Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Harzer Land | Patrozinium: Aegidius1 | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Osterode entstand vermutlich als Rodungssiedlung im 10. Jh.2 Schriftlich erscheint der Ort erstmals 1136 in einer Urkunde, die Ks. Lothar III. in Osterrode ausstellte; sie ist allerdings nur als Verfälschung aus der zweiten Hälfte des 12. Jh. überliefert.3 Mit Hugo de Hosterroth ist die Siedlung 1143 als Personenname belegt.4 Die Chronia S. Petri Erfordensis moderna nennt den Ort 1152 opulentissima villa Osterroth (blühendes Dorf Osterode).5 In den Annales Palidensis (Pöhlder Annalen), deren älterer Teil um 1164 niedergeschrieben wurde, ist für 1153 das Osterodense Castrum belegt (Burg Osterode, 1512 aufgegeben und verfallen).6 Die Burg war seit 1152 im Besitz Heinrichs des Löwen († 1195) und bei der Besitzteilung zwischen seinen Söhnen fiel Osterode 1202 an den späteren Ks. Otto VI. († 1218).7 Bei der welfischen Besitzteilung 1267/69 kam Osterode zum Teilfsm. Braunschweig und bei dessen Dreiteilung im Jahr 1291 zum kleinen Fsm. Grubenhagen (Name „Grubenhagen“ erst 1567 belegt).8 Das Dorf Osterode lag vermutlich zunächst bei der heutigen Schlosskirche und wurde nach einer weitgehenden Zerstörung um 1152 weiter nach Nordwesten verlegt; am ursprünglichen Siedlungsplatz entstand später die Neustadt (1238).9 Hzg. Heinrich (V.) zu Braunschweig († 1227) verlieh Osterode nach 1218 städtische Rechte, die Hzg. Otto I. das Kind 1239 bestätigte und erweiterte.10 Consiliarii civitati (Ratsherren der Stadt) sind erstmals 1233 belegt.11 Mit dem Umbau des ehemaligen Kanonissenstifts St. Jakobi zu einem Schloss ist Osterode in der zweiten Hälfte des 16. Jh. als eine Nebenresidenz im Fsm. Grubenhagen anzusehen.12 Gleichzeitig wurde Osterode Sitz des gleichnamigen Amtes. Nach Aussterben der Grubenhagener Linie der Welfen fiel das Territorium 1596 an das Fsm. Braunschweig, 1617 an das Fsm. Lüneburg und 1665 an das Fsm. Calenberg-Göttingen (1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Die älteste Stadtansicht stammt aus der Mitte des 17. Jh. (Matthäus Merian).13 In französischer Zeit war Osterode von 1807 bis 1813/14 Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts im Harz-Departement des Kgr. Westphalen. Seit 1815 zählte die Stadt zum Kgr. Hannover und war erneut Sitz des wiedererrichteten Amtes Osterode. Mit der Annexion Hannovers fiel die Stadt 1866 an Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 war Osterode Sitz des Kr. (1939: Lkr.) Osterode am Harz, der 2016 im neuen Lkr. Göttingen aufging. 1971 und 1972 wurden Dorste, Düna, Förste, Freiheit, Katzenstein, Lasfelde, Lerbach, Marke, Nienstedt, Petershütte, Riefensbeek-Kamschlacken, Schwiegershausen und Uehrde eingemeindet. Um 1810 lebten knapp 4.430 Menschen in Osterode, 1905 gut 7.480, 1950 rund 15.680 und 2012 etwa 10.240 (mit Eingemeindungen: knapp 22.320).

Aegidienkirche, Ansicht von Südosten, 1830

Aegidienkirche, Ansicht von Südosten, 1830

Im nach 1152 neu angelegten Osterode ist eine Pfarrkirche erstmals 1233 schriftlich nachgewiesen, als Hzg. Otto I. das Kind ecclesiam sancti Iohannis baptiste in Osterrodhe cum tota parrochia (die Kirche St. Johannes des Täufers in Osterode mit der gesamten Parrochie) dem Osteroder Kloster St. Mariae et Jacobi übertrug.14 Umgekehrt erhielten die Osteroder Ratsleute das Recht, an der Wahl des Klosterpropstes mitzuwirken. Die heutige St. Aegidienkirche, erbaut wohl Ende des 13. Jh., ist vermutlich als Nachfolgebau der Kirche St. Johannis Baptista anzusehen. Im 16. Jh. bestätigte Papst Clemens VII. (amt. 1523–1534), dass die Pfarrkirche St. Aegidien dem Kloster Osterode inkorporiert sei, nachdem Papst Leo X. (amt. 1513–1521) Zeugenaussagen zu dieser Frage hatte einholen lassen.15 Für Gottesdienst und Seelsorge waren Vikare zuständig; 1522 findet sich anstatt Pfarrkirche die Bezeichnung ewige Vikarie.16 Schriftlich ist die ecclesia parrochiali sancti Egidii in Osterode (Pfarrkirche St. Aegidius in Osterode) erstmals 1367 erwähnt.17 Die Bezeichnung Marketkerken findet sich 1370.18 Im Jahr 1367 bestätigte Ebf. Gerlach von Mainz (amt. 1346/53–1371) die Errichtung und Ausstattung von vier Nebenaltären in der Aegidienkirche (Marien-, Andreas-, Matthias- und Jodokusaltar). Hildebrand Homberg, Pfarrer in Willershausen, und sein Bruder Dietrich Homberg sowie Heinrich Jäger, Pfarrer in Hattorf, und sein Bruder Jakob hatten die Altäre gemeinsam gestiftet.19 Weitere Altäre lassen sich im 15. Jh. nachweisen: ein Heiligkreuzaltar (1418), ein zweiter St. Andreasaltar (1441) und ein St. Nikolausaltar (1469).20 1460 verlegte der Große oder Priester-Kaland seinen Sitz von Berka an die Aegidienkirche in Osterode.21 Zur mittelalterlichen kirchlichen Landschaft Osterodes zählten, neben der Markt- oder Aegidienkirche der Altstadt, das Stift St. Mariae et Jacobi in der Neustadt (Kirche 1217 erwähnt), die Marienkirche in der Marienvorstadt (um 1233/41 erwähnt), die Kirche St. Johannis Evangelista (1332 indirekt erwähnt: villa s[an]cti Johannis22), die Bartholomäuskapelle (1332 genannt, Beinhaus) sowie das Barfüßerkloster (um 1510) in der Johannisvorstadt.23 Ein namentlich nicht genannter Pfarrer der Johannisvorstadt ist 1357 zusammen mit anderen urkundlich belegt (sancte Marie et sancti Johannis ibidem [in Osterode] et in Larsfelde, in Badenhusen ecclesiarum rectoribus).24 Schon in vorref. Zeit scheint ein enger Zusammenhang zwischen den Kirchen Aegidien und St. Johannis Evangelista bestanden zu haben: Ausweislich einer Urkunde aus dem Jahr 1483 hatten beide Kirchen die drei gleichen Älterleute.25 In der ersten Hälfte des 16. Jh. diente die Johanniskirche anscheinend auch als Klosterkirche des um 1510 gegründeten Klosters der Franziskaner-Observanten (Barfüßerkloster).26 Juden lassen sich in Osterode seit der zweiten Hälfte des 14. Jh. nachweisen.27
Der Grubenhagener Fs. und Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg Philipp I. (amt. 1486/94–1551) trat 1526 dem ev. Torgauer Bund bei.28 Erst mit der Säkularisierung der Klöster in den 1530er Jahren allerdings lassen sich konkrete Schritte zur Einführung der Reformation im Fsm. Grubenhagen erkennen. Eine erste KO erließ Philipp I. schließlich 1538. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Rat der Stadt Osterode mit P. Andreas Domeyer (amt. um 1537–1557) bereits den ersten ev. Prediger an die Aegidienkirche berufen, wohl ohne Zutun des Landesherrn.29 Details über die Entwicklung in Osterode sind allerdings nicht bekannt. Die 1544 verabschiedete Neufassung der Grubenhager KO orientierte sich an der Wolfenbütteler KO von 1543. Ihre Einführung war begleitet von der ersten Generalvisitation der Gemeinden des Fürstentums, mit der Hzg. Philipp I. die beiden Pastoren Andreas Domeyer aus Osterode und Ernst Burmester (amt. 1543–1554) aus Einbeck betraut hatte. Domeyer und Burmester fungierten als Sup. des kleinen Fsm. Die Kapelle St. Bartholomäi hatte seit 1529 P. Johann Homann inne, der spätestens 1542 luth. predigte.30 Vermutlich im Zusammenhang mit der Reformation ging die Pfarrgemeinde der Johannisvorstadt (einschließlich der Freiheit) in der Aegidiengemeinde auf, wobei Zeitpunkt und Umstände im Dunkeln liegen.31 Möglicherweise gleichzeitig kam auch die KapG Uehrde hinzu (das dortige Kirchlehen war seit 1447 im Besitz der Stadt Osterode).32
Nach dem Stadtbrand von 1545, bei dem auch die Aegidienkirche ausbrannte und das Pfarrhaus zerstört wurde, diente die Kirche St. Johannis Evangelista einige Zeit als Pfarrkirche der Gemeinde; P. Domeyer zog ins ehemalige Barfüßerkloster.33 1551 war der Wiederaufbau der Aegidienkirche weitgehend abgeschlossen; der Turm allerdings konnte anscheinend erst 1578/79 erneuert werden. Mitte des 16. Jh. zog der Rat die Güter der Bartholomäuskapelle ein und besserte damit das Einkommen des Pfarrers der Aegidienkirche auf (1562). Die Kapelle scheint in den folgenden Jahren abgetragen worden zu sein. Als Totenkapelle diente fortan die Kirche St. Johannis Evangelista, die nach der Vereinigung mit der Aegidienkirche ihre Funktion als Pfarrkirche verloren hatte.34
Ab 1554 umfasste der Pfarrbezirk der Aegidienkirche für gut ein Jahrhundert auch das Gebiet der Marienvorstadt; seit 1659 ist die St. Marienkirche wieder eigenständige Pfarrkirche; die KapG Lasfelde und die Hüttenleute, ursprünglich ebenfalls Teil der Mariengemeinde, blieben jedoch bei der Aegidienkirche (Bemühungen, die Mariengemeinde wieder nach Aegidien einzupfarren, scheiterten sowohl im 18. als auch in der zweiten Hälfte des 19. Jh.).35 Im Zuge der Reformation und der Auflösung des Stift St. Jacobi und Mariae war es der Stadt Osterode gelungen, das Patronatsrecht über Aegidien- und Johanniskirche an sich zu ziehen.36 Während der Amtszeit von Johann Sinderam (amt. 1565–1614) richtete der Rat 1570 eine zweite Pfarrstelle (Kaplanei) für die große Stadtgemeinde ein, auf die sie P. Andreas Theoderici (amt. 1570–1576) berief. Hzg. Wolfgang bewilligte der Stadt den halben Zehnten von Immensen zur Mitfinanzierung der neuen Pfarrstelle, beanspruchte im Gegenzug jedoch das Patronatsrecht. Nachdem das Fsm. Grubenhagen 1596 Teil des Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel geworden war, erhob der Landesherr 1606 zudem Ansprüche auf das Patronat über die erste Pfarrstelle. Das Urteil des Hofgerichts Wolfenbüttel fiel 1614 zugunsten der Stadt aus. Nach einem weiteren Wechsel der Landesherrschaft – das Fsm. Grubenhagen kam 1617 zum Fsm. Lüneburg – konnte die Stadt ihr Recht jedoch erst Mitte des 17. Jh. durchsetzen.37 Seit dieser Zeit rückte der zweite Pfarrer bei Freiwerden gewöhnlich in die erste Pfarrstelle auf. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. lässt sich „der Beginn einer ununterbrochenen jüdischen Niederlassung“ belegen: 1671 erwarb Lazarus Herz einen Schutzbrief für Osterode.38

