Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Münden | Patrozinium: Johannes1 | KO: Calenberger KO von 1569
Orts- und Kirchengeschichte
Schriftlich ist das ehemalige Dorf erstmals in einer undatierten Urkunde aus dem Jahr 1004 als Rasthorpe erwähnt.2 Eine örtliche Adelsfamilie von Rosdorf lässt sich von Mitte des 12. bis Ende des 15. Jh. nachweisen.3 Zusammen mit den übrigen Leinedörfern (Alt-)Grone, Ellershausen und Holtensen (Göttingen) stand Rosdorf im 14. Jh. und 15. Jh. weitgehend unter der Herrschaft der Stadt Göttingen.4 Ab 1582 lag die Gerichtshoheit schließlich beim welfischen Landesherrn (Gericht Leineberg).5 Seit der Dreiteilung des welfischen Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel um 1291 hatte Rosdorf territorial zum neuen Teilfsm. Göttingen gehört.6 Nachdem die Göttinger Linie der Welfen mit Hzg. Otto Cocles († 1463) in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Territorium 1495 bzw. 1512 Teil des Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Die landesherrlichen Rechte in Rosdorf nahm zeitweise der Amtmann in Münden wahr, jedoch entwickelte sich das Gericht Leineberg „nach und nach zu einem üblichen Gerichts- und Amtsbezirk“.7 In französischer Zeit gehörte Rosdorf von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen (Kanton Grone, Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 zählte der Ort, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Gericht Leineberg, aus dem 1831 das Amt Göttingen hervorging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Rosdorf 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1973 wurden die Ortschaften Atzenhausen, Dahlenrode, Dramfeld, Klein Wiershausen, Lemshausen, Mengershausen, Obernjesa, Settmarshausen, Sieboldshausen und Volkerode nach Rosdorf eingemeindet. Zur Sozialstruktur der Gemeinde schrieb der Ortspfarrer 1961: „Gewerbetreibende, Beamte, Angestellte und Arbeiter sind in der Mehrzahl. Von ihnen ist der größte Teil in Göttingen beschäftigt.“8 Um 1810 lebten knapp 860 Menschen in Rosdorf, 1939 gut 2.000, 1950 fast 3.060 und 2010 rund 6.680 (ohne Eingemeindungen).
Die Zeugenliste einer Urkunde aus dem Jahr 1245 nennt mehrere Priester (sacerdotes), darunter auch Rudolfo de Rosdorf.9 Um 1248 erscheint Rodolfus sacerdos de Rostorp erneut als Urkundenzeuge10, 1280 ist der Priester dominus Henricus de Rostorp genannt.11 1301 ist die ecclesie in Rostorp (Kirche in Rosdorf) explizit genannt und gleichzeitig wird dominus Henricus als plebanus (Pfarrer) bezeichnet. 1319 und 1352 ist auch der Rosdorfer Kirchhof (Friedhof) urkundlich genannt (curiam nostram in villa dicta Rostorp apud cymeterium sitam, „eynen hof to Rostorph, de da lit hinder deme Kerchove“).12 In den Jahren 1324 und 1346 ist Albrecht Horleman, pernere [Pfarrer] to Rostdorp urkundlich fassbar.13 In den Jahren 1378 und 1385 hatte Johann (Jan) von Roringen das Pfarramt inne.14 Mit hoher Wahrscheinlichkeit gehört auch Johannes Hedemynne hierher, der 1432 als Inhaber der Pfarrkirche in ville Rostorp belegt ist (er war seinerzeit schon älter – ad senium vergentes – und bat um freie Wahl eines Beichtvaters).15 Das älteste erhaltene Ausstattungsstück der Kirche ist die kleine, um 1400 gegossene Glocke.
Bereits bevor die Stadt Göttingen im Herbst 1529 die Reformation annahm, soll der Rosdorfer Pfarrer Detmar Streve luth. gepredigt haben; Göttinger Bürger sollen seine Gottesdienste besucht haben.16 Offiziell führte Hzgn. Elisabeth († 1558) die luth. Lehre im Fsm. Calenberg-Göttingen mehr als ein Jahrzehnt später ein: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden, Stifte und Klöster des Fürstentums visitieren.17 Im Jahr 1545 übernahm ihr nunmehr volljähriger Sohn als Hzg. Erich II. die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius († 1589) führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.18 1588 ließ er die Gemeinden visitieren.
