Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Münden | Patrozinium: Christus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist der Ort erstmals in der Vita Godehardi Episcopi prior zum Jahr 1031 als Norhtunon belegt.1 Diese ältere Vita des Hildesheimer Bf. Godehard (amt. 1022–1038) entstand um 1038.2 Seit 1055 bestand in Nörten ein Kollegiatstift. Der Ort gehörte zum Herrschaftsbereich der Familie von Hardenberg, die ihre Besitztümer als Lehen der Ebf. von Mainz inne hatten (Burg Hardenberg seit 1357 im Pfandbesitz). Ks. Karl IV. († 1378) gestattete dem Mainzer Ebf. Gerlach (amt. 1346/53–1371) im Jahr 1360, dass „er Nurten daz dorf vffheben vnd machen mufe vnd sulle zu einer Stat“; volle Stadtrechte erlangte Nörten jedoch nicht, blieb vielmehr ein Marktflecken.3 Eine frühe, eher stilisierte Ortsansicht ist auf einer Karte aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. überliefert (um 1570, Norten), aus der Mitte des 17. Jh. existiert ein Merian-Stich („Hardenberg sambt dem Flecken Norten und umb liegender gegend“).4 Territorial gehörten Nörten und das Herrschaftsgebiet der Hardenberger seit 1607 zum welfischen Teilfsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover); die Gerichtsbarkeit lag bei der Familie von Hardenberg (Patrimonialgericht Hardenberg). Allein der Stiftsbezirk bildete bis zur Aufhebung des Stifts „eine Insel unter kurmainzischer Hoheit, umgeben vom Herrschaftsgebiet der welfischen Herzöge und Kurfürsten“.5 In französischer Zeit war Nörten von 1807 bis 1813/14 Sitz des gleichnamigen Kantons im Kgr. Westphalen (Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 zählte der Ort, nun im Kgr. Hannover, erneut zum restituierten Patrimonialgericht Hardenberg, später umgewandelt in das Königliche Gericht Hardenberg (1851: Amt). Das Amt Hardenberg ging 1852 im neugeschaffenen Amt Nörten auf, das bereits 1859 in das Amt Northeim eingegliedert wurde. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Nörten 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Northeim (neugebildet 1974). 1928/29 wurde der Flecken Nörten mit Marienstein und dem Gutsbezirk Hardenberg zusammengelegt und erhielt den Namen Nörten-Hardenberg. 1971 wurde Elvese eingemeindet, 1974 folgten Angerstein, Bishausen, Lütgenrode, Parensen, Sudershausen und Wolbrechtshausen. Zur Sozialstruktur Nörtens schrieb der Ortspastor 1957: „Geschäftsleute, Handwerker, Beamte u[nd] Angestellte (Post, Eisenbahn, Zuckerfabrik), Bergleute des Kalischachts Reyershausen, Arbeiter u[nd] Angestellte von Göttinger u[nd] Northeimer Betrieben“.6 Um 1810 lebten fast 1.210 Menschen in Nörten und 2024 knapp 3.550 (nur Ortsteil Nörten-Hardenberg).

