Sprengel Osnabrück, KK Bramsche | Patrozinium: Christophorus1 | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich lässt sich Gehrde erstmals in der zweiten Hälfte des 10. Jh. belegen: Auf Bitten des Bf. Liudulf von Osnabrück übertrug Ks. Otto II. im Jahre 977 verschiedene Besitzungen und Lehngüter in Girithi und anderen Ortschaften an einen gewissen Herigisus.2 Der Besitz in Gerithi fiel wohl bereits zwischen 1037 und 1052 zurück an den Osnabrücker Bf.3 Bauerschaft und Kirchdorf Gehrde gehörten zunächst zum Amt Fürstenau des Hochstifts Osnabrück, dessen Ämterstruktur sich im 14. Jh. entwickelte. In der zweiten Hälfte des 14. Jh. kam Gehrde zum Amt Vörden des Hochstifts (belegt 1370) und war Sitz der Vogtei Gehrde. Seit Ende des Dreißigjährigen Krieges wechselten sich kath. und luth. Bischöfe in der Regierung des Hochstifts ab. Letzterer stammte jeweils aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg.4 Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 wurde das Hochstift als Fsm. Osnabrück Teil des Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Hannover). Von 1807 bis 1811 war Gehrde im französischen Satellitenkgr. Westphalen Hauptort des gleichnamigen Kantons im Distrikt Osnabrück des Departements Weser. Von 1811 bis 1813 gehörte das Dorf zum Kanton Vörden des Arrondissements Quakenbrück im Departement Obere Ems des Kaiserreichs Frankreich. Danach war Gehrde, nun im Kgr. Hannover, zunächst wieder Teil des Amtes Vörden, zählte ab 1817 jedoch zum neuen Amt Bersenbrück. Nach der preußischen Annexion von 1866 blieb die Ämterstruktur vorerst bestehen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Gehrde zum Kr. Bersenbrück, der 1972 im Lkr. Osnabrück aufging. Dorf und Bauerschaft wurden 1929 zur Dorfgemeinde Gehrde vereinigt und 1972 folgte die Eingemeindung der Orte Groß Drehle, Helle, Klein Drehle und Rüsfort. Die Gemeinde Gehrde gehört seit 1972 zur Samtgemeinde Bersenbrück. Im 19. Jh. sank die Einwohnerzahl des Kirchspiels Gehrde deutlich: 1831 lag sie bei etwa 2.700, zwischen 1832 und 1863 wanderten 1.218 Menschen aus und um 1900 hatte das Kirchspiel noch rund 1.700 Einwohner.5 1972 lebten etwa 1.500 Menschen in der Gemeinde Gehrde, 2017 gut 2.500.

