – Früherer Bestand: Eine SG (Bronze, Gj. 1842, L. Kovatsay, Walsrode) wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus I (ehemalige Suptur.), erbaut 1830 als Pastorenbauernhaus und 1959 um einen Gemeindesaal im ehemaligen Wirtschaftsteil erweitert. Nach Aufgabe des Suptur.-Sitzes (2013) abgerissen. – Pfarrhaus II (Bj. 1826), wurde 1861 durch die Pfarre angekauft. 1965 wurde an seiner Stelle ein Jugendheim mit Amtsträgerwohnung (Bj. 1967) errichtet.

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche, wo wenige Grabsteine des 17./18. Jh. erhalten sind. 1891 wurde der Friedhof auf dem Kirchhof geschlossen und ein neuer Begräbnisplatz an der jetzigen B 73 angelegt. FKap (Bj. 1961). – Ein weiterer kirchlicher Friedhof befindet sich im Wingst-Geestberg. Kommunale Friedhöfe in Wingst-Weißenmoor (1833), Grift (1871), Westerhamm (1872) und Dobrock (1879).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 345-358 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 654, 656, 658 u. 660 (Spec. Landeskons.); A 8 (CB, unter Kadenberge); A 9 Nr. 2618-2619 (Visitationen); B 18 Nr. 94 u. 370 (Orgelsachverständiger); D 55b (EphA An der Oste); D 55 c (EphA Land Hadeln).

Literatur

A: Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 128-130; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 337.
B: Festschrift zur Weihe der restaurierten Denkmalorgel in Cadenberge am 12. September 1971; Uwe Pape: Die Orgel der Ev.-luth. Kirche in Cadenberge, Berlin 1984; Kai Rudl: Chronik der KG Cadenberge, in: 850 Jahre Cadenberge, [Cadenberge 1998], S. 80-144.


Fußnoten

  1. Regesten Ebf. Bremen II,2, Nr. 793.
  2. Regesten Ebf. Bremen II,2, Nr. 596; UB St. Georg Stade, Nr. 106.
  3. UB St. Georg Stade, Nr. 489.
  4. KABl. 1937, S. 165 f.
  5. KABl. 1982, S. 95.
  6. KABl. 2018, S. 128 ff.
  7. KABl. 1976, S. 205.
  8. Hodenberg, Stader Copiar, S. 79.
  9. LkAH, B 2 K 1/An der Oste I, Bl. 5.
  10. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).