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Der 1687 zum ersten hannoverschen Landrabbiner ernannte Joseph Süßel († 1703) wohnte in Osterode.
Im ersten Jahrzehnt des 18. Jh. kam es zu einer kirchlichen Neuordnung im Fsm. Grubenhagen; das Fürstentum teilte sich fortan in drei Inspektionen, von denen eine ihren Sitz an der Schlosskirche Osterode erhielt (die beiden anderen in Clausthal und Einbeck. Die übrigen Pastoren der Osteroder Stadtgemeinden, zusammengeschlossen im Geistlichen Ministerium der Stadt (dem auch der Sup. und P. der Schlosskirche angehörte), weigerten sich zunächst, den neuen Superintendenten als „Zwischenglied zwischen Generalsuperintendent und Ministerium“ anzuerkennen.39 Das Verhältnis zwischen Superintendent und Ministerium blieb in der Folgezeit geprägt von „immer wiederkehrenden Streitigkeiten“.40 Im 19. Jh. schließlich genossen die Stadtprediger gegenüber den Landgeistlichen keine bzw. kaum noch Vorrechte.41
Im Jahr 1741 lässt sich eine kleine pietistisch geprägte Gruppe in Osterode belegen; ihr Mitglieder wurden mehrfach verhört und aufgefordert „zum wahren evangelischen Glauben“ zurückzukehren.42 Die jüdische Gemeinde Osterode war im 18. Jh. zur größten im Raum Südhannover angewachsen (1750: 70); 1788 weihte sie eine neue Synagoge ein.43 Zum 1843 eingerichteten Synagogenbezirk gehörten neben Osterode auch Förste (bis 1844, wieder ab 1878/90), Lauterberg (1874), Clausthal (1876), Zellerfeld und Sankt Andreasberg (1901). Seit Ende des 19. Jh. war die Zahl der Gemeindeglieder rückläufig (1895: 94, 1925: 49). Um 1800 lebten etwa 100 kath. Christ*innen in Osterode; die in der Zeit des französischen Satellitenkgr. Westphalen gewährte Religionsfreiheit gab ihnen die Möglichkeit, 1809 wieder eine eigene Gemeinde zu gründen.44 Anfangs nutzte sie die Schlosskirche St. Jacobi, 1812 erhielt sie die alte St. Johanniskirche, die seit Ende des 16. Jh. als Totenkirche gedient hatte. Mit Ende des Kgr. Westphalen 1813 hörten die kath. Gottesdienste wieder auf, die kath. Schule musste geschlossen und die St. Johanniskirche zurückgegeben werden. Erst 1848 konnte sich die kath. Gemeinde erneut zusammenfinden und durfte wiederum die St. Johanniskirche nutzen. Da ihr der Kauf des mittelalterlichen Kirchengebäudes verweigert wurde, ließ sie Anfang des 20. Jh. einen Neubau errichten, die 1904 geweihte kath. Johanniskirche (die mittelalterliche Johanniskirche wurde 1927 abgebrochen.
Während der Amtszeit von P. Heinrich Georg Ludwig Schmidt (amt. 1829/1835–1867) bildete sich im Januar 1855 erstmals ein KV in der St. Aegidiengemeinde.45 Neben seinem Pfarramt war P. Schmidt auch im schulischen Bereich aktiv: 1831 gründete er eine Gewerbeschule, seit 1832 leitete er die neu eingerichtete Höhere Töchterschule und 1851/52 war er maßgeblich an der Vereinigung der drei Parochialschulen Osterodes zu einer Bürgermädchen- und einer Bürgerknabenschule beteiligt.46 P. Schmidts Amtsbruder P. Georg Max (amt. 1836/1867–1875) war nebenbei als Historiker tätig; 1862/63 veröffentlichte er seine zweibändige, bis heute einschlägige „Geschichte des Fürstenthums Grubenhagen“.47 Im sozial-diakonischen Bereich kam es im Mai 1854 zur Gründung eines Frauenvereins, den Friederike Max, Ehefrau des Pastors, leitete. Der Verein hatte sich „die Verbesserung der Lage der notleidenden Klassen in Osterode und Freiheit“ zum Ziel gesetzt.48 Er betrieb eine Spinn-, Näh- und Strickschule, eine Suppenküche und richtete noch 1854 eine Kinderbewahranstalt ein. Die Stadt stellte ein Gebäude für diesen Kindergarten bereit, seit 1872 waren Diakonissen aus dem Hannoveraner Henriettenstift in der Einrichtung tätig (1854: 8 Kinder, 1855: 40, 1907: 100).49 Gegen Ende des 19. Jh. entstand unter Leitung von P. Johannes Voigt (amt. 1891–1902) zudem ein Jugendheim. Diakonissen des Henriettenstifts wirkten später auch in der Gemeindeschwesternstation der drei Osteroder KG St. Aegidien, St. Marien und St. Jacobi; Trägerin der Einrichtung war die Stadt Osterode.50
Im Jahre 1882 zerstörte erneut ein Brand Teile der Aegidienkirche: Der Turmhelm brannte ab, die Glocken schmolzen und auch die Orgel nahm Schaden. Der Wiederaufbau begann noch im gleichen Jahr nach Plänen von Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase (1818–1902), 1883 erhielt die Gemeinde neue Glocken, 1884 eine neue Orgel. Während der Amtszeit von P. Eduard Wilhelm August Ubbelohde (amt. 1883–1890) ging 1887 auch die Verwaltung des kirchlichen Vermögens von der Stadt auf den KV über.51
Aufgrund der Verfolgung und Vertreibung der jüd. Bevölkerung Osterodes seit 1933 beschloss die jüd. Gemeindeversammlung im Juni 1938 die Auflösung sowie den Verkauf von Synagoge und Schule.52 Von den etwa 50 1933 in Osterode lebenden Jüdinnen und Juden emigrierten nachweislich 29, mindestens sieben wurden ermordet und eine Familie kehrte nach Kriegsende zurück.53 Während der NS-Zeit waren P. Justus Heinrich Wilhelm Karl Ungewitter (amt. 1899–1938) auf der ersten Pfarrstelle der Aegidienkirche tätig und auf der zweiten P. Karl Theodor Schmidt (amt. 1902–1940) sowie P. Christian Theodor Friedrich Iser (amt. 1943–1947, Dienstantritt erst 1945); hinzu kamen mehrere Pfarrkollaboratoren, die nach 1938 die vakante erste Pfarrstelle versahen. Der „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ ist für die Aegidienkirche nur sehr knapp beantwortet; die kirchenpolitische Haltung ist lediglich bei P. Iser vermerkt (Hannoversche Bekenntnisgemeinschaft), über den 1933 neu gewählten KV sei „[n]ichts besonderes zu melden“, seitens der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft hätten in der Aegidienkirche einige „Gottesdienste und Vorträge von auswärts“ stattgefunden, „Beteiligung schwach“.54 Die Auswirkungen von Kirchenkampf und Krieg auf das kirchliche Leben seien „kaum sichtbar“.55 Seit 1924 lebte P. i. R. Ludolf Parisius in Osterode, zuletzt Pastor in Eisdorf, der seit 1930 Mitglied der NSDAP war und 1933 mehrfach als Partei-Redner auftrat.56 In Osterode bestand eine Ortsgemeinde der DC, die zu Gottesfeiern in die St. Marienkirche einlud.57 Zwischen 1937 und 1939 traten gut 280 Glieder der Aegidiengemeinde aus der Kirche aus.58