Kirche, Ansicht von Südosten, Teilansicht, 1980

Kirche, Ansicht von Südosten, Teilansicht, 1980

Ältestes Zeugnis der örtlichen Kirchengeschichte ist ein romanisches Taufbecken aus dem frühen 13. Jh. Gehrde gehörte kirchlich vermutlich zunächst zu Ankum und dann wahrscheinlich zu Bersenbrück, das sich vor 1221 von Ankum gelöst hatte.6 In einem Gemeindeverzeichnis der Archidiakonate Ankum und Dersburg aus diesem Jahr ist Gehrde noch nicht genannt; in einer Urkunde des Osnabrücker Bf. Bruno für das Kloster Iburg aus dem Jahr 1251 jedoch ist das Kirchengut Gehrde (dote Gerethe) erwähnt. Die Kirchengemeinde Gehrde gründete sich also wahrscheinlich zwischen 1221 und 1251.7 Damit entstand auch das Kirchdorf Gehrde. Zum Kirchspiel zählten neben Gehrde die Bauerschaften Helle, Rüsfort, Groß Drehle und Hastrup.8 Gründer der Kirche waren vermutlich die Besitzer des Hofs Rüsfort.9 Ernestus de Gesmele, der 1280 als patronus ecclesie in Gerethe10 genannt ist, verkaufte Hof und Patronatsrecht 1286 an das Zisterzienserinnenkloster Bersenbrück.11 Aus dem Jahr 1280 ist mit Hermann auch erstmals der Name eines Geistlichen der neuen Kirche überliefert.12 Zwanzig Jahre später lässt sich ein Henricus plebanus in Gerethe nachweisen.13 Aus der Zeit dieser beiden Geistlichen stammt vermutlich das gotische Gabelkruzifix der Gehrder Kirche. 1352, 1381 und 1382 ist ein Johannes als Pleban in Gehrde belegt, der vielleicht mit dem 1385 als Rektor der Kirche genannten Johann von Molendino identisch ist.14 Weitere vorref. Geistliche waren Egbertus (1396), Hermann, Kercher to Gerden (1405), Hermann Rense, kercher to Gerden (1471), und Otto Hesedynck (bis 1516).15 Die Kirche in Gehrde besaß neben dem Hauptaltar noch einen Margarethenaltar und zudem wohl noch zwei weitere Nebenaltäre.16
Ohne Mitwirkung des Domkapitels beauftragte der Osnabrücker Bf. Franz von Waldeck 1543 den Lübecker Sup. Hermann Bonnus damit, in Bistum und Hochstift Osnabrück die Reformation einzuführen. Auf Grundlage der KO der Stadt Osnabrück erarbeitete Bonnus die Kerckenordnung vor de landkercken des stifts Osenbrugge und bereiste die Gemeinden, um die KO zu verbreiten und luth. Pfarrer einzusetzen.17 In Gehrde hatte seit 1516 Albert Bödecker die Pfarre inne; er behielt das Amt 1543 und ist als erster luth. Prediger der Gemeinde anzusehen. Das Domkapitel zwang den Bf. 1548, die Reformation zurückzunehmen, allerdings gelang keine vollständige Rekatholisierung. Die kirchlichen Verhältnisse im Hochstift blieben ungeklärt und auch in Gehrde wechselten sich ev. und kath. Geistliche ab: Auf P. Amelungius Reimerding (amt. 1589-1620, wohl mit Unterbrechung) und seinen Sohn Hermann (amt. 1623-1626), die beide eher luth. einzuordnen sind, folgte beispielsweise P. Amelungius Sartoris (amt. 1628-1645), der sich nach einer Zeit als luth. Pfarrer von Vörden (bis 1625) nun wieder zur kath. Lehre bekannte.18 Nach seinem Tod setzten „die Schweden als inhabere des Stiffts“ mit P. Johannes Meyer (amt. 1645-1651) wieder einen luth. Pfarrer ein.19 Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde 1650 in der Capitulatio perpetua Osnabrugensis die konfessionelle Ausrichtung der einzelnen Gemeinden des Osnabrücker Landes festgeschrieben. Ausschlaggebend sollte der Zustand im ‚Normaljahr‘ 1624 sein, über den u. a. anhand der Protokolle einer 1624/25 durchgeführten Kirchenvisitation entschieden wurde.20 Das Kirchspiel Gehrde blieb luth. und zählte 1662 etwa 1.600 ev. und 18 kath. Einwohner. Die luth. Pfarrer mussten bei ihrer Anstellung regelmäßig zusagen, die kath. Konfession nicht zu schmähen.21

