Sprengel Osnabrück, KK Bramsche | Patrozinium: Bonnus (seit 1959) | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südwesten, 1980

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1980

Bersenbrück (seit 1956 Stadt) liegt nördlich von Osnabrück am Schnittpunkt zweier alter Handelsstraßen. Der Ort geht auf einen Haupthof der Gf. von Ravensberg zurück, kam im 13. Jh. unter tecklenburgische Herrschaft und fiel nach mehreren Fehden 1231 durch einen Vergleich an Ravensberg zurück. – Die Kirche war Filial der Archidiakonatskirche in Ankum (Eigenkirche der Gf. von Ravensberg, 11./12. Jh.) und wurde vor 1221 zur Pfarrkirche erhoben. 1221 übertrug Bf. Adolf von Osnabrück das Archidiakonat Ankum u. a. mit der Pfarrei Bersenbrück auf die Osnabrücker Domkantorei.1 1231 stifteten Gf. Otto von Ravensberg und seine Frau Sophie von Oldenburg-Wildeshausen ein Zisterzienserkloster und übereigneten ihm die Kirche einschließlich ihrer Wirtschaftsbetriebe.2 1236 nahm Bf. Konrad von Osnabrück das Kloster unter seinen Schutz3, 1237 auch Papst Gregor, 1243 Papst Innozenz IV. Unter der Äbtissin Gertrud von Langhals wurde es 1484 im Sinne der Bursfelder Kongregation reformiert. Nach Aufkommen der Reformation nahm der Konvent auch Angehörige regionaler ev. Adelsfamilien auf. Mit der Einführung des Laienkelchs und der deutschen Sprache in der Liturgie wurde die zisterziensische Tradition sukzessive zurückgedrängt. Es bildete sich ein Kreis reformatorisch gesinnter Klosterfrauen, die die Umwandlung in ein weltliches Damenstift in die Wege leiteten. Kath. Nonnen wechselten in andere Klöster. 1609 leitete der Abt von Marienfeld, dem seit 1443 das Visitationsrecht zustand, die Rekatholisierung in die Wege und entsandte dazu den Pater Severinus Raeckmann unter dessen Einfluss 1614 das monastische Leben erneuert wurde. Im Normaljahr 1624 stand das Kloster unter der Leitung einer kath. Äbtissin und hatte einen Dominikaner als kath. Pfarrkaplan. Sämtliche Parochianen bekannten sich zur kath. Kirche.4 Bersenbrück wurde deshalb einschließlich der Pfarrkirche St. Vincentius gemäß Art. 21 der Capitulatio perpetua 1650 den Katholiken zugesprochen. 1787/90 wurde das Kloster säkularisiert und in ein weltliches Stift mit zwölf Präbenden für ev. und kath. Töchter verdienter Beamter umgewandelt.
1815 lebten im Bereich des kath. Ksp. Bersenbrück 23 Evangelische, die nach Gehrde eingepfarrt waren. Mit der Erhebung von Bersenbrück zum Amts- bzw. Kr.-Sitz (1817) zogen vermehrt ev. Beamte zu. 1854 wurde eine ev. Schulklasse eingerichtet, zwei Jahre später auf einem von der Klosterkammer überlassenen Grundstück ein eigenes Schulhaus errichtet. 1892 beschloss der KV in Gehrde die Abhaltung von monatlichen GD im Schulgebäude. Eine Kommission verhandelte ab 1903 mit dem KV über die Bildung einer KapG und den Bau eines KapGb. Das Grundstück dafür erwarb der damalige Landrat Dr. Klausner. Am 1. März 1905 schlossen sich die luth. Einwohner der Ortschaften Bersenbrück, Hertmann-Lohbeck, Bokel, Priggenhagen und Woltrup-Wehrbergen zu einer KapG zusammen.5 Die nach Plänen des Gehrder P. Friedrich Richter erbaute Kapelle wurde am 17. Februar 1907 durch GSup. Möller (Hannover) eingeweiht.
Durch Ostflüchtlinge und Vertriebene wuchs die Zahl der Gemeindeglieder nach dem Zweiten Weltkrieg auf etwa 900 Personen an. 1948 wurde ein Vertreter der Ostflüchtlinge in den KapV aufgenommen. Seit 1952 fanden in Bersenbrück wöchentliche Sonntags-GD statt. Mit dem 1. April 1958 wurde die KapG aus dem Verband der KG Gehrde gelöst und nach Errichtung einer Pfarrstelle in eine KG umgewandelt.6 Für die große Flüchtlingsgemeinde in Alfhausen bestand in den 1960er Jahren eine eigene Predigtstätte im kath. Pfarrjugendheim (Kolpinghaus).
Die Bonnus-KG behielt auch später den Charakter einer ausgesprochenen Diasporagemeinde. 1977 standen 1.380 luth. Gemeindegliedern, die überwiegend der Mittelschicht (Angestellte und Beamte) entstammten, rund 6.500 Katholiken gegenüber.7 Durch den Zuzug von Spätaussiedlern kam es in der ersten Hälfte der 1990er Jahre noch einmal zu einem starken Anstieg der Gemeindegliederzahl (von 1.490 im Jahr 1989 auf 2.300 im Sept. 1995). Ihre Integration stellte die KG vor große Herausforderungen.8

