Sprengel Stade, KK Cuxhaven-Hadeln | Patrozinium: Peter1 | KO: Hadeler KO von 1542

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist der Ort im Hadeler Hochland erstmals im Jahr 1207 erwähnt.2 Die Reihensiedlung, angelegt während der Hollerkolonisation im 12./13. Jh., gliedert sich in Norderteil, Nordermittelteil, Südermittelteil und Süderteil.3 Das Dorf gehörte zunächst vermutlich zur Gft. Stade. Wohl im frühen 13. Jh. kam die Landesherrschaft über Osterbruch und die übrigen Kirchspiele im Land Hadeln an Hzg. Bernhard III. von Sachsen († 1212), möglicherweise als „Preis im Ausgleich zwischen Welfen und Askaniern“.4 Bei der Teilung des Hzm. Sachsen im Jahr 1296 fiel Hadeln an das Hzm. Sachsen-Lauenburg. Unbeschadet der sachsen-lauenburgischen Landesherrschaft konnte das Land Hadeln eine gewisse Autonomie in inneren und äußeren Angelegenheiten etablieren (Landesgemeinde, 1298: universi Hadelerie, um 1300: Sigillum terre hadelerie).5 Im 15. Jh. waren die Stadt Otterndorf und das Hochland an Hamburg verpfändet (1402/07–1481), das Sietland (Fünf Kirchspiele) an Bremen (1411–1482).6 Die drei Landesteile bestimmten später auch die Struktur der neuzeitlichen Ständeversammlung des Landes Hadeln.7 Als die askanische Linie Sachsen-Lauenburg 1689 mit Hzg. Julius Franz in männlicher Linie ausstarb, kam das Land Hadeln zunächst unter kaiserliche Verwaltung und 1731 an das Kfm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover). In französischer Zeit zählte Osterbruch im Jahr 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen (Departement der Elbe- und Wesermündung, Distrikt Stade, Kanton Neuenkirchen) und dann zum Kaiserreich Frankreich (Département des Bouches de l’Elbe, Arrondissement Stade, Kanton Otterndorf, 1811–1814). Osterbruch, seit 1815 Teil des neuen Kgr. Hannover, zählte ab 1819 zur Landschaft Hadeln und war ab 1852 Teil des neuen Amtes Otterndorf. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel das Dorf 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam Osterbruch 1885 zum Kr. Hadeln (1932 Kr. Land Hadeln, 1977 Lkr. Cuxhaven). Ab 1970 gehörte Osterbruch zur Samtgemeinde Hadeln, seit 2016 zur Samtgemeinde Land Hadeln. Zur Sozialstruktur Osterbruchs schrieb der Ortspastor 1963: „Es sind etwa 20 Bauernstellen vorhanden. […] Die Flüchtlinge sind ausnahmslos von hier fortgezogen, sofern sie nicht Arbeit gefunden haben oder als Rentner leben.“8 Um 1823 lebten etwa 550 Menschen in Osterbruch, 1858 rund 740, 1939 knapp 490, 1953 etwa 780 und 2021 fast 480.

