Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinium: Petrus1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist Weende erstmals vielleicht 966 in einer Urkunde Ks. Ottos I. († 973) als Uuinide belegt; die Zuordnung ist jedoch nicht gänzlich sicher.2 Zweifellos zu Weende gehört die Nennung in einer undatierten Urkunde aus dem Jahr 1004: villa cui vocabulum est Winithi (Dorf dessen Name Winithi ist).3 Weende gehörte im 10./11. Jh. zu den Dörfern des Leinegaus; die dortigen Grafenrechte waren ab 1152 im Besitz Hzg. Heinrichs des Löwen († 1195), 1180 fielen sie an die Lgf. von Thüringen, bis zur zweiten Hälfte des 13. Jh. kamen sie größtenteils an die welfischen Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg.4 Seit der Dreiteilung des welfischen Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel um 1291 zählte Weende zum neuen Teilfsm. Göttingen.5 Nachdem die Göttinger Linie der Welfen mit Hzg. Otto Cocles († 1463) in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Territorium 1495 bzw. 1512 Teil des Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover); Weende zählte zum Amt Harste (1665 aus dem Gericht Leineberg ausgeschieden).6. Eine frühe, eher stilisierte Ortsansicht ist auf einer Karte aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. überliefert (um 1570, Dorf Wehnde, Closter Wehnde).7 Aus der Mitte des 17. Jh. liegt ein Merian-Stich vor.8 In französischer Zeit gehörte Weende von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen (Kanton Grone, Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 zählte der Ort, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Harste, kam bei dessen Auflösung 1823 zum Gericht Leineberg, aus dem 1831 das Amt Göttingen hervorging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Weende 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1964 wurde Weende in die Stadt Göttingen eingemeindet. Das ehemalige Dorf lässt sich in der ersten Hälfte des 20. Jh. als Arbeitervorstadt von Göttingen beschreiben. Um 1810 lebten etwa 1.040 Menschen in Weende, 1919 rund 3.200 und 2023 knapp 16.460.
Eine Kirche in Winethen ist urkundlich erstmals 1184 erwähnt.9 Der Zeitpunkt ihrer Gründung ist nicht bekannt; möglicherweise entstand sie „im 9. oder 10. Jahrhundert als ‚Eigenkirche‘ eines unbekannten Besitzers des Herrenhofes“.10 Die Urkunde von 1184 bezeichnet die Petrikirche als antiquiori ecclesie (ältere Kirche), denn der etwa Mitte des 12. Jh. auf dem Nikolausberg gegründete Augustinerinnenkonvent war zwischen 1180 und 1184 nach Weende umgezogen. In der Folgezeit erhielt Weende mit der Klosterkirche im Nordwesten des Ortes ein zweites, jüngeres Gotteshaus.11 Aus dem Jahr 1246 ist erstmals der Name eines Pfarrers an der St. Petrikirche überliefert: Burchardus de Winede plebanus.12 Im Jahr 1260 erwarben die Weender Augustinerinnen von Konrad und Berthold von Schöneberg das Patronatsrecht über die Pfarrkirche in Weende (1265 vom Mainzer Erzbischof bestätigt); 1267 inkorporierte Papst Clemens IV. (amt. 1265–1268) die ecclesiam sancti Petri de Wineden dem Kloster.13 Den Pfarrdienst versahen seither Geistliche des Klosters. Im Jahr 1469 ist Yan Vos […] perner to Wende urkundlich belegt; er war 1493 Pfarrer auf dem Nikolausberg.14
Nachdem Hzg. Erich I. zu Braunschweig-Lüneburg im Jahr 1540 gestorben war, führte Hzgn. Elisabeth († 1558) als Vormund ihres minderjährigen Sohnes Erich die luth. Lehre im Fsm. Calenberg-Göttingen ein: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden, Stifte und Klöster des Fürstentums visitieren.15 Im Jahr 1545 übernahm Elisabeths nunmehr volljähriger Sohn als Hzg. Erich II. die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius († 1589) führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.16 1588 ließ er die Gemeinden visitieren.