Während oder vor der Amtszeit von P. Johann Rakebrand (amt. 1581–1619) vergrößerte sich das Kirchspiel Rosdorf um Mengershausen und Lemshausen, die zuvor als Tochtergemeinden (filia) zu Sieboldshausen gehört hatten. Das Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig, angelegt im späten 16. Jh., nennt beide als filia von Rosdorf und während der Visitation 1588 beklagte sich der Sieboldshäuser Pfarrer, die Gemeinden seien seinem Kirchspiel entrissen worden.19 Ab 1662 hatte Mengershausen einen eigenen Geistlichen, der auch für die Kapelle in Lemshausen zuständig war. Bei der Visitation 1646 beklagten die Visitatoren den schlechten Kirchenbesuch in Rosdorf.20 P. Johann Birkenstamm (amt. 1619–1648), der wegen „sehr stark bebender Hände“ das Abendmahl nicht mehr austeilen konnte, bat darum, dass ihm sein Sohn als Adjunkt und künftiger Nachfolger zur Seite gestellt werde.21 Nach seinem Tod 1648 erhielt jedoch P. Basilius Ollermann (amt. 1648–1671) das Pfarramt.
In die Amtszeit von P. Cornelius Mellinger (amt. 1714–1738) fiel 1725 die umfassende Erneuerung des mittelalterlichen Kirchengebäudes in Rosdorf. Aufgrund des großen Land- und Kapitalbesitzes der Rosdorfer Kirche konnten die Bauarbeiten „nebenbei finanziert“ werden.22 Die für den Kirchenraum bis heute prägende Kanzelaltarwand entwarf 1851 der Hannoveraner Künstler Carl Oesterley (1805–1891); die nach dem Heizungsbrand 1857 erneuerte Emporenanlage greift die Gestaltungselemente der Altarwand auf.
Ende des 19. Jh. förderte P. Adolf Friedrich Ferdinand Willige (amt. 1891–1913) die Arbeit der Ortsgruppe des Gustav-Adolf-Vereins in Rosdorf. Zudem organisierte er 1907 erstmals ein Konzert on Rosdorf, das „von blinden Künstlern zugunsten der Blindenfürsorge“ gegeben wurde.23 Im Sommer 1914 gründete sich ein Ev. Arbeiterverein in Rosdorf, der u. a. eine Krankenunterstützungskasse, eine Sterbekasse und eine Kleintierversicherung organisierte.24 Ab 1919 bestand ein Posaunenchor, ab 1929 ein Kirchenchor.
Während der NS-Zeit hatte P. Hermann Jarck (amt. 1914–1950) das Pfarramt Rosdorf inne. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ gab er an, er habe seit 1934 der NSDAP angehört und sei kirchenpolitisch „eine Zeitlang Mitglied der D.C. [g]ewesen, nach manchem Widerspruch gegen Leitung und Maßnahmen der D.C.“ jedoch wieder ausgetreten. Später habe er sich der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft angeschlossen.25 Zur Neuwahl des KV 1933 schrieb P. Jarck, der Wahlvorschlag sei „von Pastor, Ortsgruppenleiter und einigen Parteimitgliedern“ ausgehandelt worden; ein Wahlvorschlag der DC sei „von Pastor und Ortsgruppenleiter“ abgewehrt und zurückgezogen worden. Einer der gewählten Kirchenvorsteher legte sein Amt später nieder, trat aus der Kirche aus und wurde Ortsgruppenleiter der NSDAP; er bat „bereits vor Einmarsch der Amerikaner […] um Wiederaufnahme in die Kirche“.26