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1956

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1956

Die älteste schriftliche Erwähnung Osterbruchs ist auch gleichzeitig der erste Beleg der Kirche: Ebf. Hartwig II. von Bremen (amt. 1184–1207) hatte sie 1207 dem Bremer Domkapitel geschenkt.9 1230 zählte die ecclesia in Osterbroke zur Oboedientia Lamstedt.10 Auch das Kirchengebäude selbst stammt im Kern vermutlich aus dem frühen 13. Jh., ebenso der bronzene Taufkessel. Der Name eines Geistlichen an der St.-Petri-Kirche ist erstmals aus dem frühen 15. Jh. überliefert: 1405 war Johannes Paues Rektor der Pfarrkirche in Aesterbruke.11 Im Jahr 1440 bewarb sich der Kleriker Johannes Breker um die Pfarre in Osterbrock, die Johannes de Senen – ebenso wie die Pfarrstelle in Gyhum (Gyghen) – seit drei Jahren unrechtmäßig in Besitz habe.12 Mindestens von 1457 bis 1485 hatte Kersten Heppe das Pfarramt inne13 und von 1485 bis 1516 war Johann Bulseck Vikar in Osterbruch.14
Die Reformation setzte im Land Hadeln bereits in den 1520er Jahren ein. Nach einer Chronik des frühen 17. Jh. kam der wandernde Prediger Gerhard 1521 nach Otterndorf und verbreitete die Lehren Luthers.15 Eine erste luth. Kirchenordnung hat das Land Hadeln möglicherweise schon 1526 erhalten, die bis heute gültige Hadeler KO trat um 1542 in Kraft.16 Angeblich ebenfalls 1526 ordnete Hzg. Magnus I. von Sachsen-Lauenburg († 1543) eine Visitation der Kirchspiele im Land Hadeln an; eine weitere folgte 1529.17 Einzelheiten zur Entwicklung in Osterbruch sind nicht bekannt. Als erster luth. Geistlicher gilt hier P. Nikolaus Bremer (amt. 1524).18 Ebenso wie die übrigen Kirchspiele im Land Hadeln kaufte die Gemeinde Osterbruch wohl in der zweiten Hälfte der 1530er Jahre dem Archidiakon von Hadeln und Wursten das Patronatsrecht über ihre Kirche ab.19 Die Kirchenordnung von 1542 sah neben den Pfarrern auch Prädikanten vor; für diese Inhaber der zweiten oder dritten Pfarrstellen in den Hadeler Kirchspielen etablierten sich die Bezeichnungen Archidiakon und Diakon. Sie wurden aus dem Vermögen vorref. Vikarien und Bruderschaften finanziert.20 In Osterbruch bestand bis zur ersten Hälfte des 19. Jh. neben der Pfarrstelle ein Diakonat. Die Einführung der Lauenburgischen KO im Land Hadeln wehrten Geistliche und Stände 1585 erfolgreich ab. Auf einer Synode in Otterndorf im Februar 1590 verabschiedeten die Pfarrer einen Consensus doctrinae, mit dem sie u. a. die Konkordienformel von 1577 als Bekenntnisschrift anerkannten.21 Für die jährliche Synode der Geistlichen des Landes Hadeln, die in Otterndorf stattfand, wurde der mittelalterliche Begriff Kaland übernommen.

Kirche, Ansicht von Südosten

Kirche, Ansicht von Südosten

Ende des 16. Jh. erhielt die Kirche in Osterbruch eine Orgel. Altar und Kanzel stammen aus der ersten Hälfte des 17. Jh., die Deckenmalereien in Chor und Schiff aus der zweiten. P. Johann Frost (amt. 1655–1678) und Diakon Johann Langenbeck (amt. 1656–1675) verfassten 1667 gemeinsam eine Kirchenordnung für Osterbruch, welche „die Gebräuche bey dem äußern Gottesdienste näher bestimmte“.22 In der zweiten Hälfte des 17. Jh. lässt sich eine Schule in Osterbruch nachweisen; der erste namentlich bekannte Lehrer ist Christopher Fortmeyer († 1687).23
P. Carl Friedrich August Pfund (amt. 1787–1829, zunächst Diakon) war seit 1796 gleichzeitig Superintendent des Landes Hadeln.24 Nachdem P. Johann Georg Dammann (amt. 1789–1840, zunächst Diakon) im Jahr 1830 vom Diakonat ins Pastorat gewechselt war, blieb das Diakonat vakant und wurde aufgehoben. P. Georg Christian Jakob Ludolf Pfaff (amt. 1840–1890) war neben seinem Pfarramt ein aktiver national-liberaler Politiker; er war Mitglied der Hannoverschen Ständeversammlung (1849–1855) und des Preußischen Abgeordnetenhauses (1883–1891). Überdies gehörte er sowohl der Vorsynode als auch der Landessynode an (1863–1887). Nach Einschätzung von P. Karl Brandis (amt. 1898–1915) war P. Pfaffs „kirchliche und religiöse Stellung eine durchaus freisinnige“; im Hannoverschen Katechismusstreit sei er Oppositionsführer gewesen.25 In Osterbruch regte er 1848 die Gründung eines Kuhversicherungsvereins an.
Auf Initiative von P. Brandis feierte die Gemeinde Osterbruch am 12. August 1900 ein erstes Missionsfest.26 Nach dem Weggang von P. Ferdinand Karl Theodor Gollmart (amt. 1919–1930) blieb die Pfarrstelle vakant und die Pastoren Otterndorfs und Neuenkirchens übernahmen die Versorgung Osterbruchs. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ heißt es: „Der 1933 gewählte Kirchenvorstand blieb der gleiche wie er zuvor im Amt war und bewährte sich zu Gunsten der Kirche“.27 Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder von knapp 490 im Jahr 1939 auf rund 850 im Jahr 1951 an.28 Gleichzeitig bildete sich in der Nachkriegszeit eine kleine kath. Gemeinde (1951: 40 Gemeindeglieder); bis etwa 1960 and alle zwei Wochen ein kath. Wochentagsgottesdienst in der ev. Kirche in Osterbruch statt.29
Mit Pfv. Johannes Stier (amt. 1949–1950) hatte die ev. KG Osterbruch wieder einen eigenen Geistlichen erhalten. Nach seinem Weggang versah Pfv. Johannes Heinemeyer (amt. 1950–1970) das Pfarramt. Nach der Visitation 1951 schrieb der Sup. des KK Land Hadeln, die Gemeinde Osterbruch (die kleinste des KK) wolle sich „keineswegs als unkirchlich oder unchristlich“ verstanden wissen, allerdings liege das kirchliche Leben darnieder, aufgrund der „unglückseligen, langjährigen und dazu noch dauernd wechselnden Vertretungen während fast zweier Jahrzehnte“.30 1952 gründete Pfv. Heinemeyer einen Kirchenchor, der jedoch nur wenige Jahre aktiv war, „da viele Heimatvertriebene weggezogen sind und die Einheimischen schon im weltlichen Männer- und Frauenchor mitsingen“.31 1963 zog der Hadeler Sup. ein positiveres Fazit: Der Gottesdienstbesuch sei recht gut und an Gemeindeveranstaltungen beteilige sich die Gemeinde sehr zahlreich.32 Seit 1970 war die Pfarrstelle erneut vakant. 1973 richtete die Gemeinde Osterbruch im ehemaligen Pfarrhaus einen ev. Kinderspielkreis ein.33