An der ersten reformatorischen Visitation des Stifts Weende und des Nikolausbergs im Jahr 1542 hatte Hzgn. Elisabeth selbst teilgenommen.17 Die Visitatoren setzten für den Konvent sowie die „phar im Dorfe und auf dem Clauweßberge“ einen luth. Pfarrer ein, vermutlich P. Moritz Filter (amt. bis 1548).18 Sonntags predigte er abwechselnd vormittags in der Klosterkirche und nachmittags in der Pfarrkirche bzw. umgekehrt – „damit in außbreitung des worts ja kein versäumbniß gespürt werde“.19 Alle zwei Wochen kam noch ein Gottesdienst auf dem Nikolausberg hinzu („auf welchen tag er will“). Mit P. Joachim Ketler (amt. 1567–1618) erhielt das Dorf Weende einen eigenen Geistlichen; für Stift und Nikolausberg war P. Martinus Keck (amt. 1587–1609) zuständig. Im Protokoll der Visitation von 1588 ist vermerkt: „Die Domina Anna von Rheden päpstisch, trug noch den Habit, ist das Jahr gestorben“.20 Ihre Nachfolgerin, Katharina Kogels, sei ebenfalls altgläubig. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde das Stift kurzzeitig rekatholisiert (1629–1632). 1630 ist mit Sophia Wahl eine letzte kath. Äbtissin belegt, die letzte Stiftsdame starb nach 1640. 1633 war die bereits 1629 verfügte Schenkung des Klosters samt seinem Besitz an die Universität Helmstedt vollzogen worden (allerdings in reduzierter Form).21
P. Heinrich Sanne (amt. 1627–1638) war seit 1628 neben der Pfarre Weende wiederum gleichzeitig für Kloster und Nikolausberg zuständig.22 Diese pfarramtliche Verbindung bestand bis zum Jahr 1976. Bezahlt wurde der Weender Pfarrer aus Einkünften des Klostergutes.23 Während der letzten Jahre der langen Amtszeit von P. Justus Christoph Reinholt (amt. 1709–1761) – seit 1753 versahen Hilfsgeistliche den Pfarrdienst – erhielt die Weender Kirche weitgehend ihr heutiges Aussehen: Nach Entwürfen des Göttinger Oberbaukommissars Johann Michael Müller (1723–1777) entstand ab 1757 das neue Kirchenschiff. Justus Ludwig Schlemm, Oberamtmann des Amtes Harste, unterstütze den Neubau und im Erdgeschoss des Turms richtete er für seine Familie ein Erbbegräbnis ein. Die Klosterkirche ist um 1800 abgebrochen worden.24
Seit Mitte des 19. Jh. wuchs die Bevölkerung Weende stark an: 1848 hatten gut 1.290 Menschen hier gelebt, 1905 waren es fast 2.590. Das Dorf entwickelte sich zu einer Arbeitervorstadt Göttingens (1915 knapp 50 Prozent Arbeiter).25 P. Christian Friedrich Karl Ahlborn (amt. 1843–1869) richtete 1847 eine „Gemeinde-Armen-Kasse“ ein; bis 1854 hatte sie jährlich 180 bis 200 Taler an Bedürftige ausgezahlt.26 1854 richtete die Armenkommission zudem einen Mittagstisch ein (ab März etwa 50 Mittagessen pro Tag). Der Gottesdienstbesuch war in der zweiten Hälfte des 19. Jh. rückläufig und lag 1892 noch bei fünf Prozent; auch der KV blieb dem sonntäglichen Gottesdienst überwiegend fern. P. Justus Heinrich Wilhelm Meyer (amt. 1889–1905) richtete eine Volksbibliothek in Weende ein; sein Versuch, auch eine Schwesternstation zu eröffnen, scheiterte. Von P. Wilhelm Otto Held (amt. 1905–1920) haben sich Tagebucheintragungen aus den ersten Wochen des Ersten Weltkriegs erhalten; mit seinen „Schilderungen rauschhafter Kriegsbegeisterung“ ist es ein typisches Dokument seiner Zeit.27 Enthusiastisch berichtet P. Held über den Gottesdienst am Kriegsgebettag (5. August 1914): Er sei „tiefgreifend und erhebend“ gewesen, die „Kirche vollbesetzt, in den Gängen stehen sie und auf den Treppen“. Auch der folgende Sonntagsgottesdienst war überfüllt: „Es ist, als ob eine Erneuerung durch unser Volk geht“.28