Aegidienkirche, Blick zum Altar, 1950

Aegidienkirche, Blick zum Altar, 1950

Die Gesamtsituation in den drei Osteroder Stadtgemeinden schätzte LSup. Wilhelm Stupenhausen (amt. 1936–1948, Sprengel Göttingen-Grubenhagen) nach der Visitation der St.-Jacobi Gemeinde 1939 als kritisch ein; „ein kirchlicher Tiefstand“ sei deutlich sichtbar. „Das liegt einerseits an Jahrzehnte langer Unkirchlichkeit Osterodes. Das liegt andererseits an sehr starken antikirchlichen Einflüssen der Gegenwart. Das liegt aber auch mit daran, dass alle vier Geistliche in gleich hohem Alter standen und stehen. Nach dem Ausscheiden von Pastor Ungewitter ist einer der drei übrigen 74 Jahre alt und die beiden andern je 70 Jahr.“59 1947 sprach Sup. Curt Holscher (amt. 1940–1950) von einer „kirchlichen toten Gemeinde“.60 In der Nachkriegszeit wuchs die Aegidiengemeinde stark an; zählte sie 1934 etwa 7.300 Gemeindeglieder waren es 1947 mehr als 11.600.61 Zu den zwei Pfarrstellen der Gemeinde kam im Dezember 1951 eine Pfarrhelferstelle mit Sitz in der KapG Lasfelde hinzu; eine fühlbare Entlastung für die Muttergemeinde, wie Sup. Rudolf Herrfahrdt (amt. 1950–1965) 1952 anmerkte.62 Sup. Herrfahrdts Einschätzung des kirchlichen Lebens in den 1950er Jahren fällt positiver aus: Die Einrichtung eines Gemeindehauses habe die Situation für die Gemeindearbeit verbessert, der Kirchenchor spiele als „echte kirchliche Gemeinschaft“ eine wichtige Rolle, die Jugendarbeit sei rege und insgesamt sei die Aegidiengemeinde nun „die lebendigste Gemeinde der Stadt“.63 Die Landeskirchliche Gemeinschaft bilde den „festen Kern“ der Gemeinde.64
Zum Wiederaufbau des aus statischen Gründen 1940 abgebrochenen Turmhelms hatte sich 1948 der Verein „Turmbauhilfe e. V.“ gegründet, der auch als Bauherr auftrat. Nach Abschluss der Arbeiten übergab der Verein den Turm der Stadt; seit 1974 teilen sich Stadt und Gemeinde die Baulast des Turms.65 Ihre übrigen Patronatspflichten löste die Stadt zwischen 1953 und 1974 ab, womit das städtische Patronat über die Aegidienkirche endete. Zum Bau des 1964 ins Auge gefassten kirchlichen Zentrums im Ortsteil Freiheit kam es nicht.66 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die Aegidiengemeinde zusammen mit der St. Jacobigemeinde und der Gemeinde Zum guten Hirten Ende der 1960er Jahre Kontakte zur Kirchgemeinde Crimmitschau (westlich von Dennheritz); die Partnerschaftsarbeit schlief nach der Wende schrittweise ein.67
Mit der Einrichtung der Pfarrvikarstelle in Lasfelde im Jahr 1952 begann eine schrittweise Veränderung des Gemeindegebiets von St. Aegidien: Zum 1. Januar 1955 erhob das LKA Hannover die KapG Lasfelde zu einer eigenständigen KG.68 Zum 1. Juli 1962 machte sich der nördliche Gemeindeteil als Kreuzgemeinde selbstständig (Gemeindegliederzahl St. Aegidien jetzt rund 6.000).69 Zum 1. Oktober 1962 wurden die Grenzen zwischen St. Marien und St. Jacobi bzw. zwischen St. Marien und St. Aegidien neu festgelegt.70 Die Umstrukturierungen waren damit nicht zu Ende: Zum 1. Oktober 1977 verband das LKA die St. Aegidien- und die St. Mariengemeinde durch ein gemeinsames Pfarramt.71 Die KapG Riefensbeek-Kamschlacken wurde zum 1. Januar 1989 in eine selbständigen KG umgewandelt und pfarramtlich mit Lerbach verbunden.72 Die pfarramtliche Verbindung zwischen der St. Aegidien- und der St. Mariengemeinde, 1991 erneuert, endete 1997 (zweite Pfarrstelle wechselte mit Mariengemeinde zur St. Jacobigemeinde.73 Ab 1. Januar 2000 war die Aegidiengemeinde dann pfarramtlich mit ihrer Tochtergemeinde Riefensbeek-Kamschlacken verbunden und acht Jahre später schlossen sich die fünf Osteroder Gemeinden St. Aegidien, St. Jacobi, St. Marien, Kreuz und Zum guten Hirten sowie Lasfelde, Lerbach und Riefensbeek-Kamschlacken zu einem Pfarrverbund zusammen. Dieses verbundene Pfarramt Osterode-Stadt hatte anfangs sechs Pfarrstellen.74
2012 schließlich fusionierten die Christus-KG Riefensbeek-Kamschlaken und die St.-Aegidien-KG; gemeinsam gründeten beide die neue „Ev.-luth. St.-Aegidien-KG Osterode“.75

Pfarrstellen

I: vorref. – II: 1570–1997 (1977 mit der Pfarrstelle der St. Mariengemeinde vereinigt; nach Auflösung pfarramtlichen Verbindung mit St. Marien übergegangen auf St. Jacobi.76

Umfang

Altstadt Osterode, ehemalige Johannisvorstadt, Freiheit, Scheerenberg und KapG Uehrde (1962 Grenze zu St. Marien neu festgelegt).77 Bis 1989 auch die KapG Riefensbeek-Kamschlacken (dann eigenständige KG).78 Bis 1962 auch das nordöstliche Stadtgebiet jenseits der Söse, dann als Kreuzgemeinde verselbständigt.79 Bis 1955 auch KapG Lasfelde mit Katzenstein und Petershütte, dann eigenständige KG Lasfelde.80 Bis 1728 auch Lerbach, dann eigenständige KG. Von 1554 bis 1659 auch Marienvorstadt, vorher und nachher eigenständig.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (sedes Berka) der Erzdiözese Mainz.81 – Nach der Reformation Suptur. bzw. GSuptur. des Fsm. Grubenhagen bzw. Geistliches Ministerium der Stadt Osterode. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. der Insp. Osterode unterstellt (1924: KK).