Kirche, Ansicht von Süden, 1948

Kirche, Ansicht von Süden, 1948

Seit dem 1. Juli 1974 war die KG Osterbruch pfarramtlich mit Neuenkirchen verbunden; gleichzeitig legte das LKA Hannover die beiden Pfarrstellen zu einer zusammen, Sitz der Pfarramtes war Neuenkirchen.34 Die Zahl der Gemeindeglieder lag Anfang der 1980er Jahre bei rund 530. Nach der Visitation 1981 resümierte der Sup. des KK Land Hadeln, Osterbruch könne nicht mehr mit einer eigenen Pfarrstelle rechnen und daher „muß versucht werden, aus der Not eine Tugend zu machen und den Übergang von der Pastorenkirche zur Gemeindekirche schrittweise zu wagen“.35 1996 verkaufte die Gemeinde das Pfarrhaus und ließ ein kleines Gemeindehaus errichten, das sie im Dezember 1998 einweihen konnte.
1997 endete die Verbindung mit Neuenkirchen und Osterbruch wurde pfarramtlich mit Otterndorf verbunden; 2009 kam Neuenkirchen als dritte Gemeinde hinzu.36 Eine weitere Neuordnung folgte zum 1. Januar 2023: Seither gehört die St.-Petri-KG Osterbruch zusammen mit den Gemeinden Cadenberge, Geversdorf, Oberndorf, Belum, Neuhaus (Oste), Bülkau, Oppeln, Ihlienworth, Steinau, Odisheim, Kehdingbruch, Otterndorf, Neuenkirchen (Land Hadeln), Wanna und Nordleda zum verbundenen Pfarramt Region Mitte im KK Cuxhaven-Hadeln, das insgesamt sieben Pfarrstellen umfasst.

Pfarrstellen

I: vorref., ab 1970 vakant. – II: Vikariat, Diakonat, 1830 aufgehoben.

Umfang

Osterbruch mit Norderteil, Nordermittelteil, Süderteil (mit Nobhusen) sowie Südermittelteil.