Umfang

Bei Errichtung die Ortschaften Bersenbrück, Hertmann-Lohbeck, Bokel, Priggenhagen und Woltrup-Wehrbergen der bisherigen KapG. Zugleich wurden die luth. Einwohner der politische Gemeinden Heeke und Wallen aus der KG Gehrde, der politischen Gemeinden Ahausen-Sitter, Brickwedde und Rüssel aus der KG Loxten sowie der politischen Gemeinden Alfhausen und Tiene aus der KG Ueffeln in die KG Bersenbrück umgepfarrt.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Osnabrücker Domkantors. – Nach der Reformation wie die Muttergemeinde Gehrde, bei der Verselbständigung 1958 zum KK Bramsche.

Kirchenbau

Einschiffiger, verputzter Bruchsteinbau mit neugotischen Maßwerkfenstern und polygonalem Chorschluss (1906/07). Hölzernes Tonnengewölbe. 1952 und 1973/74 renoviert.

Fenster

Rosette mit Buntverglasung in der Chorwand.

Turm

Über dem Westgiebel ein verschieferter, dachreiterartiger Turmaufsatz mit ins Achteck überführter Spitze.

Ausstattung

Im Zuge einer Neugestaltung des Altarraums erhielt die Kirche 1977 einen einfachen Tischaltar und ein Stehpult als Kanzel. – Kelchförmiger Taufstein – Gedenktafel für P. Richter (amt. 1888-1906) an der Nordwand der Kirche.

Orgel

1961 Neubau durch die Firma Hans Wolf (Verden), ursprünglich 5 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Erweitert auf 6 klingende Stimmen.

Geläut

Zwei LG, I: h’; II: d’’ (beide Bronze, Gj. 1955, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). – Früherer Bestand: Aus dem ursprünglich Geläut der Firma Burger (Bayreuth) wurde die größere LG im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen und 1930 ersetzt. 1943 wurde ebenfalls eine LG abgeliefert. Neues Geläut nach dem Zweiten Weltkrieg.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1928, 1955 erworben). Zusätzlich kaufte die KG 1969 das der Kirche benachbarte Haus Bertram, das 1973 durch einen Gemeindehausanbau mit dem KGb verbunden wurde.

Friedhof

An der Freude. Eigentum der KG. Eingeweiht 1927, erweitert 1950/51 und 1969. FKap (Bj. 1971, Architekt: Barz, Bramsche).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 37 (Spec. Landeskons.); D 106 (EphA Bramsche).

Literatur

A: Nöldeke, KD Kr. Wittlage und Bersenbrück, S. 86-91; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 46; Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 59-62.
B: Jürgen Grotjahn: Die Ev.-luth. Bonnus-Kirche Bersenbrück, in: Osnabrücker Land 1983, S. 39-41; Jutta Stalfort: 100 Jahre Geschichte. Entstehung und Entwicklung der Bonnus-Kirche in Bersenbrück, [Bersenbrück] 2007; [Hans Witte]: Ehemaliges Zisterzienserkloster Bersenbrück, [München/Zürich 1992].


Fußnoten

  1. Osnabrücker UB II, Nr. 132.
  2. Osnabrücker UB II, Nr. 271.
  3. Osnabrücker UB II, Nr. 344.
  4. Bär, Protokoll Albert Lucenius, S. 274.
  5. KABl. 1905, S. 3.
  6. KABl. 1958, S. 93.
  7. LkAH, L 5f, Nr. 159 (Bersenbrück, Visitation 1977).
  8. LkAH, L 5f, Nr. 160 (Bersenbrück, Visitation 1995).