Patronat

Die Kirche war dem Kloster St. Mariae et Jacobi Osterode inkorporiert. Während der Reformation eignete sich 1537 der Rat der Stadt Osterode das Patronatsrecht an.82 Für die 1570 eingerichtete zweite Pfarrstelle beanspruchte der Grubenhagener Landesherr Hzg. Wolfgang zu Braunschweig-Lüneburg das Patronat, da er den halben Zehnten von Immensen zur Dotierung der Pfarrstelle zur Verfügung gestellt hatte. Nach langjährigen Streitigkeiten zwischen Stadt und dem neuen Landesherrn in Wolfenbüttel über das Patronat fiel das Urteil des Hofgerichts Wolfenbüttel 1614 zugunsten der Stadt aus. Durchsetzen konnte die Stadt dies erst 1647.83 Nach einer Übersicht über die Rechte und Pflichten des Patrons aus dem Jahr 1877 stand der Stadt das alleinige Besetzungsrecht der beiden Pfarrstellen der Aegidienkirche, der Organisten- sowie der Küsterstelle zu, sie entsandte einen Vertreter in den KV und verwaltete das kirchliche Vermögen (Vermögensverwaltung seit 1887 beim KV).84 Zu den Pflichten der Stadt zählte u. a. die Zahlung eines Beitrags zu den Gehältern der Pastoren und des Organisten, die Stellung von Dienstwohnungen für Pastoren und Küster, die bauliche Unterhaltung des Kirchturms samt Glocken, der beiden Pfarrhäuser, des Küsterhauses und der Kapelle in Uehrde. Während der Inflationszeit stellte die Stadt 1921/22 die Zahlung ihres jährlichen Beitrags zum Gehalt der Pastoren ein.85 Ab 1953 löste die Stadt ihre Patronatsverpflichtungen nach und nach ab (1953 Dienstwohnungen Pastoren, 1955/56 Gehaltszuschuss erste Pfarrstelle und Organistenstelle, Dienstwohnung Küster, Kosten für Einführung neuer Pastoren, Kosten für Abendmahlswein und Hostien; 1958 Gehaltszuschuss zweite Pfarrstelle (teilweise), Bauunterhaltung Kapelle Uehrde; 1971 Holzdeputate, Rest Gehaltszuschuss zweite Pfarrstelle). 1974 einigten sich Stadt und KG über die noch offenen Patronatspflichten: Die Stadt trägt weiterhin 50 Prozent der Baulast des Kirchturms und die Unterhaltung der Turmuhr, alle weiteren Pflichten sind erloschen. Damit endete das städtische Patronat über die Aegidienkirche.86

Kirchenbau – St. Aegidien-Marktkirche

Verputzter Rechteckbau mit steinsichtigem Sockel, einseitig eingezogener Chor mit dreiseitigem Schluss und Sakristeianbau an der Nordseite, Mauerwerk mittelalterlich, Wiederaufbau nach Brand 1545. Satteldach, über dem Chor abgewalmt. Schiff und Chor mit hohen Spitzbogenfenstern mit Eisenmaßwerk, Strebepfeiler, spitzbogiges Portal nach Süden. Im Innern u-förmige Empore und bemalte Kassettendecke (zweite Hälfte 16. Jh. und vielleicht 1635/36), erhalten sind 49 Propheten und Figuren des AT, 14 Figuren des NT sowie der Kirchenvater Irenäus von Lyon, überwiegend Brustbilder in Halbprofil, jeweils mit Beischrift.87 1545 Kirche bei Stadtbrand ausgebrannt. Wohl bis 1551 Wiederaufbau, vielleicht um/seit 1550 Einbau und Bemalung der Kassettendecke. 1635/36 Chor vergrößert (Maurermeister Andreas Schneider und Andreas Kaufmann; Chorwand in Flucht des Kirchenschiffs gerückt), möglicherweise neue Kassetten im neuen Teil der Kirche, vielleicht mit Kirchenväterzyklus.88 1646 Bemalung der Emporenbrüstungen.89 1842 Innenrenovierung. 1862 Renovierung und vielleicht Bau der Fachwerksakristei an Nordseite des Chors, gleichzeitig Orgelerneuerung; Stadt und KG teilen sich die Kosten hälftig, ohne dass die Stadt „für jetzt oder in Zukunft eine Rechtsverbindlichkeit zur Bestreitung der Kosten von kirchlichen Bedürfnissen“ anerkennt.90 1882 Brandschäden. 1906/07 Innenrenovierung (u. a. neue Chorfenster, elektrisches Licht, Dampfheizung). 1945 Schäden durch Sprengung der Sösebrücke (u. a. Fenster zerstört, Dach beschädigt). 1953 Innenrenovierung (u. a. verputzte Kassettendecke freigelegt, bemalte Kassetten restauriert und neu über die Decke verteilt). 1982 Bronzetür. 1996–99 Innenrenovierung. 1996–2008 Dach- und Turmsanierung.

Grablege

Neben der Stiftskirche St. Alexandri in Einbeck und der Osteroder Jacobikirche diente auch die Aegidien-Kirche als Grablege der Grubenhagener Linie der Welfen; begraben sind hier die vier letzten Herzöge des Fsm. Grubenhagen: Hzg. Philipp I. († 1551), Hzg. Ernst III. († 1567) und Ehefrau Margarete († 1569), Hzg. Wolfgang († 1595) und Ehefrau Dorothea († 1586), Hzg. Philipp II. († 1596) und Ehefrau Clara († 1595).91

Fenster

Drei schlichte Chorfenster mit verschiedenen Farbtönen (2008/09, Wilhelm Buschulte, Unna). Nordfenster (2011, Wilhelm Buschulte, Unna) zum Gleichnis vom Senfkorn (Mk 4,30–32). Drei ältere Chorfenster (1906/07) 1945 bei Sprengung der Sösebrücke zerstört, figürliche Darstellung von Kreuzigung und Auferstehung, im mittleren Fenster Apostel Petrus und Paulus.92

Aegidienkirche, bzw. Glockenturm, Ansicht von Westen, nach 1951

Aegidienkirche, bzw. Glockenturm, Ansicht von Westen, nach 1951

Turm

Querrechteckiger Westturm, kupfergedecktes Satteldach mit achtseitigem, verkupfertem Dachreiter, bekrönt mit Kugel und Hahn. Steinsichtiges Bruchsteinmauerwerk, Glockenstube aus Fachwerk mit Kupferverkleidung, je zwei hochrechteckige Schallfenster an den Schmalseiten, vier nach Osten und drei nach Westen, nach Süden und Norden Uhrziffernblätter in den Giebeldreiecken, nach Westen an der Glockenstube, nach Osten am Dachreiter. Zwei Inschriftensteine: „Anno 1578 Jm na[m]en der [] heiligen dreif[a]ltikei[t]n angefangen der bawher Andreas Eber[s] [Amen]“ und „Anno 1579 H[einrich] N[app] E[dituus]“.93 1545 Turm bei Stadtbrand ausgebrannt. Wohl 1578/79 Wiederaufbau. 1750 Stützpfeiler an Südostecke. 1882 Glockengeschoss (Fachwerk) und Turmhelm abgebrannt. 1882/83 neugotischer Wiederaufbau von Glockengeschoss und Turmhelm (Architekt: Conrad Wilhelm Hase, Hannover), Schieferverkleidung.94 1922 Stützpfeiler Nordostecke. 1938 statische Sicherung des Turms (Stahlbetonwände, Zementeinspritzung). 1941 Turmhelm wegen Baufälligkeit abgetragen und durch Notdach ersetzt. 1950/51 Neubau Turmhelm (Architekt Hans Stephan, Osterode/Berlin).95 1996–2008 Dach- und Turmsanierung. Der Turm war bis in die zweite Hälfte des 20. Jh. Eigentum der Stadt Osterode, die auch für die Bauunterhaltung zuständig war, seit 1974 teilen sich Stadt und KG die Kosten.96

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar (1772), zusammengefügt aus älterem Altar (1660, Andreas Gröber) und älterer Kanzel (1659, Andreas Gröber), davor holzverkleideter Steinaltar mit seitlichen Schranken; Kanzelkorb flankiert von zwei gedrehten Säulen, an den Wandungen des Kanzelkorbs Schnitzfiguren (Christus, vier Evangelisten), Predella mit Abendmahlsrelief, oberhalb der Kanzel und im seitlichen Schnitzwerk Schnitzfiguren der vier Evangelisten, Bekrönung mit zwei Engeln sowie triumphierendem Christus mit Siegesfahne; anstelle der Kanzel besaß der Altar ursprünglich ein Kreuzigungsbild. – Sechsseitige Taufe mit von der Decke hängendem, kronenartigen Deckel (1589, Zacharias König, Osterode); an den Wandungen des Beckens Reliefs der vier Evangelisten und Schrifttafeln; an den Ecken Engel als Pilasterhermen; Inschriften u. a.: „Qvi crediderit et baptisatvs fverit salvvs erit qvi vero non crediderit condemnabitvr marci vltimo“ (Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Markus im letzten [Kapitel]), „1589“, „Zacharias Konni m[e] f[ecit] (Zacharias König hat mich gemacht) und „Hic e[st] filivs me[vs] dilec[tvs i]n qvo mihi complacitv[m] est ipsvm avdite“ (Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe, hört auf ihn); Taufe ursprünglich in der Johanniskirche, wohl seit 1907 in der Aegidienkirche.97 – Reste des alten Orgelprospekts (1646), Engel und David-Gruppe, zeitweise im Heimatmuseum, seit 1953 an Orgel- bzw. Emporenbrüstung angebracht.98 – An den Wänden des Chorraums Grabplatten der herzoglichen Gräber: Philipp I. († 1551)99, Ernst III. († 1567) und Ehefrau Margarete von Pommern († 1569)100, Wolfgang († 1595, Grabplatte von Ebert Wolf d. J., Hildesheim) und Ehefrau Dorothea von Sachsen Lauenburg († 1586)101 sowie Hzg. Philipp II. († 1596) und Ehefrau Clara zu Braunschweig-Lüneburg († 1595); Grabplatten 1881 aufgerichtet.102 – Epitaph für Hzg. Philipp I. zu Braunschweig-Grubenhagen und seine Familie (1573), gestiftet von Hzg. Wolfgang, im Hauptfeld Auferstehungsbild; 1996 abgenommen, restauriert und 2002 wieder aufgehängt.103 – Epitaph für einen Adligen namens Jost († 1616), bis 1927 in der Johanniskirche.104 – Epitaph für Prof. Dr. Andreas Cludius († 1624), im Hauptfeld Gemälde des Verstorbenen (Maler Jobst Eggena, Osterode).105 – Zweiflügelige Tür mit Bronzereliefs (1980–82, Werner-Joachim Schatz, Lerbach), Tür der Hoffnung, von oben nach unten: Abendmahl, Tod und Trauer (links) und Liebe (rechts), verlorener Sohn (links) und barmherziger Samariter (rechts), die Verzweifelten (links) und die Einsamen (rechts). – Ehemalige Ausstattung: Epitaph für Bgm. Bartold Brüning und Ratsherr Hans Kohlruß (1598).106 – Gemälde des P. Andreas Böttcher (amt. 1614–1640), wohl 1842 entfernt.107 – Gemälde an Emporenbrüstung (1640 und später), biblische Szenen, 1842 entfernt.108