Aufsichtsbezirk

1230 Oboedientia Lamstedt der Erzdiözese Bremen, später mit großer Sicherheit Archidiakonat Hadeln und Wursten.37 – Bereits die erste Hadeler KO von 1526 sah die Wahl von Visitatoren (Superintendenten) vor, die das Aufsichtsamt über die Kirchspiele im Land Hadeln ausübten. Die Superintendenten gehörten dem mindestens seit 1620 bestehenden Konsistorium in Otterndorf an und wurden bis 1924 von den Pastoren des Landes Hadeln gewählt.38 Nach Aufhebung des Konsistoriums Otterndorf im Jahr 1885 Einrichtung der Insp. Land Hadeln (1924: KK), zunächst wechselnde Suptur.-Sitze, seit 1926 in Otterndorf; ab 1926 setzte die Kirchenleitung die Superintendenten ein.39 Zum 1. Januar 1977 fusionierten der KK Land Hadeln und der KK An der Oste zum neuen KK Land Hadeln, Sitz in Cadenberge, ab 2009 in Otterndorf.40 Seit 1. Januar 2013 KK Cuxhaven-Hadeln, Sitz in Otterndorf.41

Patronat

1207 schenkte der Bremer Ebf. Hartwig II. (amt. 1184–1207) die Kirche Osterbruch dem Bremer Domkapitel.42 Seit der Reformation die Gemeinde. Nach der Hadeler KO wählten „de gemene edder volmechtige edder lehnherren [Juraten]“ mit Zustimmung der Visitatoren (Superintendenten) den neuen Pastor.43 Gemeindepatronat 1938 aufgehoben.44

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, vor 1956

Kirche, Grundriss, vor 1956

Saalbau mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor, im Kern um 1200. Satteldach, im Osten abgewalmt. Feldstein- und Backsteinmauerwerk, Stützpfeiler an Süd- und Ostseite des Chors. Unterschiedliche, flachbogige Sprossenfenster an Chor und Schiff, vermauertes Rundbogenfenster nach Norden, flachbogige Eingänge nach Süden, Norden und Osten. Im Innern flache, bemalte Balkendecke: Im Chor biblische Szenen umgeben von Rankenmalerei (1674, Maler Johan Branck [?], Taufe Christi, Eherne Schlange, Jakobs Traum), Inschriften u. a.: „Johan Branck [?] Malher 1674“ und „F. N. F. Zu Gottes Ehren und Dieser Kirchen zur Zierde Ist der Bodem dieses Chorß neu gebauet Anno 16[68] und Anno 1674 neu vermalet. Alß durch Gottes Gnade alhie [Walter de… Preditamtes] Iohannes Frost, Pastor. Iohannes Langenbeck, Diacon. Und der H[e]r[ren] Provisorum Stand: Matthias Hintze Schuldheÿ[s]. Peter Arend, Moritz Blohme } Landschoffen. Claus Arend, Jacob Hintze, Dirck Holtekamß, Hinrich Dircks } Kirchsprecher Vollmächtige. Hinrich Dincklage, Johan Schomaker } Juraten. Peter Ahrend, Claus Blohme } Leviten“; im Schiff zwei kleine Gemälde und Wappen45 (1697, Andrea Mitholi, Kreuzigung, Auferstehung), umgeben von Rankenmalerei, Inschriften: „Dieser Boden ist vermahlet worden von Andrea Mitholi Anno 1697“ und „A[nn]o Domini 1962 wurde diese Deckenvermalung erneuert“; am westlichen Abschlussbalken der Chordecke Inschrift: „Ano 1668 H[er] Iohan Frost Past[or]. H[er] Iohan Langenbeck Diac[onus]. Georg Pasche Schvltz. Peter Arend Lands[choffe]. Moritz Blome Lands[choffe]. Lafrens Goteke Ivrate. Iohan Tvneman Ivra[te]“, am westlichen Balken der Schiffsdecke Inschrift: „A[nno] 1697 H[er] M[agister] Georgivs Langenbeck P[astor]. H[er] Heino Schvbarth Dia[conus]. H[er] Peter Oest Schvltz. Claus Pasche. Peter Hintze Landts[choffe]. Ivregn Reielt Iohan Thvnman [Iuraten]“. Im 14. Jh. Chorschluss verändert (halbrund zu polygonal). 1668 neue Decke im Chor. 1697 neue Decke im Schiff. Im 19. Jh. Stützpfeiler gesetzt. 1868 Dachreparatur nach Sturmschaden. Zwischen 1890 und 1898 Fenster der Südseite erneuert. 1960–67 Instandsetzung, u. a. Westempore entfernt.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, vor 1956

Kirche, Ansicht von Nordwesten, vor 1956

Turm

Freistehender, hölzerner Westturm mit Backsteinfundamenten (1648), kupfergedeckter, geschweifter Turmhelm (1701) mit vierseitigem Ansatz und achtseitiger Spitze, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Wetterhahn, Uhrziffernblätter nach Westen und Süden.46 Turmwände nach innen geneigt, mit vertikaler Holzverschalung. Im Glockengeschoss zwei rechteckige Schallfenster nach Westen, je eines nach Norden und Süden; nach Westen unterhalb der Traufe geschnitzte Inschrift: „Anno 1701 haben die beiden Oheims diese Spitze Gott zu Ehren und der Kirchen zum besten verehret“. Februar 1648 Vorgängerturm bei Sturm zerstört. 1701 neue Turmspitze. 1775 Neudeckung. 1830 neue Schindeldeckung. 1927 Instandsetzung. 1966/67 Sanierung, u. a. neues Fundament (Pfahlgründung), Kupferdeckung. 1985 Reparatur Turmuhr.