Altaraufsatz, vor 1915

Altaraufsatz, vor 1915

Die ältesten Kirchenbücher der Gemeinde beginnen 1713; angelegt hat sie P. Johann Heinrich Heilersieg (amt. 1715-1735), der seinerzeit noch Hilfsprediger seines Vorgängers war.22 In P. Heilersiegs Amtszeit fiel auch eine Umgestaltung der Kirche: Sie erhielt größere Rundbogenfenster und den bis heute erhaltenen Barockaltar. P. Clamor Albrecht Peithmann (amt. 1735-1770), der wenige Monate nach seinem Amtsantritt eine Tochter Heilersiegs heiratete, ließ 1740 die charakteristische barocke Turmhaube errichten.23 Eine Erweiterung der Kirche hatte bereits sein Sohn, P. Christian Wilhelm Peithmann (amt. 1770-1807), angeregt, verwirklicht wurde sie jedoch erst in der Amtszeit seines Enkels P. Gustav Adolf Peithmann (amt. 1807-1827), nachdem 1821 die Einpfarrung Klein Drehles das Kirchspiel vergrößert hatte.24 P. Christian Wilhelm Peithmann hatte früh Vorkehrungen dafür getroffen, dass die Pfarre Gehrde in der Familie blieb: Als 1786 die Auflösung des Klosters Bersenbrück, noch immer Patron der Gehrder Kirche, absehbar war, erwirkte er ein Schreiben, in dem das Kloster seinen seinerzeit achtjährigen Sohn zu seinem Nachfolger und zukünftigen Pfarrer von Gehrde bestimmte.25 Zwanzig Jahre später konnte P. Gustav Adolf Peithmann tatsächlich das Pfarramt in Gehrde übernehmen.
Im mehrheitlich kath. Bersenbrück, für dessen wenige ev. Einwohner der Gehrder Pfarrer ebenfalls zuständig war, stieg im Laufe des 19. Jh. die Zahl der Lutheraner stetig an, nachdem der Ort 1817 Amtssitz geworden war. Schließlich konstituierte sich 1905 die KapG Bersenbrück, in deren zwei Jahre später eingeweihten Kapelle der Pfarrer von Gehrde alle zwei Wochen einen Gottesdienst hielt. Die Bramscher Sup. betonten in ihren Visitationsberichten regelmäßig die strukturellen Unterschiede: das Kirchspiel umfasse eine „Artländer Bauerngemeinde und eine kleine städtische Diasporagemeinde“, heißt es etwa 1956. Die 1958 vollzogene Trennung zeichnete sich seinerzeit bereits ab: „Bersenbrück möchte kirchlich selbständig werden und Gehrde ist bereit, Bersenbrück aus dem Gemeindeverband zu entlassen.“26
Die zurückhaltende Kirchlichkeit der Gemeinde ist ebenfalls ein wiederkehrendes Thema in den Visitationsberichten. 1932 merkte P. Richard Theodor Hermann Röver (amt. 1927-1933) an: „Die Sitte regelmässigen Gottesdienstbesuches scheint hier schon lange vor 1918 zerfallen zu sein.“27 Mit dem Bau des Gemeinde- und Jugendhauses schuf die KG 1962/63 die Grundlage für eine intensivere Gemeindearbeit. Angesichts verschiedener Gemeindekreise und mehrerer Jugendgruppen stellte der Sup. 1987 erfreut fest, das kirchliche Leben habe sich in der Gemeinde Gehrde seit Anfang der 1980er Jahre „sehr gehoben“.28
Zusammen mit weiteren KG der Region gehört die KG Gehrde seit 1971 zu den Trägerinnen des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück (Mitgliedsgemeinde einer Beteiligungsgesellschaft).

Umfang

Zum Kirchspiel gehörten neben dem Kirchdorf Gehrde anfangs die Bauerschaften Gehrde, Rüsfort, Helle sowie Groß Drehle und Hastrup (nach 1958 KG Bersenbrück). Im Zuge einer Grenzregulierung zwischen Hannover und Oldenburg kam 1821 auch Klein Drehle hinzu (bisher Neuenkirchen). Ebenso betreute der Pfarrer von Gehrde die ev.-luth. Einwohner des Kirchspiels Bersenbrück und der Bauerschaften Heeke und Wallen (seit 1958 KG Bersenbrück) sowie Ahausen, Bockel und Rüssel (später KG Loxten). In Bersenbrück wurde 1905 eine KapG gebildet, die zum 1. April 1958 aus der KG Gehrde gelöst und in eine KG umgewandelt wurde.29 Seit 1965 seelsorgerliche Betreuung von Wenstrup, das eigentlich zur KG Neuenkirchen der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg gehört.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Osnabrücker Domkantors.30 – Vor der Einführung der Inspektionseinteilung im Fsm. Osnabrück unterstand Gehrde der Aufsicht des Amtes Vörden. Im Zuge der Neuorganisation der kirchlichen Aufsichtsbezirke 1821 kam es zur 3. Insp., 1822 dann zur 4. Insp. (Sitz der Suptur. bis 1850 in Quakenbrück, bis 1859 in Badbergen, bis 1884 in Menslage, dann dauerhaft in Badbergen). Aufsichtsbezirk Badbergen zum 1. Oktober 1947 aufgehoben, seitdem Aufsichtsbezirk (KK) Bramsche.31

Patronat

Ursprünglich die Besitzer des Hofes Rüsfort. Ernst von Gesmel, 1280 als Patron genannt,32 verkaufte als Lehnsmann des Bf. von Osnabrück den Hof einschließlich der Patronatsrechte 1286 an das Kloster Bersenbrück (curtem Ruschvorde et jus patronatus ecclesie in Geredhe ipsi curte attinens).33 Mit Aufhebung des Klosters fiel das Patronat 1787 an den Landesherrn (bis 1871).