Orgel

Organist in Kämmereirechnung von 1521 erwähnt.109 Vorhandene Orgel wohl 1545 bei Kirchenbrand zerstört. 1568 Kauf eines gebrauchten Orgelpositivs aus dem Kloster Wennigsen, wohl I/–. 1580/81 Orgelneubau, Johann Friedemann (Braunschweig), wohl I/aP. 1636 Instandsetzung und Erweiterung des Instruments um zwei Register, ausgeführt von Ernst Schoene (Osterode). 1644/45 Erweiterung um RP mit acht Registern, Erweiterung der vorhandenen Register um je acht Pfeifen da die Orgel bislang „nicht weiter alß in das große F und kleine a gehet“ und Erneuerung des Gehäuses, Arbeiten ausgeführt von Andreas Weiß (Meiningen), II/aP (HW, RP).110 1646 Erneuerung des HW, Heinrich Herbst (Hildesheim), Einbau einer doppelten Springlade als Hauptwerkslade, wohl 19 II/aP (HW, RP), Springlade. 1704 Dispositionsänderungen und Erweiterung um ein selbständiges Pedal, Johann Georg Müller (Hildesheim), wohl 24 II/P. 1822 Umbau und Veränderung der Disposition nach frühromantischem Zeitgeschmack, Ernst Lindrum (Goslar), 28 II/P. 1841 Reparatur, ausgeführt von Andreas Engelhardt (Herzberg). 1862 Umbau und Änderung der Disposition, Georg Breust (Goslar), 24 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen, Intonation von Chor- auf Kammerton geändert; Stadt übernahm die Hälfte der Kosten; KG brachte ihren Anteil durch Spenden und eine Lotterie auf.111 Orgel 1882 nach Turmbrand beschädigt und unbrauchbar (Wasserschaden). 1883 Interimsorgel angeschafft, 5 I/–, erworben von der Stadt „aus der Konkursmasse der Orgelbauanstalt P. Furtwängler & Söhne-Elze“; nach Orgelneubau an KG Wichmannsburg verkauft.112 1884 Neubau unter Verwendung vorhandenen Materials, ausgeführt von den Gebrüdern Rohlfing (Osnabrück), 24 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Kegelladen. 1917 Ausbau der zinnernen Prospektpfeifen und Abgabe zu Rüstungszwecken, Einbau von Zinkpfeifen als Ersatz. 1934 Dispositionsänderung unter dem Einfluss der Orgelbewegung, ausgeführt von G. F. Steinmeyer & Co (Oettingen), 24 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Kegelladen. 1950 Reparatur und Dispositionsänderung, Paul Ott (Göttingen). 1956/57 Orgelneubau, Werner Bosch (Kassel), Gehäuse entworfen von Heinz Wolff (Hannover), 25 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; einzelne vorhandene Register übernommen (u. a. Quintade 16’ von 1643 und Oktave 4’ von 1646); 2000 Instandsetzung und Erneuerung von zwei Registern, ausgeführt von Werner Bosch Orgelbau GmbH (Kassel).

Geläut

Drei LG, I: c’, Andreasglocke (Stahl, Gj. 1950, Bochumer Verein), Inschrift: „Danket dem Herrn denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich – Stiftung der Firma Aug. Krome Inh. Willi u. Dr. Adolf Krome Osterode – Harz 1950“ und „Hans Krome * um 1500 Andreas Krome * 1950“; II: es’, Lutherglocke (Stahl, Gj. 1950, Bochumer Verein), Inschrift: „Ein feste Burg ist unser Gott. St. Aegidien Gemeinde 1950“, finanziert aus Spenden von Gemeindegliedern; III: f’, Christusglocke (Bronze, Gj. 1883, Firma Otto, Hemelingen), Inschrift: „Friede sei mit Euch“ und „1883“, Bild: segnender Christus. Zwei SG, I: h’, Inschrift: „1883“; II: fis’’ (beide Bronze, Gj. 1883, Firma Otto, Hemelingen), Schlagglocken im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und seit 1948 wieder in Osterode. – Früherer Bestand: Glocken bei Brand 1545 zerstört.113 Eine LG (Bronze, Gj. wohl 1350, 1390 oder 1400, Glockengießer Johannes), Inschrift: „O rex glorie [christ]e veni cvm pace ave maria conflavit Iohan me dvm stetit ivbilevs an[nvs] (O König der Ehren, Christus, komm mit Frieden. Sei gegrüßt, Maria. Gegossen hat mich Johann, als das Heilige Jahr anstand), Glocke 1547 aus der Marienkirche übernommen; 1882 bei Turmbrand zerstört.114 Eine SG (Bronze, Gj. zweite Hälfte 13./erste Hälfte 14. Jh.), Inschrift wohl: „A. Ego sv[m] lvx mvndi A“ (Amen [?] Ich bin das Licht der Welt. Amen [?]), Viertelschlagglocke, Glocke 1547 aus der Marienkirche übernommen; 1882 bei Turmbrand zerstört.115 Eine LG (Bronze), umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1613, Joachim Schrader, Hannover), Inschrift: „Trivni deo gloria d[omino] Joh[ane] Sinderamo et M[agistro] I[ohane St]apelio Pastoribvs Adam Elerds cons[vle] Georg Reten Camerar[io] A[…] Lentferdes Diaconis hoc opvs reparatvm a[nno] d[omini] M D CXIII Jvn[ii] Bartholdo Eggena aedile Geor[gio] Ecstein. [Fvs]a per Jochim Schrader Hannov[eranvm] (Ehre sei dem dreieinigen Gott. Zur Zeit der Pastoren Herr Johann Sinderam und Magister Johann Stapel, des Bürgermeisters Adam Eberdt, des Kämmerers Georg Reiten und der Diakone A [… und …] L entfernt wurde dieses Werk erneuert, im Jahr des Herrn 1613 im Juni, als Bartold Eggena und Georg Eckstein Kirchenvorsteher waren. Gegossen durch Joachom Schrader aus Hannover), beim Turmbrand 1882 zerstört. Eine LG (Bronze, Gj. 1660, Claudius Bricon), beim Turmbrand 1882 zerstört. Zwei LG, I: des’, Lutherglocke, Inschrift: „Ein feste Burg ist unser Gott. Eingeweiht am 10. November 1883 bei der Feier des 400jährigen Geburtstages des Reformators Dr. Martin Luthers“; II: f’, Inschrift: „Kommt denn es ist alles bereit“, Bild: Bibel sowie Kreuz mit Palmzweig“ (beide Bronze, Gj. 1883, Firma Otto, Hemelingen), beide im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben und eingeschmolzen; die dritte Glocke des Geläuts ist die heutige LG III.

Kirchenbau – St. Johannis Evangelista

Mittelalterliche Saalkirche, leicht eingezogener Chor mit dreiseitigem Ostschluss, erbaut oder instandgesetzt wohl im frühen 15. Jh.116 Walmdach. Schiff und Chor mit hohen, zwei- und dreibahnigen Spitzbogenfenstern, teilweise mit Maßwerk; Strebepfeiler. Flachbogige Eingänge nach Westen und Süden; über dem westlichen Eingang soll sich eine Inschrift befunden haben: „Ann[…] cccci […]“.117 Im Innern flache Decke in Schiff und Chor, spitzbogiger Triumphbogen zwischen Chor und Schiff. 1449 Brand und Wiederaufbau. 1512 Instandsetzung, Nutzung als Klosterkirche des neuen Barfüßerklosters. Ab Mitte des 16. Jh. Nutzung als Totenkapelle. 1812 Renovierung und Nutzung als kath. Kirche (bis 1813, dann fiel die Kirche an Stadt).118 1848 Instandsetzung und Nutzung als kath. Kirche (bis 1904, dann an Aegidiengemeinde übergeben). Vor dem Ersten Weltkrieg Überlegungen, Kirche zu FKap umzubauen.119 1927 abgebrochen.