Ausstattung

Schlichter Blockaltar mit seitlichen Kniebänken (1613) und reich verziertem Holzretabel (1618, Michael Ringkmachers, Otterndorf)47 mit farbig gefassten Reliefschnitzereien, im Hauptgeschoss drei Relieffelder mit Darstellungen des Passahmahls, des Abendmahls und der Kreuzigung, dazwischen korinthische Säulen, die Gebälk tragen, am Gebälk Medaillon mit Inschrift „1618“; im oberen Feld Auferstehungsrelief, flankiert von zwei Karyatiden (Tapferkeit, Liebe), außen auf dem Gebälk zwei Tugendfiguren (links Hoffnung?, rechts Klugheit); als Bekrönung Inschriftenmedaillon: „Zur Ehre Gottes und zum Gedeknüs hat Bartol Hintze ditt Altar vorehret ist gebor Ao 1555 und gestorben Ao 1615“; in der Predella drei Inschriftenfelder: „Das lam schole gi also eten. Jüwe lenden vmb gordelt. schü an Füssen foten stefe in Jüwen hendē“, „Na den aüent Eten nam Jesus dat Brott dancket Brackt & desglieken ock den kelck sprack dat is der kelck drincket all darutt“ und „Warlich dieser ist ein fromer mensch gewesen vn Gottes so, vn vor vns gestorBen“; Altar 1906 renoviert (Inschrift an Rückseite: „Altarbild und Kanzel sind im Jahre 1906 neu repariert und gemalt worden von P. Schriever, Tischler und H. Follmer, Maler, Osterbruck“; Kniebänke (Altarschranken) verziert mit Hermen (wie in Nordleda), an den Frontseiten Inschriften: „Anno 1613 Tho Gots Ehren vnd gvder gedechtnisse heft Clavs Korn dit vor dat Altar vor ehret mit Siner Eliken Hvsfrovw Beke Korns“ (links) und „Anno 1613 Tho Gots Ehren vnd gvder gedechtniss heft Engel Goltman dit vor dat Altar vorehret mit siner Eluke Husfrovw Anna Goltmans“ (rechts). – Reich verzierte, farbig gefasste Holzkanzel mit Schalldeckel (Anfang 17. Jh., vielleicht Michael Ringkmachers, Otterndorf)48, an den Wandungen des polygonalen Kanzelkorbs Reliefs Christi (Salvator Mundi) und der vier Evangelisten, vor den Ecken des Kanzelkorbs korinthische Säulchen, an der Brüstung Inschriften: „Clavs Rvge – Johann Blome – Johan Wolbers“; als Stütze des Kanzelkorbs Skulptur eines bärtigen Mannes mit Stab und Buch49; auf dem Schalldeckel Engelsfiguren und sachsen-lauenburgisches Wappen, am Rand Inschrift: „Johan Blome – Moritz Blome – Peter Witte – v[on] G[ottes] G[naden] Frantz H[erzog] z[u] L[auenburg,] S[achsen,] E[ngern] V[nd] W[estfalen] – v[on] G[ottes] G[naden] Maria G[eborene] z[u] B[raunschweig] V[nd] L[lüneburg] H[erzogin] z[u] S[achsen,] E[ngern] V[nd] W[estfalen]“. – Bronzener Taufkessel (frühes 13. Jh.), Becken auf drei Beinen mit tatzenartigen Enden, Wandung verziert mit Schnurornamenten (Blätter, kopfstehender schreitender Greif), am oberen Rand Inschrift: „Rector celi nos exavdi tv dignare nos salvare A et Ω fonte servä“ (Herrscher des Himmels, erhöre uns. Geruhe du, uns zu retten. A und Ω, Quelle bewahre [uns]). – Hölzernes Lesepult (1658), Pyramidenstumpf auf schlanker Säule und Kreuzfuß, Inschrift: „Hoc pulpitum Matties vnd Iacob Hinze dederunt Anno 1658“ (Dieses Pult haben Matties und Iacob Hinze geschenkt im Jahr 1658). – Drei geschnitzte Figuren, farbig gefasst (um 1500), Maria mit Kind, Petrus, Elisabeth oder Barbara; 1906 erneuert. – Doppelgemälde (1597), Öl auf Holz, ganzfigurige Darstellungen Philipp Melanchthons und Martin Luthers; architektonisch gestalteter Rahmen mit toskanischen Säulen und Dreiecksgiebeln; erneuert 1817. – Inschriftentafel: „Anno 1598 hefft Meister Antonius Wilde dit Orgel gemacket do Karck suaren gewesen sindt alse Hanß Kedich und Bartol Peter“. – Truhenförmiger Opferkasten (Anfang 17. Jh.), Holz mit Eisenbeschlägen. – Kastengestühl (1653), Namensinschriften. – Zwei Priechen im Chor (17. und 18. Jh.).