Kirchenbau
Kapelle, Grundriss, vor 1929

Kapelle, Grundriss, vor 1929

Einschiffiger Bruchsteinbau mit dreiseitigem Chorschluss, westlicher Teil wohl im 14. Jh. erbaut, östlicher Teil errichtet 1822/23. Satteldach, im Osten mit Walm, spitzbogige Fenster, stark hervortretende Strebepfeiler, Rundbogenfenster am Chor. Im Innern Kreuzgewölbe und Westempore. 1613 Sakristeianbau an Nordseite (1964 abgebrochen). 1718 mehrere Fenster rundbogig vergrößert. 1767 östlicher Dachreiter nach Blitzeinschlag abgetragen. 1822/23 Osterweiterung (Landbaumeister Doeltz, Osnabrück). Grundlegende Renovierung 1964-68 (Abbruch Sakristeianbau; große Rundbogenfenster am Schiff mit kleineren Spitzbogenfenstern ersetzt; Choranbau von 1823 abgetrennt und zweistöckig umgebaut zu Heizungsraum, Sakristei sowie Kindergottesdienstraum; Altar an alten Standort versetzt, neues Kreuzgewölbejoch über Altarraum; Emporen an West- und Nordseite des Kirchenschiffs entfernt, neue Westempore).34 Renovierung 1978. Außensanierung 2000/01. 2003 Brutkästen für Mauersegler im Kirchendach aufgestellt, 2014 insgesamt 29 Brutpaare.

Turm

Westturm aus Bruchsteinmauerwerk, erbaut im 14. Jh. Hohe, barocke Turmhaube, dreifach abgetreppt, bekrönt mit Kugel und Kreuz, erbaut 1740 (Meister Schönebaum, Osnabrück). Haube verkupfert, Uhrziffernblätter nach Norden und Süden, spitzbogiges Westportal. Kupferdeckung 1956/57. Turmuhr 1718 vorhanden, 1770 neues Uhrwerk, 1878 neues Uhrwerk (Firma Korfhage, Buer). Neue Turmuhr 1973.

Fenster

Zwei große Buntglasfenster mit Darstellung der Geburt und der Auferstehung Christi (1900), restauriert 1993.

Vorgängerbau

Vermutlich Fachwerkkapelle, erbaut möglicherweise im frühen 13. Jh. oder Mitte des 13. Jh.35

Ausstattung

Barockaltar (1718, wahrscheinlich Gert Hunderdosse, Quakenbrück), zweistöckiger Aufbau mit gedrehten Säulen und Schnitzfiguren (u. a. Petrus, Paulus, mehrere Engel), im Hauptfeld Ölgemälde „Christus am Kreuz“ (1814), im oberen Feld Ölgemälde „Himmelfahrt Christi“.36 – Sechseckige Kanzel mit Schalldeckel (1718, Gert Hunderdosse, Quakenbrück), auf den Wandungen Christus mit der Weltkugel und die vier Evangelisten. – Spätromanischer Taufstein mit vier Löwenfüßen, Bentheimer Typ (frühes 13. Jh.), zeitweise im Pfarrgarten. – Pokalförmige Holztaufe (1718, wahrscheinlich Gert Hunderdosse, Quakenbrück), ursprünglich Teil der Altarschranke, Deckel bekrönt mit zwei Schnitzfiguren (Johannes tauft Christus). – Pokalförmiger Opferstock (1718, wahrscheinlich Gert Hunderdosse, Quakenbrück) ursprünglich Teil der Altarschranke, Deckel bekrönt mit Schnitzfigur (Christophorus?). – Gotisches Gabelkruzifix (um 1290, Eichenholz), 1920 restauriert.37 – Zwölf Aposteldarstellungen an Emporenbrüstung der Westempore (1720, ursprünglich Teil der Apostelprieche an der nördlichen Chorwand).38 – Figur des heiligen Christophorus, 1625 erwähnt, zeitweise wohl Kanzelfuß, um 1800 entfernt; Torso im Kindergottesdienstraum.39 – Reste eines Sakramentshäuschens. – Gemälde mit Kreuzigungsszene (18. Jh.). – Kirchspiel- oder Schützenfahne (1764). – Grabplatten für die Pastoren Caspar Wernecke († 1673, amt. seit 1651) und Georg Hermann Schlüter († 1678, amt. seit 1673), 1964 entdeckt, aufgestellt in Turmhalle. – Grabplatte für P. Amelungius Reimerding (amt. 1589-1620), vor Kirchturmtür.