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder in Rosdorf von etwa 1.910 im Jahr 1942 auf rund 2.700 im Jahr 1949 an.27 In der Nachkriegszeit feierte auch die kath. Gemeinde (1949: 400 Gemeindeglieder) Gottesdienste in der ev.-luth. Kirche. Nach der Visitation 1955 zog der Sup. des KK Göttingen-Nord ein positives Fazit: Die Einrichtung eines Kindergottesdienstes (1950), „eines Helferkreises, der religionspädagogischen Arbeitsgemeinschaft, des Kindergartens und vor allem der Jugendkreise“ sei bezeichnend für ein erstarkendes kirchliches Leben in der Gemeinde.28 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die KG Rosdorf Kontakte zur Schloß-Kirchgemeinde in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz).29
1973 lag die Zahl der Gemeindeglieder bei fast 4.000 und ein Jahr später erhielt die Gemeinde eine zweite Pfarrstelle, die als erster P. Thomas Engelbrecht (amt. 1972/74–1977, anfangs Hilfsgeistlicher) übernahm.30 Neue Schwerpunkte in der Gemeindearbeit – „etwa die Dritte Welt- und Umweltproblematik“ – stellten einen Kurswechsel dar, der nach Einschätzung des Superintendenten für „die eher traditionell orientierte Gemeinde […] etwas zu plötzlich“ kam.31 Im „Konzept Nahbereich“ loteten die Gemeinden Mengershausen, Settmarshausen, Rosdorf und Sieboldshausen-Volkerode seit Ende der 1970er Jahre die Möglichkeiten übergemeindlicher Zusammenarbeit aus.32
Seit 2009 gehört Rosdorf zum „Ev.-luth. KGV Leine-Süd“.33 2011 zählte die KG Rosdorf zu den Mitgründerinnen des „Ev.-luth. Kindertagesstättenverbandes Südliches Leinetal“, der die Trägerschaft des gemeindeeigenen Kindergartens übernahm (2026 aufgegangen im „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“).34 Ab 2013 bestand eine pfarramtliche Verbindung zwischen Rosdorf und Settmarshausen, 2015 kamen auch Mengershausen und Sieboldshausen-Volkerode hinzu; Sitz des Pfarramts war Rosdorf. Seit Januar 2025 ist Rosdorf Teil des neugegründeten „Ev.-luth. KGV Friedland-Rosdorf“, der ab 2027 Träger des gemeinsamen Pfarramts der insgesamt 17 Verbandsgemeinden sein wird.35 Die Gemeinde zählte 2024 knapp 2.630 Gemeindeglieder.
Pfarrstellen
I: vorref. 2002 in eine halbe Stelle umgewandelt.36– II: 1974.37
Umfang
Rosdorf.
Aufsichtsbezirk
Archidiakonat Nörten (sedes Sieboldshausen) der Erzdiözese Mainz.38 – 1588/89 zur Insp. Münden, bei deren Teilung 1742 zur Insp. Hedemünden (bzw. Münden) II, Sitz der Insp. war St. Albani Göttingen, ab 1769 St. Jacobi. 1796/97 zur Insp. Göttingen I, 1924 zum KK Göttingen III, 1937 zum KK Göttingen-Nord.39 Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.40 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Münden.41
Patronat
Der Landesherr (bis 1871).
Kirchenbau
Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss und Sakristeianbau im Osten, im Kern gotisch, 1725 umgestaltet. Mansarddach, nach Osten abgewalmt (ziegelgedeckt). Verputztes Mauerwerk, weiß; Strebepfeiler im Osten und am Chor. Hohe, rundbogige Sprossenfenster an Chor und Schiff, Fenstergewände aus Sandstein. Im Innern flach gewölbte Decke mit Stuckverzierungen, u-förmige Holzemporenanlage (Westteil halbkreisförmig, Brüstung mit Blendnischen und Vierpässen). 1725 „Hauptreparation“ begonnen. 1747/48 Dachreparatur und Erneuerung Dachboden. 1792 Reparaturarbeiten am Dach. 1817 Neuverglasung der Fenster. 1851 Neugestaltung (Altarwand). 1857 Heizungsbrand, danach neue Emporenanlage erbaut. 1866 Restaurierung (Architekt: Conrad Wilhelm Hase, Hannover), u. a. neues Westportal, Südportal vermauert.42 1934 Instandsetzung Dach. 2007 Innenrenovierung.