Orgel, vor 1960

Orgel, vor 1960

Orgel

1598 Orgelbau, ausgeführt von Antonius Wilde (Otterndorf), 18 II/P.50 1806 Orgelneubau, ausgeführt von Johann Georg Wilhelm Wilhelmy (Stade), 18 II/P. 1914 Neubau des Orgelwerks, ausgeführt von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 17 II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen (Opus 799), älteres Pfeifenmaterial von 1598 und 1806 wiederverwendet, Prospekt von Wilhelmi beibehalten.51 1964 Neubau des Orgelwerks, ausgeführt von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; 12 Prospektpfeifen von Wilde wiederverwendet, Gehäuse von Wilhelmi beibehalten; Instrument aufgestellt auf Podium im Westen der Kirche. 1994 Instandsetzung und Änderung der Disposition, Alfred Führer (Wilhelmshaven).

Geläut

Zwei LG, I: e’ (Bronze, Gj. um 1350), frühgotische Form, ohne Inschrift, 1967 repariert (Firma Lachenmeyer, Nördlingen); II: b’ (Bronze, Gj. 1576, Adam und Salomon Lechtenow, Bremen), Inschrift: „Anno Domini 1 5 7 6 do was H[er] Jochim Kemnitz Pastor, Peter Katt, Wolke Kohle Schulte, Georgius Pasken mitsampt Asmer Blome unde Peter Tater de beiden Karkenswaren, de gades Ehr schal mede helpen bewaren und geve van my einen Klanck, der Karcken tom Osterbroecke wol bekannt und is geschen to gades Ehrn, help das vns gelvcke mag werden. Virbum domini manet i[n] ae[ternum]“ (Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit) und „Im Namen gades bin ick geflaten Adam unde Salomon Lictenow gebroder hebben mi gegaten. Si Devs pro nobis qvis contra nos. Godt gift wem he will“ (Wenn Gott mit uns ist, wer kann gegen uns sein), Bilder: Kreuzigungsrelief, Petrusrelief mit Inschrift „S[anctus] Petrus“, mehrere Medaillons.

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus (Bj. 1998). – Pfarrhaus mit Gemeindesaal (Bj. um 1800), 1996 verkauft.

Friedhof

Ehemaliger kirchlicher Friedhof bei der Kirche, genutzt bis 1927. Kommunaler Friedhof, angelegt 1928, gut zweihundert Meter nordöstlich der Kirche (Samtgemeinde Land Hadeln).

Liste der Pastoren (bis 1940)
Altaraufsatz und Kanzel, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1962

Altaraufsatz und Kanzel, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1962

Erste Pfarrstelle: 1524 Nikolaus Bremer. – 1543 Johann Dittmer. – Bis 1570 Johann Hagedorn.52 – 1570–1598 Joachim Kemnitz. – 1620–1624 Markus Aldach. – 1625–1649 Johann Buddecke. – 1650–1654 Johann Kloen. – 1655–1678 Johann Frost. – 1678–1694 Magister Bernhard Sievers. – 1694–1741 Magister Georg Langenbeck. – 1741–1758 Franz Christian Minder. – 1759–1788 Matthaeus Sigismund Bauch. – 1788–1829 Karl Friedrich August Pfund. – 1830–1840 Johann Georg Ludwig Dammann. – 1840–1890 Georg Christian Ludolf Jakob Pfaff. – 1890–1898 Ernst Karl Georg Prill. – 1898–1915 Karl Brandis. – 1919–1930 Ferdinand Gollmart.

