Frühere Gemeinde | KapG der KG Nienstedt | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Harzer Land | Patrozinium: Maria, Martin | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Der im Lisgau gelegene Ort (seit 1972 Ortsteil von Osterode, Harz) erscheint erstmals 990 als Foresazi in einer Schenkungsurkunde Ottos III. für seine Schwester Sophia.1 Der u. a. von Binnewies angeführte Beleg Versithi der Corveyer Tradition bezieht sich wohl auf die Wüstung Versade bei Marsberg. Seit dem 12. Jh. gehörte Förste zum Machtbereich der Welfen. Über Grundbesitz verfügten das Stift Gandersheim und das Kloster St. Jacobi in Osterode sowie die Familien von Letgast, von Oldershausen, von Behr, von Steinberg und von Rössing. Nach dem Erlöschen der Letgast Mitte des 14. Jh. traten vermutlich die von Oldershausen in ihre Rechte ein. 1353 wird das Dorf erstmals als Besitz der Familie bezeichnet. Die in Förste ansässige Linie ist 1966 mit Werner Freiherr von Oldershausen erloschen. Das Gut wurde 1956 verkauft.2
1299 erhielt das Kloster Höckelheim von Vater und Sohn Gottschalk von Plesse das Patronatsrecht über eine Pfarrkirche zu Förste (1303 durch den Mainzer Ebf. Gerhard bestätigt), die 1307 an die von Plesse zurückgefallen ist. 1438 wird der Crauelsche Hof als Kirchhof bezeichnet. Vermutlich befand sich bei diesem Hof ein früher Sakralbau, über den nähere Angaben nicht vorliegen. Die KapG dagegen geht auf die Stiftung einer Kapelle zu Ehren Marias und des heiligen Martin zurück, die durch Gunzel Letgast 13043 als Besitzer des Guts und Patron der Kirche zu Nienstedt vornahm. In ihr wurde zweimal wöchentlich die Messe gelesen und der Geschlechter von Letgast und Esplingerode gedacht.4 Die Versorgung erfolgte durch die Pfarre in Nienstedt.
Die Reformation wurde gemeinsam mit der Muttergemeinde eingeführt. Nach der Kriegszerstörung der Nienstedter Kirche (1626) fanden die Gemeindegottesdienste bis zu deren Wiederaufbau 1650 in der Kapelle zu Förste statt. 1771 wurde der für die Gemeinde nutzbare Raum durch den Einbau von Ständen vergrößert, 1813 Glockenturm und Dach erneuert. Trotz grundlegender Sanierung (1815/16) wurde das KapGb 1866 wegen Einsturzgefahr geschlossen und 1890 größtenteils abgerissen. Ein geplanter Neubau wurde nicht mehr realisiert. Mauerreste des Turmunterbaus wurden erst 1936 beseitigt und das Grundstück verkauft. Der Standort wurde 1988 teilweise durch die neue Ortsdurchfahrt überbaut.
Die KapG wurde zum 1. April 1970 aufgehoben und die St.-Martins-KG Nienstedt in St.-Martins-KG Nienstedt-Förste umbenannt.5

Kapellenbau

Nicht mehr vorhanden.

Ausstattung

Spätgotischer Flügelaltar von Bartold Kastrop, um 1520, hergestellt für die Förster Kapelle, wohl als Stiftung der Familie von Oldershausen. Die Tafelmalereien auf der Rückseite und der Predella werden dem „Meister des Hieronymusaltars in Northeim“ zugeschrieben. Der Altar wurde nach der Schließung der Kapelle dem Welfenmuseum angeboten, das auf einen Erwerb verzichtete. Ab 1938/39 wurde er in der Nienstedter Kirche aufgestellt.

Geläut

Glockengüsse sind 1680, 1686 und 1694 belegt. 1795 beschaffte die Gemeinde zwei neue LG aus Nordhausen, die nach dem Abbruch der Kapelle im Spritzenhaus abgestellt wurden. 1918 wurden sie zu Rüstungszwecken abgeliefert, 1921 zurück erworben und anschließend zu einer neuen LG für die Kirche in Nienstedt umgegossen.6

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 8606-8607 (Pfarroffizialsachen); D 47 (EphA Osterode).

Literatur

A: Gemeindebuch KK Osterode, S. 31.
B: Adolf Ahrens: Historischer Bericht über Förster Kirchen, in: Unter dem Harze 873 (24. Februar 1973); Werner Binnewies: Förste, Nienstedt, Marke. Streifzüge durch Geschichte und Volkskunde, Clausthal-Zellerfeld 1978; Werner Binnewies: Tausend Jahre Förste am Harz. Ein Mosaik der Ortsgeschichte, [Förste am Harz 1990].


Fußnoten

  1. Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 98. Vgl. MGH DD O III 67.
  2. Hartmann, Oldershausen, S. 6 f.
  3. In einigen Veröffentlichungen (u. a. Max, Grubenhagen II, S. 328) findet sich fälschlich die Jahresangabe 1303. Vgl. dazu Binneweis, S. 118.
  4. Binneweis, S. 59; Stölting/Münchhausen, Rittergüter, S.248.
  5. KABl. 1970, S. 4.
  6. Ahrens.