Turm

Ursprünglicher Turm 1820 wegen Baufälligkeit abgebrochen. 1848 achtseitiger Dachreiter erbaut.

Ausstattung

Altar mit dreistöckigem Retabel, im Hauptfeld Kreuzigungsgemälde, flankiert von gedrehten Säulen; Retabel 1928 verkauft an die neu erbaute kath. Kirche Maria Rosenkranz in Hollenstede/Bersenbrück.120 – Kanzel, getragen von einer Skulptur des Evangelisten Johannes, 1928 verkauft an die neu erbaute kath. Kirche Maria Rosenkranz in Hollenstede/Bersenbrück.121 – Taufe (1589), wohl um 1907 an Aegidienkirche. – Hölzernes Kruzifix, hing im Triumphbogen, Verbleib unbekannt. – Hölzerner Opferstock mit Eisenbeschlägen, kam um 1927 in die St. Jacobikirche. – Epitaph für Eisenfaktor Heinrich Hattorf († 1613), seit 1927 in FKap.122 – Epitaph des Adligen Jost († 1616), seit 1927 in Aegidienkirche.

Orgel

Erbaut um 1600 Valentin Sickel, Bernhard N. und Nicolaus Koppel, (Nordhausen). Neue Orgel 1850, Johann Andreas Engelhardt (Herzberg), 1904 in die neue kath. Kirche übernommen.

Geläut

Eine LG (Bronze).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1979). – Gemeindehaus (ehemalige Schule, Bj. um 1780), 1955 von der Stadt übernommen.

Friedhof

Kirchlicher Friedhof bei der St. Aegidienkirche, erwähnt 1459 und 1520 (Marktkirchhof), wohl schon seit der ersten Hälfte des 14. Jh. nicht mehr genutzt.123 Seitdem diente der in den 1330er Jahren zuerst erwähnte Johannisfriedhof in der Johannisvorstadt als städtischer Friedhof der Aegidien- und auch der Jacobigemeinde, FKap (Bj. 1927).124 Friedhof seit 1942 in städtischer Trägerschaft125, seit 1990 unter Denkmalschutz.

Liste der Pastoren (bis 1940)

Erste Pfarrstelle: 1537–1557 Johann Andreas Domeyer. – 1557–1558 Andreas Sanftleben. – 1558–1559 Johannes Erdmann (Geander). – 1559–1560 Heinrich Hovel (Höfel). – 1560–1562 Antonius Fischer. – 1562–1565 Daniel Bodenburg. – 1565–1614 Johann Sinderam. – 1614–1624 Magister Johann Stapel(ius). – 1624–1640 Magister Andreas Böttcher (Bödecker, Vietor). – 1640–1647 Johannes Breiger. – 1647–1660 Georg Trautmann. 1660–1663 Magister Johann Bartholomäus Bechmann. – 1663–1674 Magister Theophilus Cöler. – 1674–1697 Magister Andreas Hagemann. – 1697–1714 Heinrich Andreas Heckenberg. – 1714–1728 Heinrich Gerhard Ranke. – 1728–1732 Andreas Hermann Münter. – 1732–1738 Georg Dietrich Thieß. – 1738–1772 Justus Heinrich Jenisch. – 1772–1780 Heinrich Hermann Flügge. – 1780–1813 Magister Joachim Jacob Jenisch. – 1813–1819 Friedrich Rudolf Konrad Kettler. – 1819–1828 Johann Justus Ernst Steinhöfel. – 1828–1835 Johann Christian Zimmermann. – 1835–1867 Heinrich Georg Ludwig Schmidt. – 1867–1875 Georg Heinrich August Max. – 1875 Friedrich Wilhelm Theodor Höpfner. – 1876–1882 Heinrich Anton Schmidt. – 1883–1890 Eduard Wilhelm August Ubbelohde. – 1891–1902 Johannes Gerhard Andreas Wilhelm Voigt. – 1902–1938 Justus Heinrich Wilhelm Karl Ungewitter. – 1938–1939 Günther Bernhard Wilhelm August Richter (P. coll.). – 1939–1940 Heinrich Johann Otto Linkmeyer (P. coll.). – 1940, 1945–1946 Dr. Curt Robert Armin Georgi (P. coll.). – 1947–1958 Heinz Wilhelm Johannes Anger.
Zweite Pfarrstelle: 1570–1576 Andreas Theodorici. – 1576–1584 Melchior Stubendorf. – 1584–1602 Johann Heubt (Hoved). – 1604–1614 Johannes Stapel(ius). – 1614–1624 Andreas Bött(i)cher (Bödecker, Vietor). – 1624–1630 Johannes Zeisig (Ziesich). – 1630–1639 Franz Daniel Berg(ius). – 1639–1640 Johannes Breiger. – 1641–1647 Georg Trautmann. – 1647–1652 Christoph Berg(ius). – 1652–1660 Johann Bartholomäus Bechmann. – 1663–1674 Andreas Hagemann. – 1674–1685 Johann Helmbrecht. – 1685–1697 Heinrich Andreas Heckenberg. – 1697–1699 Johann Peter Schachtrupp. – 1700–1704 Heinrich Philipp Guden. – 1704–1714 Heinrich Gerhard Ranke. – 1714–1728 Andreas Hermann Münter. – 1728–1732 Georg Dietrich Thieß. – 1733–1738 Just Heinrich Jenisch. – 1738–1744 Johann Friedrich Jacobi. – 1745–1754 Ernst Ludwig Prieser. – 1754–1755 Ernst Christian Ostermann. – 1756–1772 Heinrich Hermann Flügge. – 1772–1780 Joachim Jakob Jenisch. – 1780–1799 Friedrich Wilhelm Busse. – 1799–1806 Johann Daniel Mävers. – 1806–1813 Friedrich Rudolf Konrad Kettler. – 1814–1819 Johann Justus Ernst Steinhöfel. – 1820–1828 Johann Christian Zimmermann. – 1829–1835 Heinrich Georg Ludwig Schmidt. – 1836–1867 Georg Heinrich August Max. – 1868–1875 Friedrich Wilhelm Theodor Höpfner. – 1877–1882 Karl Julius Mohr. – 1882–1891 Vakanz. – 1891–1896 Dr. phil. Bernhard Max Mauff. – 1896–1898 Ernst August Heinrich Friedrich Fargel. – 1899–1902 Justus Heinrich Wilhelm Karl Ungewitter. – 1902–1940 Karl Theodor Schmidt. – 1943–1947 Christian Theodor Friedrich Iser.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 250–252 und III, S. 35 (mit Ergänzungen); Kurzbiographien bei Müller, Kirchen und Klöster, S. 119 ff.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 8920–8963 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 539, 725, 727, 729, 731 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 6446–6463 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1769Digitalisat, 1770Digitalisat, 1771Digitalisat, 1772Digitalisat, 1773Digitalisat, 1774Digitalisat, 1775Digitalisat, 1776Digitalisat (Visitationen); D 47 (EphA Osterode); S 11a Nr. 7296a (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1581 (unvollständig: 1591–1596)
Trauungen: ab 1583 (Lücken: 1589–1595)
Begräbnisse: ab 1581 (Lücken: 1593, 1594, 1655–1660)
Kommunikanten: ab 1669 (Lücken: 1680–1810, 1839, 1841, 1843, 1845,1847, 1849), Erstkommunikanten: 1815–1833 (Lücken: 1816, 1818, 1821,1823, 1825, 1827,1830, 1832)
Konfirmationen: ab 1836