Im Jahr 1055 stiftete der Mainzer Ebf. Luitpold I. (amt. 1051–1059) in Nörten ein Kollegiatstift zu Ehren der Gottesmutter und ewigen Jungfrau Maria sowie des heiligen Petrus (sub honore genetricis dei et perpetue virginis Marie pariterque beatie Petri).7 Nörten besaß seinerzeit bereits eine Pfarrkirche. Zusammen mit der Kirche in Geismar überließ sie der Erzbischof dem neuen Stift (duas ecclesias matrum); er schenkte ihr zudem die Kapelle in Steina (Marienstein). Das Petersstift nutzte die Nörtener Pfarrkirche St. Martini auch als Stiftskirche. Seit Mitte des 12. Jh. war der Nörtener Stiftspropst gleichzeitig Archidiakon des Archidiakonats Nörten. Im Jahr 1259 inkorporierte Ebf. Gerhard I. (amt. 1251–1259) die Nörtener Pfarrkirche dem Stift, da es in der Vergangenheit zu Streitigkeiten zwischen Pfarrer und Stift gekommen war (discordiam retroactis temporibus nonnunquam inter vos et plebanum Ecclesie vestre).8 Die seelsorgerlichen Aufgaben übernahmen angestellte Priester. Neben dem schon 1055 erwähnten Steina, wo im frühen 12. Jh. ein Benediktinerkloster entstanden war, gehörten weitere umliegende Kapellenorte als Tochtergemeinden (filiae) zur Pfarrei Nörten: Bishausen, Elvese und Lütgenrode. Als erste Pfarrgeistliche sind 1285 Eckehardus viceplebanus Northunensis und 1307 Bertramus plebanus in Northene urkundlich belegt.9 Die Urkunde aus dem Jahr 1307 nennt überdies Nycolaus rector Capelle beati Cyriaci in Northene; die Kapelle war 1303 gestiftet worden.10 Im Jahr 1369 scheiterte der welfische Hzg. Otto I. der Quade († 1394) mit dem Versuch, das Petersstift von Nörten an die Kirche St. Jacobi in Göttingen zu verlegen.
Während der Reformation hielt das Petersstift am alten Bekenntnis fest und blieb katholisch. Einige Familien aus den zur Nörtener Pfarrei gehörenden Kapellenorten begannen daher, die Kirchen der luth. Nachbardörfer Angerstein, Bühle und Parensen zu besuchen. Sie „wollten lieber neue deutsche Gesänge mitsingen, als der unveraendert bleibenden Messe fernerhin beiwohnen“ wie der Nörtener Kanoniker und Geschichtsschreiber Johann Wolf (1743–1826) in seiner 1799 publizierten Diplomatischen Geschichte des Peters-Stiftes zu Nörten formulierte.11 In Nörten hingegen hätte noch 1608 kein Lutheraner gelebt. Der Familie von Hardenberg hatte der Mainzer Ebf. Daniel (amt. 1555–1582) im Jahr 1574 gestattet, in ihrer Schlosskapelle luth. Privatgottesdienste zu feiern.12 Zudem sind 1623 Krankenbesuche des luth. Pastors aus Parensen in Nörten belegt; der Wolfenbütteler Hzg. Friedrich Ulrich zu Braunschweig-Lüneburg († 1634) warnte die Nörtener davor, den Parenser P. Henning Küsel (amt. 1613–1626) anzugreifen: „Wir seind berichtet worden, welcher gestalt der Meßpfaff daselbst unlängst auf der Kantzel, und sonst offentlich die Bürger daselbst mit vielen Worthen angereitzet, und instigirt, daß sie […] Ehre Henning Kosterl. wann er diejenige daselbsten, so der wahren heilsamen seligmachenden Religion zugethan, auf ihr Begehren in ihren Krankheiten ferner besuchen, und mit dem hochwürdigen Abendmahl nach unsers Herrn Jesu Christi Einsetzung, versehen werde, aus Nörthen steinigen und wohl gar zu Todt werfen sollen“.13