P. Hermann Krohn (amt. 1920–1947) richtete eine Ortsgruppe des Bundes Christlicher Deutschen Jugend in Weende ein: „Die jungen Leute haben Unterhaltungs-, Vortrags-, Aussprache-, Literatur-, Bibelabende, zeitweise auch Turnabende und Handarbeitsunterricht. Sie kommen 2–4 mal wöchentlich zusammen“.29 Schon 1920 hatte er einen gemischten Kirchenchor gegründet. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ schrieb P. Krohn rückblickend, er sei kirchenpolitisch „kurze Zeit im Anfang Mitglied der Deutschen Christen“ gewesen; ausgetreten sei er, da „die DC den Landesbischof und die Bekenntnisgemeinschaft nicht mit sauberen Waffen bekämpften“.30 In die NSDAP sei er nicht eingetreten. Dem 1933 gewählten KV gehörten zwei Mitglieder der NSDAP an sowie zwei Nichtmitglieder, „alle 4 wirklich kirchlich“. Knapp 70 Gemeindeglieder traten aus der Kirche aus. Die Jugendarbeit musste P. Krohn nach 1933 einstellen. Für die Kirchenbuchrecherchen zur Erstellung der Ariernachweise beschäftigte die Gemeinde eine Bürokraft.31
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der ev.-luth. Gemeindeglieder von wohl 3.900 im Jahr 1939 auf rund 4.800 im Jahr 1949 an.32 Gleichzeitig hatte sich die kleine kath. Gemeinde von etwa 230 auf ungefähr 500 Gemeindeglieder vergrößert; kath. Gottesdienste hatten seit 1933 in der Weender Volksschule stattgefunden, seit 1949 in der ev.-luth. St.-Petri-Kirche.33 Im Jahr 1960 weihte die kath. Gemeinde ihre neu errichtete Kirche St. Vinzenz ein (1961 Kurtaigemeinde, 1973 Pfarrgemeinde, 2008 Pfarrgemeinde mit St. Paulus Göttingen).
Die Zahl der ev.-luth. Gemeindeglieder wuchs nach 1949 weiter; 1955 lag sie bei 5.000, 1961 erreichte sie etwa 6.800.34 Im Jahr 1960 hatte das Landeskirchenamt eine zweite Pfarrstelle für Weende eingerichtet35, die als ersten P. Werner Rannenberg (amt. 1960–1964, seit 1959 P. adj.) übernahm; die erste Pfarrstelle hatte P. Fritz Thoms (amt. 1949–1971) inne. Im April 1964 verkleinerte sich die St. Petrigemeinde: Das südliche Gemeindegebiet jenseits der Lutter kam zur neuen Christophorusgemeinde, zu der auch P. Rannenberg wechselte.36 Im gleichen Jahr war Weende in die Staft Göttingen eingemeindet worden und die KG Weende trat 1966 dem Gesamtverband Göttingen bei.37 Zum 1. Januar 1976 erhielt das Pfarramt Weende eine dritte Pfarrstelle mit Sitz in Nikolausberg; mit Ende der pfarramtlichen Verbindung, für das sich beide Kirchenvorstände ausgesprochen hatten, ging sie zum 1. Januar 1976 auf die nun eigenständige St.-Nikolaus-KG Nikolausberg über.38 Nach der Visitation 1981 schrieb der Sup. des KK Göttingen-Stadt: „Beeindruckend ist, daß sich im Weender KV ein gemeinsamer Wille artikuliert, eine situations- und zeitgerechte Gemeindearbeit zu versuchen. Das Pfarramt erhält hier wesentliche Impulse“.39
Seit 1959 besteht ein Posaunenchor in der Gemeinde, ein Tanzkreis existierte von 1969 bis 2012, eine Theatergruppe von 1985 bis 2007. Die kath. Pfarrgemeinde St. Vinzenz und die ev.-luth. KG Herberhausen, Nikolausberg, Roringen und Weende gründeten 1985 gemeinsam den Gemeindepflegedienst Göttingen-Nord.40
Nach 1989 entwickelten sich „intensive Beziehungen“ zwischen der St.-Petri-KG Weende und den Kirchengemeinden Urbach und Bösenrode in der DDR; beide Gemeinden hatten bis 1974 zur Landeskirche Hannovers gezählt.41 Seit 1996 liegt der kirchliche, integrative Kindergarten „Die Arche“ im Gebiet von St. Petri; er befindet sich in Trägerschaft des Diakonischen Werks Christophorus e. V.42 Zusammen mit Christophorus, Herberhausen, Nikolausberg und Roringen gründete die KG Weende 2009 eine regionale Arbeitsgemeinschaft („5 KiNo“, u. a. jährliches Regionsfest, gemeinsamer Konfirmandenunterricht und Konfi-Camp, regionaler, ökumenischer Himmelfahrtsgottesdienst, Sommerkirche).
2024 zählte die St.-Petri-KG Weende 3.390 Gemeindeglieder. Sie gehört seit 2025 zum „Ev.-luth. Kirchengemeindeverband Region Göttingen Nordost-Radolfshausen“ (Region NORa).43