Literatur & Links

A: Gemeindebuch KK Osterode, S. 32–35; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1074–1075; Fouquet u. a., Residenzstädte I, Teil 1, S. 412–415 [online]; Kayser, Inspektion Osterode, S. 16–43; Mahr, Orgelbauer Müller, S. 153–164; Meyer, Pastoren II, S. 250–252; Obenaus, Handbuch II, S. 1220–1232; Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Osterode, S. 119–122; Paravicini, Residenzen Bd. I,2, S. 438–439.
B: Ekkehard Eder: Die Glocken der St. Aegidien Marktkirche zu Osterode, in: HbllHarzRd 56 (2000), S. 35–42; Niels Fleck: Die Grablege der Herzöge zu Braunschweig-(Lüneburg-)Grubenhagen in der Marktkirche St. Ägidien in Osterode, in: HbllHarzRd 75 (2019), S. 33–49; Heike Grobis: St. Johannes Evangelista auf dem Johannisfriedhof, in: HbllHarzRd 73 (2017), S. 86–90; Heike Grobis: „Alte Burg“ & Johannisfriedhof in Osterode am Harz (= HbllHarzRd, Sonderheft 17), Osterode am Harz 2016; Ingeborg Kehr: Der Turm der St. Aegidien-Marktkirche zu Osterode am Harz, in: HbllHarzRd 70 (2014), S. 50–55; Jörg Leuschner (Hg.): Osterode. Welfensitz und Bürgerstadt im Wandel der Jahrhunderte, Hildesheim, Zürich, New York 1993; Johannes Schäfer: Osteroder Orgelchronik. Geschichte der Orgelwerke in Osterode am Harz (= Osteroder kirchengeschichtliche Nachrichten 2), Osterode 1961 [darin überarbeitete Fassung von: Johannes Schäfer: Geschichte der Orgel in der St. Aegidienkirche zu Osterode (Harz). Ihre Geschichte von 1580–1934, Osterode (Harz) 1935]; Albrecht Schütze: Die Kinderbewahranstalt. Vorläufer des Kindergartens, in: HbllHarzRd 49 (1993), S. 54–58; Albrecht Schütze: Vom Frauenverein zur Diakoniestation, in: HbllHarzRd 49 (1993), S. 59–62; Albrecht Schütze: Friedhofskultur im Wandel. Stadtfriedhof in Osterode am Harz (= HbllHarzRd, Sonderheft 16), Osterode am Harz 2015; Walter Struve: Aufstieg und Herrschaft des Nationalsozialismus in einer industriellen Kleinstadt. Osterode am Harz 1918–1948, Augsburg 1992, bes. S. 301–313; Heinrich Wendt: Geschichte des Welfenfürstentums Grubenhagen, des Amtes und der Stadt Osterode, bearbeitet von Jörg Leuschner. Mit Einleitung, Texterläuterungen und Übersetzungen, Hildesheim, Zürich, New York 1988, bes. S. 215–241.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Aegidienkirche, Aegidienkirche Turmhelm (Entwurf); Johanniskirche, Johanniskirche (Altar), Johanniskirche (Kanzel).

GND

112448406X, Sankt-Aegidien-Marktkirche (Osterode am Harz)