Das Nörtener Pfarramt hatte seit 1630 jeweils ein Stiftsherr inne, ab 1743 gehörte die Pfarrei zum Stiftsdekanat. Die kath. Stiftspfarrei hielt bis zur Aufhebung des Stifts 1810 an den Pfarrechten über alle Menschen des Pfarrsprengels Nörten fest, ungeachtet ihrer Konfession. Die „benachbarten lutherischen Prediger“ hätten seit der Zeit nach dem Westfälischen Frieden (1648) häufig in diese Nörtener Rechte eingegriffen beklagte Johann Wolf in seiner Stiftsgeschichte.14 Das ev.-luth. Konsistorium Hannover bestärkte den Parenser Pfarrer 1667 darin, weiterhin in Lütgenrode zu taufen, da „dergleichen Actus 1624 auch vor und nach selbiger Zeit und bis anhero auf begebende Fälle allemahl exercirt“ wurden.15 Auch die luth. Pfarrer von Bühle, Hillersen und Großenrode nahmen im 17. Jh. Amtshandlungen im Pfarrsprengel Nörten vor.
In Nörten selbst war die Zahl der luth. Familien gestiegen, nachdem der Flecken 1626 während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) niedergebrannt worden war, „weil damals viele auf das Eichsfeld ausgewandert sind, dagegen bei 30, Lutheraner sich hier niedergelassen haben“.16 Sie hatten seit 1648 das Recht, den ev. Gottesdienst in der ehemaligen Klosterkirche Marienstein zu besuchen, „zu beichten und das Nachtmahl zu empfangen“ (für Marienstein war das Pfarramt Parensen zuständig).17 Darüber hinaus waren sie Glieder der kath. Pfarrei Nörten und mussten die entsprechenden Stolgebühren für Taufen, Trauungen und Beerdigungen zahlen. Im Jahr 1685 lebten in Nörten 56 kath., 33 luth. und zwölf gemischtkonfessionelle Familien.18 Im 18. Jh. kam es wegen Amtshandlungen vorwiegend zu Streitigkeiten zwischen dem kath. Nörtener Pfarrer und dem luth. aus Bühle.19 Seit 1714 besaß Nörten eine öffentliche luth. Schule (vorher Hauslehrer).20 In der ersten Hälfte des 18. Jh. stifteten die Brüder Fritz Dietrich († 1739) und Hildebrand Christoph von Hildebrand († 1737) ein Waisenhaus in Nörten, zu dem auch eine private Hauskapelle gehörte (erbaut 1732 bis 1738).21
Nach der Aufhebung des Petersstifts im Jahre 1810 blieb die Pfarrei Nörten bestehen und war weiterhin die einzige kath. Pfarrei in Südhannover.22 Anstelle der mittelalterlichen Stiftskirche entstand 1894/95 der bis heute erhaltene neoromanische Neubau. Die seelsorgerliche Betreuung der luth. Familien in Nörten (mit Vorderhaus Hardenberg) lag seit 1815 beim Pfarramt Bühle. Ev. Gottesdienste fanden seit 1806 in der Hardenbergschen Waisenhauskapelle statt (erbaut 1732–38). Die „Kapelle und das Waisenhaus, das Hinterhaus Hardenberg und die Caroline vor Nörten“ waren seit 1815 jedoch nicht nach Bühle, sondern nach Großenrode eingepfarrt.23 Beim sonntäglichen Gottesdienst in der Kapelle wechselten sich die Pastoren aus Bühle und aus Großenrode wöchentlich ab.
Zu einer Neuordnung kam es 1888: Das Konsistorium errichtete die KapG Nörten und ordnete sie der KG Marienstein als Filialgemeinde zu.24 Marienstein war pfarramtlich mit Parensen verbunden. Gleichzeitig richtete das Konsistorium eine Pfarrkollaboratur mit Sitz in Nörten ein; der Hilfsgeistliche war auch für die KapG Bishausen zuständig. Erster Inhaber der neuen Stelle war P. coll. Georg Christian Wilhelm Johannes Reuter (amt. 1888–1897). Zum Sonntagsgottesdienst versammelte sich die Gemeinde Nörten nun in der Kirche Marienstein. Die Waisenhauskapelle – weiterhin eingepfarrt nach Großenrode – war seither „ausschließlich für die Bewohner des Hardenbergs und des Waisenhauses bestimmt“, wobei zum sonntäglichen Gottesdienst „den Nörtenern der Zutritt nicht verwehrt“ war.25 Konfessionell setzte sich die Bevölkerung Nörtens 1890 aus rund 1.000 Evangelischen und rund 700 Katholischen zusammen.26