Orgel, nach 1976, Orgelprospekt: Zustand 1976

Orgel, nach 1976, Orgelprospekt: Zustand 1976

Orgel

1614 erstmals belegt.40 1699: „vor einigen Jahren neu angeschaffte Orgel“ erwähnt, 1788 als „ohne Pedal und ein altes Werk“ beschrieben.41 Instrument stand an Nordseite des Kirchenschiffs, am Gehäuse Inschrift „Gloria in excelsis Deo 1718“; 1836 auf Westempore versetzt und erneuert, wohl Orgelbauer Wenthien (Tecklenburg). Orgelneubau 1888, Orgelbauer Rohlfing (Osnabrück), 1899 um zwei Reg. erweitert; Orgel gestiftet von Dietrich Knabe, geboren in Gehrde und ausgewandert nach Amerika. Orgel 1950 erneuert, Paul Ott (Göttingen), 19 II/P. Neubau 1971, ausgeführt von Paul Ott (Göttingen), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Sieben LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1959, Gebrüder Rincker, Sinn); II: gis’, Inschrift: „R. D. Henricus A Mallingrodt Cantor. Iohannes Wedeking Comsarivs. Amelvngivs Reinerding Pastor. Gerdt Segeman, Gerdt Krvmberg, Cordt Meyer Berendt zv Drelle Radtlevte. Anno 1619 Hinderich Ottinck me fecit“, Bild: Madonna mit Kind (Bronze, Gj. 1619, Hinrich Ottnick, Osnabrück); III: a’, Inschrift: „Festivos ego lavdo dies, incendia prodo, defvnctos plango, fvlmina sparsa fvgo. Cvra d Clamor Albert Peitman Past et Provisorum Iohann Heinrich Vornholt Iurgen Schroth P. T. Cantore Invogt et Cvstode. I. H. Klavsing tertio fvsa 1763“, Die Feste verherrliche ich, die Feuer tue ich kund, die Toten beklage ich, die zerstreuten Blitze vertreibe ich (Bronze, Gj. 1763, I. H. Clausing), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und 1949 zurück nach Gehrde; IV: h’ (Bronze, Gj. 1959, Gebrüder Rincker, Sinn); V: cis’’ (Bronze, Gj. 1959, Gebrüder Rincker, Sinn); VI: e’’, Inschrift: „Gehrde 977-1977. Tausend Jahre sind vor Dir wie ein Tag, der gestern vergangen“ (Bronze, Gj. 1977, Gebrüder Rincker, Sinn), gestiftet von P. Walter Heinrich Schwarz (amt. 1947-1979)42; VII: fis’’ (Bronze, Gj. 1959, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze), bei Blitzeinschlag beschädigt.43 Ersetzt mit einer LG, Inschrift: „Pia munificentia b. viduae Villemin amstelod. adjuta ecclesia Gerd. fundi jussit 1835 autore Alexandro Petit“, Durch die fromme Stiftung der gütigen Witwe Villemin in Amsterdam der Gehrder Kirche gegeben und von Alexander Petit 1835 gegossen (Bronze, Gj. 1835, Alexander Petit, Vechta), 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert. Ersetzt mit einer LG fʼ, Inschrift: „Gegossen von M. u. O. Ohlson in Lübeck 1925. Kirchenvorstand: Albert Helms Pastor, Hermann Kabernagel Rüsfort, Diedrich Husmann Bscht. Gehrde, Wilhelm Reiling Helle, Georg Meyer Gr. Drehle. Kirchenlehrer Heinrich Joganniemann Kantor, Wilhelm vor dem Berge Organist“ (Bronze, Gj. 1925, M. u. O. Ohlson, Lübeck), 1943 zu Rüstungszwecken abgegeben.44

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1938), erstes Pfarrhaus 1625 erwähnt, 1638 erneuert, 1773 umgebaut, nach Brand 1816 erneuert, 1938 abgerissen.45 – Gemeindehaus (Bj. 1962/63, erweitert 1998). – Kantorhaus (Bj. 1920), verkauft um 1994.

