Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Leine-Solling | Patrozinium: Oswald | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte
Kirche im Dorf, Ansicht von Ferne, Kirche, Ansicht von Südosten (?), um 1953

Kirche im Dorf, Ansicht von Ferne, Kirche, Ansicht von Südosten (?), um 1953

Das Dorf wird 1103 als Buile erstmals urkundlich erwähnt und war im 14. Jh. Eigentum der Herren von Medenheim, die Bühle und das später darin aufgegangene Meynshausen 1341 an die von Hardenberg verkauften. Die Oberlehnshoheit bzw. Landesherrschaft lag bei den Welfen (Patrimonialgericht der von Hardenberg, ab 1852 Amt Nörten, 1859 Amt Northeim).
Eine Kirche ist erstmals 1241 mit dem sacerdos Godescalcus de Bule greifbar, der als Zeuge in einer Urkunde des Ritters Günter von Boventen für das Kloster Lamspringe auftritt.1 Er erscheint ein weiteres Mal 1256 in einer plessischen Urkunde.2 Die Geschicke der Parochie wurden im Wesentlichen von den von Hardenberg als Patronatsherren bestimmt. So setzte sich auch die Reformation erst 1584 mit der Annahme des neuen Bekenntnisses durch Jost von Hardenberg († 1586), der allerdings schon seit etwa 1540 Beziehungen zu Antonius Corvinus unterhielt, endgültig durch. Als erster luth. Geistlicher wird der frühere Mönch Hermann Droste († 1578) genannt.3
Bühle war schon seit der Reformationszeit als mater combinata mit Sudheim verbunden, das zeitweilig auch Dienstsitz des P. war. 1997 wurde die gemeinsame Pfarrstelle in eine Pfarrstelle mit eingeschränktem Dienst (drei Viertel eines vollen Dienstes) umgewandelt. Mit dem 1. Juli 2006 wurde Bühle Teil des Gemeindeverbandes Northeim Südregion.4 Nach dem Verkauf des Pfarrhauses wurde aus dem Erlös die St.-Oswaldi-Stiftung zur Förderung der Gemeindearbeit gegründet.

Umfang

Die Dörfer Bishausen und Bühle, das Landgut Vorderhaus Hardenberg, das Vorwerk Levershausen, der Hardenberger Krug sowie ein Teil der ev. Einwohner von Nörten und dem Dorf Sudheim mit der Leinemühle. Bishausen wurde mit dem 1. Januar 1888 von Bühle nach Marienstein umgepfarrt.5

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Nörten) der Erzdiözese Mainz. – 1588 zur neu gebildeten Insp. Hohnstedt, 1817/18 Insp. Göttingen I, 1. Dezember 1868 wieder Insp. (1924: KK) Hohnstedt6 (Hohnstedt-Northeim, 1. Oktober 1958 umbenannt in KK Northeim; mit dem 1. Januar 2001 im KK Leine-Solling aufgegangen).

Patronat

Herren von Medenheim, ab 1341 die von Hardenberg (Gf. von Hardenberg-Hardenberg, bis heute).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, um 1953

Kirche, Blick zum Altar, um 1953

Rechteckiger, flachgedeckter Saalbau aus Bruchsteinen mit polygonalem Chor. Innenrenovierungen 1816, 1977 (Beseitigung der Seitenemporen und Erneuerung des Gestühls) und 2010.

Turm

Kein Turm. Die Glocken hängen in einem zweigeschossigen Fachwerkanbau von 1647 an der Westseite der Kirche.

Grablege

Unter dem Glockenhaus befindet sich das Hardenbergische Erbbegräbnis. 1586 wurde dort als erster Jost von Hardenberg beigesetzt, dem wegen seines Konfessionswechsels die Bestattung in der (kath.) Kirche von Nörten-Hardenberg verweigert wurde. Nach der Beisetzung des Feldmarschalls Christian Ludwig von Hardenberg († 1781) wurde die Gruft dauerhaft verschlossen.

Ausstattung

Klassizistischer Kanzelaltar (1977 verändert). – Holzschnitzereien der mittelalterlichen Ausstattung befinden sich im Landesmuseum Hannover und im Städtischen Museum in Göttingen.

Orgel

Orgel

Orgel

1815/19 Neubau mit spätbarockem Prospekt durch den Orgelbauer Johann Wilhelm Schmerbach (Frieda), 13, später 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen und Abgabe zu Kriegszwecken (Ersatz durch Zinkpfeifen). 1981 Restaurierung und Erneuerung der Prospektpfeifen durch Martin Haspelmath (Walsrode). Denkmalorgel.

Geläut

Drei LG I: g’ (Bronze, Gj. 1958, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: b’ (Bronze, Gj. 1889, Gebrüder Radler, Hildesheim); III: d’’ (Bronze, Gj. 1924, J. J. Radler, Hildesheim).

Friedhof

Am östlichen Ortsausgang. Eigentum der KG. FKap (Bj. 1965).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1450–1544 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1271–1280; A 9 Nr. 343–347 (Visitationen Bühle); A 9 Nr. 851 (Visitationen Großenrode); B 18 Nr. 146 (Orgelsachverständiger); D 45 c (EphA Hohnstedt-Northeim).

Literatur

A: Denkmalatlas Niedersachsen; Kämmerer/Lufen, Denkmaltopographie Lkr. Northeim, S. 280 f.; Pape, Haspelmath, S. 159; Weigand, Heimat-Buch, S. 330–335.

GND

1212894472, Evangelische Kirche Sankt Oswald (Northeim-Bühle)


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim II, Nr. 631; UB Herren von Boventen, Nr. 9.
  2. UB Plesse, Nr. 174.
  3. Meyer, Pastoren I, S. 141.
  4. KABl. 2006, S. 102.
  5. KABl. 1888, S. 4.
  6. LkAH, D 45a, Gen. A Har 140.