Fenster
Zwei figürliche Buntglasfenster im Chor (1888).
Turm
Viergeschossiger, vierseitiger Westturm, im Kern gotisch. Flaches, vierseitiges Pyramidendach mit offener Laterne und geschwungener Haube, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne, Turmhelm verschiefert. Verputztes Mauerwerk, weiß. Im Glockengeschoss an jeder Seite ein spitzbogiges Schallfenster, nach Westen mit Uhrziffernblatt. Im Geschoss darunter gekuppelte Fenster mit Dreipassbögen (nach Westen Triforium, nach Norden und Süden Biforien). Im Geschoss darunter nach Süden Fenster, nach Westen Blendnische, jeweils mit Dreipassbogen. Im Erdgeschoss nach Westen spitzbogiges Hauptportal mit Wimperg, im Tympanon Agnus-Dei-Relief; nach Süden einfaches Maßwerkfenster, nach Norden hochliegender Nebeneingang mit überdachter Außentreppe. 1699 Instandsetzung.43 1749 Dachdeckung erneuert.44 1791 Reparaturarbeiten. 1799 neue Kirchturmuhr. 1811 Reparatur Turmhelm.45 1834 Dachziegel durch Schiefer ersetzt.46 1866 neues Westportal. 1894 neue Turmuhr. Vor 1993 Schieferdeckung erneuert.
Ausstattung
Hölzerne Kanzelaltarwand im byzantinischen Stil, lasiert (1851, Entwurf und Gemälde: Carl Wilhelm Friedrich Oesterley, Hannover; Ausführung: Tischlermeister Martin, Göttingen, Skulpturen: Eisenfaktorei G. W. Lünemann, Göttingen); basilikaler Aufriss: dreigeschossiger Mittelteil mit Dreiecksgiebel, anderthalbgeschossige Seitenteile mit horizontalen Brüstungen als Abschluss; Blendgliederung; polygonaler Kanzelkorb, vor den Wandungen fünf weiße Skulpturen (wohl Christus und die Evangelisten47); oberhalb der Kanzel monumentales Gemälde „Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“ (Mt 11,28), ein „spätes Zeugnis nazarenischer Malerei“48; hölzerner, kastenförmiger Altar mit seitlichen Schranken; links und rechts rundbögige Durchgänge; 1857 nach Kirchenbrand wiederhergestellt; 1963 Altarwand gestrichen (grünlich); 2007 restauriert (abgebeizt und lasiert).49 – Pokalförmiger Taufstein (1851, Ernst von Bandel, Hannover), Marmor, Schaft als Säulenbündel gestaltet.
Orgel
1699 Orgelpositivs eines unbekannten Orgelbauers verkauft nach Hardegsen. 1736 Orgelneubau, ausgeführt von Johann Wilhelm Gloger (Northeim), 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen; 1759 Instrument abgebaut, 1760 verkauft nach Weende. 1755–59 Orgelneubau, ausgeführt von Johann Wilhelm Gloger (Northeim), 24 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1807 Reparatur und Änderung der Disposition, wohl Johann Wilhelm Schmerbach II (Frieda). 1829 Reparatur und Änderung der Disposition, wohl Johann Wilhelm Schmerbach II (Frieda). 1848 Instandsetzung, Carl Giesecke (Göttingen). 1857 bei Heizungsbrand in der Kirche zerstört. 1857 Interimsorgel, erbaut von Carl Gieseke (Göttingen), 2 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen; 1861 abgebaut und wiederaufgestellt in Mariengarten (Klosterkirche). 1863 Orgelneubau, ausgeführt von Carl Giesecke (Göttingen), 25 II/P, mechanische Traktur, Kegelladen, zwei Skulpturen im Prospekt, Prospekt entworfen von Friedrich Doeltz (Göttingen). 1911 Instrument abgebaut. 1911 Orgelneubau, ausgeführt von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 27 (davon eine Transmission) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen (Opus 697), Gehäuse und Pfeifenmaterial von 1863 wiederverwendet.50 1917 zinnerne Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. 1925 neue Prospektpfeifen, Orgelbauanstalt Kiessling & Sohn (Bleicherode). 1932 Umbau und Änderung der Disposition, Paul Ott (Göttingen), 27 (davon eine Transmission) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen und Kegelladen. 1965 Reinigung und eine Dispositionsänderung, Rudolf Janke (Bovenden), 27 (davon eine Transmission) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen und Kegelladen. 1997 Orgelneubau, ausgeführt von Werner Bosch Orgelbau (Sandershausen), 28 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, Gehäuse und Pfeifenmaterial von 1863 wiederverwendet.
