Sprengel Stade, KK Cuxhaven-Hadeln | Patrozinium: Vitus | KO: Hadeler KO von 1542

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südosten, 1948

Kirche, Ansicht von Südosten, 1948

Dorf im Land Hadeln, auf einer Warft im Marschenbereich der Niederelbe, um 1230 als Bedenem genannt. Belum war bis ins 14. Jh. nach Geversdorf eingepfarrt, hatte aber schon seit etwa 1200 eine eigene Kirche. Ein Priester erscheint zuerst 1454 mit Jacobus Pekesale, rector ecclesiae in bedelheim. Als erster luth. Geistlicher wird Johann Kamphusen geführt (1559). Eine Vikarie blieb über die Reformationszeit zunächst als zweite Pfarrstelle erhalten und wurde 1729 aufgehoben.
Die seit 1921 vakante Pfarrstelle wurde ab 1958 dauerhaft von Geversdorf aus versorgt. Pfarramtliche Verbindung ab 1. Januar 1974 mit Geversdorf1, ab 1. März 1988 mit Neuhaus (Oste)2, ab 1. Januar 2000 mit Bülkau3, ab 1. Juli 2009 mit Geversdorf und Neuhaus (Oste). Seit Januar 2019 gehört die KG Belum zur Gesamtkirchengemeinde Am Dobrock; sie besteht weiter als Ortskirchengemeinde.4

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: Vor 1581, 1729 aufgehoben.

Umfang

Die Dörfer Belum, Belumer Deich, Belumer Wisch, Bahrdorf, Nordhörne und Westendorf, die Höfe Belumer Schanze, Cammdeich, Freudentheil, Fünftentheil, Hollanderhof und Moldfelde.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Dompropstes. – Kam 1651 unter schwedische Herrschaft, mit Bildung des Konsistoriums in Stade zur Präpositur Neuhaus. Durch Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden ab 1. Januar 1827 Insp. (1924: KK) Neuhaus, 1. Oktober 1937 zum neu gebildeten KK An der Oste.5 1. Januar 1977 nach der Zusammenlegung des KK mit dem KK Land Hadeln zum neuen KK Land Hadeln. Seit 1. Januar 2013 KK Cuxhaven-Hadeln.

Patronat

Der Dompropst von Bremen (1384 belegt6), später der Landesherr (bis 1871). Für die Vikarie hatte nach der Stiftungsurkunde die Gemeinde das Präsentationsrecht, später die Familie der Gf. Königsmarck, dann der Landesherr.

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1956

Kirche, Grundriss, 1956

Einschiffige, romanische Saalkirche aus Feldsteinen (um 1200) mit leicht eingezogenem Rechteckchor im Osten. Um 1500 und 1668 Ausbesserungen in Backstein. Rundbogenfenster aus dem letzten Viertel des 17. Jh. West- und Nordempore. Die Kirche wurde in der Nacht vom 3./4. August 1943 durch einen Luftangriff stark beschädigt und 1949 in alter Form wieder hergestellt. Durch Abtrennung des Chors, der mit einer Zwischendecke versehen wurde, wurde 1988/89 ein zusätzlicher Gemeindesaal geschaffen.

Turm

Aus der Mittelachse nach Norden verschobener massiver Westturm. Flachgeschwungene, barocke Haube in eine achtseitige Spitze überführt. Eindeckung mit Schiefer. Bekrönung durch Kugel, Wetterfahne und Kreuz. Der Turm dient seit 1322 der Elbschifffahrt als Landmarke. 1953 Wiederherstellung nach Kriegsbeschädigung. Erneute Sanierung 1988/89.

Kirche, Blick zum Altar, 1956

Kirche, Blick zum Altar, 1956

Ausstattung

Hölzerne Kanzelaltarwand und Emporen von 1868. – Gedenktafel für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Orgel

Eine Orgel wird schon 1581 im Visitationsbericht erwähnt (Erbauer und Baujahr unbekannt). Um 1677 soll Arp Schnitger an ihr gearbeitet haben; 1717 Instandsetzung durch Rudolf Meyer. 1741 ist Dietrich Christoph Gloger dort nachgewiesen. 1783/86 Neubau durch den Stader Orgelbaumeister Georg Wilhelm Wilhelmy, 19 II/P. Die alten Prospektpfeifen der Vorgängerorgel aus dem 16. Jh. wurden wiederverwendet. 1905 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover) bei Erhalt von Prospekt und Prospektpfeifen der Wilhelmi-Orgel als Fassade, 14 II/P7, pneumatische Traktur, Kegelladen (Taschenladen). Wegen Klimaanfälligkeit der Furtwängler-Orgel Neubau hinter dem Prospekt von Wilhelmy durch den Orgelbaumeister Rowan West (Altenahr), 11 II/P (HW, HintW). 1. September 2001 eingeweiht. Dabei wurden auch die Prospektpfeifen wieder zum Klingen gebracht.8 2004 Abschluss des zweiten Bauabschnitts. – Chor Orgel: 1960 Neubau durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1973 von der Firma Führer aus Hamburg-Bramfeld übernommen.9

Geläut

Zwei LG, I: as’ (Bronze, um 1450); II: b’ (Bronze, Gj. 1962, Gebrüder Rincker, Sinn). – Eine SG (Bronze).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 151-162 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 662 (Spec. Landeskons.(; A 6 Nr. 667-673 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2600 und 2600a (Visitationen); B 18 Nr. 271 (Orgelsachverständiger); D 55b (EphA An der Oste).

Literatur

A: Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 118; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 206.
B: Monika Rondthaler: Die neue Rowan West-Orgel in Belum, Landkreis Cuxhaven, in: Zwischen Elbe und Weser 4/2002.


Fußnoten

  1. KABl. 1974, S. 30.
  2. KABl. 1988, S. 16.
  3. KABl. 2000, S. 16 f.
  4. KABl. 2018, S. 128 ff.
  5. KABl. 1937, S. 165 f.
  6. Hodenberg, Stader Copiar, S. 79.
  7. Im Meldebogen von 1944 mit 15 II/P geführt, LkAH, B 2 G 9/Belum I, Bl. 1.
  8. Rondthaler, S. 19.
  9. LkAH, B 18, Nr. 360 (Orgelbogen).