Pfarrstellen

I: vorref. – II: 1960.44 – III: 1970–1976 (übergegangen auf Göttingen-Nikolausberg).45

Umfang

Nördlicher Teil des Göttinger Stadtteils Weende. Bis April 1964 ganze Weende, dann Gebiete südlich der Lutter an die neu gegründete Christophorus-KG abgegeben.46

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (sedes Nörten) der Erzdiözese Mainz.47 – 1588/89 zur Insp. Hardegsen. 1748 zur neuen Insp. im Amt Harste.48 Mit Auflösung der Insp. im Amt Harste 1842 zur Insp. Göttingen Erster Teil, seit 1924 Insp. bzw. KK Göttingen I, 1937 umbenannt in KK Göttingen-Stadt.49 Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.50 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.51

Patronat

Das Patronatsrecht lag Mitte des 13. Jh. bei den in Nordhessen ansässigen Edlen von Schöneburg, die im Raum Göttingen-Münden über größeren Streubesitze verfügten.52 1260/65 erwarb das Kloster Weende die Patronatsrechte, 1267 wurde die Kirche dem Kloster inkorporiert.53 Die Pfarrstellenbesetzung nahm seit 1588 der Landesherr unter Beteiligung des Klosters vor. 1629 bzw. 1633 kam das Kloster nebst seinen Rechten und Besitzungen als Schenkung an die Universität Helmstedt. Ab 1650 beanspruchte der Calenberger Landesherr das Patronatsrecht und ließ es vom Konsistorium ausüben (bis 1871).54

Kirchenbau

Fünfachsiger, rechteckiger Saalbau mit eingezogenem Rechteckanbau (ehemaliger Chor) im Osten, ausgerichtet nach Westen, ehemaliger Chor erbaut 1566, Schiff erbaut 1758–60 (Architekt: Johann Michael Müller, Göttingen55). Satteldächer über Schiff und ehemaligem Chor, nach Osten abgewalmt. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung. Hohe Segmentbogenfenster an ehemaligem Chor und Schiff. Nord- und Südportale in der Mittelachse des Schiffs, rechteckiger Nebeneingang nach Osten. Im Innern umlaufende Emporenanlage deren Stützen bis zur flachen Decke reichen; im Westen klassizistische Kanzelaltarwand. 1566 Neubau des Chors. 1758–60 Neubau des Kirchenschiffs. 1783 Neugestaltung Innenraum, u. a. umlaufende Emporenanlage. 1964–66 Renovierung. 1986 Renovierung.

Turm

Romanischer Westturm mit querrechteckigem Grundriss, erbaut vielleicht im 13. Jh.56 Satteldach mit Uhrerker nach Westen und sechsseitigem, verschiefertem Dachreiter mit offener Laterne und sechsseitigem Helm, bekrönt mit Kugel, Wetterfahne und Kreuz. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, Uhrziffernblätter in den Giebeldreiecken nach Norden und Süden. Im Glockengeschoss je ein Schallfenster an den Schmalseiten und zwei an den Längsseiten, Schallfenster gekuppelt (Biforien) mit Dreipassbögen. Nach Norden segmentbogiges Portal mit Gittertür, darüber Inschriftenstein: „S. Cineribus Schlemiis Iustus Ludowicus Schlemm. M. B. R. S. R. I. A. & P. E. D. B. L. A necotiis Rotero Dami. gerendis. MDCC LXXIII. F. C.“

Grablege

Im Erdgeschoss des Turms Erbbegräbnis der Familie des Oberamtmanns Schlemm aus Harste (1773).

Vorgängerbau

Mittelalterlicher Bau, 1521 Schiff erneuert.