Geläut
Drei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1754, Johann Christoph Weidemann, Hannover), Inschriften: „Drey Mahl taglich ruff ich zu beten um den Friede. Gottes Friede mehre sich des ich Sturm vermiede was sonst meine Schwester rufft. Eben dieses rufe ich auch, schalle fort durch Dorf und Luft zu gleichmassigem Gebrauch“, „Georgio II M. Britannie Rege nostro Augusto pace toti Europae lustro praeterito restituta in tranquillitate regnante ex aerario ecclesiae confecta. E. Appuhnio Sup., G. Iden P. I. D. Leineb. F. W. Leschio P.“ (etwa: Unter Georg II., unserem erhabenen König von Großbritannien, als nach dem verflossenen Fünfjahr der Friede in ganz Europa wiederhergestellt war und man in Ruhe regierte, aus der Kirchenkasse gefertigt) und „Iohann Heinrich Christoph Weidemann goss mich in Hannover“, Glocke im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen, seit 1947 wieder in Rosdorf; II: f’ (Bronze, Gj. 1747, Heinrich Brauhoff, Nordhausen), Inschriften: „O Mensch bedencke mein thönendes Schallen das ruffet zum Bethen, Singen, zum Hören, Zur Tauffe, zur Busse, zum Grabe bei allen zum Bande des Friedens, zu ehlichen Ehren. Nur sey du nicht mit mir in diesem Beruffe ein thönendes Ertze und klingende Schelle, damit ich zum Feüer zum Jammer nicht ruffe, mit Schrecken dein Hertze und Ohren durchgelle. Ernst Lude, Herdelandt Sch. M. U. Or., Andreas Grube sen., Christoph Jaep R. V., Andreas Grube jun B. M.“, „Georgii I magnae Britanniae Regis lucens eheu nece divulsa Georgi II Regnante recusa tempore turbido bolo gallo borussoque terrente patria quieta Aeuropa tota inquieta. Joh. Ern. Appuhnio Superint. Just. Christ. Iden dicast Leineberg. praepos. reg. Fried Wilh. Leschio Past.“ (etwa: Unter Georg I., König von Großbritannien, strahlend – ach –, durch den Tod geborsten, unter Georg II. neu gegossen, in unruhiger Zeit, da Franzose und Preuße Schrecken verbreiteten, das Vaterland in Frieden, ganz Europa jedoch in Aufruhr) und „1747 goss mich Ioh. Heinr. Brauhoff in Nordhausen“ Glocke im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und seit 1947 wieder in Rosdorf; III: e’’ (Bronze, Gj. 1995, Firma Rincker, Sinn), Inschriften: „Suchet der Stadt Bestes“ und „Rosdorf A[nno] 1995 D[omini]“. – Eine SG, f’’ (Bronze, Gj. um 1400), ohne Inschrift, diente zeitweise auch als LG (als solche vor 1993 zum „Schutz der neuen Schieferspitze“ stillgelegt).51 – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze), 1727 „bei dem herrschaftlichen Trauergeläute“ für Kg. Georg I. geborsten, 1747 neu gegossen (heute LG II).52
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarrhaus (Bj. 1859) mit Gemeindesaal (Bj. 1966). – Pfarrwitwenhaus (Bj. 1796/97).