Im Jahr 1897 erhob das Konsistorium die KapG Nörten zu einer Kirchengemeinde und wandelte die Pfarrkollaboratur in eine Pfarrstelle um. Das neue Pfarramt, besetzt mit P. Friedrich August Robert Schnacke (amt. 1897–1906), versah auch die Gemeinde Bishausen mit.27 Nach Plänen der Hannoveraner Architekten Friedrich Jacob (1850–1906) begann 1902 der Bau der ev.-luth. Kirche in Nörten. Am 25. September 1904 weihte die Gemeinde den Neubau ein. 1930 richtete das Landeskirchenamt eine pfarramtliche Verbindung zwischen Nörten und Marienstein ein; Sitz des Pfarramtes blieb Nörten.28
Während der NS-Zeit hatte P. Ernst Theodor Probst (amt. 1931–1953) das Pfarramt Nörten inne. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ gab er rückblickend an, er sei kein Mitglied der NSDAP gewesen und habe kirchenpolitisch zu den Deutschen Christen gehört.29 Bei der KV-Wahl 1933 bestätigte die Gemeinde die bisherigen Kirchenvorsteher; zwei gaben ihr Amt 1942 „infolge Drucks der Partei“ auf.30 1937 traten einige Gemeindeglieder („etwa 10-12“) der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft bei; innerhalb der Gemeinde habe die kleine Gruppe jedoch isoliert gestanden. Eine Visitation durch den Sup. des KK Göttingen-Nord lehnte P. Probst ab, da er sich als Mitglied der DC nicht einem Superintendenten visitieren lassen wollte, der sich dem Hannoverschen Lbf. unterstellt habe.31 Den kirchlichen Kindergarten übernahm 1943 die NSV, nach Kriegsende wieder die Kirchengemeinde.
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder in Nörten und Bishausen von rund 1.650 im Jahr 1939 auf etwa 2.620 im Jahr 1951 an; hinzukamen noch 280 Gemeindeglieder in Marienstein.32 1946 richtete die Gemeinde eine Schwesternstation ein.33 Nach der Visitation 1951 schrieb LSup. Franz Wiebe (amt. 1948–1953), die KG Nörten sei „ein fast einmaliges Gebilde in ihrer komplizierten Struktur. Sie trägt Diasporacharakter in streng katholischer Umgebung, grenzt direkt an reformierte Enklave (Plesse), birgt in sich das Eigengebilde einer exklusiven Gutsgemeine (Hardenberg) mit eigener Kapelle dicht bei der Kirche und Pastorierung von Bühle und Großenrode aus, umschließt 2 Außendörfer, die gegen ihren Willen eingepfarrt wurden und sich schwer assimilieren (Marienstein hängt noch an Parensen, Bishausen an Bühle), hat also 4 Kultstätten, davon 3 auf engstem Raum“.34
1957 beschrieb der Sup. die KG Nörten als eine „aufstrebende und sich festigende Gemeinde“ und hielt fest, dass für die wachsenden Kreise und Gruppen ein Gemeindehaus nötig sei.35 Verwirklicht werden konnte das Neubauvorhaben schließlich 1980/81. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die KG Nörten Kontakte zur Kirchgemeinde Einsiedel südlich von Karl-Marx-Stadt (Chemnitz).36 Zum 1. Januar 2006 trat die KG Marienstein der KG Nörten bei.37 Seit 2009 trägt die Nörtener Kirche den Namen Christuskirche; gleichzeitig nahm die Gemeinde den Namen „Ev.-luth. Emmaus-KG Nörten“ an.
Während der Sanierung der Christuskirche in den Jahren 2012 bis 2016 nutzte die KG Nörten die Hardenbergsche Waisenhauskapelle und feierte größere Gottesdienste in der kath. St.-Martini-Kirche (Weihnachten, Konfirmation). 2017 eröffnete die Gemeinde ein Mehrgenerationenhaus. Träger der ev. Kita Nörten-Hardenberg war der „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttinger Land“, der 2026 aufgegangen ist im „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“.38 Ab Januar 2023 war die Emmausgemeinde Nörten pfarramtlich mit Parensen-Lütgenrode verbunden, Sitz des Pfarramtes war Nörten. Zum 1. Januar 2025 schlossen sich beide Gemeinden zusammen und gründeten gemeinsam die „Ev.-luth. KG Nörten-Parensen-Lütgenrode“.39