Zweite Pfarrstelle (Vikariat, Diakonat): 1516– 1540 Matthias Havemann. – 1576 Peter Katt. – 1… Markus Aldach. – Bis 1621 Dr. Hieronymus Broeckermann. – 1621 Dietrich Meyer. – Bis 1625 Johann Buddecke. – 1625–1630 Johann Koetting. – 1630–1649 Johann Kloen. – 1649–1655 Johannes Frost. – 1656–1675 Johann Langenbeck. – 1675–1683 Johann Hahn. – 1684–1694 Magister Georg Langenbeck. – 1694–1727 Heinrich Schubart. – 1728 Tobias Heinrich Schubart. – 1728–1741 Franz Christian Minder. – 1741–1753 Nikolaus Peter Langenbeck. – 1753–1786 Nikolaus Martens. – 1789–1830 Johann Georg Ludwig Dammann.

Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 246–247, mit Ergänzungen nach Völker, S. 153 ff.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 Nr. 6436–6440 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2724Digitalisat (Visitationen); D 55a (EphA Land Hadeln); L 5g Nr. 263, 837, 906 (LSuptur. Stade); S 2 Witt Nr. 04, 15 (Fotosammlung); S 09 rep Nr. 1873 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 8030 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1681
Trauungen: ab 1685
Begräbnisse: ab 1681
Kommunikanten: ab 1841
Konfirmationen: ab 1760

Literatur & Links

A: Gemeindebuch KK Land Hadeln, S. 28–29; Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 277–278; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1069–1070; Kiecker/Lenz/Rüther, KD Land Hadeln, Textband, S. 257–265; Meyer, Pastoren II, S. 246–247; Weiberg, Niederkirchenwesen, S. 129–130.
B: Karl Brandis: Kirche zu Osterbruch. 1900. Ein Rückblick auf das 19. Jahrhundert, Osterbruch 1901; Richard Tiensch: Die Pfarrer von Osterbruch, Kr. Hadeln, in: Vom Ahn zum Enkel 2/1928, S. 1–2; Heiko Völker: Osterbruch. Beiträge zur Geschichte eines Hadler Kirchspiels, Hemmoor ²2007.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche und Ausstattung; Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche.