Ausstattung

Im Westen klassizistische Kanzelaltarwand (1783), grau, weiß und gold gefasst; vier korinthische Pilaster tragen Gebälk mit Schalldeckel, vor den beiden inneren Pilastern korinthische Säulen, dazwischen polygonaler Kanzelkorb und kastenförmiger Altar; links und rechts Rundbögen mit Rechtecktüren; über dem Schalldeckel zwei Pokale, dazwischen Gottesauge im Strahlenkranz. – Holztaufe. – Taufständer aus Schmiedeeisen (1968). – Außen: Epitaph für Anton Caspar Christoph Cleve († 1765) und seine Ehefrau Sophia Elisabeth Cleve geb. Wackerhagen († 1774), Allianzwappen, Putten und Inschriftenfeld; Epitaph eingelassen in die Ostwand.

Orgel

Vor 1757 ein „altes schlechtes Positiv“ vorhanden, „nach dem Materialien werth für 11 rthlr.“ verkauft.57 1760 erwarb die Gemeinde eine gebrauchte Orgel aus Rosdorf, erbaut 1736 von Johann Wilhelm Gloger (Northeim), 18 (davon 4 Transmissionen) I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen; wohl nicht aufgestellt, Material für Orgelneubau verwendet. 1767–76 Orgelneubau, ausgeführt von Johann Tobias Hansen und seinem Sohn Johann Justus Hansen (Nörten), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1783/84 Orgel auf Ostempore versetzt, Franz Ignatz Kahlert (Heiligenstadt). Zustand 1810: 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Zustand 1823: 20 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1848 Instrument abgebrochen. 1848 Orgelneubau, ausgeführt von Carl Giesecke (Göttingen), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen; keine Prospektpfeifen, stattdessen Bretterwand. 1945/46 Umbau und Änderung der Disposition Paul Ott (Göttingen), 9 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1957 Umbau und Erweiterung um ein Rückpositiv, Paul Ott (Göttingen), 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1972/73 Reparatur und Änderung der Disposition, Paul Ott (Göttingen). 1989 Instandsetzung und Umbau, Rudolf Janke (Bovenden), 19 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1967, Firma Rincker, Sinn), Inschrift: „Wer Ohren hat, zu hören, der höre! Matth. 13,9“; II: g’ (Bronze, Gj. 13. Jh.), Bilder: vier Kruzifixe. Als SG Doppelschale, beide g’ (Eisen), 1961 stark verrostet, 1974 nur größere in Betrieb. – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1395).58 Eine große LG (Bronze, Gj. 1722), umgegossen aus einer älteren Glocke.59 Eine große LG (Bronze, Gj. 1925), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1942). Eine LG, e’ (Eisenhartguss, Gj. 1952, J. F. Weule, Bockenem), Inschrift: „Wer Ohren hat, zu hören, der höre!“, 1967 durch jetzige LG I ersetzt.60

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus Schlagenweg (Bj. 1984; Vorgängerbau Eigentum der Klosterkammer). – Pfarrhaus Ernst-Fahlbusch-Straße (Bj. 1967). – Gemeindehaus bei der Kirche (Bj. 1860). – Gemeindesaal Schlagenweg (Bj. 1907). – Gemeindehaus Ernst-Fahlbusch-Straße, Jochen-Klepper-Haus (Bj. 1968). – Küsterhaus (Bj. 1764).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof östlich der Kirche. FKap (Bj. 1907), Truhenorgel, erbaut von Ingo Kötter (Göttingen), 4 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen.61 Im Norden Weendes städtischer Parkfriedhof Junkerberg, FKap.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1542–1548 Moritz Filter (Dorf und Kloster Weende, Nikolausberg). – 1554 Jost Möhlen (wohl Dorf und Kloster Weende, Nikolausberg). – 1567–1618 Joachim Ketler. – 1618–1626 Martin Bolthorn (Polthorn). – 1627–1638 Heinrich Sanne (seit 1628 auch Kloster Weende und Nikolausberg). – 1638–1639 Brandanus Daetrius. – 1639–1640 Anton Hering. – 1640–1678 Georg Rodemann. – 1679–1709 Heinrich Papen. – 1709–1761 Justus Christoph Reinholt. – 1761–1768 Johann Hermann Detering. – 1769–1770 Ernst Friedrich Franck. – 1770–1776 August Konrad Klingsöhr. – 1777–1793 Johann Christoph Konrad Weibgen. – 1794–1802 Johann August Rikken (Ricken). – 1802–1843 Johann Friedrich Wilhelm Bode. – 1843–1869 Christian Friedrich Karl Ahlborn. – 1869–1880 Carl Hermann Julius Kreibohm. – 1881–1888 Adolf Friedrich Omstade Hartmann. – 1889–1905 Justus Heinrich Wilhelm Meyer. – 1905–1920 Wilhelm Otto Held. – 1920–1947 Hermann Karl Johann August Krohn.

Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 482–483 und III, S. 45

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 11443–11457 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 8460–8470 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 455Digitalisat (CB); A 9 Nr. 2387Digitalisat, 2388Digitalisat, 2389Digitalisat, 2390Digitalisat (Visitationen); B 2 G 9 Nr. 1046–1050 (Baupflege und Bauwesen); S 06 Nr. 242 (Handschriften); S 09 rep Nr. 1130 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7147 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1679
Trauungen: ab 1679
Begräbnisse: ab 1679 (Lücken: 1755, 1756)
Kommunikanten: ab 1679 (Lücken: 1721–1760)
Konfirmationen: ab 1784 (Lücken: 1786–1794, 1804–1810, 1812; Erstkommunikanten: 1761–1783)

Literatur & Links

A: Bielefeld, Orgeln, S. 66–68 und S. 334–344; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 411–413; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1337; Meyer, Pastoren II, S. 482–483 und III, S. 45; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 197–198; Rüttgerodt-Riechmann, Denkmaltopographie Göttingen, S. 122–126.

B: 40 Jahre Katholische Kirchengemeinde St. Vinzenz. Göttingen-Weende. 1960–2000, hrsg. von der Katholischen Kirchengemeinde St. Vinzenz, Göttingen mit St. Franziskus, Bovenden, [Göttingen 2000]; 1050 Jahre Weende Ortschaft Weende, hrsg. vom Oberbürgermeister der Stadt Göttingen und dem Ortsrat Weende/Deppoldshausen, Göttingen 2016; Urkundenbuch des Stifts Weende, bearb. von Hildegard Krösche nach Vorarbeiten von Hubert Höing (= Göttingen-Grubenhagener Urkundenbuch, 5. Abt.; = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 249), Hannover 2009; Ernst Böhme, Michael Scholz, Jens Wehner: Dorf und Kloster Weende. Von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert, Göttingen 1992, bes. 54–56, S. 355–359; Sylvia Möhle: Von der Arbeitervorstadt zum Göttinger Ortsteil. Weende im 20. Jahrhundert, Göttingen 2009, bes. S. 41–43. S. 109–111, S. 179–184; Walter Nissen (Red.): Das tausendjährige Weende, Göttingen 1966, bes. S. 44–48; Uta Schäfer-Richter: Eine Arbeitervorstadt entsteht. Weendes Weg in das Industriezeitalter (1830–1918), Göttingen 1998, bes. S. 227–237; Uta Schäfer-Richter: „Aber Gott ist mit uns, wir streiten für eine heilige Sache“. Der Beginn des Ersten Weltkrieges aus der Sicht eines Weender Pfarrers, in Göttinger Jahrbuch 44 (1996), S. 155–166.

Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche und Ausstattung; Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche; Gemeindehaus, Kirchenanlage; Pfarrhaus; Pfarrhaus; Wikipedia: St. Petri (Weende).