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 165.
  2. Pischke, in: Leuschner, S. 17 ff.
  3. MGH DD Lo III 90; RI IV,1,1 n. †492, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1136-08-07_1_0_4_1_1_492_F492 (Abgerufen am 29.10.2021). Siehe auch Pischke, in: Leuschner, S. 19 f. Zu den frühen Nennungen Osterodes vgl. insgesamt Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Osterode, S. 119 f. Dort ist auch ein Beleg von 1126 vermerkt, allerdings als eine „freie Fälschung aus dem 18. Jh.“ (ebd., S. 120).
  4. Mainzer UB II, Nr. 36.
  5. MGH SS rer. Germ. 42, S. 178. Siehe auch https://www.geschichtsquellen.de/werk/1060, 29.10.2021.
  6. MGH SS 16, S. 87; zu den Pöhlder Annalen siehe knapp: https://www.geschichtsquellen.de/werk/346, 28.10.2021. Zur Burg knapp Paravicini, Residenzenforschung Bd. I,2, S. 438.
  7. Pischke, Landesteilungen, S. 15. Vgl. zudem Pischke, in: Leuschner, S. 17 ff.
  8. Für einen knappen Überblick zur Geschichte des Fsm. Grubenhagen vgl. Pischke, Grubenhagen, S. 143 ff., zum Territorium ebd., S. 151 ff., zum Namen ebd., S. 161 ff.
  9. Pischke, in: Leuschner, S. 27 und 37.
  10. Max, Grubenhagen II, Urkundenbuch Nr. 7. Zur Stadtwerdung: Pischke, in: Leuschner, S. 36 ff.
  11. UB Osterode, Nr. 5.
  12. Paravicini, Residenzenforschung Bd. I,2, S. 439.
  13. Digitalisat: http://digital.slub-dresden.de/id404350887/425.
  14. UB Osterode, Nr. 5. Zum Folgenden: Pischke, in: Leuschner, S. 121 ff.
  15. UB Osterode, Nr. 278 und 282; vgl. auch ebd., Nr. 280 und 281.
  16. Müller, Kirchen und Klöster, S. 31; UB Osterode, Nr. 280–281.
  17. UB Osterode, Nr. 142.
  18. UB Osterode, Nr. 144.
  19. UB Osterode, Nr. 142, siehe auch ebd., Nr. 141, 143 und 144 (Altäre, „de her Hildebrand Hoymberch, Tile sin brodere, her Henrik Yegere unde Jacob sin brodere bewedemet hebbet“).
  20. Vgl. Pischke, in: Leuschner, S. 122 ff. (mit weiteren Belegen).
  21. Müller, Kirchen und Klöster, S. 32.
  22. Max, Grubenhagen II, Urkundenbuch Nr. 48; Leuschner, S. 403; Grobis, St. Johannes Evangelista, S. 86 ff.; Grobis, „Alte Burg“ & Johannisfriedhof, S. 137 ff.
  23. Insgesamt: Müller, Kirchen und Klöster, S. 17 ff. und S. 30 ff.; Pischke, in: Leuschner, S. 105 ff. Zu den Klöstern: Dolle, Klosterbuch III, S. 1237 ff. und S. 1243 ff.
  24. UB Goslar IV, Nr. 606.
  25. Müller, Kirchen und Klöster, S. 34.
  26. Dolle, Klosterbuch III, S. 1243 ff.; Müller, Kirchen und Klöster, S. 35.
  27. Obenaus, Handbuch II, S. 1221.
  28. Zur Reformation im Fsm. Grubenhagen vgl. knapp: Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,2, S. 1023 ff.; Text der ersten KO ebd., S. 1028 ff. Siehe auch Butt, Herrschaft, S. 52 ff.
  29. Müller, Kirchen und Klöster, S. 39 ff. Vgl. auch Leuschner, S. 222 ff.
  30. Müller, Kirchen und Klöster, S. 41 f.
  31. Müller, Kirchen und Klöster, S. 43.
  32. Müller, Kirchen und Klöster, S. 48.
  33. Leuschner, S. 224.
  34. Müller, Kirchen und Klöster, S. 41 f.
  35. Müller, Kirchen und Klöster, S. 47 und S. 57; Leuschner, S. 224 und 408.
  36. Müller, Kirchen und Klöster, S. 45 f.
  37. Müller, Kirchen und Klöster, S. 50 ff.; Leuschner, S. 228 f.
  38. Obenaus, Handbuch II, S. 1222.
  39. Müller, Kirchen und Klöster, S. 62. Vgl. insgesamt ebd., S. 61 ff: siehe auch Leuschner, S. 306.
  40. Müller, Kirchen und Klöster, S. 63: „Im Wesentlichen forderte das Ministerium unter Hinweis auf altes Herkommen Freiheit von der Aufsicht des Spezialsuperintendenten; speziell bestritten sie ihre Verpflichtung, bei jeweiligem Dienstantritt dem Superintendenten Gehorsam und Achtung (oboedientia et reverentia) wie die anderen der Inspektion angehörigen Geistlichen zu geloben, ihn zur Legung der Kirchenrechnung hinzuzuziehen, ihm die Befugnis der Kirchenvisitation sowie die Prüfung ihrer Konfirmanden einzuräumen. Sie forderten für sich das Recht des unmittelbaren Schriftverkehrs mit dem Konsistorium, Studenten der Theologie ohne besondere Einwilligung des Superintendenten von ihren Kanzeln predigen zu lassen, stille Beerdigungen zu gestatten und ohne vorherige Anzeige an den Superintendenten zu verreisen.“
  41. Müller, Kirchen und Klöster, S. 63: Was blieb „war die Freiheit von der Verpflichtung, dem Superintendenten ihre Konfirmanden zur Prüfung vorzustellen und ihn in seinem Pfarramt zu St. Jacobi zu vertreten, sowie die Befugnis, in bestimmten Sachen an das Konsistorium unmittelbar zu berichten […] Der Pfarrer zu St. Marien aber genoß im 19. Jahrhundert keinerlei Vorrechte mehr“.
  42. Leuschner, S. 309.
  43. Obenaus, Handbuch II, S. 123 f. Mit Genehmigung der Landesregierung konnte die Synagoge als Besitz der jüd. Gemeinde und nicht einer Einzelperson eingetragen werden.
  44. Zum Folgenden: Müller, Kirchen und Klöster, S. 67 f.; Leuschner, S. 401 f.
  45. Kayser, Inspektion Osterode, S. 5.
  46. Müller, Kirchen und Klöster, S. 151; zu den Schulen: Leuschner, S. 415 ff. und S. 420 ff.
  47. Digitalisate: Band 1, Band 2 mit Urkundenbuch.
  48. Zit. bei Leuschner, S. 405; vgl. auch Schütze, Kinderbewahranstalt, S. 54 ff. sowie Schütze, Frauenverein, S. 59 ff.
  49. Leuschner, S. 404.
  50. LkAH, L 5c, unverz., Osterode, St. Jacobi, Visitation 1939: „Zwei Schwestern des Henriettenstiftes, von der Stadtverwaltung für alle 3 Lutherischen Kirchengemeinden angestellt, soweit deren Glieder im Stadtbezirk wohnen.“ Seit den 1940er Jahren Diakonissen aus dem Friederikenstift Hannover, ebd., Visitation 1944.
  51. Müller, Kirchen und Klöster, S. 156.
  52. Obenaus, Handbuch II, S. 1229. Vgl. auch insgesamt Struve, S. 341 ff.
  53. Obenaus, Handbuch II, S. 1231. Vgl. auch ebd., S. 1230: „Erich Ballin, zunächst noch durch seine Ehe mit einer Nichtjüdin geschützt, wurde Mitte Februar 1945 ebenfalls nach Theresienstadt deportiert. Seine beiden Söhne waren schon vorher in Buchenwald interniert worden […]. Alle drei überlebten und kehrten nach dem Krieg nach Osterode zurück.“
  54. LkAH, S 1 H III Nr. 420, Bl. 18. Allgemein zum Fragebogen: Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff. Bei Struve, S. 303, heißt es: „Schmidt scheint ein liebenswürdiger, apolitischer Pfarrer gewesen zu sein. Es gibt Indizien dafür, daß der andere Pfarrer von St. Aegidien im Jahr 1933 bessere Beziehungen zu den Nationalsozialisten unterhielt.“ Zum KV: „Über die zwölf Vorsteher und Ersatzleute der Marktkirche ist uns am wenigsten bekannt. Zu ihnen gehörten ein Schlachtermeister, in der Partei seit Mai 1933, und Getreidehändler Willi Dannenberg, der seit 1932 Parteimitglied war und im März 1933 zum nationalsozialistischen Bürgervorsteher gewählt wurde“ (ebd. S. 305).
  55. LkAH, S 1 H III Nr. 420, Bl. 19.
  56. Leuschner/Hillegeist, in: Leuschner, S. 504; Meyer, Pastoren I, S. 243, bezeichnet P. Parisius als „Erfinder der Ansichtspostkarte“. Vgl. zu Parisius auch Struve, S. 116 und 302.
  57. LkAH, S 1 H III Nr. 420, Bl. 28 ff.
  58. Struve, S. 310.
  59. LkAH, L 5c, unverz., Osterode, St. Jacobi, Visitation 1939. Vgl. auch LkAH, A 9, Nr. 1776 (Visitation 1934): „Es ist kein weicher, aufnahmewilliger Boden, auf dem das Ackerwerk des Reiches Gottes hier zu treiben ist“.
  60. LkAH, L 5c, unverz., Osterode, St. Aegidien, Visitation 1947.
  61. LkAH, L 5c, unverz., Osterode, St. Aegidien, Visitation 1947.
  62. KABl. 1952, S. 12; LkAH, L 5c, unverz., Osterode, St. Aegidien, Visitation 1952.
  63. LkAH, L 5c, unverz., Osterode, St. Aegidien, Visitation 1952.
  64. LkAH, L 5c, unverz., Osterode, St. Aegidien, Visitation 1958.
  65. Eder, S. 39; LKA, G 15/Osterode, St. Aegidien Bd. I, Bl. 275 ff.
  66. LkAH, L 5c, unverz., Osterode, St. Aegidien, Visitation 1964.
  67. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  68. KABl. 1955, S. 13 f.
  69. KABl. 1962, S. 76 f.; LkAH, L 5c, unverz., Osterode, St. Aegidien, Visitation 1964.
  70. KABl. 1962, S. 106.
  71. KABl. 1977, S. 144.
  72. KABl. 1989, S. 7 f.
  73. KABl. 1991, S. 99 (wohl anlässlich der Neubesetzung der Pfarrstelle St. Aegidien II/St. Marien); KABl. 1997, S. 203.
  74. KABl. 2000, S. 195; KABl. 2007, S. 222.
  75. KABl. 2012, S. 33 f.
  76. Leuschner, S. 228; KABl. 1977, S. 144; KABl. 1991, S. 99; KABl. 1997, S. 203.
  77. KABl. 1962, S. 106.
  78. KABl. 1989, S. 7 f.
  79. KABl. 1962, S. 76 f.
  80. KABl. 1955, S. 13 f.
  81. Gresky, Gebiet, S. 25; Kayser, Registrum II, S. 273.
  82. Leuschner, S. 224 und 227.
  83. Leuschner, S. 228 f.
  84. LKA, G 15/Osterode, St. Aegidien Bd. I, Bl. 44 (Abschrift). Müller, Kirchen und Klöster, S. 156.
  85. LKA, G 15/Osterode, St. Aegidien Bd. I, Bl. 26 ff.
  86. LKA, G 15/Osterode, St. Aegidien Bd. I, Bl. 275 ff.
  87. Lampe, Inschriften Osterode, S. 212 ff., Nr. 131.
  88. Lampe, Inschriften Osterode, S. 214.
  89. Schäfer, Orgelchronik, S. 15.
  90. Zit. bei Schäfer, Orgelchronik, S. 20.
  91. Pischke, Grubenhagen, S. 157 f.; Niels, S. 33 ff.
  92. Kayser, Inspektion Osterode, S. 17.
  93. Lampe, Inschriften Osterode, S. 142 f., Nr. 74 und 75.
  94. Siehe https://glass-portal.homepage.t-online.de/cwhase/m-r/osterode_marktkirche.htm, 29.04.2022.
  95. Abb. der verschiedenen Turmhelme bei Kehr, S. 52, und Müller, Kirchen und Klöster, nach S. 78. Zu Hans Stephan vgl. Durth, Architekten, passim.
  96. LKA, G 15/Osterode, St. Aegidien Bd. I, Bl. 275 ff.
  97. Lampe, Inschriften Osterode, S. 163 f., Nr. 95.
  98. Schäfer, Orgelchronik, S. 21.
  99. Lampe, Inschriften Osterode, S. 188 ff., Nr. 113; insgesamt zu den Grabplatten: Niels, S. 33 ff.
  100. Lampe, Inschriften Osterode, S. 123 ff., Nr. 63 und S. 127 ff., Nr. 66.
  101. Lampe, Inschriften Osterode, S. 155 f., Nr. 88 und S. 181 ff., Nr. 109.
  102. Lampe, Inschriften Osterode, S. 184 ff., Nr. 110 und S. 192 ff., Nr. 117.
  103. Lampe, Inschriften Osterode, S. 133 ff., Nr. 72.
  104. Lampe, Inschriften Osterode, S. 246 ff., Nr. 157.
  105. Lampe, Inschriften Osterode, S. 262 ff., Nr. 171.
  106. Lampe, Inschriften Osterode, S. 204 f., Nr. 123.
  107. Lampe, Inschriften Osterode, S. 279 f., Nr. 188.
  108. Lampe, Inschriften Osterode, S. 281ff., Nr. 189; Schäfer, Orgelchronik, S. 18.
  109. Zur Orgelgeschichte: Schäfer, Orgelchronik, S. 7 ff., Dispositionen ebd., S. 30 ff.
  110. Zit. bei Schäfer, Orgelchronik, S. 12; vgl. auch Lampe, Inschriften Osterode, S. 295 ff., Nr. 200.
  111. Schäfer, Orgelchronik, S. 20.
  112. Schäfer, Orgelchronik, S. 23 und 25.
  113. Zur Glockengeschichte: Eder, S. 35 ff.
  114. Lampe, Inschriften Osterode, S. 68, Nr. 11 †, zur Datierung vgl. ebd.: „Eine Bezeichnung des ersten, von Papst Bonifaz VIII. erst im Februar 1300 verkündeten Jubeljahrs als bevorstehend ist weniger wahrscheinlich“.
  115. Lampe, Inschriften Osterode, S. 69, Nr. 12 †.
  116. Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 171; Leuschner, S. 403; Grobis, St. Johannes Evangelista, S. 86 ff.; Grobis, „Alte Burg“ & Johannisfriedhof, S. 137 ff.
  117. Lampe, Inschriften Osterode, S. 72, Nr. 17 †.
  118. Grobis, „Alte Burg“ & Johannisfriedhof, S. 139.
  119. Grobis, „Alte Burg“ & Johannisfriedhof, S. 140 ff.
  120. Grobis, St. Johannes Evangelista, S. 89.
  121. Grobis, St. Johannes Evangelista, S. 89.
  122. Lampe, Inschriften Osterode, S. 244, Nr. 156.
  123. Müller, Kirchen und Klöster, S. 33 f.; ausführlich zur Friedhofsgeschichte: Grobis, „Alte Burg“ & Johannisfriedhof, S. 88 ff.
  124. Zur FKap: Grobis, „Alte Burg“ & Johannisfriedhof, S. 153 ff.
  125. LkAH, L 5c, unverz., Osterode, St. Aegidien, Visitation 1964: „In der Nazizeit ist der Friedhof in Osterode mit mehr oder weniger Zwang an die Stadt abgetreten und wird von dieser seither mit Seufzen verwaltet.“