Friedhof
Ehemaliger kirchlicher Friedhof bei der Kirche. Kirchlicher Friedhof im Südosten von Rosdorf, angelegt 1866, erweitert 1885, FKap (Bj. 1912).53
Liste der Pastoren (bis 1940)
1529 Detmer Strewe beginnt evangelisch zu predigen. – 15..–1581 Joachim Meyer. – 1581–1619 Johann Rakebrand. – 1587–1619 Jakobus Timmermann. – 1619–1648 Johannes Birkenstamm. – 1648–1671 Basilius Ollermann. – 1671–1699 Petrus Valentin Berkelmann. – 1699–1714 Werner Julius Bartheldes. – 1714–1738 Kornelius Christoph Mellinger. – 1738–1769 Friedrich Wilhelm Leschen. – 1770–1782 Ernst Friedrich Frank. – 1782–1795 Karl Gottlieb Eickemeyer. – 1796–1800 Ernst Heinrich Georg Leopold. – 1801–1808 Dr. Johann Bernhard Gottfried Osann (Bild). – 1808–1851 Johann Heinrich Hoffmann. – 1851–1857 Johann Heinrich Karl Ebeling (Bild). – 1858–1869 Eduard Friedrich Theodor Schlaegel. – 1869–1891 Wilhelm Theodor Ludwig Hampe. – 1891–1913 Adolf Friedrich Ferdinand Willige. – 1914–1950 Hermann Heinrich Jarck.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 324–325 und III, S. 37
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
A 1 3947, 9654–9689 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 7167–7178 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1954
, 1955
, 1956
, 1957
(Visitationen); B 2 G 9 Nr. 2635–2638 (Baupflege und Bauwesen); B 2 G 9 B Nr. 552 (Orgel- und Glockenwesen); S 09 rep Nr. 1960 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7237 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).
Kirchenbücher
Taufen: ab 1581 (Lücken: 1619–1649)
Trauungen: ab 1581 (Lücken: 1618–1649)
Begräbnisse: ab 1581 (Lücken: 1618–1649)
Kommunikanten: ab 1765 (Lücken: 1787–1829)
Konfirmationen: ab 1827
Literatur & Links
A: Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 234–251; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 348–352; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1147; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 224–227; Meyer, Pastoren II, S. 324–325 und III, S. 37; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 183–184.
B: Heidrun Dolezel: Nachrichten aus der Kirchturmkugel. 1699–1955 (= Zur Geschichte von Rosdorf 1), Friedland 1994; Vera Leuschner: Der Kanzelaltar von Carl Oesterley in der Pfarrkirche St. Johannis in Rosdorf 1843–1851, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 20 (1981), S. 177–212; Günther Meinhardt & Klaus Groth: Chronik der Gemeinde Rosdorf und ihrer Ortschaften, 2 Bde., Gudensberg-Gleichen 1988, bes. I, S. 271–463, II, S. 218–280; Erwin Steinmetz: Die Herren von Rosdorf. Geschichte eines südniedersächsischen Adelsgeschlechtes, in: Göttinger Jahrbuch 30 (1982), S. 93–132.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Entwurfszeichnungen; Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche; Wikipedia: St. Johannis (Rosdorf).
GND
2032019-X, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Rosdorf, Johannes.
Website der Kirchengemeinde (18.02.2024)
Fußnoten
- Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 166, und II, S. 81.
- UB Hilwartshausen, Nr. 12. Für weitere Beleg und zum Ortsnamen vgl. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 348 ff.
- Vgl. Steinmetz, S. 100: Cunradus und Gumprecht de Roestorp, genannt 1155. Vgl. ebd., S. 117 f.
- Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 280. Allerdings war die städtische Position unsicher, denn sie leitete sich her „nicht aus dem Besitz der Stadt als Korporation, sondern lediglich aus dem Privatbesitz von Bürgern“ (ebd.). Vgl. auch Lubecus, Annalen, S. 106 mit Anm. 1, und S. 232. Insgesamt zu den Besitzverhältnissen in Rosdorf: Steinmetz, S. 95 ff.
- Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 293.
- Insgesamt: Pischke, Landesteilungen, bes. S. 45 ff., S. 75 ff. und S. 180 ff.
- LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 63. NLA HA Hann. 74 Göttingen, Bestandsbeschreibung (Zitat).
- LkAH, L 5c, unverz., Rosdorf, Visitation 1961.