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 169.
  2. MGH DD O I 328 [Digitalisat]. Für andere mögliche Zuordnungen – Wenden bei Vörden oder Wenden bei Lohe – vgl. Böhme/Scholz/Wehner, S. 22. Vgl. zum Ortsnamen und für weitere Belege: Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 411 ff.
  3. UB Hilwartshausen, Nr. 12.
  4. Kupsch, Gericht, S. 10 f.
  5. Insgesamt: Pischke, Landesteilungen, bes. S. 45 ff., S. 75 ff. und S. 180 ff.
  6. Kupsch, Gericht, S. 69 f.
  7. NLA HA Kartensammlung Nr. 21 d/1 pg (mit Digitalisat), Datierung nach Pischke, Burg Harste, S. 51.
  8. Digitalisat.
  9. UB Weende, Nr. 3.
  10. Böhme/Scholz/Wehner, S. 55.
  11. Vgl. zum Kloster Weende: Dolle, Klosterbuch III, S. 1498 ff. Siehe auch Niedersächsische Klosterkarte, Eintrag Weende.
  12. UB Weende, Nr. 8.
  13. UB Weende, Nr. 15, Nr. 25, Nr. 27 und Nr. 28.
  14. UB Weende, Nr. 303 und Nr. 338.
  15. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, S. 47 ff. Zu Weende vgl. Böhme/Scholz/Wehner, S. 199 ff.
  16. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
  17. Lubecus, Annalen, S. 363.
  18. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 309 und S. 308 Anm. 605.
  19. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 309.
  20. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 139.
  21. Böhme/Scholz/Wehner, S. 223 ff.
  22. Meyer, Pastoren II, S. 483.
  23. Böhme/Scholz/Wehner, S. 357.
  24. Bielefeld, Orgeln, S. 333.
  25. Schäfer-Richter, Arbeitervorstadt, S. 304.
  26. Zum Folgenden: Schäfer-Richter, Arbeitervorstadt, S. 228 ff.
  27. Schäfer-Richter, Aber Gott, S. 155 ff. (Zitat: ebd., S. 158, Tagebuchtext S. 162 ff.).
  28. Alle Zitate bei Schäfer-Richter, Aber Gott, S. 163 f.
  29. Zit. bei Möhle, S. 42. Vgl. auch LkAH, L 5c, unverz., Göttingen-Weende, Visitation 1949.
  30. Dies und das folgende Zitat: LkAH, S 1 H III, Nr. 412, Bl. 41. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  31. Möhle, S. 88.
  32. LkAH, S 1 H III, Nr. 412, Bl. 41; LkAH, L 5c, unverz., Göttingen-Weende, Visitation 1949. Möhle, S. 109 und S. 179; Möhle nennt für 1939 3.460.
  33. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen-Weende, Visitation 1949; 40 Jahre, S. 10; Möhle, S. 109 (mit Jahreszahl 1937 anstatt 1933).
  34. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen-Weende, Visitationen 1955 und 1961.
  35. KABl. 1960, S. 73.
  36. KABl. 1964, S. 60.
  37. KABl. 1966, S. 9.
  38. KABl. 1970, S. 11; KABl. 1976, S. 8. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen-Weende, Visitation 1974.
  39. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen-Weende, Visitation 1981.
  40. Möhle, S. 184.
  41. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen-Weende, Visitation 1989. KABl. 1973, S. 267 f.
  42. 1050 Jahre, S. 29; Möhle, S. 198 f.
  43. KABl. 2025, S. 157 ff. und S. 275 f. Der KGV umfasst die St.-Petri-KG Göttingen-Weende, Christophorus-KG Göttingen, die St.-Cosmas-und-Damian-KG Herberhausen, die St.-Martins-KG Roringen, die St.-Nikolaus-KG Nikolausberg, die KG Waake, die Cosmae-und-Damiani-KG Ebergötzen sowie die St.-Petri-KG Landolfshausen.
  44. KABl. 1960, S. 73.
  45. KABl. 1970, S. 11; KABl. 1976, S. 8.
  46. KABl. 1964, S. 60.
  47. Bruns, Archidiakonat, S. 164.
  48. Meyer, Inspektionseinteilung, S. 214 f.
  49. KABl. 1924, S. 86; KABl. 1937, S. 135.
  50. KABl. 2000, S. 150 f.
  51. KABl. 2022, S. 189 ff.
  52. Böhme/Scholz/Wehner, S. 55.
  53. UB Weende, Nr. 15, Nr. 25, Nr. 27 und Nr. 28.
  54. Brauch, Klöster, S. 159 und S. 173.
  55. LkAH, A 8 Nr. 455: „Oberbau-Commissario Müller in Goettingen“ [Digitalisat, Aufnahme 6].
  56. Denkmalatlas Niedersachsen.
  57. LkAH, A 8 Nr. 455 [Digitalisat, Aufnahme 7].
  58. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 14† (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0001402.
  59. LkAH, A 8 Nr. 455 [Digitalisat, Aufnahme 8].
  60. Hardege, Glockenneuerwerbungen, S. 47.
  61. Bielefeld, Orgeln, S. 333.