Umfang

Bishausen (KapG) und Nörten-Hardenberg (ohne Gut Hardenberg). Ab 2006 auch Marienstein (vorher eigenständige KG).

Aufsichtsbezirk

Sitz des Archidiakonats Nörten der Erzdiözese Mainz. – Mit Gründung der KG 1897 zur Insp. Göttingen I. 1924 zu Insp. bzw. KK Göttingen II.40 1937 zum KK Göttingen-Nord.41 Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.42 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.43

Kirchenbau

Neugotische, dreischiffige Hallenkirche mit Querhaus, eingezogenem Polygonalchor, Choranbauten sowie zwei seitlichen, halbrund geschlossenen Treppentürmen im Westen, erbaut 1902–04 (Architekt: Friedrich Jacob, Hannover).44 Satteldach, Chordach nach Osten abgewalmt, Querhausarme mit Querdächern, Dächer der Treppentürme nach Süden bzw. Norden abgewalmt. Mauerwerk aus Sandsteinquadern, gestufte Strebepfeiler; Querhausgiebel bekrönt mit Kreuz. Spitzbogige Maßwerkfenster an Schiff und Chor (zweibahnig) sowie den Stirnseiten der Querhausarme (dreibahnig); darunter an Schiff und Querhausarmen Rechteckfenster mit Teilungssäulchen; in den Querhausgiebeln jeweils ein dreiteiliges Fenster mit Teilungssäulchen. An den Treppentürmen rechteckige Nebenportale nach Westen sowie schmale Rechteckfenster mit Dreipassbögen. Im Innern breites Hauptschiff, schmale Seitenschiffe; Kreuzrippengewölbe, spitzes Tonnengewölbe im Westen; spitzer Triumphbogen zwischen Chor und Hauptschiff, flachbogige Arkaden zwischen Haupt- und Seitenschiffen; Westempore, Seitenemporen in den Seitenschiffen; Inschrift am Triumphbogen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen sein Wohlgefallen“; Inschrift an den Chorwänden: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid: ich will euch erquicken“. 1954–57 Instandsetzungsarbeiten. 2012–16 Sanierung, u. a. Fenster restauriert, Dach- und Turmeindeckung erneuert. 2019 neue Heizung.

Fenster

Drei figürliche Buntglasfenster im Chor (1904 Glaswerkstätten Ferdinand Müller, Quedlinburg): Christi Geburt, Auferstehung, Pfingsten, jeweils mit Inschrift: „Stiftung einiger Gemeindeglieder“. Übrige Fenster mit ornamentalen Mustern.

Turm

Querrechteckiger Westturm, erbaut 1902–04. Achtseitiger Schieferhelm bekrönt mit Kugel und Kreuz, flankiert von vier Ecktürmchen. Mauerwerk aus Sandsteinquadern, vor den Ecken gestufte Strebepfeiler. Oberes Glockengeschoss mit vier Giebeln mit Uhrziffernblättern, darunter nach Osten und Westen je ein gekuppeltes Schallfenster mit Dreipassbögen, nach Norden und Süden ein einfaches Schallfenster mit Dreipassbogen; im unteren Glockengeschoss rechteckige Schallfenster; nach Westen Spitzbogennische mit Rechteckportal, darüber Kreisfenster.

Ausstattung

Blockaltar mit neugotischem Sandsteinretabel (1904), farbig gefasst, verziert mit Wimpergen und Fialen, bekrönt mit Kruzifix; in der Mitte Blendnische mit Christusmonogramm, flankiert von Sonne und Mond, darunter Inschrift „Es ist vollbracht“. – Hohe, neugotische Sandsteinkanzel (1902/04), farbig gefasst, polygonaler Kanzelkorb auf zentralem Säulenbündel, an den Wandungen des Kanzelkorbs Blendnischen mit stilisierten Blättern und Inschriften, u. a. „Ein feste Burg ist unser Gott“ und „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte“. – Neugotische Taufe aus Sandstein (1904), mit Vergoldungen, rundes Becken, Schaft mit vier vorgestellten Säulen.

Orgel

1904 Orgelneubau, ausgeführt von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 17 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen (Opus 510).45 1917 zinnerne Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, 1929 durch Zinkpfeifen ersetzt. Zustand 1957: Ein Register vakant. Um 1971 Orgel abgebaut. 1971 Orgelneubau, erster Bauabschnitt, ausgeführt von Rudolf Janke (Bovenden), 10 II/–, mechanische Traktur, Schleifladen, außerdem ein vakantes Register. 1977 zweiter Bauabschnitt, ausgeführt von Rudolf Janke (Bovenden), Orgel vervollständigt auf 15 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1986, Firma Rincker, Sinn), Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe“; II: a’ (Bronze, Gj. 1984, Firma Rincker, Sinn), Inschrift: „Frieden auf Erden“; III: h’ (Bronze, Gj. 1984, Firma Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Bronzeglocken im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Drei LG, I: fis’; II: a’; III: h’ (alle Eisenhartguss, Gj. 1923, Ulrich & Weule, Apolda und Bockenem), die kleineren 1984 durch Bronzeglocken ersetzt, die größere 1986. Eine der Eisenhartgussglocken (Inschrift: „1923. Ulrich & Weule Apolda-Bockenem“) bis 2015 aufbewahrt.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1881). – Küsterhaus (Bj. 1881). – Gemeindehaus (Bj. 1980/81). – Kindergarten (Bj. 1971). – Alter Kindergarten (Bj. 1881, White-Stiftung, verkauft 1980).