Friedhof

Kirchlicher Friedhof in Gehrde, nordöstlich der Kirche. FKap (Bj. 1960/61) mit einer LG.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 3 Nr. 191-200 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2600-2609 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2800 (Visitationen); D 106 (EphA Bramsche); S 11a Nr. 7924 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 115-116, Nr. 114; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 488-489; Dühne, Osnabrück, S. 69-72; Gemeindebuch KK Bramsche, S. 45-47; Meyer, Pastoren I, S. 305; Mittelstädt/Mosebach, Kirchen & Kirchenburgen, S. 41-45; Nöldeke, KD Kr. Wittlage und Bersenbrück, S. 130-134; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 57; Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 174-176.
B: 1000 Jahre Gehrde im Artland. 977-1977, hrsg. von der Gemeinde Gehrde, Bersenbrück 1977; Otto zu Hoene: Die Kirche in Gehrde. Ein Gang durch 750 Jahre. 1251-2001, Schwerte 2001; Gerhard Twelbeck: Lagerbuch für das Kirchspiel Gehrde, Osnabrück 1867; Gerhard Twelbeck: Alte Gehrder Kirchenbücher erzählen, Osnabrück 1937; Gerhard Twelbeck: Die Kirche in Gehrde, [Gehrde] 1951.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 223.
  2. MGH DD O II 169; Osnabrücker UB I, Nr. 111. Vgl. Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 95.
  3. Osnabrücker UB I, Nr. 138; 1000 Jahre Gehrde, S. 11.
  4. Feldkamp, Bedeutung, S. 79 ff.
  5. Nöldeke, KD Kr. Wittlage und Bersenbrück, S. 130; 1000 Jahre, S. 24 f.
  6. Hoene, S. 9 f.
  7. Osnabrücker UB II, Nr. 132 und ebd. III, Nr. 31.
  8. Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 175 und 224. Nach Twelbeck, Kirche, S. 11, gehörte Hastrup kirchlich nicht zu Gehrde, sondern zu Bersenbrück. Wrede bezeichnet eine Zuordnung Hastrups nach Bersenbrück von 1447 als „wohl irrtümlich“ (S. 224) und differenziert für die nachref. Zeit: ev. Minderheit nach Gehrde, kath. Mehrheit nach Bersenbrück. Vgl. auch Twelbeck, Kirchenbücher, S. 3.
  9. Nöldeke, KD Kr. Wittlage und Bersenbrück, S. 130.
  10. Osnabrücker UB III, Nr. 682.
  11. Osnabrücker UB IV, Nr. 189.
  12. Osnabrücker UB III, Nr. 682.
  13. Osnabrücker UB IV, Nr. 576 und Nr. 579.
  14. Hoene, S. 12.
  15. Twelbeck, Kirche, S. 41 (ohne Belege).
  16. Hoene, S. 18.
  17. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 215 f. und 222 ff.
  18. Twelbeck, Kirche, S. 43 f.
  19. Zit. bei Twelbeck, Kirche, S. 44.
  20. Bär, Protokoll Albert Lucenius, zu Gehrde vgl. ebd., S. 280. Zur Visitation des Albert Lucenius vgl. Steinwascher, Wildwuchs, S. 215 ff.
  21. Wöbking, Konfessionsstand, S. 109 f.; Dühne, Osnabrück, S. 71 ff.; Nöldeke, KD Kr. Wittlage und Bersenbrück, S. 131.
  22. Twelbeck, Kirchenbücher, S. 3 f.
  23. Twelbeck, Kirche, S. 51.
  24. Twelbeck, Kirche, S. 26 f.
  25. Twelbeck, Kirche, S. 54 f.
  26. Beide Zitate: LkAH, L 5f, Nr. 153 (Visitation 1956).
  27. LkAH, L 5f, Nr. 461 (Visitation 1932).
  28. LkAH, L 5f, Nr. 154 (Visitation 1987).
  29. KABl. 1905, S. 3 und KABl. 1958, S. 93.
  30. Kretzschmar, Türkenzehnte, S. 258, 263 und 269.
  31. KABl. 1947, S. 50.
  32. Osnabrücker UB III, Nr. 682.
  33. Osnabrücker UB IV, Nr. 189.
  34. LkAH, B 2 G 9/Gehrde Bd. II, Bl. 214-217 und 229-231.
  35. Twelbeck, Kirche, S. 19; Hoene, S. 12.
  36. Hoene, S. 20 f.
  37. Hoene, S. 26 ff.
  38. Nöldeke, KD Kr. Wittlage und Bersenbrück, S. 134; Twelbeck, Kirche, S. 101 (Abb. 5).
  39. Hoene, S. 13 und 23.
  40. Zum Folgenden: Hoene, S. 25 f.; Twelbeck, Kirche, S. 31 f.
  41. Zit. bei Twelbeck, Kirche, S. 31.
  42. LkAH, L 5f, Nr. 154 (Visitation 1981).
  43. Twelbeck, Lagerbuch, S. 133.
  44. Vgl. insgesamt Twelbeck, Kirche, S. 33 f.
  45. Twelbeck, Kirche, S. 77 f.