KapG der KG Nörten | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Georg | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf (seit 1974 Ortsteil des Fleckens Nörten-Hardenberg) wird 1055 als Biscoppeshusen erstmals sicher urkundlich erwähnt.1 Eventuell ist auch das 826/867 in den Corveyer Traditionen genannte Bisihusun hier zu verorten.2 Bishausen war vermutlich eine Ansiedlung von erzbischöflich-mainzischen Hörigen zur Nutzung der Wiesen und des Waldes am Beverbach und wurde 1300 durch den Ebf. an die Herren von Hanstein versetzt, die es ihrerseits 1333 an die von Hardenberg veräußerten. Seither war Bishausen hardenbergisches Erbdorf. Nahebei (zwischen Bishausen und Sudershausen) lag das später wüst gefallene Dorf Oyshausen, das Standort einer der heiligen Margarethe geweihten Kapelle war. Das (nicht erhaltene) KapGb und die dortigen Ländereien wurden 1558 durch das Kloster Marienstein ebenfalls an die von Hardenberg verkauft, die dort ein Vorwerk ihres Hauptguts einrichteten. Der Name der Kapelle (St. Margarethe) ging auf das Vorwerk über. 1869 wurden die Feldmarken von Bishausen und St. Margarethe vereinigt. Bishausen unterstand bis 1852 dem Patrimonialgericht der von Hardenberg und kam dann zum Amt Nörten, 1859 Amt Northeim. Die Einwohner lebten noch Anfang des 20. Jh. überwiegend von der Landwirtschaft oder verdingten sich als Tagelöhner auf den hardenbergischen Besitzungen, später auch als Eisenbahner und in der Industrie (Kalibergbau, Zuckerfabrik Nörten).
Die Einführung der Reformation in Bishausen erfolgte mit dem Übertritt der Hardenberger zum luth. Bekenntnis. Die auf das 13. Jh. datierte Kapelle blieb jedoch Eigentum des (kath.) Petersstifts in Nörten. Katholischerseits fanden in Bishausen nur GD ohne Amtshandlungen (exceptis actibus ministerialibus) statt. Die luth. Einwohner hielten sich bei Amtshandlungen und GD zur Kirche in Bühle. Nach dem Normaljahr 1624 wurde in der Kapelle faktisch ein Simultaneum eingerichtet. Auf Reklamationen des Nörtener Stiftspfarrers reagierte das zuständige Hardenbergische Patrimonialgericht zurückhaltend bzw. intervenierte sogar zugunsten der Lutheraner. Im Laufe der Zeit entstand ohne Zustimmung der kath. Kirchenleitung eine gemischte Kirchenkommission.
In den 1820er Jahren wurde die Kapelle baupolizeilich geschlossen, später jedoch wieder genutzt. Die Kirchenkommissare bezeichneten sie als „entbehrlich“. 1860 wurde sie wegen Baufälligkeit erneut gesperrt3 und 1881 abgebrochen. GD fanden vorläufig in der Dorfschule statt. 1882/83 wurde unweit des alten Standorts ein Neubau errichtet. Die Finanzierung erfolgte im Wesentlichen durch Spenden sowie durch Zuschüsse der Klosterkammer und des Gustav-Adolf-Vereins.
Bishausen war Filial-KG von Bühle und wurde mit dem 1. Januar 1888 unter Lösung dieser Verbindung der mit Parensen verbundenen Muttergemeinde Marienstein angeschlossen.4 Mit dem 1. März 1897 schieden die KG Nörten und Bishausen aus ihrer Verbindung mit der KG Marienstein aus. In Nörten wurde an Stelle einer bereits bestehenden Pfarrkollaboratur ein Pfarramt errichtet, mit dem die KG Bishausen verbunden wurde.5 Bishausen wird bei der Lösung von Marienstein 1897 noch eigenständige KG, 1907 bereits als „Filial“ mit KapV bezeichnet6 und zuletzt als KapG geführt. In Bishausen fand (1907) alle zwei Wochen ein Predigt-GD statt.

Kapellenbau

Dreiachsiger, rechteckiger Saalbau aus Quadermauerwerk mit eingezogenem fünfseitigem Chor nach Entwurf von Conrad Wilhelm Hase (Einweihung 25. November 1883). Innen erhielt der Bau entgegen der ursprünglichen Planung eine flache Holzdecke. Renovierung 1960 (innen) und 2000.

Turm

Wuchtiger Westturm mit ins Achteck überführtem, verschiefertem Spitzhelm. Bekrönung durch Kugel und Hahn.

Ausstattung

Blockaltar mit großem Altarkruzifix.

Orgel

1883 Neubau durch Carl Heyder (Heiligenstadt), Stiftung des Hzg. von Cumberland. 1954/55 von Paul Ott (Göttingen) instand gesetzt. 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: c’’ (Bronze, Gj. 1956, Gebrüder Rincker, Sinn); II: es’’ (Bronze, Gj. 1933, Gebrüder Radler, Hildesheim). – Früherer Bestand: Beim Neubau der Kapelle wurde die Glocke des Vorgängerbaus übernommen. In den beiden Weltkriegen wurde jeweils eine LG zu Rüstungszwecken abgegeben.

Friedhof

Am Birkenweg. In kirchliche Trägerschaft.

Landeskirchliches Archiv Hannover

D 45 c (EphA Hohnstedt-Northeim).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 225; Kämmerer/Lufen, Denkmaltopographie Lkr. Northeim, S. 194 f.; Weigand, Heimat-Buch, S. 309-315.
B: Hermann Duensing: Die Kapelle St. Georg in Bishausen, in: Aus der Heimat. Aus Heimatpflege und Heimatforschung (Northeim), Nr. 34 (24. August 1956).


Fußnoten

  1. Mainzer UB I, Nr. 296, Vgl. Casemir/Menzel/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Northeim, S. 58.
  2. Mönchslisten I, § 276; Mönchslisten II, S. 228. Vgl. Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 85.
  3. LkAH, D 45 c, Spec. Bishausen 510.
  4. KABl. 1888, S. 4.
  5. KABl. 1897, S. 24 f.
  6. LkAH, A 6, Nr. 6107b.