Friedhof

Ursprünglich Friedhof bei der Kirche St. Martini, später getrennte kath. und ev. Friedhöfe.46 Kommunaler Friedhof im Süden von Nörten-Hardenberg, FKap.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1888–1897 Georg Christian Wilhelm Johannes Reuter (P. coll.). – 1897–1906 Friedrich August Robert Schnacke. – 1907–1931 Carl Gustav Ludolph Schoop. – 1931–1953 Ernst Theodor Probst.

Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 200

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 8665–8677 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 286–287, 528 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 6105-6107 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1705Digitalisat (Visitationen); B 2 G 9 Nr. 2284–2286 (Baupflege und Bauwesen); B 7 Nr. 6888 (Personalakten Pastoren); D 24 (Gustav Adolf Werk); D 45c (EphA Hohnstedt-Northeim); E 5 Nr. 796 (Konsistorialbaumeister); S 09, rep Nr. 1817 (Presseausschnittsammlung); S 11a, Nr. 7643 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1888
Trauungen: ab 1888
Begräbnisse: ab 1888
Kommunikanten: ab 1888
Konfirmationen: ab 1957
Taufen, Trauungen, Begräbnisse 1690–1822, Konfirmationen 1758–1791 siehe Parensen; Taufen, Trauungen, Begräbnisse Bishausen 1635–1888 und Taufen, Trauungen, Begräbnisse Nörten 1823–1887 siehe Bühle. Außerdem in den Kirchenbüchern des katholischen Pfarramtes Nörten.

Literatur & Links

A: Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 217–220; Casemir/Menzel/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Northeim, S. 278–280; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 988 [dort irrtümlich „Ev. St. Martini-Kirche“]; Dolle, Klosterbuch III, S. 1089–1096; Kämmerer/Lufen, Denkmaltopographie Lkr. Northeim, S. 182–183 [dort irrtümlich „Ev. Kirche St. Martini“]; Meyer, Pastoren II, S. 200; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 151–152.

B: Rudolf Eckart: Urkundliche Geschichte des Petersstiftes zu Nörten mit besonderer Berücksichtigung der Geschichte von Nörten und der umliegenden südhannoverschen Landschaft, Nörten 1899 [Digitalisat]; Theodor Eckart: Geschichte des Gräflich von Hardenberg’schen Waisenhauses in Nörten von seiner Entstehung bis zur Gegenwart. Mit Benutzung der Waisenhausakten im Gräflichen Archive, Göttingen 1894; Theodor Eckart: Zur Geschichte der evangelischen Gemeinde in Nörten. Ein Wort zur Abwehr und Aufklärung, Osterrode ²1889; Theodor Eckart: Geschichte des Klosters Marienstein in der Provinz Hannover, Hannover-Linden 1890; Carl Osseforth: Geschichte der St.-Martini-Kirche und des Chorherrenstiftes St. Peter zu Nörten-Hardenberg, Hildesheim 1955; Johannes Siegert: Die mittelalterliche Genese des Fleckens Nörten-Hardenberg. Eine historisch-geographische Untersuchung, in: Plesse-Archiv 1969, 4, S. 7–49; Johann Wolf: Diplomatische Geschichte des Peters-Stiftes zu Nörten, Erfurt 1799 (Wolf, Petersstift).

Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche, ehemaliger Kindergarten; Wikipedia: Christus-Kirche (Nörten-Hardenberg).