Weitere Bilder

Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 50.
  2. Bremisches UB I, Nr. 104.
  3. Hofmeister, Besiedlung I, S. 93; Völker, S. 50.
  4. Hucker, Land Hadeln, S. 155. Insgesamt zur Geschichte des Landes Hadeln bis zur Frühen Neuzeit vgl. Dannenberg/Schulze, Geschichte II, S. 321 ff.
  5. Rüther, Chronik Hadeln, Nr. 48; Dannenberg/Schulze, Geschichte II, S. 205 ff. und S. 324.
  6. Rüther, Hadler Chronik, Nr. 296, Nr. 305 und Nr. 312. Bei Dannenberg/Schulze, Geschichte II, S. 323, ist Otterndorf irrtümlich zu den Fünf Kirchspielen gezählt und zudem das Sietland irrtümlich von den Fünf Kirchspielen unterschieden.
  7. Rüther, Hadler Chronik, S. 37: „Es gab drei Stände, so genannt seit 1616. Der erste Stand umfaßte alle Vertreter der 7 Kirchspiele des Hochlandes, der zweite Stand die der 5 Kirchspiele des Sietlandes und den dritten Stand bildet die Stadtvertretung Otterndorfs.“ Vgl. auch Bünz, Kirche vor Ort, S. 116.
  8. LkAH, L 5g, Nr. 263 (Visitation 1963).
  9. Bremisches UB I, Nr. 104.
  10. Hodenberg, Stader Copiar, S. 97.
  11. RG Online, RG II 08266, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/2/8266, 26.04.2023; Bünz, Kirche vor Ort, S. 138.
  12. RG Online, RG V 04077, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/5/4077, 26.04.2023; Bünz, Kirche vor Ort, S. 138.
  13. Völker, S. 153 (ohne Beleg). Gemeindebuch KK Land Hadeln, S. 29: Christian Hippe.
  14. Völker, S. 155 (ohne Beleg).
  15. Rüther, Hadler Chronik, Nr. 579b. Zur Reformation im Land Hadeln vgl. Behne, Bauern, S. 65 ff.; Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 5, S. 260 ff. Mit Schwerpunkt auf der Entwicklung in Otterndorf vgl. Otte, Kirche und Konsistorium, S. 163 ff.
  16. Nach Otte, Kirche und Konsistorium, S. 164, mit Anm. 5 und 6, ist über den Inhalt der KO von 1526 nichts bekannt, sicher „ist nur, dass sie erlassen wurde“, da sie in einem Mandat Hzg. Magnus I. vom 01.12.1526 erwähnt sei. Behne, Bauern, S. 79, bezeichnet die Existenz einer KO von 1526 hingegen als „völlig unwahrscheinlich“. Die Hadeler KO von 1542 nennt als Jahr ihrer Abfassung ebenfalls 1526, erwähnt jedoch Bücher, die erst 1535 erschienen sind, und stimmt stellenweise wörtlich mit der schleswig-holsteinischen KO von 1542 überein, vgl. Otte, Kirche und Konsistorium, S. 167. Zusammenfassend charakterisiert Otte die Hadeler KO von 1542 folgendermaßen: „Zielpunkt für alle Regelungen war die Einzelgemeinde, nicht eine große Kirchenorganisation, die landesherrlich gesteuert wurde […] es war eine ‚Gemeindekirche‘, kaum eine ‚Landeskirche‘, für die hier Vorschriften erlassen wurden“ (ebd., S. 169).
  17. Nach Ende der militärischen Auseinandersetzungen mit Ebf. Christoph von Bremen (amt. 1511–1558) ging es bei der Visitation 1526 „zunächst wohl um die Feststellung der Schäden an den Kirchen“, Otte, Kirche und Konsistorium, S. 164. Vgl. auch Behne, Bauern, S. 80.
  18. Völker, S. 153.
  19. Behne, Bauern, S. 88.
  20. Otte, Kirche und Konsistorium, S. 168.
  21. Otte, Kirche und Konsistorium, S. 170: „Damit war die Hadelner Kirche eindeutig lutherisch geworden.“
  22. Müller, Hadeln, S. 116.
  23. Zur Schule vgl. Völker, S. 159 ff.
  24. Völker, S. 153 f.
  25. Brandis, S. 9 f.; Völker, S. 176.
  26. Brandis, S. 13 ff.
  27. LkAH, S 1 H III, Bl. 21. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  28. LkAH, S 1 H III, Bl. 21; LkAH, L 5g, Nr. 263 (Visitation 1951).
  29. LkAH, L 5g, Nr. 263 (Visitationen 1951, 1957 und 1963).
  30. LkAH, L 5g, Nr. 263 (Visitation 1951).
  31. LkAH, L 5g, Nr. 263 (Visitation 1957).
  32. LkAH, L 5g, Nr. 263 (Visitation 1963).
  33. LkAH, L 5g, Nr. 263 (Visitation 1975).
  34. KABl. 1974, S. 207.
  35. LkAH, L 5g, Nr. 263 (Visitation 1981).
  36. KABl. 1997, S. 139; KABl. 2009, S. 158 f.
  37. Hodenberg, Stader Copiar, S. 97; Weiberg, Niederkirchenwesen, S. 130.
  38. Weitere Mitglieder des Konsistoriums waren der Gräfe (vom Landesherrn entsandt) und drei Konsistorialassistenten (von den Ständen entsandt), vgl. Otte, Kirche und Konsistorium, S. 174.
  39. LkAH D 55a, Bestandsbeschreibung.
  40. KABl. 1976, S. 205; KABl. 2009, S. 158 f.
  41. KABl. 2012, S. 301 f.
  42. Bremisches UB I, Nr. 104.
  43. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 5, S. 473; Otte, Kirche und Konsistorium, S. 175.
  44. KABl. 1939, S. 115.
  45. Wappen abgebildet bei Völker, S. 148 f.
  46. Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1069).
  47. Eisermann, Meister, S. 114. Bei Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1096, und Kiecker/Lenz/Rüther, KD Land Hadeln, Textband, S. 261, Gebhard Titge zugeschrieben.
  48. Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 178.
  49. Nach Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 278, handelt es sich um eine Darstellung des Apostels Petrus.
  50. Zur Orgel: Völker, S. 156 ff.
  51. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 126.
  52. Völker, S. 153: P. Hagedorn „soll um 1520, nach anderen Quellen bereits 1507 angestellt sein (unsicher)“.