- UB Göttingen I, Nr. 3 [Digitalisat]; UB Mariengarten, Nr. 2.
- UB Hilwartshausen, Nr. 54.
- UB Mariengarten, Nr. 44.
- 1319: UB Göttingen I, Nr. 88 [Digitalisat]. 1352: UB Hilwartshausen, Nr. 199.
- UB Walkenried II, Nr. 994 (Zitat) und Nr. 1109.
- Prietzel, Kalande, S. 595 (Nr. 98). NLA WO 14 Urk Nr. 56 (her Jan von Roringen, perner to Rosdorp).
- RG Online, RG V 04474, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/5/4474, 12.08.2025. Die 1420 im Zusammenhang mit dem Kleriker Jacobus Gensefleisch erwähnte Pfarrkirche in Rostorp ist vermutlich auf Roßdorf bei Darmstadt zu beziehen, da Gensefleisch Kanoniker im Stift St. Viktor vor Mainz war, RG Online, RG IV 05919, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/5919, 12.08.2025.
- Volz, Reformation, S. 57.
- Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, S. 47 ff.
- Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
- LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 54 und S. 57. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 152.
- Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 154.
- Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 184 f.
- Meinhardt & Groth, Chronik I, S. 430 f. 1738 besaß die Gemeinde „in der Feldmark 41 Morgen 94 Ruten 66 Fuß an Ackerland, 8 Morgen 19 Ruten an Wiesen und Weiden […] Erstaunlich war das Kapitalvermögen, denn es bestand aus nicht weniger als 8.781 Talern 3 Pfennigen, von denen 7.277 Taler 6 Mariengroschen ausgeliehen waren“.
- Meinhardt & Groth, Chronik I, S. 432.
- Meinhardt & Groth, Chronik I, S. 433.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 413, Bl. 35. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
- Alle Zitate: LkAH, S 1 H III, Nr. 413, Bl. 35. Vgl. auch Meinhardt & Groth, Chronik II, S. 273 ff.
- LkAH, L 5c, unverz., Rosdorf, Visitationen 1942 und 1949.
- LkAH, L 5c, unverz., Rosdorf, Visitation 1955.
- Meinhardt & Groth, Chronik II, S. 275. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
- KABl. 1974, S. 37.
- LkAH, L 5c, unverz., Rosdorf, Visitation 1973. Vgl. auch Meinhardt & Groth, Chronik II, S. 275.
- LkAH, L 5c, unverz., Rosdorf, Visitation 1981.
- KABl. 2009, S. 155 ff.
- KABl. 2011, S. 123 ff.; KABl. 2025, S. 275.
- KABl. 2025, S. 60 ff. Folgende KG gehören zum KGV: Ballenhausen, Deiderode, Elkershausen, Friedland, Groß Schneen, Klein Schneen, Niedergandern-Hottenrode, Niedernjesa-Stockhausen, Reckershausen, Franziskus-KG Reiffenhausen, Atzenhausen, Dramfeld, Mengershausen, Obernjesa, Rosdorf, Settmarshausen und Sieboldshausen-Volkerode.
- KABl. 2002, S. 231.
- KABl. 1974, S. 37.
- Bruns, Archidiakonat Nörten, S. 169.
- KABl. 1924, S. 86; KABl. 1937, S. 135.
- KABl. 2000, S. 150 f.
- KABl. 2022, S. 189 ff.
- Siehe: https://glass-portal.hier-im-netz.de/cwhase/m-r/rosdorf_kirche.htm, 12.08.2025; Dolezel, S. 123 (Ansicht der Kirche um 1850).
- Dolezel, S. 25.
- Dolezel, S. 41.
- Dolezel, S. 69.
- Dolezel, S. 93.
- Leuschner, Anm. 29.
- Leuschner, S. 198
- Ausführlich zur Altarwand: Leuschner, S. 177 ff. Siehe auch Dolezel, S. 111.
- Pape/Schloetmann, Hammer, S. 122.
- LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 552 (Bericht über Glocken und die Läuteanlage, 07.10.1993).
- Dolezel, S. 42.
- Meinhardt & Groth, Chronik I, S. 438.