Fußnoten

  1. MGH SS 11, S. 194 [Digitalisat]. Für weitere Belege und zum Ortsnamen vgl. Casemir/Menzel/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Northeim, S. 278 ff.
  2. Siehe geschichtsquellen.de/werk/4777.
  3. Siegert, S. 27; Vigener, RggEbMz Nr. 1327, in: Die Regesten der Mainzer Erzbischöfe, http://www.ingrossaturbuecher.de/id/source/7932, 11.09.2025.
  4. NLA HA Kartensammlung Nr. 21 d/1 pg (mit Digitalisat), Datierung nach Pischke, Burg Harste, S. 51. Merian-Stich: Digitalisat.
  5. Dolle, Klosterbuch III, S. 1090.
  6. LkAH, L 5c, unverz., Nörten, Visitation 1957.
  7. Mainzer UB I, Nr. 296. Vgl. knapp: Dolle, Klosterbuch III, S. 1089 ff. Siehe auch Niedersächsische Klosterkarte.
  8. Wolf, Petersstift, Urkundenbuch, Nr. 7 [Digitalisat].
  9. 1285: Wolf, Petersstift, Urkundenbuch, Nr. 13 [Digitalisat]. 1307: ebd., Nr. 20 [Digitalisat].
  10. Wolf, Petersstift, Urkundenbuch, Nr. 18 [Digitalisat].
  11. Wolf, Petersstift, S. 147 [Digitalisat]. Osseforth, S. 51 ff.
  12. Wolf, Petersstift, S. 233 f. [Digitalisat].
  13. Wolf, Petersstift, Urkundenbuch, Nr. 86 [Digitalisat].
  14. Wolf, Petersstift, S. 229 f. [Digitalisat] und S. 237 ff. [Digitalisat].
  15. Wolf, Petersstift, Urkundenbuch, Nr. 101 [Digitalisat].
  16. Wolf, Petersstift, S. 231 [Digitalisat].
  17. Wolf, Petersstift, S. 243 [Digitalisat].
  18. Wolf, Petersstift, S. 231, Anm. * [Digitalisat].
  19. Wolf, Petersstift, S. 244 ff. [Digitalisat].
  20. Wolf, Petersstift, S. 262 ff. [Digitalisat].
  21. Zur Geschichte des Waisenhauses vgl. ebd., S. 1 ff., zur Kapelle bes. S. 23 ff.
  22. Osseforth, S. 72 ff.
  23. Eckart, Waisenhaus, S. 25.
  24. KABl. 1888, S. 3.
  25. Eckart, Waisenhaus, S. 27.
  26. Eckart, Geschichte, S. 77.
  27. KABl. 1897, S. 24 f.
  28. KABl. 1930, S. 45.
  29. LkAH, S 1 H III, Nr. 413, Bl. 29. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  30. Dies und das folgende Zitat: LkAH, S 1 H III, Nr. 413, Bl. 29.
  31. LkAH, L 5c, unverz., Nörten, Personalien des Pfarrstelleninhabers (Beschluß des AOKG, 26.04.1946). Das AOKG sah nach mündlicher Verhandlung 1946 keinen „Anlaß zum Einschreiten gegen Pastor Probst“. Siehe auch LkAH, B 7, Nr. 6888 (06.03.1946). Auch die Visitation 1951 nahm nicht der zuständige Sup., sondern LSup. Franz Wiebe (amt. 1948–1953) vor.
  32. LkAH, S 1 H III, Nr. 413, Bl. 29. LkAH, L 5c, unverz., Nörten, Visitation 1951.
  33. LkAH, L 5c, unverz., Nörten, Visitation 1951.
  34. LkAH, L 5c, unverz., Nörten, Visitation 1951.
  35. LkAH, L 5c, unverz., Nörten, Visitation 1957.
  36. LkAH, L 5c, unverz., Nörten, Visitation 1990. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  37. KABl. 2006, S. 23.
  38. KABl. 2025, S. 275.
  39. KABl. 2025, S. 258 f.
  40. KABl. 1924, S. 86.
  41. KABl. 1937, S. 135.
  42. KABl. 2000, S. 150 f.
  43. KABl. 2022, S. 189 ff.
  44. Nach Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 988, wo die Kirche als „Ev. St. Martini-Kirche“ bezeichnet wird, besitzt sie „2 Türme zu seiten des polygonalen Chors“; dies scheint eine Velwechsrung mit der kath. St. Martini-Kirche in Nörten zu sein. Der falsche Name, allerdings mit korrekter Baubeschreibung, findet sich auch bei Kämmerer/Lufen, Denkmaltopographie Lkr. Northeim, S. 182.
  45. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 115.
  46. Eckart, Marienstein, S. 61.